Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Samstag den 22. März
1851»
Bestellungen auf das mit dem 1. April neu beginnende Quartal der „Nassauischen Allgem. Zeitung" und ihr Beiblatt der „Wanderer" werden baldigst erbeten, um die Starke der Auflage bestimmen zu können.
Die Verhandlungen des Assisenhofes und des Landtages werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt, und bei den bis- Hengen und neu eingegangenen Verbindungen Korrespondenznachrichten aus allen -Theilen des Landes gebracht werden.
Durch den „amtlichen Theil" der Zeitung kommen Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publikums.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" erfreut sich einer bedeutenden, stets zunehmenden Verbreitung, sie ist daher zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art besonders geeignet. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet.
Dieselbe erscheint einmal täglich in gegenwärtigem Format, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogtums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fL, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 2 fL 1O kr. mit Inbegriff des Postaufschlags. — Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch eilend er g'schenHos-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten.
Nichtamtlicher Theil.
Die Dresdener Konferenzen.
Deutschland. Wiesbaden (Landtagsverhandlungen). — Vom Rhein (DaS Schreiben des Königs von Würtem- berg). — Aus der Provin z (Das Wahlgesetz). — Vom Lande (Landwirthschaft). — Kassel (Verlobung der Tochter deS Kurfürsten). — Dresden (Die Konferenzen. Die Staatsschuld). — Luxemburg (Rzikowski). — Berlin (M. Ellisen). — Hamburg (Die Reise deS F.-M.-L. Legeditsch nach Rendsburg. Rückzug der österr. Truppen. Die Herzogthümer). — Wien (DaS Präsidium. Zusammenkunft der Herrscher von Preußen und Oesterreich. König Otto. Reise der Kaisers. Instruktion für die diplomatischen Agenten. Eintreffen der preußischen Depesche. Vermischtes).
Dänemark. Kopenhagen (EntlaffungSgesuch des Kriegs- Ministers).
Frankreich. Paris (Die deutsche Frage. Vorkehrungen zur Vertheidigung der Nationalversammlung. Die Zuckerzölle. Ein legitimistisch-bonapartistischeS Ministerium. Vermischtes).
Großbritannien. London (Die Ceylon-Angelegenheit). Italien. Palermo (Zusammenkunft von Diplomaten).
Neueste Nachrichten.
Amtlicher Theil.
Der Divisionsarzt Dr. Er atz zu Wiesbaden und der Medizinalakzessist Dr. Mandt zu Winkel, sowie der Thierarzt Kolb zu Driedorf sind als in der praktischen (zweiten) Prüfung bestanden, angenommen worden. Sodann sind nach bestandener Prüfung, Theodor Fritze von Höchst, Aleian, der Pagenstecher von Idstein, Nikolaus Geise von Winkel und Adolph Weisbrod von Hohlen- fels in die Zahl der geprüften Kandidaten der Heilkunde ; Friedrich Z i m m ermann von Wiesbaden. Ernst FreyS von Braubach und Wilh. Jüngst von Haigerhütte in die Zahl der geprüften Kandidaten der Pharmacie und Wilhelm Petmecky von Biebrich in die Zahl der geprüften Kandidaten der Thierheilkunde ausgenommen worden.
Nichtamtlicher Theil.
Die Dresdener Konferenzen.
Die unter obigem Titel in Berlin bei Veit und Komp, erschienene Broschüre zeichnet sich durch eine klare, leidenschaftslose Auffassung der Thatsachen auS. Der Verfasser ist augenscheinlich genau unterrichtet, wie die beigelegten reichhaltigen Aktenstücke an und für sich darthun. Er tritt für Preußens Machtstellung aus, die er zerstört sieht, wenn die Dresdener Absichten durchdringen. „DaS Wesentliche von demjenigen, was in Dresden vorgegangen ist" — heißt eS in der Vorrede —, „ist schon durch die deutsche Presse und namentlich durch die preuß. Regierungsblätter veröffentlicht worden, indeß so vermischt mit einer Menge von Unrichtigkeiten, und so sehr ohne Hervorhebung der Punkte, auf welche Alles ankommt, daß eine einfache und getreue Darstellung des Systems, wodurch man der bisherigen Machtstellung Preußens ein Ende zu machen hofft, zur Pflicht wird". So drängt denn die Erzählung nach und nach Alles um die beabsichtigte Stimmen- Vertheilung zusammen, der bis kurz nach dem 23.
