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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Freitag den 14L Februar

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Die Nass. Allg. Zeitung n.it dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrânumecationspreiS ist in Wiesbaden für den Umfang >e# HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der LandgrafschaN Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen BerwaltungSgebieteS 8 fl. 1O kr. Inserate werden die Dreispaltige Petitzeile oder Deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Gchellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Motive zu v. Vincke's Antrag.

Deutschland. Wiesbaden (Der Alterthumsverein).

Hu« dem Maingrund (Die Zwangsversteigerungen).

AuS der Provinz (Die Irrenanstalt). Bom Fuße des Höchst (Der Kreis). Hachenburg (Das Nisterlhaler Eisenwerk). Bom Westerwald (Die Limburger Petition). Kassel (DaS Kriegsgericht). Stuttgart (Vereinigung der beiden vormärzlichen Kam­mern. Karneval). Freiburg (Ueberfall). Dres­den (Die Konferenzen. Graf Thun. Die englische Thron­rede). Köln (Gefahr für den Ausbau des Doms). Berlin (Die Kammern). Hamburg (Das Kronen­werk). Altona (Postverbindung). Kiel (Die Tren­nung der Herzogthümer). Rendsburg (Der Einmarsch der Dänen). Wien (Graf Sponneck. Nationalität. Truppen nach Italien. Dr. Smetana. Fürst Schwarzen­berg. Graf Thun. Truppenzusammenziehungen in Russisch- Polen).

Großbritannien. London (Die Eintrittspreise zur Indu­strieausstellung).

Italien. Turin (Siccardi).

Neueste Nachrichten.

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Amtlicher Theil.

Heinrich Frickhöfer von Wiesbaden ist nach erstandener Prüfung in die Zahl der geprüften Kandidaten der evangelischen Theologie ausgenom­men worden.

Nichtamtlicher Theil.

Motive zu v. Vincke's Antrag

Hr. v. Vincke hat seinem Anträge, daß die Kammer einen Ausschuß auS achtunvjwanzig Mit, gliedern zur Untersuchung der Lage deS Lande- er­nennen möge, folgende Motive beigefügt:

Die Lage deS Landes so weit darüber, ohne Einsicht aller Verhandlungen, ein Urtheil sich bilden läßt gibt zu den mannigfachsten Bedenken und Besorgnissen gerechte Veranlassung. Der deutsche Bundesstaat, noch vor Kurzem von der Regierung Sr. Maj. deS Königs als eine berechtigte Forderung der Nation bezeichnet und durch die feierlichsten Erklärungen und Verträge verbürgt, ist aufgegeben. Dagegen bereiten in Dresden Entscheidungen sich vor, welche mit Wiederherstellung der früheren Bun- deSgewalt, nur unter Schmälerung des preußischen Einflusses, mit Aufnahme auch der nicht deutschen Provinzen Oesterreichs in den deutschen Bund und mit Gefährdung deS Zollvereins drohen. Jnmitiels ist die preußische Armee auS Baden zurückgezogen; in Hessen sind Stellungen ohne Schwertstreich ge- räumt worden, deren Festhaltung von der Regierung als unerläßlich für die Verbindung zwischen den beiden getrennten Theilen der Monarchie bezeichnet war; ein Preußen durch die Geschichte wie die jüngsten Verträge eng verbundener treuer und bie­derer VoltSstamm ist dort Anfangs unter Zu­lassung, dann sogar unter Mitwirkung Preußens mit einseitiger Willkür unterdrückt worden. Im Norden wird, unter Theilnahme eines preußischen Kommissars angeblich im Namen aller deutschen Regierungen daS tapfere schleSwig-holsteinische Heer aufgelöst, unter Bedingungen, welche seitdem nicht eingehalten sein sollen. Oesterreichische Trup­pen, seit den Zeiten deS dreißigjährigen Kriege- in Norddeutschland nicht gesehen, fassen festen Fuß im Norden der Elbe. Ungeachtet dieser wiederholten Demüthigungen und Niederlagen sieht daS Land von allen Lasten der Mobilmachung der Armee sich be­troffen. Zahlreichen Familien sind ihre Ernährer auf längere Zeit entrissen, dem Ackerbau und den Gewerben viele fleißige Hände entzogen worden; ganze LandeStheile wurden durch ungleich »ertheilte,

zum Theil unentgeltliche KriegSleistungen auf daS äußerste in Anspruch genommen.

