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hülfe zu denken. Wir fragen hiermit unsere KreiS- behörde, warum sie diesen Gegenstand, welcher ihrem Bezirk nicht zur Ehre gereicht, noch nicht ernstlich inS Auge gefaßt hat. Wer ist denn näher dazu befugt und verfliegtet als sie? Die Erfahrung hat bewiesen, daß diese unglücklichen Gemeinden nicht durch eigene Kraft sich auS ihrer Versunken­heit herauSreißen können. Um das Urtheil der Um­gegend über diese Gemeinden zu charakterisiren, möge ein Volkswitz hier seine Stelle finden: Einem Manne, welcher einen Trupp Bettler auS einem dieser Orte fragte, warum denn nicht, da die ganze Gemeinde auSgewandert zu sein schien, auch der Bürgermeister mitgekommen sei, wurde von einem dieser Strolche geantwortet, derselbe habe keine Schuhe; sonst würde auch er nicht verfehlt haben, mit ihnen zu erscheinen. Fragt man die Kinder, warum sie nicht in die Schule gingen, so ist das ganze Jahr hindurch die stehende Antwort:Unser Lehrer ist krank". Die armen Lehrer dieser Gegend I Sie müssen von einer schwachen Gesundheit sein I ist dies aber gewiß eine sehr ernste Sache, wenn der Staat eine solche Pflanzschule von Tagdieben und Heranwachsenden Verbrechern bestehen läßt. Unser Kreisgesetz ist im Ganzen gut zu nennen; aber es sollte nun auch ins Leben eingeführt wer­den. Da begegnet uns nun gleich der große Miß­stand, daß der KreiSamtmann wegen Geschäftsüber­häufung viel zu wenig seinen Distrikt durch eigene persönliche Anschauung kennen lernt. ES war dieß eine vormärzliche Klage über unser bureaukra- tischeS Regiment, welche auch noch jetzt erhoben werden muß. Man sollte daher wenigstens in eini­gen Orten das Personal des KreiSamteS erhöhen.

G t Hachenburg , 18. März. In unserer Stadt und einigen umliegenden Ortschaften herrscht im Augenblick bei einem großen Theile der Bewoh­ner eine große Noth. Die Kartoffelernte war hier sehr schlecht ausgefallen und in Folge dessen sind schon jetzt Viele, welche sonst nicht leicht Mangel leiden, ohne jenes Hauptnahrungsmittel. Dazu kommt noch in der neuesten Zeit das von Herzog!. Rezeptur streng durchgeführte Zwangsverfahren gegen die Re­stanten. ES könnten Fälle namhaft gemacht wer, den, in welchen dem Schuldner wegen einer kleinen Schuld ein Möbelstück (natürlich ein werthloseS) gepfändet wurde, die Versteigerung an Ort und Stelle aber keinen Erfolg hatte, und nun das Pfand­objekt hierher trausportirt wurde. Die hierdurch erwachsenen Kosten, welche die ursprüngliche Schuld um das Doppelte überstiegen, kamen also noch hin­zu, unv die Versteigerung lieferte noch nicht einmal einen Ertrag, der der ursprünglichen Schuld gleichge­kommen wäre. Per Schuldner hat also 1) sein Mö­belstück verloren, 2) die ursprüngliche Schuld ist noch nicht ganz davon bezahlt, und 3) hat er die Kosten noch außerdem. Es ist natürlich, daß die Leute auf diese Weise auch daS Wenige verlieren, waS sie noch haben. Wir können im Allgemeinen eine strenge Exekution in Finanzsachen nur billigen. Allein eS gibt doch Verhältnisse, die eine Ausnahme nothwendig erscheinen lassen. Was hat aber der Staat davon, wenn in solchen Gemeinden, wo selbst der Mittelstand arm ist, auch dieser gänzlich ruinirl wird? Wäre eS nicht besser, das ErekutionSversah- ren in einer solchen Gemeinde, wie z. B. Alpenrod, welches ich hier vorzugsweise im Sinne habe, vor­läufig einzustellen, und auf irgend eine Weise durch Verdienstgeben der Gemeinde erst wieder aufzuhel­fen ^ Man sagt zwar: die Leute seien selbst an ihrer Armuth Schuld. Das soll hier nicht geläug- net werden. Aber dessenungeachtet liegt eS im In­teresse des StaateS, hier zu helfen auf irgend eine Weise. Geschieht eS nicht, so haben wir hier, wo jetzt schon täglich an 40 Bettler die Stadt durch­streifen, das Schlimmste zu fürchten. Rührend war es, als am verflossenen Sonntage die Mitglieder des Alpenröder SängervereinS bei starkem Regen­wetter hierher kamen, um zum Besten ihrer Armen ein Konzert zu geben. Wohl that sich manche milde Hand auf, um ihr Scherslein zu geben. Und was war der ganze Erlös? ungefähr 17 Gulden, eine Summe, die immerhin groß genug war, wenn man bedenkt', daß in unserer Stadt selbst gar viele Hülföbedürflige find. DaS erkannten auch jene Al­penröder Sänger an. Zufrieden mit dem, wenn auch geringen, Ertrage traten sie ihren Heimweg an, um wenigstens die drückendste Noth zu lindern. Die Behörden haben bereits diesem Gegenstände ihre Aufmerksamkeit gewidmet; allein, wie eS scheint, fehlt eS bis jetzt noch an der wirklichen Abhülfe. Möge sie in irgend einer geeigneten Weise recht bald kommen!