Febr. die meisten Blätter nur eine sekundäre Bedeu« [ jung beigemessen hatten, während hier der Culmi- nationSpunkt gar nicht zu verkennen war. DaS erste Kapitel ist überschrieben: „Die deutsche Frage", baS zweite: „Olmütz und der alte Bundestag". Auf die darin entwickelten tüchtigen Gesichtspunkte wäre gelegentlich zurückzukommen. ES wird besonders hervorgehoben, daß es sich in der deutschen Frage nicht um die Rechte der Einzelnen, nicht um die bürgerliche Freiheit, nicht um Verfaffungsformen handle: sie sei eine reine Machtfrage. Für die Lösung derselben bedarf eS vor Allem der Anerkennung einer unumstößlichen Thatsache: eS gibt in Deutschland nur zwei Staaten, die im Stande sind, ihren Staatsbürgern Schutz gegen jeden europäischen Feind und die Vortheile eines großen Staates zu gewähren.... Nur sie bilden dasjenige Deutschland, dessen Eristenz gesichert ist und dessen ■ Eristenz auch allein für die deutsche Nation einen Werth hat. Der einzige Weg der Genesung Deutschlands ist, daß die Macht der beiden Großmächte oder einer von beiden verstärkt, daß namentlich die ihnen ihrer Natur nach feindlichen Eristenzen in ihnen absorbirt werben. Wenn die deutschen Kleinstaaten sich einer der beiden Großmächte sämmtlich anschließen, so würde selbst eine Theilung Deutschlands in gleiche Hälften noch ein Gewinn für die Nation sein. ES wird, aber dargethan, daß die natürlichen Verhältnisse auf eine Verbindung der sämmtlichen übrigen Staaten mir Preußen Hinweisen, und daß die Verbindung der übrigen deutschen Staaten mit Preußen nicht nur für jene, sondern in gleichem Maße für dieses ein Postulat politischer Nothwendigkeit sei. Weiter wird auSge- führt, wie das völkerrechtliche Verhältniß der früheren (wie jeder) Konföderation ein Mittel deS Auslandes gewesen, um Deutschland in Ohnmacht zu halten; wie die Stellung der beiden Großmächte im Bunde daS Mittel sei, um die Aktion beider und jeder von beiden, d. h. Deutschlands, gegen daS Ausland zu paralystren und so jede politische Frage zwischen dem AuSlande und Deutschland zu einer letzterem nachtheiligen Entscheidung zu bringen: -s- 1 — 1 — 0; wie daher ein Ausweg auS diesem Dilemma nur in dem Gagernhchen Programm, in dem von Kremsier und in dem Unionsprojekte za finden sei. Indeß seit Olmütz ist das völkerrechtliche Bundes-Verhältniß ein einmal Gegebenes, und die einzige Frage ist nur noch die nach den Formen, welche dasselbe annehmen kann, nach der Art, wie der legale Einfluß der beiden Großmächte und der übrigen Staaten seinen Ausdruck findet. Dem nationalen Interesse und jenem Preußens entspricht ein BundeSrath in welchem, wie im alten Bundestage, die kleineren Staaten ihre volle Vertretung finden, ohne Zweifel am meisten , denn-er sichert Preußen ein regelmäßiges Uebergewicht. DaS zweite Kapitel beweist, mit eindringlichen Argumenten, daß schon zu Olmütz der Bundestag in früherer Form angestrebt werden mußte. „Von rem Augenblicke an, wo der Bundesstaat aufgegeben ihib man auf deS Verhältniß deS völkerrechtlichen Bundes zurück- geworfen war, wurde der alte Bundestag die einzige Zuflucht vor schlimmeren Formen dieses Verhältnisses". Aber Preußen (ein in seinem Interesse zu- rückgehalteneS Aktenstück beweise dies) stellte den alten Bundestag als daS zu Vermeidende und eine unbekannte bessere Gestaltung als das zu Erlangende dar. So schließt daâ zweite Kapitel. Wir analysiren selbstredend nur die bedeutenden Gesichtspunkte, ohne die Molivirung inS Einzelne verfolgen zu können. , .