Während daS Gesetz dom 7. März 1850, wo­durch dem Ministerium ein Kredit von achtzehn Million Thaler für außerordentliche Militärzwecke bewilligt wurde, im §. 3 ausdrücklich bestimmt: Die Ausführung dieses Gesetzes wird dem Kriegs­minister und dem Finanzminister übertragen, rnb ist darüber den Kammern sofort bei ihrer nächsten Zusammenkunft Rechenschaft zu geben, welchen so­dann über die Fortdauer dieses Kredits, so weit er noch nicht erschöpft ist, die Beschlußnahme vorbeha!» ten bleibt", ist den Kammern noch bis heute eine Vorlage nicht zugegangen. Der Etat der ordentli­chen Einnahmen und Ausgaben deS StaateS ist nur bis zum 31. Dezember v. Z. festgestellt worden, i und dennoch finden täglich von den Kammern nicht bewilligte Einnahmen und Ausgaben Statt, ohne daß die Regierung daS Geringste versucht hätte, um diesem verfassungswidrigen Zustand Abhülfe zu ver­schaffen. Statt dessen wird eine Vermehrung der unverzinslichen Staatsschulden um zehn Millionen (!) begehrt, ohne eine so exorbitante Maßregel auch nur mit einem Worte zu begründen. Rechnet man zu allem dem die über Gebühr verzögerte Einführung der Gemeideordnung, die Beeinträchtigung der per­sönlichen Freiheit durch willkürliche Ausweisungen; die Verkümmerung der Preßfreiheit durch eine ver­fassungswidrige Verordnung, so erscheint eS nicht zweifelhaft, daß ein Zustand sich vorbereitet, der bat Land in eine äußere und innere Krise vom allerbe- denklichstem Umfange zu stürzen droht. ES ist der heilige Beruf der Kammer, bei Zeiten alle Kräfte aufzuwenden um den Staat vor solchem Unheil zu bewahren. Dazu bedarf eS vor Allem genauer Kennt­niß , der mit dem Auslande gepflogenen Vorhand- langen, wechle der Adreß-Kommifsion von der Regie, rung bekanntlich verweigert ist, wie der gründlichsten Einsicht in den Finanzzustand deS StaateS. Diese Vorbereitung kann nur durch umfassende Erörterung in einer, auf Grund deF Artikel 82 der Verfassung von der Kammer gewählten, besonderen Kommission in genügender Weise beschafft werden. Die baldigste Ernennung dieser Kommission erscheint daher alS ein dringendes Bedürfniß.

Deutschland.

^Wiesbaden, 11. Febr. Die Debatten über die Einrichtung deS Vereins für nassauische Alter- thumSkunde und Geschichtsforschung beginnen sich tiefer und tiefer in persönliche Erörterungen zu verlieren, bei denen die Sache nur Schaven nehmen kann. Daß daS Interesse der Mitglieder vor Allem die Aufstellung eines Inventars der Sammlungen erheische, dieß ist eine Behauptung, welche auch von der materiellen Seite her genommen gewiß ihre Be­gründung Hal. Daß ein regeres VereinSleben wie- der entstehen und dem Publikum öffentlich Beweise eines solchen vorgelegt werden müssen, auch von dieser Anforderung kann sich der Verein nun und nimmer loSmachen, ohne allmählich zu Grunde zu gehen. Daß Vorlesungen in Wiesbaden sehr nütz- lich und Versammlungen im Lande, auch wenn man nur wenige Münzen mitbringt, dagegen aber die Versammlungen an solchen Orten hält, wo die nächste Umgebung reichlichen Stoff und Anknüpfungs­punkte zu Vorträgen liefert, daß diese so sehr bedenk­lich erscheinenden Neuerungen unumgänglich nöthig seien, kann nur von Jemanden bezweifelt werden, der überhaupt ein Feind der Oeffentlichkeit und der freien gegenseitigen Kritik ist. Aber der Verein ist ein von vornherein für die Oeffentlichkeit bestimmte- und vom Staate unterstützte- Institut, von welchem man öffentlich Rechenschaft über sein Wirken zu verlangen berechtigt ist. Daß die ganze Thätigkeit deS Vereins einem bestimmten Plane folge und daß jedes Mitglied, welches die Befähigung zu histori­schen Arbeiten besitzt, von dem Vorstande auf alle Weise durch literarische und andere Hülfsmittel un­terstützt werden müsse, liegt so sehr int Begriffe deS Vereins selbst, daß wir eS kaum erwähnt hätten, wenn nicht dieser wichtige Punkt in den bisherigen Erörterungen übergangen worden wäre. Summa Summarum verlangen also dieReformfreunde" durchaus nicht- Ungebührliches , aber sie verlangen «in Aufgeben der alten liebgeworbenen Praxis, Kon­

