Einzelbild herunterladen
 

MsMW Mgmeme Zeitung.

M 102. Freitag den 2. Mai 1851.

Die Nass. Allg. Zeitung n.it dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume-otionsvreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrasschatt yessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes S fl. IO kr. Inserate werden die dreisvaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Heimführung Ihrer Hoheit der Frau Her­zogin Adelheid zu Nassau.

Deutschland. Wiesbaden (DerFestball. Ständchen und Fackelzug der Mainzer Garnison. Gemeinderathssitzung). Bom Westerwald (Die Bergschule). Dillenburg (Assisenfälle). A us der Mitte des HerzogthumS (Instrumentalmusik). Vom Rhein (Zur Zollfrage). Frankfurt (Philipp Missen. Christ'S Flugschrift). Kassel (Henkels Freisprechung. Haffenpflug). Stutt­gart (Fürst Hohenlohe. DaS Sitzungslokal der zweiten Kammer. Oberfinanzrath Siegel). München (Prinz Adalbert). Dresden (Oesterr. Truppen). Berlin (Die Tscherkeffen. Die deutsche Frage. Dellbrück. Graf Arnim. Demilitârifirung der kleinen Staaten. Der Buu- deStagSgesandte. Die Reise nach London.Vier Monate auswärtiger Politik". Wien (Die schleSw. - holsteinische Frage. Mr. Bligh. Heiitzi. Der Kaiser. Erzherzog Fer­dinand. Bakunin. Graf Plessen. General Wohlgemuth an den Kaiser. Baron Koller).

Belgien. Brüssel (Der Prinz von Preußen).

Frankreich. Paris (Foucher und Baroche. Manifest des Herzogs von Valmy. Die Verfaffungsrevision).

Großbritannien. London (Ernennungen. Der Prinz von Preußen. Prinz Heinrich der Niederlande. Türkische Gäste).

Rußland. Moskau (Eine Erinnerung an den 19. März 1814).

Türkei. Konstantinopel (Die kürkischen Truppen räu­men die Donaufürstenthümer. Die ägyptische Differenz).

Neueste Nachrichten.

Die «Heimführung Ihrer «Hoheit der

Frau «Herzogin Adelheid zu Nassau

Wiesbaden, L Mai. Die Feier der Heim, führung I. H. der Frau Herzogin Adel-eio zu Nassau ist vollzogen und sind die Hohen Neuver- wählten gestern um 4'/, Uhr Nachmittags wohlbe- halten im Residenzschlosse zu Biebrich eingetroffen.

Am 28. AbendS waren Hochdieselben in Deutz angekommen, und am anderen Morgen um 8 Uhr auf dem Düsseldorfer DampfbooteJoseph Miller", daS nachträglich .von Neuwied nach Deutz beordert war, nach Neuwied abgereist. DaS Hohe Paar traf dort um P/i Uhr ein und begab sich, begrüßt von dem Fürsten zu Wied und dem Erzher- zog Stephan, der von Schaumburg aus nach Neuwied gekommen war, nach dem Schlosse des Fürsten. Am anderen Morgen fuhren die Hohen Neuvermä! lten in Begleitung deS Erzherzogs Stephan und der Fürsten zu Wied um 9 Uhr Morgens von Neuwied ab. Beim Anlangen auf nassauischem Gebiete wurde das Dampfboot mit Flaggen und Wimpeln geschmückt, und glich die Fahrt von Niederlahnstein bis hinauf nach Bieb­rich einem Triumphzuge. Alle Ortschaften, an de­nen daS Schiff mit den Hohen Reisenden vorüber­fuhr, waren festlich geschmückt, schickten Depulalio, nen auf das Schiff oder begrüßten das Hohe Für­stenpaar vom Ufer aus mit Zurufen, Freudenschüs­sen und Glockengeläute. Die vorübersegelnden Schiffe flaggten, und lösten Kanonen. Bon Oster­spai wurde der jungen Fürstin ein Lorbeerkranz und ein Gedicht auf daS Schiff gesendet, in Caub, wo daS Schiff um die festlich geschmückte Pfalz herum fuhr, kam eine Anzahl junger Mädchen auf daS Boot, um Hochderselben mit einer sinnigen Rede Blumen zu überreichen. Dasselbe geschah in St. Goarshausen. Dort nahm der Erzherzog Stephan Abschied von den Hohen Neuvermählten und verließ mit den nach dem Ufer zurückkehrenden jungen Mädchen daS Boot. Auf dem Gipfel deS Lurleyfelfens hatte sich auch eine Anzahl von Leu­ten versammelt und grüßte und winkte von oben. Ebenso feierlich wie in Caub und St. Goarshau­sen war die Bewillkommung deS Hohen PaareS in Wesel und Singen.-

