aber Hannover ist immer seinen eigenen Weg gegangen und dürfte eS am wenigsten jetzt rathsam erachten, Preußens Regierung auf dem schmalen und abschüssigen Pfade ihrer wechselreichen Politik zu folgen.
Der *** Korr, der „Köln. Ztg." schreibt: Wenn ein Abendblatt (die N. Pr. 3.) versichert, die österreichische Note sei eine der freundlichsten, so stimmt dies mit allen Anzeichen überein, welche dahin gehen, daß Oesterreich Zeit gewinnen will. Man schien hier in letzterer Zeit den RefuS der preuß. Vorschläge fast als eine ausgemachte Sache angenommen, ich möchte wohl sagen: gewünscht zu haben. Indem Oesterreich sie nicht geradezu zurückwris't, die Rückkehr zum Bundestage aber zu diskutiren unternimmt, kann es mit aller Freundlichkeit doch nicht ganz befriedigen. Die Note soll schon vor dem 10. d. M. eingetroffen sein, und wenn die Rückkehr zum Bundestage in planer Weise damit zugegeben wäre, wir hätten eS gewiß bald erfahren. Dem Gerüchte, daß Oesterreich Wien als den Sitz deS Bundestages vorschlagen ließ, wollten wir neulich keinen Glauben schenken. Dasselbe wiederholt sich, wenn der Wunsch auch in einer anderen vertraulichen Depesche ausgesprochen sein mag. Preußen soll den Gegenvorschlag machen, daß man zwischen Berlin und Wien alternire. Frankfurt wäre in strategischer .Weise nicht mehr beliebt. DaS „Journal de Fracfort" bestätigt nun seinerseits, daß über die Exekutive noch immer unterhandelt wird. Ich sagte Ihnen, die Hauptsache sei im preußischen Vorschläge, daß zwei Stimmen den beiden Mächten zugewiesen würden in einer sünsstimmigen oder dreistimmigen Exekutive. DaS „Journal de Francfort" nennt eine dreistimmige. Demselben Blatte zufolge wäre man mit dem Präsidium schon im Reinen. Oesterreich nimmt dasselbe nur als ein Ehren-Prärogativ in Anspruch und eS hat sein Verbleiben dabei. Die Theilung deS geschäftlichen Vorsitzes wäre demnach aufgegeben. — Die Preßkommission hat ihre Berathung vollendet. Es scheint nun doch, als hätte daS Gesetz liberaler auSfallen können. Mit einem von vorn herein fehlerhaften Entwürfe läßt sich freilich kein glänzendes Resultat erzielen. — AuS einer Notiz der „Pr. Z." geht hervor, daß man dem Prozosse gegen die „Vier Monate auswärtiger Politik" noch nicht entsagt hat. — ES werden bald wieder Gerüchte über Minister- Krisen umgehen; man wird sie mit Vorsicht aufzunehmen haben.
Die in der gestrigen Nummer der „Konst, Z." enthaltene Erklärung deS Verfassers der Schrift: „Vier Monate auswärtiger Politik", wird von der „Preuß. Ztg." heute kurzweg eine neue „Perfidie" genannt und jede weitere Entgegnung darauf verweigert, da daS gegen den Verleger, resp. Verfasser einzuleitende gerichtliche Verfahren die Wahrheit anS Licht bringen werde. Wir bemerken hierbei nur, daß das Wort „Perfidie" nicht Wahrheit der in der Schrift aufgestellten Thatsachen zu bestreiten scheint. — Nach der „Kölner Zeitung" soll der Siaatâanwalt auf dem Punkte sein, die Broschüre: „Vier Monate auswärtiger Politik" freizugeben.
In der Sonnabendsitzung der zweiten Kammer hat die Rechte eine Erklärung über den Ordnungsruf eingegeben, welcher vom Präsidenten der Kammer gegen Hrn. v. Manteuffel ausgesprochen wurde; in welcher gesagt wird, daß dem Präsidenten der Kammer das Recht zum Ordnungsrufe gegen die Minister deS KöngS, wenn sie als solche sprechen, nicht zustehe.
