einer von Preußen und Oesterreich allein zu handhabenden Erekutiv-Gewalt noch immer beabsichtigt. Tritt dieser Fall nicht ein, so wird man daS Resultat der Dresdener Konferenzen auch in dieser Beziehung abwarten.
Die „N. Pr. Ztg.", welche vor einigen Tagen die Ansicht vertheidigte, daß daS Kronenwerk ^on Rendsburg vor ausgemachter Sache nicht von den Dänen besetzt werden dürfe, und sich dabei auf die Haltung der offiziösen Presse gestützt hatte, fordert nun, nachdem DaS, waS ihr unmöglich geschienen, doch geschehen ist, die ministeriellen Blätter auf, ihr Schweigen zu brechen und dem „erstaunten Publikum" einige Aufklärung über die Motive zu geben, welche die Regierungen von Preußen und Oesterreich bewegen konnten, „vorzeitige" Zugeständnisse an Dänemark zu machen.
Berlin, 14. Febr., 1'/« Uhr Nachmittags. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Der k. k. österreichische Ministerpräsident Fürst von Schwarz-nberg und der k. preußische Ministerpräsident Baron von Manteuffel werden übermorgen, Sonntag, den 16. d. M., in Dresden wieder eintreffen. Graf von Buol- Schauenstein und Frhr. von Prokesch-Osten werden ebenfalls in Dresden erwartet. Hr. v. Manteuffel wird wahrscheinlich Mittwoch den 19. d. M. wieder hierher zurückkehren.
Lübeck, 11. Febr. (K. Z.) Endlich haben sich die Dänen bequemt, die schleswig-Holsteinischen Kriegsgefangenen auszuliefern. Heute Morgens nach 9 Uhr liefen zwei dänische Dampfschiffe in Travemünde ein, die zusammen 1000 KriegSge. sangene an Bord hatten. 700 davon trug der in den letzten Kämpfen zur See vielfach genannte „Holger DanSke", 300 befanden sich auf dem „Waldemar", ein Schiff, daS, wenn wir nicht irren, un- ausgerüstet auf der kopenhagener Rhede lag und zur Unterbringung Gefangener benutzt ward. Ob diese aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Krieger unsere Stadt berühren werden, um holsteinischen Boden zu betreten, vermögen wir nicht anzugeben. Offen gestanden, wir wünschen es in diesem Augenblicke nicht. Ein großer Zusammenlauf von Menschen würde unvermeidlich sein, und ist auch die hiesige Bevölkerung im Allgemeinen sehr besonnen, so würden doch kaum laute Kundgebungen ihrer Sympathieen für Schleswig-Holstein beim Anblick so vieler junger Männer, die Gut und Blut für eine große und gerechte Sache einsetzten, ganz unterbleiben. Dies ist aber gegenwärtig ein sehr gefährliches Ding. Darum, so gern wir die Holsteiner bei uns sehen möchten, wäre eS uns diesmal doch noch lieber, sie gingen auf anderen Wegen in ihre Heimath. — Ueber unsere österreichischen Gäste können wir nicht klagen, eineS nur will unserem Volke nicht behagen, nämlich die vielen und harten Prügelstrafen, die jetzt bereits fast täglich vorkommen. Man versichert uns nun zwar, daß bloß wegen Diebereien auf Stockprügel erkannt werde, allein cs will unS bisweilen doch scheinen, als wendete man sie auch bei ganz einfachen Disziplinar Vergehen an. Genug, eS wird tüchtig geprügelt. Wie eS heißt, soll auch noch Kavallerie hieher verlegt werden, nach den Aussagen Anderer wartet man auf zirka 1200 Rekruten, die für ältere Mannschaften, welche schon über 8 Jahre dienen, einrangirt werden sollen. ES ist auffallend, wie wenig die Truppen selbst von dem wissen, waS sie doch so nahe gngeht. Man sieht aber, daß Holt Alles befohlen wird und daß man nichts anderes als pünktlichsten, unbedingtesten Gehorsam verlangt. Mit solchem Heere läßt sich allerdings unter Umständen sehr viel ausrichten.
