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RasMW Allgemeine Zeitung.

^L SS.

Sonntag den N Mârz

1851,

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme _#e« Sonntag«. Der vierteljährige Pränumecationsvreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzoathumS Nassau, des Großherzagthums unv Kurfürstenthums Hessen, der Lanvgrafschaii yessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Taiisfchen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. Jnferate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch e llen ke rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil. Dienftnachrichten. Nichtamtlicher Theil. Oesterreich und Preußen.

Deutschland. Wiesbaden (Landtagsverhandlungen). Von der Lahn (Seidenzucht). Aus der goldenen Grafschaft (Das Oraniensteiner Volksfest). AuS dem Amte Herborn (Unglücksfall). Ha chenburg (Nothstand). Frankfurt (Graf Thun. Philipp Ellifen), Leipzig (Literat Silberstein). Berlin (Der Kom- mandirende in Holstein. Die deutsche Flotte. Vincke'S An­trag. Fürst Schwarzenberg. Denkschrift des Fürsten Met­ternich). Kiel (Reduktion der schleSw.-holst. Armee. Unterhandlungen m.Dänemark). Wien (DieEisenbahnen. KavaS Pascha). Triest (Die Einnahme von Mostar). Frankreich. Paris (Die Garnison. Drouyn de l'HuyS.

Die Budgetkommission. Das Ministerium. Ernennungen.

Die Gefangenen auf Belle Isle).

Italien. Maila nd (Radetzky).

Türkei. Serajewo (Der bosnische Aufstand).

Neueste Nachrichten.

Amtlicher Theil.

Der Dekan Kirchenrath S tifft zu Dillenburg ist auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt und i die Verwaltung der Dekanatsgeschäfte deS Dekanats Dillenburg dem Professor Pfarrer Rink zu Berg- eberSbach übertragen worden.

Der Pfarrer Müller zu Marienrachdorf ist von seiner PsarrsteUe entlassen worden.

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Nichtamtlicher Theil.

* Oesterreich und Preußen.

Die Wiener wie die Berliner ministeriellen Organe stoßen in die SiegeStrompete, beide bezeich­nen die Resultatlosigkeit der Dresdener Plenarsitzung als einen errungenen Vortheil, beide freuen sich deS Fehlschlägen- der gemeinschaftlich gemachten Projekte. Im österreichischen Lager klingt diese Siegesfanfare natürlicher, denn Oesterreich tritt nun, da der Neu­nerentwurf nicht angenommen ist, mit gesteigerten Forderungen auf, welche den Grundgedanken seiner großartigen kühnen Politik weil besser entsprechen und sich folgerecht alS dasjenige darstellen, waS Oesterreich seither Deutschland gegenüber angcstredt Hal, anstreben mußte, und nun, durch früher ge­machte Zugeständnisse nicht mehr gehindert, auch frei und offen anstreben zu können glaubt. Preußen dagegen, daS den mühsam gewonnenen Boden deS Neunerentwurfes urplötzlich aufzugeben gezwungen ist, weiß keinen anderen AuSweg, als seine ursprüng­lichen jedoch von vornherein chimärischen Forderun­gen der Parität zu erneuern und als zweites Horn seines diplomatischen Dilemma dem Gegner die Rückkehr zum alten Bundestage entgegenzuhaltcn, wobei daS klingende Spiel, mit dem die ministe­riellen Blätter eS zum Thore deS geschmähten und verschmähten PaUasteS der Eschenheimer Gasse ein­ziehen lassen, sich allerdings wie eine bittere Salyre auSnimmt.

Oesterreich weiß, waS eS will, und verfolgt feinen Zweck mit unerschütterlicher Konsequenz, mit der Rücksichtslosigkeit deS Selbsterhaltungstriebes. Preußen fehlt Die Klarheit deS Bewußtseins. Die Lehren, welche Graf Brandenburg in Warschau, Ba- ron v. Manteuffel in Olmütz erhalten haben, sind zwar nicht fruchtlos geblieben; Preußen hat den­noch etwas gelernt. Es hat gelernt, wo eS seine Bundesgenossen zu suchen hat. Deßhalb hat eS mit den Ideen der Neuzeit und mit der Revolution in der Blouse wie mit jener im Schlafrock gebro­chen. Mit diesem Bruche hat sich aber Preußen auch einer Macht entäußert, die allein im Stande gewesen wäre, seine Anstrebungen zu verwirklichen. Preußen hat überall Die unberechtigte Revolution zu Boden geworfen, als es sich aber darum han­delte, feine auf die legitime und legitimirten Ideen

