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Aus Baiern, 23. April. Ueber den Stand der baierisch-griechischen Erbfolge-Angelegenheit er« halten wir durch dieAllg. Ztg." auS der Feder eines berühmten Münchener Philhellenen folgende Andeutungen:Man begreift den tiefen Beweg« gründ der Reife und der längeren Abwesenheit deâ Königs Otto. Kann er mit Freudigkeit und mir Vertrauen auf die Zukunft zurückkehren, ohne der harrenden Nation zu verkündigen, daß die Frage ihrer Zukunft glücklich gelöst fei? Er ist dabei, wie man schon weiß und in öffentlichen Blättern satt- fam verkündigt hat, auf Schwierigkeiten gestoßen, die nicht in den Personen, sondern in den Staaten liegen. Denn die drei königlichen Brüder sind gleich ihrem erlauchten Vater mit Wohlwollen für Griechenland erfüllt, dazu sind sie durch innige Liebe miteinander verbunden, erkennen die Wichtigkeit des hier vorliegenden Problems und wünschen, wie natürlich, eine befriedigende Lösuug desselben in irgend einer Weise herbeijuführen. Indeß der nächste Thronerbe nach König Otto ist bezüglich der Konfession seiner Kinder durch den Ehekontrakt gebunden, welcher bestimmt, daß dieselben in dem Glauben der römisch-katholischen Kirche sollen erzo­gen werden. Ueber diese Bestimmung ist, wie die Sachen stehen, nicht hinwegzukommen und dadurch die Möglichkeit aufgehoben, einen von den beiden Söhnen des Prinzen Luitpold zum eventuellen Nach­folger deS Königs Otto zu bestimmen. Der jüngste Bruder, Prinz Adalbert, ist noch unvermählt; auf ihm also ruht die letzte Hoffnung, da cS wohl kei­nem Bedenken unterliegen würde, bei dieser Lage der Dinge die Rechte seines älteren Bruders auf den griechischen Thron auf ihn oder seine eventuellen Nachkommen zu übertragen. Dadurch gewinnt Alles, waS auf ihn, auf feine künftige Vermählung sich bezieht, an Wichtigkeit und politischer Bedeu­tung, und eS ist bekannt, wie man seine neuliche Reise nach dem südlichen Tvrol mit derselben und den Zwecken der griechischen Erbfolge in Verbindung gebracht hat. Mögen die Hoffnungen der Dynastie und deS Volkes sich in der dadurch bezeichneten Weise realisiren und auS der Ehe des jüngstgebo- renen SohneS König Ludwigs im Falle die Kinder­losigkeit deS griechischen Monarchen dauernd wäre, der Erbe geboren werden, der, in der Kirche des Orients getauft und erzogen, den Thron des ehe­dem so ruhmreichen und wieder zu größerem Ge­schicke berufenen Landes besteigen und seine Wünsche realisiren könnte".

München, 22. April. Noch glaubt man nicht, daß die auf nächsten Samstag anberaumte Abreise König Otto'S wirklich stattfinde.

Aus Thüringen, 24. April. In unfern Re­gierungskrisen spricht man mit Bestimmtheit da, von, daß die Dresdener Konferenzen in den ersten Tagen deS Monats Mai geschloffen werden, und daß die.Unterhandlungen zwischen Oesterreich und Preußen bereits so weit gediehen, daß, so ziemlich auf den Grund der Vorschläge der Kommissionen, gemeinsame Propositionen von beiden Mächten vor die Bundesversammlung gebracht werden dürften.

Dresden, 23. April. Der HandlungSdiener Friedrich Rehfeld auS Wurzen, wegen Betheiligung am Maiaufruhr vom Kriminalamte zu Leipzig zu acht Jahren Zuchthaus ersten Grades verurtheilt, dann zu einem Jahre LandeSgefängniß begnadig«, ist jetzt vollständig begnadigt worden. Rehfeld soll dem Besitzer eines Dresdener Hotels das Leben ge­rettet haben, im Momente, wo dessei« Leben durch die Zuzüger bedroht war. Student Leschke aus Leipzig, wegen persönlicher Betheiligung am Mai­kampfe zu lebenslänglichem Zuchthause verurtheilt, wurde nach Publikation deS Urtels geisteskrank und in daS Krankenhaus im Georgenhospital gebracht. In zweiter Instanz wurde derselbe wegen Unzurech­nungsfähigkeit freigesprochen. Oberlieutenant Müller hat eine Reise durch die Schweiz und Frank­reich augetreten. DaS Paßvisum nach England, land, welches er ebenfalls für seine Reise verlangte, -wurde ihm versagt.