Jn Rüdesheim dem ersten Orte deS Rhein­gaus hatte man besondere Sorgfalt verwendet für den Empfang recht würdig zu gestalten. AuS den fest, lich geschmückten Lokalitäten des Adam Saal wur­den die Hohen Neuvermählten mit den Klängen deS nassauischen Volksliedes begrüßt. DaS Schluß­glied dieser ununterbrochenen Kette von Feierlich'

keit bildete der Empfang deS Hohen Paares in Biebrich. Der großen Freitreppe deS Schlosses ge­genüber war eine Landungsbrücke angebracht und eine Ehrenpforte errichtet, an welche sich nach der ganzen Länge der Lindenallee am Ufer zu beiden Seiten mit grünem Laub und farbigen Bändern umwundene und mit Fahnen geschmückte Bögen an [flossen. Die vordere Facave der Ehrenpforte trug die Inschrift: Willkommen in unserer Mine. Unter der Inschrift war das vereinigte nassauische und anhallische Wappen, zu beiden Seiten derselben die Figuren des Rhein und deS Main angebracht. Die Rückseite der Ehrenpforte trug zwischen den mit Kronen geschmückten Namenszügen der Hohen Neu­vermählten die Inschrift: Heil und Segen unserm verehrten Fürstenpaar. Um 4/4 Uhr verkündeten die Kanonenschüsse der auf dem Wege nach Schier­stein postirten Geschützbatterie daS Nahen deö Dampf« dooteS. Unter Kanonendonner, Glockengeläute und tausendstimmigem Willkommen stieg der Herzog mit seiner jungen Gemahlin ans Land und wurde von den Chefs der Ministerien einer Abtheilung deS HofeS und einerDepuiation der Biebrich-MoSbacher Bürgerschaft empfangen, begrüßt und durch die Reihen der zu beiden Seiten ausgestellten Bürger nach dem Schlosse geleitet. Am Eingänge wurden die Hohen Neuvermählten von den beiden Prinzen von Hessen bewtllkommt, welche von Rumpelheim angekommen waren, um ihren Hohen Verwandten Glückwünsche abzustatten. Hierauf wurde die Frau Herzogin nach ihren Apartements im rechten Flügel deS Schlosses geleitet. Die Jnfanterieabiheilung, welche die Ehrenwache und das Spalier gebildet hatte, sowie die Geschützbatterie defilieren sodann vor der Frau Herzogin, welche an der Seite ihres Hohen Gemahls ans dem Balkon erschienen war.

Nach dem Desilicen der Truppen begaben ftch die hohen Herrschaften zum Diner, und fuhren nach aufgehobener Tafel (gegen 8 Uhr Abends) durch dir festlich geschmückten Straßen von Biebrich und MoSbach nach Wiesbaden, um Ihrer K. H. der verw. Frau Herzogin einen Besuch zu machen. Der Empfang der dem hohen Paare hier wurde, war ein ausnehmend herzlicher. Zahllose Menschen- gruppen hatten sich in der Rhein- und Wilhelms« straße, die auf das reichste und geschmackvollste be- korirt waren eingefunden, um die junge Landes­fürstin und Se. Hoheil den Herzog zu sehen und zu begrüßen.

Bei hereinbrechender Dämmerung wurden die der Wilhelmstraße gegenüber liegenden Landhäuser illuminirt, und zog die RegimentSmusik, von Fackeln­trägern umgeben, durch die Straßen und nach dem Schlosse Ihrer Hoheit der verwittweten Frau Her­zogin.

Bei der Rückkehr deS Hohen Paares, welche gegen 10 Uhr erfolgte, war die> Rhein-und Wilhelms­straße noch mit bengalischen Flammen beleuchtet und auch solche auf dem ganzen Wege bis an die eben­falls illuminirten Straßen von MoSbach und Bieb­rich angebracht.

P e u t f eh l a n d.

Wiesbaden, 29. April. Der Gemeinderath hat in seiner gestrigen Sitzung, in Berücksichtigung, daß die beabsichtigte Begrüßung Sr. Hoheit deS Herzogs und seiner Gemahlin nur dann Sinn ha­ben könne, wenn sie unmittelbar nach der Landung auf nassauischem Boden Statt finden könne, dieses aber nach dem ausgegebenen Programm, wonach die Gemeinde Biebrich-Mosbach die Empfangsfeier, lichkeit in würdiger Weise veranstaltet habe, unaus­führbar erscheine, den Beschluß gefaßt, die erwählte Deputation ihres Auftrags zu entbinden.

* Wiesbaden, 1. Mai. Wie wir so eben ver­nehmen, hat Sc. Hoheit der Herzog die Einladung zu dem von der Einwohnerschaft hiesiger Stadt auf den 4. Mai veranstalteten Festball anzunehmen ge­ruht. Die vereinigten österreichischen und preußi­schen Musikchöre der Mainzer Besatzung werden heute Abend dem Hohen Fürstenpaare eine Abend- musik, verbunden mit einem militärischen, von einer Schwadron österr. Dragoner gebildeten Fackelzug darbringen.

