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MgcmM Zeilung.

NS Montag den 21 April 18S1

Uebersicht.

Die Vermählung Sr. Hoheit des Herzogs. Deutschland. Karlsruhe (Staatsrath Bekk). Kassel (Die Garde-du-Cvrpskaserne. Die Aussteuer der Herzogin von Gotha). Bonn (Prinz Friedrich). Hannover (Unruhen in London befürchtet). Berlin (Das Gesetz über die Ministerverantwortlichkeit. Die Vollmacht für Peucker und Thümen. v. Pechlin. Deinhardstcin. Temme. Bürgermeister Ziegler. Die vsterr. Antwortnote). Kiel (Die Grânzregulirungskommission. Protest des Generals V. d. Horst. DieWeser-Ztg" verboten). Schleswig- Holstein (v. Pechlins Sendung). Wien (Ernennung der Reichsräthe. Schulkommission. Bundesmilitärverfas- snng. Die Deputation der ungarischen Damen. Das Statut über den Reichsrath).

Kroatien. Agram (Der bosnische Aufstand).

Belgien. Brüssel (Die Wittwe Ludwig Philipps). Frankreich. Paris (Der Herzog von Levis. Der Protest über den Gesammteintritt. Narvaez. Repressalie gegen Belgien. Die Gesellschaft vom 19. Dezember. Vermischtes). Großbritannien. London (Der Kaffernkrieg. Die In­dustrieausstellung).

Türkei. Smyrna (Dse bosnischen Gefangenen).

Neueste Nachrichten.

Die Vermählung Sr. Hoheit des Herzogs.

* Wiesbaden, 21. April. Die Vermählung

I Sr. Hoheit unseres Herzogs mit der Prinzessin I Adelaide von Anhalt-Dessau wird, wie schon ge- ; I meldet, am 23. d. M. in Dessau vollzogen werden. ^Die lebhafte und herzliche Theilnahme, mit welcher tzdaS ganze Land dieses freudige Ereigniß begrüßt, Hvird ihren Ausdruck in einer Reihe von Festlich- < Leiten finden, deren Schilderung wir hiemit aus zu- g Verlässigster Quelle bringen.

; 1 Die Stadt Wiesbaden hat den ehrenvollen Be- I «f, die Honneurs des Landes zu machen. Am f UcrmählungStage erscheint in Dessau eine Deputa­ten des Gemeinderathes , bestehend aus dem Bür- '§ gHmeister Fischer und den Gemeinderäthen Aug. I ellenb erg und Haas um dem Hohen Paare g intzNamen der Stadt Glückwünsche darzubringen. * AP diese Deputation schließt sich eine weitere De- I Quintton bestehend auS den hiesigen Bürgern Dr. I Lad e, Oeffner und Z 0 llmann an, welche eine I mit 1520 Unterschriften bedeckte, geschmackvoll und I reich ausgestattete Glückwunschadresse der Wiesba­dener Bürgerschaft überreichen wird. In WieS- I baden wird der Morgen des VermählungStageö * mit Glockengeläute und Kanonendonner verkündigt; ; auf allen öffentlichen Gebäuden werden zum Zeichen ? des Festes Fahnen aufgesteckt; deö Abend 572 Uhr wird lm Gasthof zum Adler ein großes Festdiner veranstaltet. Da die Trauung zu Dessau deS Abends

7 Uhr stattfindet, so erwarten die fröhlichen Gäste die Nachricht von deren Vollziehung, welche durch den Telegraphen in 20 Minuten hierher gelangen kann, mit Jubel wird sie begrüßt werden und 101 Kanonenschüsse werden der Stadt daS glückliche Ereigniß verkünden.