Berlin, 23. April. Man stell« von verschie­denen Seiten die Vermuthung auf, daß Fürst Schwarzenberg allerlei kleine Schwierigkeiten zu fin« :ben wissen werde, um Preußen den Eintritt in die Bundesversammlung möglichst unangenehm zu Ma­tchen. ES mag dahingestellt bleiben, in wie weit «diese Vermuthung gerechtfertigt werden wird. Wir können ganz bestimmt erklären, daß die Beschickung beS Bundestags durch Preußen oder vielmehr die österreichische Zustimmung dazu an keinerlei Be- Idingungen geknüpft worden ist und der Natur der Sache nach auch nicht geknüpft werden konnte. 'Wenn einige Zeitungen von einem Vorsitz deS Hrn. DönnigeS bei Abwesenheit des Grafen Thun in der Bundesversammlung sprechen, so beruht dieß auf ihrer Unkunde von Dem, was Rechtens in dem Ge- . fchâftSgange der Bundesversammlung ist.

Vor einigen Tagen begab sich eine Deputation der hiesigen Kommunallehrer zum Unterrichtsmini­ster, mit der Bitte, dahin wirken zu wollen, daß dem Lehrerstande die Befreiung von den verschieden­

artigen Steuern noch so langt verbleibe, bis daS Unterrichtsgesetz? durch welches über einauskömm­liches" Gehalt Näheres bestimmt werden solle, er­schienen sei. Der Herr Minister erklärte, daß er in der Steuerangelegenheit seinerseits nichts thun könne; was aber die Gehaltsverbesserung sehr ungünstig gestellter Lehrer betreffe, so werde er sich dieser Sache mit aller Sorge annehmen.

Der 5. Mai wird jetzt als die Periode der Zusammenkunft in Frankfurt bezeichnet, von welchem Tage an die Reaktion frische Hoffnung für die Er­füllung ihrer Plane schöpfen wird.

Durch die Bemerkung in der gestrigen Num­mer der Kreuzzeitung über eine Aenderung in den österreichischen Planen für den Gesammteintrilt ist die Ansicht in Umlauf gebracht, daß Oesterreich auf dem Eintritte seiner Provinzen in den Bund nicht bestehen wolle, sondern gedenke, ihre Aufnahme in den Zollverein und die Erhöhung des Zolltarifs zu erreichen. Ich glaube, versichern zu können, daß diese Ansicht falsch ist und daß die Bemerkung in der Kreuzzeitung vielmehr sich auf die Absicht der österreichischen Regierung bezieht, den Eintritt der italienischen Provinzen fallen zu lassen, um die Opposition von Frankreich und England zu beseiti­gen. ES ist möglich, daß die Sendung deS franzö­sischen Obersten Le Callier nach den deutschen, fen von Einfluß gewesen ist. Dieser Offizier, der sich gegenwärtig hier befindet, war von Paris nach Wien und Berlin gesandt, um durch Privatunter­redungen den militärischen Beweggründen deS fran­zösischen Widerstandes Geltung zu verschaffen.

Die Reise deS Prinzen und der Prinzessin von Preuße«« nach London, um der Eröffnung der Aus­stellung beizuwohnen, hat einen sehr unangenehmen Eindruck am Hofe und in der Kamarilla gemacht. Es wird gefürchtet, daß daS Land der konstitutionel­len Freiheit in einem so großartigen Momente mehr Eindruck auf die Gemüther deS königl. PaareS ma­chen wird, als der regierenden Partei wünschenS- werth sein kann (!) Viele Räubergeschichten über die Flüchtlinge sind auS diesem Grunde in die Presse gebracht worden , und eS scheint auch mög­lich, daß die Lüge über Bunsen theilweise auS der­selben Absicht entsprang. Hinsichtlich dieser Lüge kann ich Ihnen melden, daß Briefe deS Gesandten in Berlin angekommen sind, in welchen er in der entschiedensten Weise in Abrede stellt, daß irgend ein Vorfall ihr zu Grunde liegen könne. Noch ein Wort über die Bemühungen, den Chevalier Bunsen auS seiner Stellung zu vertreiben. Die Clique hier hat eine sieben Jahre alte Sache wie­der zum Vorschein gebracht, die als Werkzeug dienen soll. Man erzählt sich mit großem Eifer, daß der Sohn deS Gesandten vor so und so viel Jahren als Hauslehrer in dem Haufe des Herzogs von Sutherland wohnte und den jungen Grafen Stafford erzog. Diese Thatsache kann nicht in Ab- rede gestellt werden. Damals aber erfreute sie sich der allerhöchsten Genehmigung.