Mannheim, 19. März. DaSMannh. Abdbl." meldet: Wie unS versichert wird, ist dem Hofge- richtSrath v. Jtzstein dieser Tage der ganze Rückstand seiner suöpendirt gewesenen Pension sammt Zinsen durch Mannheimer StaatSeinnehmereien ausbezahlt worden.

Stuttgart, 20. März. DieDeutsche Kronik" meldet: Ziemlich sicherm Vernehmen nach werden die ständischen Wahlen ganz der Verfassung von 1819 gemäß am Ende dieses MonatS ausgeschrieben

und die Versammlung auf Anfang Mai einberufen werden.

Berlin, 19. März. Nach einer Mittheilung der Kölner Zeitung ist die griechische Erbfolgefrage definitiv dahin regulirt, daß nach dem kinderlosen Ableben König Otto'S sein dritter Bruder, Prinz Adalbert von Bayern, den griechischen Thron besteigt.

DieNeue Preuß. Ztg." schlägt heute vor, um schnell zum Ziele einer Einigung in Deutschland zu gelangen, würde man am besten thun, in dem engeren BundeSrathe die Stimmen Preußens und Oesterreichs gleichmäßig um so viel zu erhöhen, daß sie zusammen die Mehrheit der Stimmen haben, und zugleich zur AuSführnng der Beschlüsse dieses engeren Rathes eine kräftige Exekutive zu bilden, welche nach Analogie deS Interims ausschließlich in den Händen Preußens und Oesterreichs liegen würde.

Berlin, 19. März. Die L. C. schreibt: Wir haben der Agitationen für Oesterreichs deutsche Po­litik an den kleineren Fürstenhöfen mehrfach ewähnt. Wie sich diese Mittheilungen hinlänglich bestätigt haben, so wird sich auch die bestätigen, daß die Er, folge, waS Thüringen anlangt, nicht zu Gunsten der Agitatoren auSschlagen werden. So namentlich ist unS eine Aeußerung des Herzogs von Koburg« Gotha bekannt, einem ausgezeichneten Gaste (Ra- dowitz) gegenüber, welche die treue Anhänglichkeit dieses Fürsten an Preußen verbürgt. Seitens der niederländischen Regierung werden hier Verhand­lungen einsteleitet wegen deS Ausschusses der hol­ländischen Eisenbahn an die rheinpreußische. Zwei niederländische Eisenbahnbeamte, die dieser Tage hier eintreffen, werden die Unterhandlungen zu Ende führen.

Zwischen Preußen und dem Königreiche der Niederlande ist ein neuer Postvertrag abgeschlossen worden, welcher mit dem 1. April d. I. zur Aus­führung kommen wird.

Greifswalde, 19. März. Die auf heute ange­setzte gerichtliche Verhandlung in dem Prozesse Has­senpflug ist gegen denselben ausgefallen. Der Schlußtermin in dieser Angelegenheit ist noch un­bekannt.