Am 29. d. M. treffen die hohen Neuvermähl­ten von Neuwied mit dem Dampfschiff in Biebrich ein, werden an der bei der Landungsbrücke errich­teten Ehrenpforte feierlich empfangen und nach dem Schlosse geleitet. Nach der Mittagstafel wird. das Hohe Paar Ihrer königl. Hoheit der verwittweten Frau Herzogin hier einen Besuch abstatten. Die Rhein- und Wilhelmsstraße, durch welche sie passi- ren, werden festlich dekorirt und bei der Rückkehr der Hohen Herrschaften mit bengalischem Feuer er­leuchtet sein. Am Abend desselben TageS wird dem Hohen Neuvermählten in Biebrich ein Fackelzug ge­bracht. Die folgende Tage füllt eine Reihe von Festlichkeiten. Große Cour und Galladiner bei Hofe, großer Hofball, Festoper, Ball bei Ihrer königl. Hoheit der verwittweten Frau Herzogin und am 4. Mai der Festball, welchen die Stadt Wies­baden zu Ehren des Hohen PaareS veranstaltet. Zu diesem Ball werden daS diplomatische Korps in Frankfurt, die Generalität und daS Offizierkorps in Mainz, die hier wohnenden Fremden und die Notabilitäten aus dem Rheingau geladen. Der Ball wird von mehr als 2000 Personen besucht sein und im großen Kursaal und dessen sämmtlichen Nebenlokalitäten abgehalten. Diese Räume werden auf daS festlichste geschmückt und beleuchtet. Die äußere Fa^ade deS Kursaals und der Kolonaden­

platz werden mit farbigen Lampen und Ballons, die Rhein- und WilhelmSstraße mit Pechfackeln beleuch­tet. Beim Anlangen des Hohen Paares treten am Eingang der mit Blumen reich verzierten Vorhalle acht junge Damen der jungen Frau Herzogin zum Empfang entgegen, eine derselben überreicht ein Blumenbouquet und ein sinnig abgefaßteS Gedicht. Hierauf wird das Hohe Paar mit seinem Gefolge durch ein Spalier junger, mit den Dessauer Landes­farben (grün und weiß) geschmückter Damen zu dem auf der oberen Estrade des Saals errichteten, zum Aufenthalt für die Hohen Herrschaften während des Balls bestimmten Blumenzelt geleitet.

Der ganze Kursaal ist mit Blumen und Fah­nen reich geschmückt, und daS Blumenzelt bildet gleichsam den Mittelpunkt der ganzen festlichen De­koration. Dasselbe wird 35 Fuß hoch, die Spitze bildet eine Krone von Rosen, von welcher lauter Blumenguirlanden, die Wände bildend, bis zur Erde niederhängen. Auf der Rückwand deS ZelteS sind die Namenszüge deS hohen Fürstenpaares ange­bracht. Der Boden ist mit einem reichen Teppiche belegt, ein Kronleuchter und 6 Kandelaber mit Wachskerzen beleuchten das Innere deS Zeltes. Beim Eintritt in dasselbe wird Ihre Hoheit die Frau Herzogin abermals von acht jungen Damen begrüßt, deren eine daS Wort führt und mit einem passenden Gedichte das Huldigungsgeschenk der neuen Landeöfürstin darbringt. DaS HuldigungSgeschenk ist bestimmt, der jungen Fürstin die Hauptprodukte des Landes in eleganter Weise vor daS Auge zu führen. Es bilvet eine Art Etagere; auf dem un­teren Sockel ist als Hindeutung auf unseren Wein­bau eine mit Silberdraht umflochtene Rheinwein­flasche angebracht, den Pfropfen ziert ein in Elfen­bein geschnitzter Bacchus ; als Repräsentant unserer Mineralwässer ein Selterserwasserkrug mit einem Golonetz umsponnen, mit einer Elfenbeinfigur der Hygieia auf dem Propfen; als Erinnerung an die bedeutende Thonindustrie eine Bierkanne auS Thon mit einem silbernen Deckel, auf welchem sich die ächt nationale Figur eines nassauischen Krugbäckers befindet. Der zweite Absatz der Etagere.bildet eine Platte inländischen Marmors, auf welcher eine sehr reiche Auswahl unserer Erze und Gesteine. Ueber dieser Platte erheben sich sechs Arme von Elfenbein mit Krystallschaalen, worin verschiedene landwirth- schaftliche Produkte, wie nassauische Seide, Flachs, Hanf, Früchte aller Art in Wachs nachgebildet. Die Spitze bildet eine geschmackvolle Vase mit Blu, men und Aehren, die zierlich und leicht über den Rand niederhängen. Das Ganze ist von Epheu und anderen Schlingpflanzen umrankt. Der Ball selbst wird vom Kapellmeister Schindelmeisser eigens zu diesem festlichen Zweck komponirten Fackeltanz eröffnet, zwei Musikchöre auf den Gallerien des großen Saals wechseln mit einander ab und alles wird aufgeboten werden, ein großartiges, aber auch heiteres Fest zu bereiten.