Der Hof legt für den Fürsten Wittgenstein drei Tage Trauer an. Das hinterlassene Vermögen deS Fürsten ist, man wußte dies schon bei seinen Lebzeiten, kein sehr bedeutendes. Doch finden die Erben einen selten zahlreichen und kostbaren Nachlaß an Ehrengeschenken regierender Häupter, namentlich an Dosen. —
Kiel, 13. April. So eben erfahren wir, daß daS dänische Generalkommando mit 8000 Mann nach Schleswig zurückgekehrt sei oder zurückkehren werde, so wie daß daS Ober-Justizkollegium von FlenSburg nach Schleswig übersiedeln solle. Die bevorstehende Rückkehr deS dänischen Generalkommandos nach Schleswig schreibt man der Aussicht auf die Reakiivirung deS Bundestages, so wie der Veröffentlichung der Instruktion deS Bundestages und der Neberschreitung derselben durch die preußischen und österreichischen Kommissären zu. — Die Demolirung deS Forts Delius ist nicht sistirt; die Gräben werden mit Erbe auSgefüllt.
Die „Const. Ztg." schreibt hierüber: ES sind vielleicht biS jetzt grundlose, aber für die Situation bezeichnende Gerüchte im Umlauf: man spricht vom Vorrücken der dänischen Armee, von der Uebersie« delung deS Generalkommando's nach Schleswig und von der Aufwerfung von Schanzen zwischen FlenSburg und Schleswig, das Alles dadurch veranlaßt, daß eS bekannt, daß die BundeSkommiffäre die Instruktion des Bundes überschritten haben. Gleichzeitig, und daS ist ebenfalls wohl zu beachten, bestätigt eS sich, daß neuerdings die Konflikte zwischen den beiderseitigen Kommissären sich mehren. ES ist die Frage über daS Tragen der von der Statthalterschaft gestifteten Erinnerungökreuze zur
Sprache gekommen, und namentlich der General & Thümen, der überhaupt, so weit sein persönlicher Einfluß reicht und seine Weisungen ihm nicht im Wege stehen, seiner Stellung Ehre zu machen sucht, hat dem Verlangen deS dänischen KommiffârS, daS Tragen derselben zu verbieten, sehr nachdrücklich ausgesprochen.
Den „Hamb. N." zufolge hat General v. Thümen insbesondere darauf aufmerksam gemacht, daß die fraglichen Kreuze über ganz Deutschland verbreitet seien, und durch ein Verbot derselben große Aufregung hervorgerufenwerde. AlSer mit seinem Widersprüche nicht durchdringen konnte, erklärte er sich schließlich mit dem Verbot einverstanden unter der Bedingung, daß von dem Landesherrn ein anderes Gedenkzeichen an die Stelle gesetzt werde. Hiezu wollte man sich aber dänischer SeitS nicht verstehen, und so blieb die Sache auf sich beruhen.
AuS Kappeln an der Schlei wird berichtet, daß sich an selbigem Orte kein einziger achtbarer Mann auftreiben ließ, der sich von Seiten seiner dänischen Gesinnung dazu qualifizirte, mit dem norwegischen Konsulat betraut zu werden. Ihre Herrschaft über diese durchgängig deutsche Stadt haben die Dänen in neuester Zeit wieder durch einen Akt exorbitanter Willkür bezeichnet. In einer stürmischen Nacht war der Dannebrog, den sie aufgepflanzt hatten, sei eS durch die Gewalt deS Windes, sei eS durch den Muthwillen eines Einzelnen, umgerissen worden. Um der letzteren Möglichkeit für die nächste Zukunft vorzubeugen, erging daS Dekret, daß alle Einwohner 8 Uhr Abends ihre Wohnungen nicht mehr verlassen dürften; ein geachteter Bürger, der dieses Verbot überschritt, ward mit zweitägigem Arrest bestraft.
Wien, 11. April. Während in Preußen seit Jahrzehenden die Pflicht deS Staates anerkannt wird, für eine bessere Besoldung der Lehrer zu sorgen , ohne daß eS zur Erfüllung dieser dringenden Pflicht kommt, erkennt Oesterreich besser seinen eigenen Vortheil und geht dem „Staate der Intelligenz" mit seinem Beispiele voraus. Trotz der Zerrüttung der österreichischen Finanzen ist schon im vorigen Jahre das Gehalt der Gymnasiallehrer ansehnlich erhöht worden. In gleicher Weise wird für die Pealschulen gesorgt. In Wien werden die Lehrer der Unter-Realschule mit 1000 Gulden, in der Provinz mit 800 G., in den Ober-Realschulen um 200 G. höher besoldet; sie beziehen in Wien außerdem noch Quartiergelder von 150 fl. und haben Aussicht, nach einer bestimmten Reihe von Dienstjahren ihr Gehalt um 200 G. erhöht zu sehen.
