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stattfinden sollte, zu vollziehen, und daS Herzogs. StaatSministerium motivirt zur Erfüllung seiner ihm nach $. 59 der staatsrechtlichen Zusammenstellung obliegenden Pflicht aufzufordern und von dem 93er» such auf eine verfassungswidrige Weise die Thätig« seit deS Landtags zu suSpendireu, abzumahnen. Sie haben die Erfüllung dieser Pflicht unterlassen und sich den Ansichten und Absichten deS Ministeriums beigesellt, welche wir als verfassungsmäßige nicht anzuerkennen vermögen.

Das Herzog!. StaatSministerium hat in seinem Schreiben vom 26. d. M. erklärt, daß eS mit dem Landtag in keinerlei Verbindung treten werde, so lange,bis mit Entschiedenheit festgestellt sei, daß der Landtag im nächsten Monat durch Anwesenheit der erforderlichen Anzahl Mitglieder beschlußfähig bleibe". Die Beschlußfähigkeit könnte nur in öffent­licher Sitzung konstalirt werden. Eine öffentliche Sitzung kann nach der Geschäftsordnung nur in Gegenwart der RegierungSkommissâre stattfinden. Die Regierungskommissäre aber weigern sich, ihre Pflicht, in öffentlicher Sitzung zu erscheinen, zu er­füllen. Sie, Herr Präsident, geben der Aufforde­rung, dieselben an Erfüllung ihrer Pflicht zu mah­nen, keine Folge. Eine öffentliche Sitzung ist da, »er gar nicht zu Stande zu bringen. Eine formelle Konstatirung der Beschlußfähigkeit für die Zukunft ist zudem an sich eine logische Unmöglichkeit.

DaS Herzogliche StaatSministerium hat also den Fortgang unserer Arbeiten abhängig gemacht von dem Eintritt einer Unmöglichkeit. ES hat un­sere Thätigkeit definitiv stillgestellt, ohne den Land­tag aufzulösen, oder zu verabschieden.

Indem wir daher gegen daS von dem Herzog!. StaatSministerium und von Ihnen eingehaltene Verfahren vorerst protestiren, zeigen wir Ihnen an, daß wir unsere Thätigkeit als auf eine verfassungs­widrige Weise suSpendirt betrachten und diejenigen von uns, welche nicht in Wiesbaden wohnhaft sind, in ihre Heimath abreisen werden.

Wiesbaden, den 19. März 1851.

Bra un, Iu sti, Snell, GergenS, Lang, Dr. Haupt, Jung II., Raht, Wimpf, Born, Dünkel- berg, Kalt, Müller II., Habel, Hehner, Jung I., Wehrfritz.

Indem wir die Berichterstattung hiermit schlie­ßen, überlassen wir disBeurtheilung ruhig dem Ur­theile Anderer.

Deutschland.

* Wiesbaden, 30. März. Gestern Abend ist der sachsen-weimarische Bevollmächtigte zur Zoll­konferenz, der Geh. StaatSrath Thon, hier ange, kommen. Bisher hatte der Bevollmächtigte für Braunschweig, Finanzdirektor v. Thiel au, die thüringischen Staaten vertreten.

st Eltville, 30. März. Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt die Kölnische Gesellschaft eine Lan­dungsbrücke am hiesigen Rheinufer zum Anfahren der Dampfboole zu errichten, und da die Gemeinde­behörde im wohlverstandenen Interesse der Ge­meinde selbst diesem Vorhaben mit Bereitwillig, feit entgegenkömmt, wie dieß auS den jüngst gepflo­genen Verhandlungen hervorgeht, so dürften wir bald daS Vergnügen haben, die Ausführung deS Planes in Angriff genommen zu sehen. Die hiesige Gemeinde ist nämlich erbötig, die Brücke auS eige­nen Mitteln zu erbauen, und behält sich dieserhalb nur vor, daß auch die Düsseldorfer Gesellschaft von deren Benutzung nicht ausgeschlossen werden solle, wenn diese dem Vorhaben, sich auzuschließen, ge­neigt sein sollte.

Und daß diese eS wirb, glauben wir um so mehr annehmen zu dürfen, als den Gesellschaften überhaupt nur ein ersprießlicher Vortheil daraus zukommen kann, und dieser durch die von der StaatS- regierung nunmehr definitiv beschlossene Chaussee- anlage zwischen hier und Neudorf noch mehr ge­währleistet wird.