Der Deutschen ReichSzeitung wird auS Kiel vom 17. März geschrieben; Der General Thümen ist dem Vernehmen nach mit den Resultaten seiner Reise nach Berlin gar unzufrieden. Er soll den in Betracht kommenden Theil deS preußischen Mini­steriums zu jeder, aber auch zu jeder Konzession an die Dänen bereit gefunden haben, sodaß daS Ministerium selbst die Besetzung Holsteins durch dänisches Militär einzuräumen gewilligt sein soll,

Olmütz, 17. März. Der Russe Bakunin be­findet sich in unsern Mauern. Er wurde von Prag in einem eigenen Separattrain mit einer Escorte, deren Zahl jeden Fluchtversuch inS Reich derUnmög- | lichkeit versetzt, hierher gebracht, wird auf dass schärfste bewacht und soll, wie man unS verfichert, $ neuerdings inquirirl werden.

Wien, 17. März. Vorgestern ist Barsn Andlaw, groß. badischer Gesandter, vou Karlsruhe hier an­gekommen.

Die stärkste Regsamkeit herrscht gegenwärtig im Ministerium des Aeußeren. ES fließen die Noten nach Berlin und den deutschen Duodezresidenzen wieder sehr reichlich. Frankreich und England haben in Bezug auf die Gesammtinkorporation Oesterreichs in den deutschen Bund protestirende Vorstellungen machen lassen. Dieselben wollen beantwortet sein, und zwar so, baß der Gegner sehen soll, daß eS an rechtsförmlichen Motiven zur Begründung, wenn man dazu gezwungen sei, nicht fehle. Es werden i ferner die möglichsten Anstrengungen gemacht, um den Turiner Hof zur Einfchlagung einer Politik zu veranlassen, welche sich den hiesigen Planen weniger feindselig zeigt. Auch der Schweiz gegenüber wird von hier aus noch fortgesprochen, wenn auch in etwas milderem Tone. Von gut unterrichteter Seile wird versichert, daß Oesterreich, Rußland und Preußen sich an England mit der Mahnung wenden werden, die Flüchtlinge auszuweisen und nicht einen Herd der Propaganda zu bilden. Frankreich, wel­ches von den drei Mächten aufgefordert wurde, der Reklamation beizutreten, hat bisher noch nicht seine Zustimmung gegeben. Ein Ministerrath, der über die deutschen Angelegenheiten stattgefunden, hat den Fürsten Schwarzenberg in seiner Politik bestärkt; man will hier wissen, daß binnen 4 Wochen die Eröffnung der neuen Bundesversammlung kattfinden wird. Die russische Regierung hat an alle ihre Agenten und bevollmächtigte Minister die Instruktion erlassen, sich in der deutschen Frage vor der Hand ganz neutral zu verhalten, und durchaus nicht durch Meinungsäußerungen der Politik deS Petersburger KabinetS vorzugreifen.

DerLloyd" berichtet:Die Nachrichten auS den inkurgirten türkischen Provinzen reichen bis zum 15. März. Die Kraina, wohin kurz vor der Ein­nahme Mostar'S durch die großherrlichen Truppen

auS dieser Stadl acht Emissäre geschickt wurden, um dort die Kriegöfackel aufS neue zu entzünden, hat, sich nun in der That erhoben. Am 7. ist Omer Pascha mit neun Bataillonen dahin aufgebrochen. In Mostar blieb nur ein Bataillon unter Ibrahim Pascha, der dem Ossanbeg von Trebigne als Adlatus beigegeben ist, zurück. Der Wesir von Bosnien ist auch mit allen Truppen auS Sarajewo gegen Traw- nik gezogen, alle Korps nehmen ihre Richtung nach der Kraina. In Livno und Duvno sind für die nöthigen Transporte 350 Packpferde requirirt wor­den. Auch Bosnien soll dieser Bewegung nicht fremd fein, waS jedoch, wie die Einnahme von Banzaluka durch die Insurgenten, noch der Bestäti­gung bedarf.

