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Rassamschc AllMciiie Zeitung.

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Donnerstag den 13. Februar

18SL.

Die Naff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumecationspreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchail Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerwaltungSgebietes S fl. 1O kr. Inserate werden die dreispaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Ech ellen de rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Revolution und Reaktion.

Die Taunus-Eisenbahn.

Deutschland« Vom Taunus (Zur Zollverein-frage).

Vom Rhein (Die Londoner Ausstellung). Limburg (Erzessc). V om Fuße des Höchst (Die Gemeinde).

Von der Dill (Zustände). Hachenburg (Ein­quartierungen). Frankfurt (Die deutsch« Flotte). Kassel (Graf Leiningen. Da« Kriegsgericht). Dre «den (Di- Zotteinigung. Die Konferenzen. Der Protest Frank­reichs. Der Herzog von Braunschweig. Die neue sächsische Anleihe). München (Beschickung der Londoner Aus­stellung). Hannover (Ständische Vertretung beim Bundes Berlin (Die Herzogthümer. Die Diäten der Abgeordneten). Au« Westpreußen (Theilnahme für die Tscherkeffen). Hamburg (Legeditsch). Rends­burg (Uebergabc der Festung). Wien (Daâ Tabak­monopol. Koffuth. Graf Thun. MuffuruS).

Frankreich. Pari« (Die Dotation. Vermischtes).

Großbritannien. London (Antrag die päpstlichen Ueber- griff« betreffend).

Italien. Turin (Siccardi).

Neueste Nachrichten.

Sprechsaal für Stadt und Land.

f Revolution und Reaktion.

Die Rtvolution ist geschlossen und die Reaktion mit aller Macht aufget eten; das kann auch dem mit Blindheit geschlagenen unmöglich verborgen sein, so sehr man sich auf gewisser Seite sträuben mag, daS unvermeidliche als wirklich vorhanden anzuerkennen und sich in dasselbe zu fügen.

Die Revolution deS JahreS 1848, von vielen zwar vorauSgeschen, hat doch wohl den größten Theil nicht wenig überrascht und unvorbereitet an- getroffen; ebenso ist die Reaktion auf der entgegen­gesetzten Seite vielen höchst unerwartet gekommen, während andere sie alS unvermeidlich vorauSsahen. Wâre eS nicht so, dann würden gewiß die Regie­rungen dem herrinbrechcnden Strom der Revolution zeitiger einen Damm entgegengesetzt und ebenso aus der anderen Seite die Vertreter der deutschen Na­tion den günstigen Moment der Machtlosigkeit der Regierungen gewiß besser zu benutzen gewußt ha­ben, um daS ihnen gesteckte Ziel zu erreichen.

Beide Erscheinungen, die Revolution und Reak­tion, stehen in den genauesten Wechselbeziehungen, wie dies dem unparteiischen und ruhigen Beobach­ter der Ereignisse der letzten Jahre nicht entgehen kann und eS dürfte nicht ohne Interesse sein, dieS hier einer näheren Erörterung zu unterziehen.

Revolutionen, als gewaltsame Umänderungen der bestehenden politischen Einrichtungen, durchreißen den natürlichen Entwickelungsgang der menschlichen Verhältnisse gewaltsam, und au« diesem Grunde vergrößern sie daS Uebel, mag eS nun ein vermeint­liche» oder wirkliche» sein, anstatt eS zu heilen; sie gehen den Weg der Ueberstürzung und Anmaßung, und kommen deßhalb nicht zu dem beabsichtigen Ziele. Der Strom, welcher seine Dämme durch­bricht, verletzt überall, und eS ist nicht blos natür­lich, sondern auch nothwendig, daß Jeder sein Ei­genthum vor dem Verderben schützt, und, daß nach dem ersten Schrecken Alles die Hände rührt, um die empörten Fluthen von dem Weitervordringen abzuhallen oder sie in ihr natürliches Bett zurück, zudämmen. Nur die, welche zunächst nichts zu ver­lieren oder zu fürchten haben, die Leichtsinnigen, die Unverständigen und die Schadenfrohen haben wohl gar ihr Wohlgefallen an dem entfesselten Ele­mente, und die romantischen Schwärmer vergessen da« Unglück über das großartige Ereigniß. Nicht so der besonnene und gutdenkende Theil der Men­schen. Hülfreich und thätig, oft mit eigener Ge­fahr, setzt er seine Kräfte ein zur Abwehr der Noth und ruhet nicht, bis der Strom wieder für ihn selbst und seine Mitmenschen gefahrlos und Scgen- bringend dahin fließt.

Ebenso bei der Revolution. Die Abwehr der Gefahr, deS Unrecht«, des UebermutheS und Frevel«, welche im Gefolge jeder Revolution gehen, diese Abwehr deS Verderblichen in jeder Revolution ist das natürliche und nothwendige Gegengewicht der­

selben und muß nothwendiger Weise zur Reaktion (zur Gegenbewegung) führen.