Wien, 12. April. Die „JnSbrucker Zeitung" begründet in einem Artikel aus Bludenz die Behauptung , daß die Rekrutenwerbung für Neapel die direkte Begünstigung sowohl der bayerischen und würtembergischen alS auch der österreichischen Regierung genieße. — Der Handelsvertrag Oesterreichs mit der Türkei ist seinem Abschlusse nahe; nur die Frage, wie die Zollverhältnisse mit den Do, naufürstenthümern geregelt werden sollen, verursacht noch einigen Aufschub. — Erzherzog Albrecht ist gestern Vormittag, aus Dresden zurückkehrend, hier eingetroffen.
Der Wiener sonst wohlunterrichtete Korrespondent des in Krakau erscheinenden „Czas" schreibt unterm 7. : „DaS österreichische Kabinet weist jede Theilung der Exekutive zurück und tritt der Rückkehr zum Bundestage bei, unter derBedigung, daß mit und von dem Bundestage die Veränderungen vorgenommen würden, welche in Dresden für nothwendig erkannt wurden, oder welche in Frankfurt dafür anerkannt werden dürften. Der Art. 59 der Wiener Kongreßakte, betreffend das Abstimmen im Plenum und engeren Rathe, wird wahrscheinlich dahin modifizirt werden, daß schlechtweg die einfache (Stimmenmajorität angenommen wird. Die Haupt- reformen, welche das österreichische Kabinet in den innern Verhältnissen deS deutschen Bundes Vorschlägen wird, betreffen folgende drei Punkte: 1) einen allgemeinen deutschen Zollverband; 2) Umgestaltung deS gesammlen deutschen Schulwesens (die niederen und höheren Schulen sollen eine praktischere Richtung verfolgen, frei von dunklem Sen, timentalismuS und hohler Phraseologie); 3) Or- ganisirung der bewaffneten Macht, zur Sicherung der Ordnung im Innern und der Ruhe nach Außen.
Der in Pesth erkrankte Feldmarschall-Lieutenant Baron Wohlgemuth, Gouverneur von Siebenbürgen, befindet sich auf dem Wege der Besserung.
Ueber den gestern gemeldeten Tod deS abgesetzten Veziers.der Herzegowina, Aly Pascha Stol- cevic, welcher vom Seraskier gefangen in die Kraina geführt wurde, meldet daS „NeuigkeitS-Bureau" : Unweit Banjaluka fiel deS NachtS im Lager ein Schuß, man eilte, zu sehen, was eS wäre; ein Gewehr der wachthabenden Mannschaft soll — da es angelernt war, gefallen und zufällig loSgegan- gen sein, und den Vezier gelobtet haben. Die Kugel drang vom Halse, von unten nach oben, durch den Kopf.
Wien, 12. April. Der V Korrespondent der A. A. Z. berichtet: In Folge einer gestern ringe-
troffenen telegraphischen Depesche auS Berlin erhielt Graf Thun vom Ministerpräsidenten Fürst Schwarzenberg die Weisung seine bereits festgesetzte Abreise nach Frankfurt aufzuschieben, und wie ich höre, wird derselbe auch morgen nicht abreisen. (Die Abreise war auf den 11. AbendS festgesetzt, und ein Bericht wollte auch wissen, sie sei erfolgt. ES scheint daß jene Bestimmung erst im letzten Augenblick geändert worden ist.) Zugleich mit dieser abgeänderten Verfügung erging mittelst Telegraphen der Befehl nach Holstein, die Vorbereitungen zum Abmarsch unserer Truppen bis auf weitere Ordre zu sistiren.
Wien, 15. April. (Tel. Dep. d. A. Allg. Z.) Heute erschien ein allerhöchstes Patent vom 11. d. MonatS datirt, enthaltend die Modalitäten der Bildung deS GrundentlastungS- EntschâdigSfondS, dessen Wirksamkeit mit dem 1. Nov. beginnt. — Die AugSb. „Allg. Ztg." erhält über Wien noch folgende telegrapische Berichte: Neapel, 9. April. Der Großherzog von Toscana ist hier eingetroffen. — Athen, 8. April. DaS UnabhängigkeilSfest wurde gefeiert. In der Deputirtenkammer fand Interpellation wegen Räubereien statt. Der Finanzminister beklagt sich über die Oppositionspresse. — Konstantinopel, 4. April. Muktar Beg ist zum außerordentlichen Regierungskommissär nach Alexandria bestimmt.