Der letzte streitige Punkt dieser Anlage ist da­durch beseitigt worden , daß die Richtung durch'S Holzthor festgesetzt wurde. Ist diese Wegstrecke bei Neudorf ist bereits der Anfang gemacht ein» mal fertig, so haben wir eine Verbindung nicht al­lein mit den Badeorten Schlangenbad und Schwal­bach, sondern sogar mit der Hauptstraße in'S In­nere deS Landes, wodurch jedenfalls auf einen be­deutenden Verkehr für unser sonst so wenig begün­stigtes Städtchen gerechnet werden kann, was für die hiesigen Einwohner wahrlich nur sehr erwünscht sein wird.

»& Vom Rheintaunus , Ende März. Endlich haben wir die langersehnte Selbstständigkeit der Ge­meindeverwaltung und wie benutzen wir sie? Neh­men wir alle nach unsern Kräften an der Aufgabe Theil, jede Gemeinde zu einem schön geordneten, blühenden Gemeinwesen umzuschaffen, welches aus eignem Vermögen alles daS erfüllt, was von einem sittlichen Zusammenleben der Menschen verlangt werden kann? Ach nein! stumpf und gleichgültig gehen die meisten Gemeindebürger den gemeinsamen

Angelegenheiten und Arbeiten ihres OrteS und ihrer Gemarkung auS dem Wege. Nur allgemeine euro­päische Verwicklungen regen etwa noch den dumpfen abgestandenen Sinn auf, aber daS Interesse, die Freude am Nächstliegenden, am Heimischen, wo man durch aufopfernde Thätigkeit selbst helfen könnte, statt blos inS Allgemeine hinein zu räsouniren, fehlt ganz und gar. Wir erinnern uns noch recht wohl, wie der Minister Stein die Ertödung dieses LokalfinneS durch die bevormundende Bureaukratie in unserm Herzogtum mit den bittersten Worten be­klagte, während er selbst rastlos bemüht war, in seiner zweiten Heimath Westphalen die alte germa­nische Selbstverwaltung in allen Lebenskreisen zu fördern. Und welche schöne Früchte haben nicht seine Bemühungen dort getragen! Bei unS aber fehlt noch gar sehr die Theilnahme an dem Beson­deren, Nahen, Eigenthümlichen; eS herrscht in den Geistern noch mehr als billig die Richtung inS Un­bestimmte, Leere, Abstrakte. Wir sind auch so sehr an die Vielschreiberei gewöhnt, daß die erweckende Kraft deS lebendigen Wortes noch nicht wieder in unsere Lebenskreise zurückkehren konnte. Schule und Leben haben bisher nicht ihre Schuldigkeit gethan, die Kraft der Rede im Jüngling zu entwickeln, wir meinen nicht jene phrasenreiche Schönrednerei, wie sic sich von Frankreich auS über daS deutsche Kam- merlcben auSgebreitet hatte, sondern die englische Art und Weise, welche auS dem Leben selbst er­wachsend, sich ungeschminkt an praktische Lebens­fragen anschließt. Mancher sonst gebildete Mann scheut sich in einer Gemeindeversammlung eine treff­liche Idee zu entwickeln, weil eS ihm an der popu­lären Rede gebricht. Unsere Landleute, und zwar gerade oft die besseren sind bei öffentlichen Versamm­lungen, GemcinbeauSschußsitzungen fast gar nicht zum Sprechen zu bringen. Die Volksschule muß diesen Mißstand inS Auge fassen und zugleich den Sinn für bas Vaterländische und Heimathliche bes­ser entwickeln. So wird auch allem allgemeinen, radikalen, demagogischen Treiben am Besten vorge­baut. Es hat dieser gesunde praktische Sinn früher schon in Deutschland geblüht; unsere Staatsmänner haben aber durch Nachahmung des großen Slaats- mechanikuS Napoleon denselben erdrückt. Wir müs­sen die individuelle Lebendigkeit überall wieder her­stellen.