Herr von Bismark scheint, wie die ,Sonft. Z." schreibt, keine Aussichten zu haben, Preußen auf den« reftaurirten Bundestage zu vertreten. Ernannt ist er keinesfalls bereits, sonst würde die Neue Pr. Ztg. ihre Befriedigung nicht in der verschwiegenen Brust tragen, aber er wird auch nicht ernannt, sonst dürfte baö C.-Bl. nicht höchst despektirlich schreiben:Wenn die heutigen Blatter den Namen eines bekannten Abgeordneten der rechten Seite für diese Stellung nennen, so darf man daS wohl nur als einen Scherz betrachten".

Der zum Generalkonsul und Ministerresidenten in Mittel-Amerika ernannte Geh. Finanzrath Hesse nimmt, wie ebenfalls dasC.-B." meldet, auch ge­messene Instruktionen mit, das Interesse der deut, scheu Auswanderung wahrzunehmen. Die Erfor­schung der geographischen, ethnographischen und statistischen Verhältnisse, der Post« und Handelsver­bindungen, der staatliche«« Zustände und der Absatz­quellen für deutsche Gewerbserzeugnisse k. ist gleich­falls als seine besondere Aufgabe hingestellt. Wie wir hören, wird Herr Hesse übrigens schoi« gegen Ende deS MonatS sich auf seinen Posten begeben.

Dem Paßkartenvertrage ist jetzt auch die wür- tembergische Regierung beigetreten.

Hamburg, 22. April. (Hamb.. Corr.) Mit dem Frühzuge ist eine Abtheilung deS 1. und 2. Bataillons deS 8. königl. preußischen LeibregimentS von Rendsburg hier angelangt und mit dem Nach­mittagszuge der Berliner Bahi« nach Wittenberge gegangen, um morgen über Berlin nach Frank- furt a. d. O. zu gehen, von wo sie mit Ersatz- mannschaften nach Rendsburg zurückkehren wird. Der ehemalige General en chef der schleswig-hol­steinische«« Armee, Freiherr v. d. Horst, ist von Rendsburg hier eingetroffen.

Rendsburg, 22. April. Die Grenzkommiffäre sind sämmtlich wieder hier und haben auch wieder Exkursionen in die nördliche Umgegend von RendS, burg gemacht, wonach zu schließen, daß selbige in der Grenzbestimmung noch nicht zu einem Endresul­tat gekommen sein dürften. Alles vom Zurückziehen der Däne«« ic., wovon man hier und an anderen Orten im Lande spricht, entbehrt wohl sehr der Be­

gründung. Im Gegensatz zu jener Erwartung hat vielmehr der preußische Kommandant den Dänen freien Eingang in Altstadt und Neuwerk Rendsburgs gewâhrt. Während der Kommandantschaft deS hier allgemein sehr geachteten und beliebten österreichischen General- v. Signorini genossen sie bekanntlich nicht solcher Gunstbezeugung. Man erzählt sich viel von KriegSrüstungen und Schanzarbeiten der Dä­nen, die im SchleSwig'schen stattfinden.

B e l g i e n.

Brüssel, 23. April. Der König wird die Lon­doner Ausstellung besuchen; die Zeit seiner Abreise ist jedoch noch nicht festgesetzt und man glaubt, daß er sich nicht vor Ende Mai oder Anfang- Juni hinbegeben werde.

Frankreich.