Frankreich.
Paris, 13. April. Ueber die durch die Dij- dung deS neuen KabinetS entstandene Lage kommen abweichende Bemerkungen zu Tag. In keinem Fall scheint daS Ministerium Faucher-Baroche auf sicherm Boden zu stehen. Starke Abtheilungen der Ord- nungSpartei bleiben zurückhaltend und warten, um sich auszusprechen, daß das Ministerium durch irgend eine That den Weg bezeichne, den eS zu verfolgen gedenkt. Nach Einigen hat diese Zurückhaltung einen stark ausgeprägten Charakter von Mißtrauen und kann sich leicht in feindselige Haltung umgestalten, während sich nach Andern nur ein Uebergang von der Feindseligkeit, welche die Mehrheit vor drei Monaten gegen dieHH. Barocke, Fould und Rauher zeigte, zu der Unterstützung ist, die sie nun geneigt wäre, ihnen zu gewähren. ES wird sich dies bald aufklären; indessen scheint die Spaltung unter den Fraktionen der gemäßigten Partei wahrscheinlicher, als die Vereinigung. Wenn schon die auftauchenden Gerüchte von Staatsstreichen ungereimt scheinen, so enthält doch heute „Bulletin deParis" einen Artikel, den man einen „Versuchsballon" nennen möchte. ES kündigt die Vorlegung einen Gesetzentwurfes an, die Gemeinderäthe vor dem 15. Mai zu einer außerordentlichen Sitzung einzuberufen, um über die Frage der Verfassungsrevision außerhalb der chorgefchriebcnen Form zu berathen. Diese Gc- meinderäthe hatten ihre Antworten mit „ja" oder „nein" abzugeben, und nach dem Ergebniß würde man weiter verfahren. Die bevorstehende kurze Vertagung der gesetzgebenden Versammlung wird einigen Stillstand in die Geschäfte bringen, und dem Ministerium Zeit lassen, sich auf unvermeidliche Kämpfe vor zu bereiten.
Paris, 13. April. Man versichert heute, daß CrouseilheS als UnterrichtSminister diesen Posten blos versehe, um ihn wahrscheinlich in Kurzem schon an Fallour abzulrcten, den daS Elysee aufgefordert habe, dies von den Legitimisten immer mehr werth- gehaltene Portefeuille zu übernehmen.
Der „Moniteur" veröffentlicht ein Dekret, wodurch auf den Antrag deS Kriegsministers eine Kom, Mission von Sachverständigen mit General Oubinot als Vorsitzendem ernannt und beauftragt wird, die Frage bezüglich deS Transports von Truppen, Pferden und Armee-Material auf den Eisenbahnen in allen Einzetnheüen gründlichst zu prüfen und daS Ergebniß ihrer Untersuchungen in einen ausführlichen Bericht niederzulegen. Der Minister ist der Ansicht, daß diese Angelegenheit wegen der veränderten Lage, worin die Möglichkeit rascher Beförderungen von Truppenmassen auS allen Theilen Europas an den Rhein Frankreich versetzt habe, von hoher Wichtigkeit sei und mit Ergreifung der nöthigen Vorkehrungen nicht gezögert werden dürfe, wenn man nicht im Falle eines europäischen Krieges den schlimmsten Eventualitäten sich auSsetzen wolle. — Der neue Minister deS Innern hat bereits wiederholte und lange Konferenzen mit Carlier gehalten. — Der abgetretene HandelSminister des Ueber* gangS - KabinetS , Schneider, war Anhänger deS Schutzsystems; sein Nachfolger dagegen, Buffet, ist entlchikdener Verfechter deS FreihandelSsystemS. — Man spricht von Gründung zweier Journale, wovon eines daS Ministerium Barocke unterstützen würde, dessen einziges unbedingtes Organ für jetzt der „Constitutionnel" ist.
Paris, 14. April. (K.Z.) Mehrere ministerielle Repräsentanten wollen beantragen, daß die für eine Revision der Verfassung erforderliche Majorität von drei Vierteln sämmtlicher Stimmen der Nationalversammlung abgeschafft werde. — AlS