der Bewegung gegründeten Plane ins Leben zu rufen, die von ihm auSgegangene Union durchzu- führen, da brach mit einem mal daS stolze Ge­bäude zusammen, weil man eS verstanden hat, die Widersprüche der Konsequenzen seiner äußern Po- lilik mit den Gebahrungeii seiner Regierung im Innern inS Lächerliche zu ziehen. Der Fluch deS Lächerlichen war unerträglich, Rabowitz trat zurück, Manteuffel blieb, und hatte tausend Noth, daS kampflustige Heer die Lorbeeren von Bronzell vergessen zu machen. Nun Preußen von dem Sockel, auf den eS die Bewegung der letzten Jahre unwillkürlich hob, herabgestirgen, vergißt eS ganz, daß fein Standpunkt weit niedriger geworden sei, daß eS jenes von sich geworfen, waS ihm in den Augen seiner Gegner eine Bedeutung verliehen. Weder in Wien noch in Petersburg hat man daS Aufgeben der Union und Die übrigen emlenkenden Schritte als Opfer, als Zugeständnisse, sondern bloS als Schuldigkeit angesehen, und Preußen mußte, um nicht alles Anrecht auf seine ParilâtSträume zu verlieren, noch allen Einfluß aufbieten, um nur zur Theilnahme an dem großen Werke der Restau­ration zugelassen zu werden. Von da an war eS nicht mehr zweifelhaft, baß Preußen sich ganz in Die Hände der österr. und russ. Diplomaten gegeben habe -; von Dem Augenblicke an, daß Preußen wieder in Die Reihe seiner ehemaligen Bundesgenossen trat, war eS nur noch jenes Preußen, dessen Ge­sandter am Bundestage hinter Hrn. v. Münch-Del- linghausen dreinfuhr,, von diesem Zeüpunkte an war Die Rückkehr zum altennichlreorganisirten" Bun­destag daS Höchste, was eS bei der Verhandlung in Dresden erreichen konnte; denn alles andere wären doch nur Zugeständnisse von Seilen der übri­gen Mächte gewesen. Preußen hat seitdem nichts, gar nichts mehr, worauf eS sich bei seinen Un­terhandlungen stützen, was eS in die Wagschale der Entscheidung werfen könnte. Preußen ist nun der Staat mit Den ungelenken, zerzogenen Gliedmassen, dessen Kriegsdrohungen unbeachtet verhallen; Preußen ist nicht mehr der Staat, der ein begeistertes Deutsch­land in den Kampf führt, nicht mehr das Haupt Der Union, der Träger eines ächlkonstilulionellen Prin­zips. Alle Zugeständnisse wurden zu einer Zeit gemacht, alS eS noch dies Alles war, oder so lange Die Erinnerung daran Dauerte. DaS hat sich nun geändert; deßhalb hält man sich an die Zugeständ­nisse nicht mehr gebunden. Es soll sogar, sagt man, so weit gehen, daß alle mündlichen Zusagen, die in Olmütz, Berlin und DreSden in den bestimmtesten Ausdrücken gemacht wurden, geradezu abgeleugnet werden. Die Abberufung beS Herrn V. Prokesch bezweckt ebenfalls nichts anderes, alS einen neuen Gesandten nach Berlin zu senden, der, weil neu ein- tretend, daS österreichische Kadinet aller Verbindlich­keiten entledigt, welche Herr v. Prokesch etwa ein# gegangen haben könnte. Fürst Schwarzenberg weiß, waS er Hrn. v. Manteuffel gegenüber wagen kann.

Oesterreich ist nun vollauf thätig die Mittel- und Kleinstaaten, die bisher nicht mit seiner Poli, tik einverstanden waren, für seine Pläne zu gewin, nen. Diese Bemühungen werden auch vollständig gelingen ; die Schwäche und Ruchlosigkeit der preu­ßischen Diplomatie bahnt ihm Die Wege. Preußen ist zwar auch seinerseits thätig, aber alle in Berlin mit Den bisher von Oesterreich gegängelten deutschen Staaten sind, wie eS auS zuverlässiger Quelle ver­lautet, noch immer zu keinem auch nur halbwegs befriedigenden Resultate gelangt, da Hr. v. Man­teuffel sich auf alles Andere eher verstehen mag alS auf diplomatische Unterhandlungen. Es soll sogar zwischen dem König und Hrn. v. Manteuffel zu eigenthümlichen Erörterungen gekommen sein, auS denen Hr. v. Manteuffel eS abnehmen kann, baß man bei Hofe nichts weniger als ein unbegrenztes Vertrauen in seine diplomatische Geschicklichkeit setzt. Von Seite der Kammern geschieht auch nichts, um Hrn. v. Manteuffel, Der übrigens eine großartige Gleichgiltigkeit gegen die Philippiken deS Hrn. V. Vincke zeigt, auf den rechten Weg zu lenken. Die Kammern wollen um jeden Preis der Regierung jede Verlegenheit sparen, und dennoch hat diese schon einen hohen Grad erreicht, und wird nach Ab. lauf der 14tägigen Vertagungsfrist in DreSden noch höher steigen, indem Fürst Schwarzenberg, um sich in keiner Weise zu binden, zu der angedeuteten Zeit gar nicht nach Drehen kommen wird, eS vielmehr