Ueberall in der Weltgeschichte, wo von der lei­denschaftlichen Ungeduld oder von dem rohen und wilden Uedermuthe ein gewaltsamer Umsturz oder Durchburch versucht wurde, trat auch die Reaktion zugleich als das Gegenmittel auf und suchte den Gang der Dinge wieder in die natürliche Bahn zu leiten.

Der Rebell wehrt sich freilich gegen dieselbe, wie der Fieberkranke vor dem bitteren Tranke, und doch muß er durch denselben gesund werden.

ES kann also nicht auffallen, daß den Revolu« tionskranken die Reaktion unwillkommen sei; da« muß sich dieselbe schon gefallen lassen, denn eS ist eben ihr Schicksal, der geduldige Damm zu sein, i an dem sich die empörten Fluthen brechen.

Je weiter die Revolution um sich greift und in die Verhältnisse deS Lebens einbringt, desto größer wird die Reaktion. So lange die Revolu­tion vorherrschend noch in Aufläufen und Volks­versammlungen , auf Bierbänken und auf den Gas, sen sich bewegt, besteht die Reaktion meist nur darin, baß man die Hausthüren verschließt; so bald sie aber gegen die einzelnen Verhältnisse und Interessen sich erhebt, so greift man zu ernstlichen: Mitteln der Abwehr. Jeder, gegen den die Revo­lution sich zu richten anfângt, wird in eben dem Maße reaktionär, als seine Interessen dabei verletzt werben.

Deßhalb reagirten zuerst die Gewalthaber, als man gewaltsam ihnen Macht und Einfluß zu kür- zen suchte und eS war ganz natürlich, baß sie Ge, walt mit Gewalt zu vertreiben sich bemühetcn; deß­halb reagirte die Kirche, als man sie in der Aus­übung ihrer Rechte beeinträchtigte; deßhalb reagir- tcn die Besitzenden, als die Parteiführer der Volk«, mässe Theilung deS Eigenthums oder gar Plünderung in Aussicht stellten; deßhalb reagirt der Bürger und Bauer, weil er für seine Freiheit bezahlen soll; so werden alle einzelnen Stände nach und nach reagi- ren, wenn die Fluth der Revolution an ihre Schwelle kommt.

Darin liegt eben daS Widersinnige und Un­haltbare einer jeden Revolution, baß sie bei ihrer Durchführung jeden verletzt und zuletzt alle gegen sich hat, die nicht das einträgliche Geschäft er­griffen haben, von der Revolution zu leben. Jede Revolution zerschellt an dem immer weiter sich auS- dehnenden Damme der Reaktion, und wenn eine Revolution nichts weiter mehr umzustürzen hat, s o stürztsie ihre eigenen Größen einenach der andern.

Auf der andern Seite hat aber die Reaktion ihre nothwendigen Grenzen; sie wird durch die Revolution hervorgerufen, und darf nicht weiter gehen, alS ihr Zweck reifte geht sie weiter, über­schreitet sie diese, so lauft sie dieselbe Gefahr, wie die Revolution; denn eS läßt sich der Strom der Zeit sowenig über die von der Natnr gesteckten Grenzen einvâmmen, alS die Fluthen; beide, die Strömungen der Zeiten, wie deS WasscrS, sind im Stande, selbst den mächtigsten Damm zu durchbre- chen, wenn er ihren natürlichen Entwicklungsgang hemmt, und nichts widersteht der Macht beS seine gewaltsamen Fesseln überwältigenden Elements. Des­halb sollte sich die Revolution sowenig, alS die Reaktion eine« Sieges rühmen; beide sind vom Uebel, denn beide greifen, nach entgegengesetzten Richtungen, in daS seinem Ziele zueilende Rad der Zeit, welches aufzuhalten oder in andere, <15 die vorgeschriebenen Bahnen zu lenken, keine Macht dieser Welt stark genug ist. Beiden gegenüber steht die Reform, die ruhige Fortbildung deö StaatslebenS, die sittliche Entwicklung der Zustände nach den all- gilligen Gesetzen der Vernunft und den Forderun­gen deS Zeitgeistes. Die Reform kann beideS: Be­stehendes aufheben und Aufgehobenes oder Gestürz­tes wieder einführen und aufrichten. Ihr Gang ist aber ein naturgemäßer, weil auf die Erkenntniß deS Rechtes gegründeter.