5 Vom Westerwald, Ende März. Wer sich mit einigen Kreuzern an dem Denkmal für Friedrich List betheiligen will, dem können wir einen angeneh­men Weg anzeigen, welcher dem Geber selbst eine Erinnerung an den großen Mann in die Hände dringt. Man braucht nur das Gedenkbüchlein für daS deutsche Volk zu kaufen, welches in diesen Ta­gen in Stuttgart erschienen ist, und welches vom nationalen Standpunkt den bahnbrechenden Wirth- schaftSpolitiker als einen Vorläufer und ein Opfer für daS Vaterland darstellt. Der Mehr-ErlöS über Deckung der Kosten ist für daS Denkmal List'S be­stimmt. DaS Büchlein ist von Dr. Schnitzer, gewesenem Abgeordneten von Reutlingen, der Ge- burtSstadt List'S, in populärem Ton getrieben. ES ist zwar auf HohenaSperg entstanden, aber die au­genblickliche Lage deS Verfassers hat keinen gereizten Ton in die Darstellung gebracht. Dieselbe kann vielmehr national und würdevoll genannt werden. Der Verfasser gibt in zehn Kapiteln ein anschauli­ches Bild von List'S Jugend und Lehrjahren, von seiner Laufbahn im würtembergischen Staatsdienst, wo er von dem Minister von Wangenheim gefördert ward, bis dieser selbst auf die Seite treten mußte, von List'S Stellung als deutschen HandelSkonsulen- ten und seiner Anregung deS Zollvereins, von sei­nen Geschicken alS Abgeordneter, seinen Kämpfen für Selbstständigkeit der Gemeinden, für Geschwor- nengerichte, Aufhebung der Feuballasten ic., von seiner Flucht und Festungshaft, seiner Auswande­rung nach Amerika, seiner dortigen großartigen Thä­tigkeit und der ihm gewordenen Anerkennung, von seiner Rückkehr nach Deutschland, seiner rastlosen Agitation für ein deutsches Eisenbahnsystem, von der Herausgabe seinernationalen Oekonomie", welche zu einer segensreichen Thal im deutschen Le­ben geworden ist, von seinen letzten Versuchen, die deutsche Industrie gegen fremde Einflüsse sicher zu stellen, und seinem tragischen Ende. Wir müssen unS stärken an der Anschauung der ungeheuern Ar­beitskraft dieses Mannes, dem treuen Abbild seiner Nation, deren industriellen Riesenkräfte er zu wecken und zu beleben bemüht war. Aber er ging unter im Kampfe mit dem herrschenden Systeme, sowie der Trägheit und Gleichgültigkeit deS Volkes in den wichtigsten praktischen Lebensfragen. So lange er gesund ist, stellt er und auch ein Vorbild dar, der von der reinsten Begeisterung für einen hohen Zweck, von nie ermattender Thätigkeit auch unter den trübseligsten Verhältnissen und von einer Auf- opserung, welche durch tausendfache Täuschungen und Verunglimpfungen sich nicht erschöpfen ließ. Der Verfasser kann sich deS Wunsches nicht ent- schlagen, daß List als Abgeordneter in die Pauls- kirche hätte treten können. Er würde alsdann eine kompakte Partei der materiellen In­teressen geschaffen haben, welche jetzt alS eine moralische Macht dastânve. DaS Büchlein wird

manchen Freund deS Vaterlandes in den Kämpfen des Lebens stärken und so auf doppelte Weise der Nation Ehre bringen.

Frankfurt, 30. März. (Fr. I.) Sicherm Vernehmen nach hat diekönigl. preu- ßische Regierung beschlossen, die hier sitzende Bundes-Versammlung durch einen Bevollmächtigten zu beschicken, und hat zugleich die übrigen, bis jetzt hier noch nicht vertretenen f? a b i n e t e er­sucht, ein G leicheS zu thun.

Der Thurn und TariS'sche Oberpostdirektor, Freiherr von Dörnberg, ist wieder hier eingetroffen. ES ist hier die Nachricht eingegangen, daß der großherzoglich badische Gesandte am preußischen Hofe, Freiherr v. Porbeck, in Berlin gestorben ist.