DaS dritte Kapitel bringt die Geschichte der ersten Tage der M in i st e rr al - K o n < serenzen, die am 23. Dezember eröffnet wurden. Durch daS Wiener Einladungö - Schreiben , die
schwarzenbergische Eröffnungsrede und die übrigen Vorgänge stellte sich bald heraus, daß eS sich um nichts als eine Revision der Bundesverfassung im österreichischen Sinne handle. Die Oesterreicher ließen sogar in Wien gedruckte Eremplare derBun- deSgrundgesetze mit gebrochenem Rande vertheilen, wo jeder Gesandte die etwaigen Verbesserungen einschreiben konnte. Der Fürst Schwarzenberg theilte Hr. v. Manteuffel einen Vorschlag zur Bildung der Kommissionen mit: dieser Vorschlag enthielt ein Ver- zeichniß von Staaten, welche an den Kommissionen Theil zu nehmen halten. Es war kein einziger mit Preußen verbündeter Staat in daS'elbe ausgenommen. Dieser Vorschlag, der, dem Verfasser zufolge, nur aus eine Demüthigung abgesehen war, drang nicht ganz durch. Aber Oesterreich bestand noch darauf, daß in den beiden wichtigsten Kommifionen Preußen und seine Verbündeten in einer entschiedenen Minorität blieben; in der ersten Kommission befanden sich 6 mit Oesterreich und nur 1 mit Preußen verbündeter Staat, in der zweiten 5 mit Oesterreich und 3 mit Preußen verbündete Staaten. Herr v. Manteuffel kehrte in Begleitung deS Fürsten Schwarzenberg am 28, Dezember nach Berlin zurück. Es wird ausgeführt, daß, als Schwarzenberg am 30. wieder in Dresden eintraf, im Wesentlichen die Verabredung zu Schwarzenberg's Zufriedenheit erfolgt war. Sie wäre sogleich zum Vollzug gekommen, wenn nicht der Vertreter Preußens in Dresden noch einige Hindernisse bereitet hätte. Noch wollte man in Berlin nicht einsehen, daß, da eine vortheilhafte Einigung mit Oesterreich nicht zu erreichen war, das früher Bestandene das noch allein Rettende sei.
DaS vierte Kapitel (das Siebener- und Neuner-Projekt) nimmt den Gang der Ereignisse vom Anfänge des Jahres wieder auf. Am 2. Januar 1851 fand eine Sitzung der ersten Kommission statt. Schwarzenberg machte die Eröffnung, Oesterreich und Preußen seien über die Einrichtung der Zentralgewalt einig: das Plenum werde die oberste BundeSbehörde sein und in seiner Stimmenzahl nur einige wenige Modifikationen erleiden. Statt deS wegfallenden engeren Rathes solle als Ausschuß deS Plenums eine Erekutivbehörde eintreten. Dieselbe müsse um der stärkeren Aktion willen auS sieben Staaten mit neun Stimmen bestehen und bei der Wahl derselben das Machtverhâltniß entscheiden. Oesterreich und Preußen würden jedes zwei Stimmen zu führen haben. Ueber die Ver- theilung der übrigen fünf Stimmen erwarteten die beiden Regierungen die Ansicht der Mitglieder der Kommission. DaS Resultat war nicht ohne eine erheiternde Seite. Baiern, Sachsen, Hannover und Würlemberg verlangten jedes eine Stimme. Kurhessen machte im Verein mit dem Großherzogthum seinen vollen Anspruch auf die neunte Stimme geltend. Für Frankfurt und Weimar blieben die leeren Schüsseln übrig. Jetzt erklärte sich Graf AlvcnS- leben gegen diese Bciseitesctzung der kleinen Staaten. In der Kommissionssitzung vom 4. Januar gaben Weimar und Frankfurt ihre Erklärung ab. Sie verlangten eine angemessene Vertretung aller Staaten in der Erekutivbehörde. Die Ministerialkonferenzen gerieten in das Stadium der Uneinigkeit. Die Abneigung AlvenSleben'S gegen daS ganze Projekt gab dem Unwillen der kleineren Staaten Nachdruck. Mecklenburgs Versuche scheiterten namentlich an dem Widerstande der Königreiche. die in, dem Einflüsse der kleinen Staaten einen Gewinn für Preußen erkannten. Der preußische Ministerpräsident erschien von Berlin her. Er verlangte jetzt, daß daS Slim- menverhältniß der neuen Behörde ganz genau nach dem Stimmenverhältnis deS engeren RalheS gebildet werde. Am 11. Januar war indeß ein neues Projekt von den beiden Ministerpräsidenten der ersten