Nicht Revolution, nicht Reaktion, sondern zeit- gemäßer Fortschritt, kann daher nur allein zu einem erwünschten Ziele führen 1

Die Taunus - Cisenbahn

AuS derDenkschrift deS VerwaltungsrathS der TaunuS-Eisenbahn-Gesellschaft, in Betreff der der Gesellschaft von der großh. Hess. und von der Herzog!, nass. Regierung, dann von dem Senate »er freien Stadt Frankfurt angesonnenen Gleichstellung der Transporttarife auf der Taunusbahn mit den Transportpreisen der benachbarten Eisenbahnen, resp, der Herabsetzung der Transporttarife dritter und vierter Klasse", erhellt daS Folgende: Zu Anfang 1850 wurde dem VcrwaliungSrath der Taunus- Eisenbahn-Geiellschaft von den StaatSregierungen, welche die Erbauung und den Betrieb der Taunus­bahn konzessionirt haben, die übereinffimmende Auf­lage gemacht, neue Tarife vorzulcgcn, in welchen die Transportpreise in ein mit den Transporttarifen der benachbarten Eisenbahnen richtiges und dem Interesse deS öffentlichen Verkehr» entsprechende« Verhältniß zu bringen seien. Diese Auflage wurde zu Anfang 1851 wiederholt und dahin näher präzi, sirt, daß die Personen-Transporttarife bri tter Wagenklasse, einschließlich deS bisherigen Freigepäcks (40 Pfd.) bi» zu 11'/» kr. pr. Meile und dicjeni, gen der vierten Wagenklasse, einschließlich deS Transports einer Traglast, bis auf 7 fr. pr. Meile zu ermäßigen seien. Sodann verlangte auch noch die Herzogl. nass. Regierung den vollständigen Um­bau der Biebricher Zweigbahn und deren Betrieb mit Lokomotiven, damit die Hauptzüge von Frank, furt, Kastel und Wiesbaden, und umgekcht, jedesmal über Biebrich gingen. Da die Gesellschaft zu einem solchen Umbau nicht verbunden war, wollte die her­zogliche Regierung dafür den halben Nachlaß der der TaunuSbahn auferlegten Steuern bewilligen, welche von 1842 bi« 1850 einschließlich in den Gc- sammtsummen sich folgendermaßen gestellt haben: a) StaalSsteuer 991 fl. 1 kr., b) Gemeindesteuer 289 fl. 14 kr., c) Gcwerbstcuer 83,520 fl. 55 kr. Der Ertrag, den die Aktionäre der TaunuS-Eisen- bahngescllschaft bisher von ihrem eingezahlten Ka, pital erlangt haben, übersteigt, einschließlich der Bau­zeit , nicht ,4Zj Prozent. Durch die vorbemerkte Herabsetzung der Preise wurden die Einnahmen der TaunuSbahn denen der benachbarten Eisenbah­nen verhâltnißmäßiq gleichgestellt werden. Da diese Eisenbahnen sich höchstens mit 37, Prozent renti* ren, so würde dadurch, da die TaunuSbahn nicht eine StaatSbahn, sondern eine Gesellschaftsbahn ist, der finanzielle Ruin der Gesellschaft herbeigeführt werden können. Um jedoch so viel als möglich den Auslagen der drei StaatSregierungen Genüge zu leisten, erbietet sich der VerwaltungSrath der Tau­nus -Eisenbahngesellschaft, derselben in der nächst stattfindenden Generalversammlung (im März ziescS Jahrs) vorzuscklagen:statt der bisherigen ^vier­ten Wagenklasse eine Stehklaffe einzuführen und die Transporttarife dritter und vierter Wagen- klasse nach dem Wunsche der hohen StaatSregie- runden auf 11V* Kreuzer einschließlich deS Frei- gewichlS von 40 Pfund und 7 Kreuzer einschließ­lich einer Traglast, mit der Abrundung auf Gro­schen (wie bei der Main-Neckarbahn) dergestalt herabzusetzen, daß in der dritten Klasse die größten Entfernungen (Frankfurt-Biebrich-Wiesbaden) um 9 kr., die mittleren (Frankfurt Castel) um 6 kr. und die Zwischenstationen durchschnittlich um 3 kr. nied­riger werden, al« wie bisher, der Tarif vierter Wa­genklasse aber noch bedeutendere Ermäßigungen er­leidet, im Uebrigen die sonstigen Transporttarife beizubehalten und nach erfolgter Genehmigung der Generalversammlung die neuen Tarif dritter und vierter Klasse mit dem 1. Januar 1852 ins Leben treten zu lassen". In Folge dieser Herabsetzung würde man in der dritten Wagen - (letzter Sitz-) Klasse zahlen: voff Frankfurt bis Höchst 15 kr. diS Hattersheim 24 fr., bis FlörShcim 36 tr., bis Hoch­heim 45 kr., bis Castel 54 kr., bis Biebrich 1 fl. 3 kr., bis Wiesbaden 1 fl. 6 kr., und in der vier­ten (Steh-) Wagenklasse: von Frankfurt bis Höchst 9 kr., biS Hattersheim 15 fr., bis Flörsheim 21 fr., bis Hochheim 27 fr., bis Castel 33 kr., bis Biebrich 39 fr. und bis Wiesbaden 42 kr.; von Castel bis Biebrich in der dritten Klasse 9 fr. und in der vier, tcn Klasse 6 kr., bis Wiesbaden in der dritten Klasse 15 fr. und in der vierten Klaffe 9 fr.