Deutschland.

Karlsruhe, 17. April. Dem Vernehmen nach steht die Reactivirung des StaatSraths Bekk am Oberhofgericht nahe bevor.

Kassel, 11. April. Eine Lieblingsidee des Kurfürsten, daß nämlich derselbe Maurergeselle, welcher am 10. April 1848 vor der Garde-du-Corps- Caserne die gleichlautende Inschrift abgerissen hatte, solche wieder Herstellen solle, hat nicht in Ausführung gebracht werden können. Zwar ist nach langem Suchen der Verruchte ermittelt worden, allein der Frevler lag schon verschiedene Wochen begraben.

Bekanntlich ist längere Zeit wegen Rückzahlung der Mitgift der verstorbenen Herzogin von Gotha, welche eine hessische Prinzessin war, verhandelt wor­den. Wie ich höre, steht jetzt die Erledigung dieser Sache bevor. Herr Volmar, der neue Finanzmini­ster, hat sich bereit finden lassen, die beträchtliche Summe (100,000 Thlr.) nicht der Staatskasse, sondern der Hofkasse des Kurfürsten zuzuwenden. Im Publikum bringt man damit die neuliche De- korirung des Herrn Volmar mit dem Löwenorden in Verbindung. Indessen lassen sich beide Vorgänge auch unabhängig von einander denken und er­klären !

Bonn, 18. April. Neuesten Nachrichten aus Berlin zufolge wird der Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, welcher an hiesiger Universität feinen Studien obliegt, dieses Sommersemester zu wissen­schaftlichen Reisen benutzen und den nächsten Winter wieder an den Vorlesungen Theil nehmen. Eng­

land, Holland, Belgien, Frankreich dürften dem hohen Touristen wohl zunächst zum Reiseziel dienen.

Hannover, 17. April. DieN. S. Z." be­merkt heute: Verschiedene Blätter, namentlich auch die hiesigen demokratischen und dieWeserzeitung" bemühen sich, unsere neuliche Notiz über die zu­nehmende Besorgniß in London in Betreff befürch­teter Unruhen während der Industrieausstellung als Mährchen varzustellen. Wir müssen jedoch lediglich wiederholen, daß unsere Mittheilungen auS der be­sten Quelle herrührten, und können heute noch Hin- zufügen, daß Prinz Albert den Prinzen von Preu­ßen, der bekanntlich früher von ihm eingeladen ist, dahin zu bestimmen gedenkt, dieser Einladung nicht nachzukommen, weil er sonst gegen die Ansicht und den ausdrücklichen Rath deS englischen Ministeriums in London zu verbleiben gezwungen wäre.