zessionen an die Provinz, als ob da auch noch Leute wären, die Sinn und Verstand für wissenfchafilich« Dinge haben, sie verlangen eine energische und planmäßige «Leitung der Arbeiten zur Erreichung des vorgesetzten Zweckes, die dennoch jedem einzelnen Arbeiter feine Anerkennung und sein Recht läßt undda- hätte man im Vorstande längst einsehen und selbst die deßhalb erforderlichen neuen Emrich. Hingen proponiren sollen. Dann waren sämmtliche Erörterungen über die Einrichtung deS Vereins in den Zeitungen unnöthig geworden, an deren Stelle wir viel lieber irgend eine interessante Mittheilung aus dem Bereiche der Studien deS Vereins gesehen hätten.*) Auch jetzt ist eS noch nicht zu spät zu ver­nünftigen Konzessionen, eine außerordentliche Gene­ralversammlung kann alle diese Abänderungen in 3 Stunden abmachen und so viel Interesse wird doch noch für die Zwecke deS Vereins da fein, daß mehr als 10 Mitglieder erscheinen, wenn Existenz­fragen desselben verhandelt werden sollen. Schließ­lich die Versicherung, daß Schreiber dieses weder mit dem nördlichen Taunus, noch mit Herrn Ros. sei in der entferntesten Beziehung steht.

Aus dem Maingrunde, 2. Februar. Wenn der neue Entwurf über Die Zivilprozeßordnung den Gerichtsvollziehern bei den Herzog!. Justizämtern nicht sehr günstig ist, so wird deren Stellung nach und nach eine unhaltbare, indem dieselben außer dem Zwangsverfahren der Repturen auch noch jenes für die Gemeinde- und Kirchenkassen, und somit die Hälfte ihres bisherigen Verdienstes verloren haben. Es dürfte daher nicht allein jetzt keine Ursache mehr vorhanden sein, die Gebühren zu beschneiden, son­dern im Gegentheil , dürfte die Verpflichtung für den Staat erscheinen, die so sehr geschmälerten Ver­dienste dieser Bediensteten wieder zu heben. Die Gründe warum, liegen ganz nahe ; 1) Alle gediente Sergeanten haben ihre Stellungen bei dem Mili­tär verlassen und sind Gerichtsvollzieher geworden; imgleichen besteht eine weitere Anzahl von Gerichts­vollziehern auâ Leuten, welche aus Anlaß der Märzrevolution um ihre Dienststellen gekommen sind, und gegen diese erfordern eS Recht und Billig­keit, daß der Staat für ihren Unterhalt sorgt. 2) Anfänglich waren die Gerichtsvollzieher in dem gu­ten Glauben, daß ihnen sämmtliche Dienstgeschäfte verblieben, und hätte mancher Gerichtsvollzieher vorhergtsehtn, welche Eventualitäten eintrelen wür­den , so würde er sich für diesen beschwerlichen Dienst bedankt und lieber die Zahl Der Fcrkelstecher vermehrt haben, wozu er jetzt die Zeit verpaßt hat, iuu .1 sich diese Art Leute fast überall vollständig ergänzt hat und an manchen Aemtern sogar über­zählig geworden ist. Zu spät sehen die Gerichtsvoll­zieher daS Mißliche ihrer Stellung ein und die Hoffnung auf bessere Zeiten ist es allein, was ihnen, wie jedem andern armen Schlucker, verbleibt; denn rückwärts können sie nicht mehr, ohne den letz­ten Anhaltspunkt für ihre Existenz aufzugeben.

Bisher war man in dem Wahne, als würden die Zwangsversteigerungen den Gerichtsvollziehern zugetheilt und ihnen dadurch wieder ein kleiner Er­satz für großen Verlust, um so mehr alS daS Be- freitstin von dieser Art Versteigerungen der Wunsch unserer meisten Bürgermeister ist; jedoch auch die­sen KürbiS scheint der Wurm wieder angenagt zu haben, wenigstens hört man jetzt fast nichtS mehr von der Verwirklichung dieses in dem neuen Ge­setzentwürfe gedachten Projekts, und doch wäre sol­ches ein Akt der Billigkeit gegen Leute, welchen der größere Theil deS Einkommens, auf welches sie bei Annahme ihrer Dienststellen bauten, zwischen­zeitlich genommen worden ist, und wäre um so leichter durchzuführen, da eS sich hier lediglich darum handelt, wer einen durch frühere Gesetze bestehenden Akt auSübt. Ferner gehören die Zwangsversteigerun­gen , ganz abgesehen davon, daß viele Bürgermei- ster zur geringen Freude der Gläubiger in der Ab­haltung derselben mehr alS nachlässig sind, nicht den von dem Volke gewählten Bürgermeistern. Diese sind reine VerwaltungSbedienstete, und sollen sich die Liebe ihrer Mitbürger erwerben und erhal­ten; daß jedoch Letztere- durch die Zwangsverstei­gerungen nicht geschieht, ist Jedem bekannt.

*) Mit dieser Ansicht unseres Hrn. Korrespondenten können wir uns nur einverstanden erklären. Die Red.