Wien, 18. März. Die türkische Regierung be­ginnt große Hafenbauten in Skutari zu machen und geht, wie sie offen erklärt, mit der Absicht nm, diese Siadt zum Freihafen zn erklären. Würde schon dadurch der Handel unserer dalmatinischen Seestädte bedeutend gefährdet sein, so erhält die Sache eine noch drohendere Bedeutung durch die geheimen Aufschlüsse, welche unsere Regierung über die eigentlichen Motive dieses plötzlichen Entschlus­ses dès Divans erhalten hat. Diesen Nachrichten zufolge steht England hinter diesem Angriffe auf den österreichischen Seehandel. ES besteht ein ge­heimer Vertrag zwischen dem Divan und dem Ka- binete von St. James, durch welchen der Hafen von Skutari und ein bedeutender Theil der alba­nischen Küste der englischen Flotte, wenn auch viel­leicht in einer maskirten Form, überantwortet wer­den soll. Wie wir hören, find in dieser Angelegen­heit sehr bestimmte Instruktionen an unsern Ge­schäftsträger nach Konstantinopel abgegangen.

Der 1840 mit Rußland abgeschlossene Donau- SchifffahrtSvertrag ist aus ein weiteres Jahr ver­längert.

Nach einem derAugSb. A. Z." zugegangenen Briefe sind alle Angaben über ein Aufschieben der neuen Zollgesetzgebung Oesterreichs unrichtig. Die Arbeiten der Tarifkommission sind noch nicht vollen­det, und einzig nur deßhalb unterblieb bis jetzt die Publikation deS Tarifs.

Frankreich.

PariS, 19. März. In der Nationalversamm, lung hieß eS heute, daß eine große Anzahl Natio- nalgarden'Kompagnien in den Ost- und Süd-De- partementS nächstens aufgelöst werden sollen. Die Unruhen zu St. Amand sind vollständig unter­drückt worden; mit Hülfe des dahin geschickten Mi­litärs wurden zwanzig Verhaftungen vorgenommen.

Im Konferenzfaale der National-Versammlung unterhielt man sich lebhaft von den Bemühungen des Herrn Barsche, wieder Minister zu werden. Einige Repräsentanten, welche am Montage Abends im Elysee waren, versicherten, daß der Präsident ge­äußert habe, Herr Barsche handle in seinen Bemü­hungen zur Bildung eines Ministeriums ganz ohne feinen Auftrag. General Narvaez soll großen Einfluß auf den Präsidenten auSüben. Guizot und Berryer hatten gestern eine lange Konferenz, über welche die verschiedensten Versionen ztrkulirten.

Großbritannien.

London, 19. März. Die Debatte über die zweite Lesung der Titclbill ist noch immer nicht zu einem Schluß gediehen; sie wird morgen fortgesetzt und auch dann wahrscheinlich nicht zu Ende geführt werden. Für die Bill sprachen gestern Sir R. LopeS, Walter (einer der Eigenthümer derTimes"), Lord Ashley und Lord Palmerston, gegen die Bill Blewitt, Anstey und Sidney Herbert. Im Ober­bause kündigte der frühere Gouverneur von Ceylon Viscount Torrington, an, daß er über vierzehn Tage beantragen werde, daS Unterhaus um Ver­sendung deS Berichtes der CeylowKommission zu ersuchen. General Sir Ch. Napier ist heute Morgens in London angekommen.

Aus den Dtittagsposten.

Frankfurt, 21. März. (F. I.) Admiral Brommy wird hier demnächst erwartet. Die Marinekom­mission wird vorerst noch nicht aufgelöst werden.

Kassel, 20. März. (O.-P.-A.-Z.) DaS Urtheil deS kurhesfischen permanenten Kriegsgerichts kvider die beiden städtischen Polizeibeamten Henkel und Hornstein ist bis jetzt von dem Generalauditoriat noch nicht bestätigt worden. Es heißt, daß sämmt­liche Gesuche auf Entlassung der Mitglieder deS landständlscheu Ausschusses gegen Kaution abschlägig beschicken worden sind.

München, 20. März. (N. M. Z.) In der Sitzung der zweiten Kammer vom 20. d. M. er­klärte der Ministerpräsident, die Kompetenz der Kam­mer, die Vorlage auf die kurhefsische Frage beg­lichen Papiere zu verlangen, sei nicht zu bestreiten.