Aus Nordalbingien, 11. Februar. (Wes.-Z.) Seit einigen Tagen gewinnt daS Gerücht, daß unser König-Herzog sein treues Holstein, bas er als Herrscher noch nicht gesehen, besuchen werde. Auch in Kopenhagen soll dasselbe Gerücht in Umlauf sein, dort jedoch mit dem Zusätze, daß dieser Besuch erst dann erfolgen werde, wenn Holstein von den Bun- deStruppen wieder geräumt sei, worüber noch manche Woche hingehen dürfte. Gewiß ist, daß man in Kopenhagen die, wenn auch nur kurze Abwesenheit deS Königs weniger gern sehen würde, als in Holstein dessen Erscheinen. Denn hier verspricht man sich von der persönlichen Anschauung des König- HerzogS, dem eS an gesundem Menschenverstände nicht fehlt, Manches zur Erleichterung unserer jetzt an's Unerträgliche streifenden Lage. Freilich kommt indessen AlleS darauf an, ob er aus dem Munde der Notabel» deS Landes selbst den Ausdruck der wahren Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen deS Volkes zu vernehmen geneigt ist.
Altona, il. Febr. Heute Mittag gingen nach Kiel der österreichische Kommissär Graf MenSdorff- Pouilly, der dänische Minister Graf Sponneck, der dänische Kammerherr Warnstedt, Graf Holck jun. und eine andere unbekannte Persönlichkeit, in der man Baron Dirckinck-Hoimfelb zu erkennen glaubte.
Altona, 11. Febr. Nachdem gestern bereits die Hauptwache am Ralhhauömarkt gemeinschaftlich i
von österreichischer und einem Theil der hier zurückgebliebenen schleSwig-holsteinischen Devotmannschaft besetzt war, ist die letztere heute abgelöst und die Wache ganz von Kaiserlichen bezogen worden. Die Schleswig - Holsteiner haben jetzt eine kleine Wache in der Kaiharinenstraße besetzt.
Rendsburg, 11. Febr. (Hamb. Nachr ) Der österreichische General hat sich heute die Offiziere deS bürgerlichen Artilleriekorps vorstellen lassen, welches, wie Sie wissen, in diesen drei Jah cn treulich seine Pflicht gethan hat. Die Offiziere loben daS biedere gerade Wcsen deS alten Herrn, nach dessen Aeußerungen ein baldiger Abmarsch der österreichischen Truppen nicht zu erwarten steht. Es liegen im Gegentheil sichere Anzeichen vor, daß man östcrreichischerseits jetzt nach selbst genommenem Augenschein die ganze Bedeutung der den Dänen gemachten Konzessionen vollauf begreift, und eS heißt bereits: „so könne es nicht bleiben!"
Rendsburg, 11. Febr. (N. fr. Pr.) ES soll zwischen den über unser Schicksal verhandelnden Mächten die Vereinbarung getroffen sein, daß, während die Festung theils von Deutschen, theils von Dänen besetzt gehalten wird, von keiner Seite an ten Werken jener etwas gearbeitet oder verändert werden darf. Gedenken wir dabei, wie cS unter ähnlichen Umständen den Düppcler und andern Schanzen erging.
Jeder hiesige Vollhausbesitzer hat nun 10 Mann (resp. entsprechende sonstige) Einquartierung. Die Bequartierten haben für die nunmehrigen Gäste auch Lebensmittel zu besorgen, und einem großen Theil jener wird schon jetzt die Frage „Woher nehmen?" bittere Sorge machen.
Wien, 10. Februar. Die Oesterreichische Cor- respondenz sagt: In auswärtigen Blättern sind wiederholt Anschuldigruzgen gegen die österreichische Regierung wegen übler Behandlung der Gefangenen auf dem Hradschin vorgckommen. Ein Prager Korrespondent der Grenzboten bringt sogar das Gerücht, Bakunin sei, um ihn zum Geständnisse zu zwingen, schon dreimal ganz fürchterlich geprügelt worden. Wir können nach den zuverlässigsten Erkundigungen und Mittheilungen die Erklärung abgeben, daß die Behandlung der politischen Jnquisiten auf dem Hradschin allen Forderungen und Rücksichten der Huma^ nität und des Gesetzes entspricht. (Dieser diplomatisch abgesaßten Versicherung gegenüber würde die bestimmte Erklärung, Bakunin sei nicht geprügelt worden, mehr befriedigen.)