Herrn von Manteuffel allein überläßt sich aus dem Labyrinth heraus zu winden. So sehen wir Den Vertreter Preußens auS einer Position nach der anderen gedrängt, und eS wird uns nicht Wun, der nehmen, wenn Oesterreich bald am Ziele seiner Bestrebungen ist. Hr. v. Manteuffel hat der öster­reichischen Diplomatie ein ganz einfaches Mittel an Die Hand gegeben, und eS wäre eine Ungerechtigkeit nicht anzuerkennen, daß dieselbe sich dessen ganz wacker bedient hat und bediene. Hr. v. Manteuffel hatin unbewachter Aufrichtigkeit" Dem Fürsten Schwa zenberg die Furcht vor der Revolution auch vor der zahmen deS KonstitutionaliSmus so offen alS oberste Rücksicht feiner Politik bekannt, daß alle Drohungen Preußens, einfach zum Bun­destag zurückzukehren und sich auf Die Pflege eines ehrlichen KonstitutionaliSmus zu verlegen, nur alS leere Drohungen, als Schreckschüsse gelten.

(ES gehört wie ein Korrespondent derWeser- Zeitung" sagt in Der That mehr alS eine kindliche Weltanschauung zu dem Glauben, Oesterreich werde sich Der Macht die eS faktisch übt, begeben, blod der formellen Schwierigkeiten wegen die ihm Preu­ßen enlgegknsteUt, oder es werbe seine Macht in friedlichem Entgegenkommen mit Preußen theilen, bloS auf Die Versicherung der Herren v. Manteuffel und Gerlach hin, daß nur aus einer solchenThei­lung der Gewalten" Die wahre Einheit Deutsch­lands erstehen könne.)

Die angedrohte Rückkehr zum Bundestage ist schon deßhalb eine leere Phrase, weil durch die ein­heitliche Gestaltung Oesterreichs die Grundlagen deS Bundes faktisch eine wesentliche Veränderung erfahren haben, weil Oesterreich in Der Durch­führung der Idee einer Gesammtmonarchie eine Lebensfrage sieht, weil eS nur als Gesammtstart Dem deutschen Bunde beitreten kann, und in eine einfache Rückkehr zum alten Bundestage unmöglich willigen kann, da diese die Wiederherstellung der alten Territorialverhältnisse voraussetzt. Ohne diese Voraussetzung ist Die preußische Forderung von keiner Bedeutung, indem Preußen bei dem Gesammt- rintritt Oesterreichs durch die Macht Der Verhält­nisse zu einer fakm'chcn Gleichstellung mit Den übri­gen Königreichen Oesterreich gegenüber herabgedrückt wird und alle Fragen ihre natürliche rèsung zu Gunsten OestereichS finden.

WaS eS nun für eine Bewanbtniß mit dem von Preußen am 23. Februar in DreSden erfoch­tenen und mit dem noch zn erfechtenden Siege hat, wollen wir nun der Beurtheilung unserer Leser überlassen.

Deutschland.

f* Wiesbaden, 7. März. (51. LanktagSsitzung. Fortsetzung der Verhandlung über die Festsetzung Der Zivilliste.) Rahl hält Die Grundlage der bis­herigen Vorträge für falsch, die Domäne sei StaalS- vermögen, daher Die Kontrole deS Landtags nöthig, deßhalb habe man eine Zivilliste zu berathen und zu bestimmen. Man spreche von standeSmäßiger Ausstattung, der Herzog sei Kaisern und Königen ebenbürtig; eine solche Zivilliste aber kann daS Land nicht tragen. Die Theilnahme deS Hoch- adelS an Dem Genuß der Domäne sei auSzuschlie- ßen. Die Anerkennung Der Domäne als Staats­güter sei nicht neu; stehe schon im Sleuerebikle v. 1809. Zur Zeit Der alten Reichsverfassung habe die Hauptlast der StaatSauSgabe auf ihnen gele­gen ; z. B. Besoldung der Beamten. Eine Garantie sei damals bei Dem Kaiser, den Kammeibeamlen und den Ansprüchen Der Agnaten gewesen. Der jetzige Zustand der Usurpation sei seit 1814 entstanden, und kein rechtlicher gewesen. Schulden über die Kräfte der Domänen Verbringung derselben durch Geschenke und Bauten können bei Feststellung Der Zivilliste Einsprache bringen ; der Zustand deS Lan­des sei so, daß für den Hof eine bedeutende Summe nicht übrig bleibe. Er stelle daher Den Antrag auf 200,000 fl. für Die RegierungSzeü man sage, Die Hülle sei mit guten Vorsätzen gepflastert, man Dürfe also keine großen Erwartungen hegen; jetzt sei Gelegenheit, wahr zu machen, daß für den Hof keine Steuer in Anspruch genommen wird. Ueberschüsse der Domäne bis 1878 zu berechnen, sei vermessen; eS könnten beträchtliche Ausgaben . kommen, z. B. Kurmainzer Landesschulden, An-