Kassel, 28. März. Neben den Mitgliedern der Direktion der HauplstaatSkaffe sind nun auch die Mitglieder der Kriminalkammer deS ObergerichtS zu Rotenburg, die Herren Eggen«, Duncker nnd v. Sterck, und der vorhinnige StaatSprokurator Wolf daselbst, vom kurhessischen Kriegsgerichte da­hier vorgefordert; ihr Vergehen besteht speziell darin, daß sie den von dem f. g. Oberbefehlshaber von Haynau, lächerlichen Andenkens, eingesetzten ie. Faber nicht alS Beamten anerkennen wollten, ihn vielmehr wegen Anmaßung dienstlicher Handlungen bestraften.

Zweibrücken, 24. März. (Pf. Z.) Die Ver­handlungen in den Prozessen gegen die deS Hoch« verrathS 2C. angeklagten PH. Schmidt, Zinn, Mun­zinger, Hoster, Gelbert und Friedrich haben den verklärenden Schleier, der von einer Seite so oft über das Streben der Mitglieder des Landesverthei- digungSauSschusseS, die auch Mitglieder der provi­sorischen Regierung waren, zu werfen gesucht wird, gänzlich zerrissen. Sprechen wir nicht von dem durch Urkunden erwiesenen Einverständnisse mit den fran-öfischen Demokraten der röthesten Sorte, daS ist längst bekannt; aber erwähnen wir, daß selbst die Vertheidigung heute zugestehen mußte, daß aller­dings die Reichsverfassung bei einem Theile der an der Spitze der Bewegung Gestandenen einerlogener" Schild gewesen, nicht aber bei ihren Klienten, die alS sogenannte Vertrauensmänner zu ihrem Votum terrorisirt worden seien. Man sah schon am 1. Mai, daS sagen viele der angesehensten wahrheits­liebendsten Zeugen, wohin die unsauber» Ele­mente die Pfalz bringen würden, während die Bil­dung der provisorischen Regierung von allen ge­radezu alS angelegter Plan bezeichnet ward, dessen Durchführung durch schmählichen TerroriSmuS zu erzwingen gesucht worden sei.

Erlangen, 28. März. In vergangener Nacht ist der frühere Parlamentsabgeordnete und Offizier im schleSwig« holsteinischen Heere, Herr HanS v. Raumer, 30 Jahre alt, nach kurzem Krankenlager am Nervenfieber sanft und schnell verschieden.

München, 27. März. Der König ist diesen Morgen um 6 Uhr unter dem Namen einesGrafen von WervenfelS" nach Süd-Tyrol abgereist.

AuS Thüringen, 27. März. In Gotha sind in diesen Tagen die Berathungen über die organische Einigung KoburgS und Gothas geschlossen worden. Der letzte Akt der Thätigkeit der Kommissarien war die Verhandlung über einen vereinigten Landtag beider Herzogthümer. Derselbe ist von der Kom­mission angenommen worden und wird aus 8 so# burger und 12 gothaischen Abgeordneten zusammen­gesetzt werden.

Berlin, 27. März. Man versichert uns, Ruß­land dringe mehr als je auf die Einigung der bei­den Kabinele, und eS fei dieselbe einmal plötzlich zu erwarten. Der belgische Handelsvertrag mit dem Zollverein ist bekanntlich auf ein Jahr verlän­gert worden. Erfolgt keine neue Verlängerung, so erlischt derselbe mit dem Ende dieses JahreS von selbst.

Berlin, 28. März. Man hat guten Grund zu der Annahme, berichtet dieL. C.", daß der bayerische Ministerpräsident bei der Wiedereröffnung der Konferenzen in Dresden gegen alle einseitig von Oesterreich an Preußen gemachte Konzessionen Verwahrung einlegen wird. Außer der bereits gestern hier eingetroffenen Königin Marie von Bayern wird zu heute die andere Tochter deS er­krankten Prinzen Wilhelm, die Gemahlin deS Prin­zen Karl von Hessen und bei Rhein, hier erwartet. DaS Befinden des hohen Patienten soll übrigens ein besseres sein. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer kam durch Vermittelung deS Ju- stijiuinisterS ein Schreiben deS Oberstaatsanwalts Sethe zur Verlesung, in welchem dieser um die Genehmigung der Kammer bittet, den Abg. Harkort noch während der gegenwärtigen Sitzungsperiode wegen Aufreizung des Bürger' und Bauernstandes zum Hasse und zur Verachtung des in der Harkort', schen Broschüre näher bezeichneten Junkerthumö ge­richtlich verfolgen zu dürfen.