Eine sehr nützliche, für die polyglotte Monarchie hochwichtige Arbeit wird beabsichtigt, nämlich die Abfassung eines vergleichenden Wörterbuchs der zehn vorzüglichsten Reichssprachen.
Von der Adria, 8. Febr. (K. Z.) Aus Bosnien und der Herzegovina lassen die letzten Nachrichten neue Aufstände befürchten. Nicht allein, daß die türkische Streitmacht von etwa 12,000 Mann, worunter der vierte Theil Arnaulen, eine irreguläre und sehr unzuverlässige Truppe, nicht hinreicht, um die Ordnung herzustellen, so scheint auch deren Befehlshaber Omar Pascha selbst nur wenig geneigt, die Befehle der Pforte auszuführen. Er ist, wie alle höheren Militärs, ein Renegat, und zwar ein Ungar, jedoch schon aus früheren Zeiten, alS der letzten Revolution. Seine Absichten scheinen unverkennbar auf das Ziel gerichtet, jenen beiden Provinzen eine Stellung zu vcrschaffrn, wie sie Bulgarien, Serbien und die Walachei haben, d. h. mit anderen Worten, sie unter dem Protektorat einer europäischen Großmacht unabhängig erklären, und allenfalls einen jährlichen Tribut an tie Pforte zu zahlen. Die Großmacht kann natürlich keine andere sein, als Rußland oder Oesterreich. Rußland, welches in den Donaufürstenthümcrn bereits allmächtig herrscht, würde mit einer solchen Schutzherrlichkeit, die eS bis an das adriatische Meer und mit Montenegro in Verbindung setzt, einen die ganze orientalische Frage entscheidenden Schlag ausführen. Und ob das Petersburger Kabinet dazu den Augenblick für reif halt, ist sehr die Frage, denn wie nachgcbend England bei allen sonstigen kontinentalen Veränderungen sein mag, hier wäre der Casus belli nicht zu umgehen. Bleibt also Oesterreich, dessen Interesse, nachdem cs sich an der Donau auS dem Felde hat schlagen lassen, hier noch die letzte Gelegenheit, sich bei der orientalischen Frage koch' einigen Aniheil zu sichern. Die Herzegowina und BoS, nie» würden seinen beiden schmalen und ziemlich sterilen Küstenländern Istrien und Dalmatien daS produktenreiche Hirtenland geben, welches sie zum Aufschwung ihres HandelS und ihrer Schifffahrt bedürfen. Ein Blick auf die Karte lehrt deutlicher und schneller, als viele Worte. Durch die Mitte deS fruchtbaren Dalmatiens strömt der große Fluß, welcher sich auf der Ostküste in daS adriatische Meer ergießt — die Narenta- Dieselbe war im Alterthum von kommerzieller Wichtigkeit, an ihrem Ufer lag Emporium, wie schon sein Name anzeigt, der Stapelplatz für daS mazedonische Reich. Später verfiel der Platz, und unter der Herrschaft der griechischen Kaiser siedelten sich dort die gefürch
teten Seeräuber an, mit denen die Republik Venedig so lange und schwere Kriege führte, bis sie endlich triumphirte und mit dem scharfen politischen Blicke die Gefahrseiner maritimen Nebenbuhlerschaft erkannte, weßhalb sie die Gegend verwüstete und den Fluß versumpfen ließ. Erst unter Napoleon wurde die damalige, leider zu kurze Verwaltung unter dem venetianischen Proveditore Dandolo auf die glücklichen Naturanlagen aufmerksam. Die öfter, reichische Herrschaft that nur wenig und halb, bis neuerdings, theils in Folge der allgemeinen Regsam, seit für den Aufschwung der materiellen Interessen, theils in Folge der politischen Bewegungen in ter benachbarten Türkei , die Augen ^Dalmatien wieder zugewendet wurden. Auch die oberflächlichste Be- obachlung zeigt, daß hier eine große Vergangenheit in einer nicht minder großen Zukunft herzuftrllen ist. Und es scheint, daß man in Wien dermalen auf dieser Stelle wenigstens einen Theil dessen wieder gut machen will, was, wie schon gesagt, an der Donau unrettbar verloren gegangen. Ein Obser- vationSkorpS von etwa 10,000 Mann unter dem Befehl deS Generals Mamula steht längs der Grenze der Herzegowina ausgestellt, und eS soll dasselbe bis zum Frühjahr ansehnliche Verstärkung erhalten. Es fragt sich nur, wie die Disposition der Bevölkerung ist und ob sich für eine österreichische Einmischung irgend plausibler Vorwand finden läßt. Oesterreichs Ansehen ist im Orient über alle Maßen gesunken, und cS bedarf eines thatkräftigen Aktes, nm es einiger Masten wieder herznstellen.