Paris, 22. April. Ein Organ der Ordnung-, Partei hebt hervor, daß nach den Provinzialblättern bei mehreren an verschiedenen Orten stattgehabten Gemeinderathwahlen die sozialistischen Kandidaten mit starken Majoritäten unterlegen find. Der Mini­ster der öffentlichen Bauten, Magne, wird im Mai die Arbeiten der Eisenbahnen nach Straßburg, Lyon und Bordeaux prüfend besichtigen. Alle Reprä­sentanten von der Majorität, welche sich in ihren Departements befinden, sind durch den Telegraphen eingeladen worden, übermorgen, wo die Sitzungen wieder beginnen, dahier auf ihrem Posten zu sein. Die Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften hat zwei Mitglieder ihrer ökonomisch­politischen Abtheilung, Blanqui und Michel Che­valier, mit prüfender Besichtigung der Londoner Ausstellung und Berichterstattung über dieselbe bc- arlftragt. L. Napoleon hat, demAkhbar" zu­folge, etwa 50 TranSportirte der KaSbah von Bona begnadigt. Nach einem ausführlichen Berichte imConstitutionnel" haben unsere Truppen bei dem Gefecht mit den Kabylen unter dem Derwische Bou Baghia keineStvegS eine Schlappe erlitten, sondern vielmehr den Feind auS feinen starken Stellungen mit sehr großem Verluste vertrieben und zu so eili­ger Flucht genöthigt, daß er seine Todten zurück­ließ. Unsere Truppen zählten 10 Todte und 36 Verwundete. Rach den neuesten Berichten auS New-Iork war die Jcarierkolonie Cabet'S zu Nau- voo in vollster Auflösung begriffen.

Paris, 23. April. (K. Z.) Die Legitimisten empfehlen im Departement des Landes Guizot'S Kandivatur; der Kandidat deS Ekysee ist Duclere, und die Republikaner wollen keinen Kanvidatty aufstellen. Die Freunde der Verfassung verbrei­ten Petitionen gegen das Wahlgesetz vom 3l.Mai Umfassende militärische Vorsichtsmaßregeln wer­den für die Feier deS 4. Mai vorbereitet. Nach einem Gerüchte würde General Regnault den Ge­neral Perrot als Oberbefehlshaber der Pariser Na­tionalgarde ersetzen. Das LinienschiffHenri Quatre" ist von Brest nach Lissabon abgesegelt. Der neuesten telegraphischen Depesche zufolge wäre Sal­danha nach Spaniel« geflüchtet.

Der ungarische General Dembinski ist seit sei­ner Anwesenheit in Paris fortwährend Gegenstand der verschiedenartigsten Huldigungen. Als be­stimmt wird versichert, daß schon in nächster Woche Hr. Baroche aus dem auswärtigen Amte auSfchei- den und wahrscheinlich das Portefeuille der öffent­lichen Arbeite«« übernehme«« wird. Als fein Nach­folger wird ein einflußreicher, übrigens gemäßigter Legitimist genannt, der schon unter Ludwig Philipp dieses Amt bekleidete und in diesem Augenblick mit Guizot und Duchatel an der Spitze der Fusionisten steht. -

Paris, 24. April. (Tel. Dep. d. Köln. Z.) Zu der heutigen Sitzung^ der Nationalversammlung hatten sich die Repräsentanten zahlreich eingefunden. Die Anträge Pascal Duprat'S und Baze'S wegen deS öffentlichen Journal-Verkaufs veranlaßten eine lebhahafte Diskussion. DaS Ministerium war gegen den Antrag Duprat, und eher geneigt, aufBaze'S gänzliches Verbot deS Journal-Verkaufs in den Straßen einzugehen. Duprat'S Antrag wurde mit 400 gegen 226 Stimmen verworfen, jener von Baze soll in Erwägung gezogen werden. Dann beschäftigte man sich mit der Debatte über die West,Eisenbahn. Cremieur forderte die Vertagung derselben; die Ver­sammlung beschloß die zweite Lesung.

Großbritannien.

London, 19. April. Eine Edinburger Buch. Handlung, Adam und Charles Black, hat daS Ver­lagsrecht für Walter Scotts Werke von den Erben deS früheren Verlegers in öffentlicher Auktion ge­kauft. Sie haben dafür 27,000 L. bezahlt.

AuS Indien erfahren wir, daß der Gesandte deS Königs von Nipal, Jung Budahur, kaum in