Von den Vorhöhen des WesterwaldeS, Ende April. Wenn wir Nassauer auch bei unsern gegenwärtigen Verhältnissen keine höhere Bergschule errichten können und wir daher wünschen müssen, daß unsern höheren Bergbeamten ihre Bildung jen­seits unserer Grenzen in den ersten Anstalten und Hochschulen deS Bergwesens sich auch fernerhin holen, so können wir doch nicht von der Ansicht ab­lassen, daß in unserm Herzogthum eine Schule zur Bildung deS niederen Bergpersonals errichtet wer­den muß. In allen Gewerben und volkSw rtbfchaft« lichen Thätigkeiten macht sich daS Bedürfniß einer lieferen, umfassenderen Bildung geltend und im Bergwesen gewiß nicht am letzten, bei welchem man noch besonders auf die sittliche Nothwendigkeit einer geistigen Kräftigung durch wissenschaftliche Beschäf­tigung hingewiesen hat. Am leichtesten und zweck­mäßigsten würde sich aber gewiß eine solche niedere Bergschule in dem in der Mitte deS HerzogthumS gelegenen Holzappel einrichien lassen, wo mannich- faltige, interessante Verhältnisse des Bergbau'S vor­kommen, Bergwerke aller Art in der Nachbarschaft leicht zu erreichen, und wo auch die Preise der Le- bensbedürfniße nicht ^zu theuer zu nennen sind. Die Hauptsache aber ist, daß die Bergzöglinge hier zu, gleich einen angemessenen Lohn für ihre praktischen Uebungen finden können. Wenn sie den halben Tag in den Gruben arbeiten, können sie sich einen bescheidenen Lebensunterhalt gewinnen um die an­dere Hälfte des TageS in der Bergschule unterrich­tet und gebildet zu werden. An keinem andern Orte deS HerzogthumS finden sich in dieser Bezie­hung so günstige Verhältnisse und Aussichten. Wenn man die Zöglinge ins Auge faßt, welche eine nie­dere Bergschule besuchen müssen, so wird man die­sen Umstand nicht hoch genug anschlagen können. ! Sicherem Vernehmen nach ist der Erzherzog Ste­phan, sowie die Stadt Holzappel geneigt, ein solches i Institut auf alle Weise zu fördern. Tüchtige Lehr­kräfte sind schon bereits in Holzappel vorhanden und könnten mit geringen Kosten vermehrt werben. Wie gern würden junge Lehrer, welche sich der Na­turwissenschaften auS innerem Berufe gewidmet, an einer solchen Schule wirken. Höher gebildete junge Männer würden noch häufiger als bisher einen praktischen Kursus in Holzappel machen, wenn durch eine Bergschule ein höheres geistiges Leben über­haupt erweckt würde. Wir würden eS gewiß mit Freuden begrüßen, wenn in Dillenburg eine Berg­akademie zur Ehre Nassau's und Deutschland zum Nutzen in nicht allzuferncr Zeit errichtet würde, Holzappel aber halten wir für den geeignetsten Ort zu einer Bilbungsschule der Steiger 2C. Die Ver­hältnisse sind so, daß bei einigem guten Willen der Wunsch vieler Freunde deS Bergwesens leicht ver­wirklicht werden kann.

5 Dillenburg, 28. April. Heute wurden die Assisen deS hiesigen HofgerichtS mit der Verhand­lung gegen Karl Martin von Eisemroth, Justiz« amt Herborn, wegen Diebstahls eröffnet. Die übri­gen zur Verhandlung kommenden Anklagen sind -folgende:

2) den 29. April: Johannes Gotthardt von Fussingen, JustizamtS Hadamar, wegen Falsch­münzen und Münzfälschung.

3) Den 30. April, Vormittags: Franz Hein­rich Jun g von Hof, JustizamtS Marienberg, wegen Nothzucht.

4) Den 30. April, NachmitagS: Franz All­mann von Sessenbach, Justizamts SellerS, wegen Schriftfälschung.

5) Den 1. Mai: Philipp Heinrich S.chnei- D e r von Steinbach, JustizamtS Dillenburg, wegen Schriftfälschung.

6) Den 2. und 3. Mai: Peter Stein und Friedrich Stein von Schupbach wegen Schriftfäi- schung, Betrugs und Meineid.

7) Den 5. Mair a) Johs Bras von Stockum, b) Martin Henrich von Dreisdach, c) Christian Krämer von Höhn und d) Gottfried Deller von Hinterkirchen, JustizamtS Marienberg, wegen Mein­es, so wie Ludwig Neeb von Marienberg, wegen Anstiftung zu Meineid.

8) Den 6. Mai: Joh. Wilhelm Scholl von Alleudorf, JustizamtS Dillenburg, wegen Meineid.

9) Den 7. Mai: Johannes Dick von Win­kels, JustizamtS Weilburg, wegen TodtschlagS.