Berlin, 17. April. Für die Verwerfung des Gesetzes, die Ministekverantworllichkeit betr. gibt man verschiedene Gründe an. ES hätte nur eines Wört­chens von den Ministerbänken bedurft, daß man fein eigen Gesetz nicht ganz gleichgültig wolle fallen lassen, so wäre die schwache Majorität von 13 Stimmen, welche dekretirt, daß Preußens Minister nicht verantwortlich sein sollen, in die Minorität gesunken. Möglich, Andere halten eS für wahr­scheinlich, daß ein Wink von höchster Stelle gefal­len ist. Darauf deutet der unerwartete Protest, eingereicht durch Arnim^Boitzenburg in der zweiten Kammer, gegen den Ordnungsruf, den der Präsi­dent der Kammer gegen den Ministerpräsidenten verhängt. Der Ministerpräsident, der erste Diener des Königs, auSgesetzt der Rüge eines Vorstehers der Volkskammer, und Verantwortlichkeit vor dem Gesetz, und Anklage durch eine Kammer von Volks­vertretern! mag in gewissen Regionen plötzlich als ein Attentat gegen die Majestät des Thrones er­schienen sein. Darum müsse daS Prinzipcoute qui coute unter den parlamentarischen Akten ver­graben werden. Es gibt indeß noch eine andere Auslegung. George v. Vincke habe vertraulich ge­äußert: wenn daS Gesetz durchgeht, lege ich in acht Tagen eine Ministeranklage auf den Tisch. Dies habe einen so panischen Schrecken unter einigen Anhängern des Gesetzes verbreitet, daß sie lieber ihr Votum, ihre Neberlegung und das Gesetz fallen ließen, als die Minister.

Noch immer unausgcklârt ist es, durch welche Vorgänge veranlaßt Hr. v. Manteuffel sich berech­tigt gehalten habe, den preußischen Kommissaren in Hessen und Holstein, den Generalen v. Peucker und v. Thümen, Vollmachten einzuhändigen, aus­gestellt für Preußen und dessen Verbündete, während die Verbündeten Preußens theils in diesen Kommis­sionen ihre Zustimmung nicht gegeben, theils ganz versagt hätten. Es ist bekannt, wie Hr. v. Vincke am 9. d. M. über diesen Punkt den Ministerprä­sidenten vergeblich um Auskunft ersuchte, und wie, als TagS darauf Hr. Befeler die Frage wiederholte, Hr. v. Manteuffel sich begnügte zu erwidern:Der Abgeordnete für Mansfeld hat mich daran erinnert, daß ich dem Abgeordneten für Aachen auf die mir vorgelegten Fragen nicht geantwortet habe. Ich habe das absichtlich nicht gethan , werde es auch in diesem Augenblicke nicht thun". Dieses Stillschwei­gen auf eine so ernste Frage, daS auch höchsten Orts sofort sehr mißfällig soll bemerkt sein, ist seit­dem noch nicht gebrochen worden und erregt fort­während unter den sonstigen Freunden des Mini­steriums und in diplomatischen Kreisen insbesondere bedenkliches Kopfschütteln. Zu irgend einer Auf­klärung in dieser, wie eS scheint, nicht nur delikaten, sondern auch höchst fatalen Angelegenheit muß es kommen.

Von dem Könige von Dänemark ist, wie daS C.-B. meldet /auf Grund der durch die allgemeine Beschickung deS Bundestages herbeigeführten Ver­hältnisse Baron v. Pechlin zum jenseitigen BundeS- tagSgefandten ernannt worden. Der hier anwe­sende Wiener Dichter Deinhardhein, österreichischer Regierungsrath, war vor einigen Tagen zur königl. Tafel befohlen und empfing auS den Händen Sr. Majestät des Königs die Insignien deS rothen Ad- lerordenS. Der ehemalige Abgeordnete Temme, welcher die Redaktion derNeuen Oder-Zcituna" übernehmen soll, ist am 12. in Berlin eingetroffen und am 13. nach Breslau weiter gereist. Wie die Neue Pr. Ztg. mittheilt, hat die Regierung zu PotSdam dem ehemaligen Oberbürgermeister Zieg­ler in Brandenburg, dessen Gefängnißhast auf der Citadelle von Magdeburg bekanntlich binnen kur­zem zu Ende läuft, die Wiedernicderlaffung in Brandenburg verboten.