F r a N k r e i cb
Paris, 11. Febr. Der Polizeiprâfekt ist jetzt mit Einrichtung ein r Polizei-Brigade beschäftigt, welche sich während der Ausstellung in London aufhalten soll, um ausschließlich den für die französischen Erzeugnisse angewiesenen Theil ter Galleriecu deS AuSstellungSpallasteS zu überwachen.
Paris, 12. Febr. Der „Moniteur" zeigt heute an, daß ter Präsident der Republik am nächsten Donnerstag nicht empfängt. Ob damit die Donnerstags-Gesellschaften im Elysee aufhören, bleibt noch zweifelhaft. Das „Journal des Fans" will wissen, daß bei dem Er-Minister Foulv eine Versammlung der Haupt- Aktionäre der Nordbahn, Engländer und Franzosen, stattgefunden habe, worin man über ein Darlehen von 1,800,000 FrS. für L. Napoleon über- eingekommen se>, für daS nach der Meinung der Anwesenden die Wiedererwählung deS Präsidenten der Republik im Jahre 1852 hinreichende Bürgschaft bieten würde. Die „Gazette te France" rechnet dem Präsidenten vor, daß ihm zu Unterstützungen, Geschenken und Ermunterungen im Budget von 1851 über 13 Millionen zur Verfügung stehen, waS ihm also den Theil der verlangten Dotation, der zu diesem Zweck bestimmt sein sollte, entbehrlich machen würde. Dagegen will der „Siècle" wissen, daß der Intendant keS Elvsce bereits Befehl erhalten habe, die in Folge der Verwerfung der Dotation nöthig gewordenen Reformen und Einschränkungen in Vorschlag zu hringeir. — Unter den eifrigsten Bonapartisten ist man nicht gesonnen, dem Gedanken einer National -Subskription zu entsagen. Da aber der Präsident daS Geld ausschlägt, so wollen sie mit den eingehenden Summen ihm ein Monument, einen Palast, ein Kunstwerk oder dgl. widmen.
In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde Herr Dupin mit 371 unter 583 Slim, men zum Präsidenten' gewählt. Herr Baroche erhielt 38, Lamoriciere 64, Mathieu de la Drome 74, Michel von DourgeS 16 Stimmen.
Gestern Abend war eine Deputation von Industriellen der Hauptstadt im Elysce, um L. Napoleon eine sofort ausgebrachte Summe von zirka 350,000 Frs. zu offcriren. Der Präsident hat daS Anerbieten cnlschieden abgelehnt und erklärt, daß er in keiner Weise daS Votum der Nationalversammlung auöbcuten wolle.
Großbritannien^
London, 12. Febr. Hr. DiSraeli hat gestern die Aufmerksamkeit deS HauseS der Gemeinen auf die unter den ackerbautreibenden Klassen herrschende Noth gelenkt und eine Resolution beantragt, welche eS als die Pflicht der Regierung hinstellt, ohne Verzug die geeigneten Maßregeln zur Abhülfe dieser Noth zu ergreifen. Seine lange Rede war der Hauptsache nach eine zweite Auflage deS bei Beginn der vorjährigen Session von ihm über denselben Gegenstand gehaltenen Vortrages. Er er, klärte, die neue Handelspolitik, d. h. das Freihan- delSsystem, nicht angreifen zu wollen. ES sei vielmehr seine Pflicht, die Lage der Grundherren und Ackerbauer diesem neuen Systeme anzupassen. Er sehe wohl ein, daß sich daS Schutztolksystem nur durch den MeinungSauSdruck einer überwiegenden Majorität außerhalb deS HauseS wieder herstellen lasse. WaS er verlange, fei, daß man die ackerbautreibenden Klassen nicht über Gebühr belaste. Lou