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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^L LL Samstag den 8. Februar 1831.

Die Naff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme »e« SonnragS. Der vierteljährige Prânum^ationSvreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des Herzogthum« Nassau, de« GroßherzogthumS und Kurfürstenthum« Hessen, der Lanvgraffchail yeffen-Hvmburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fL, in ven übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerwaltungSgebieteS 8 fl. 1O kr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit A fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Diplomatie und die Presse.

Deutschland. Wiesbaden (Landtagsverhandlung. Die

Theaterdotation bewilligt. Mittheilung den Johannisberg betreffend). Aus dem Herzogthum (DerAlterthumS- Verein). Hachenburg (Das Schloß. Vermischtes). Karlsruhe (Der Kriegszustand). Kassel (Die Wahl der LandtagSabgeordneten verschoben). Dresden (Der Herzog von Braunschweig). Leipzig (Die freie Ge­meinde). Fürsten thum Lippe (Verordnung den Hul- digungSeid betr.). Luxemburg (Rückkehr des Hrn. Vilmar. Die Eisenbahn von Namür nach Arlon). Berlin (Die Bundesorganisation. Die deutschen Grund­rechte. Graf Sponneck. Das Kronenwerk). Hamburg (Erzherzog Leopold. Legeditsch. Permittirte. Generalmajor von Gerhardt. Brasilianische Werbungen). Altona (General Bardenfleth. Die Gefangenen). Flensburg (GenSdarmeriekorpS). Rendsburg (DaS Kronenwerk).

Sonderburg (Die dänische Sprache). Wien (Heckscher. Der Freihafen von Venedig).

Frankreich. Pari« (Mission an der Kurfürsten von Hessen. Koalition. Schneider. Mauguin. Vermischtes).

Großbritannien. London (Eröffnung des Parlaments). Neueste Nachrichten.

Die Diplomatie und die Presse.

* Wiesbaden, 7. Februar. Die Diplomatie in Dresden hält entweder ihr Wort, nichts von den Verhandlungen transpiriren zu lassen daS Werk der Einigung ist schon zu Stande gekommen oder die Versuche, eine Uebereinstimmu g zu erzie­len, sind gescheitert. Diese drei Konjekturen lassen sich mit einem äußerst geringen Ausivanb salomonischer Weisheit ausstellen, um die jetzt herr­schende politische Windstille zu erklären. Sie er­schöpfen die Sache^wie auch die Sache die lahmste Geduld eischöpft.

Die Erfindung, nichts von den Verhandlungen in die Oeffeiul'chkeit gelangen zu lassen, ist nicht neu, in dieser Beziehung könnte die Dresdener Diplomatie bei mancher unserer Regierungen noch in die Schule gehen; diese Erfindung ist ein Ueder- bleibsel der alten Aristokratie, deS Kastenwesens, des BramanenthumS, das die vom Vater ererbte Weisheit sorgfältig für den Sohn hüihel und vor jedem entweihenden Blicke bewahrt. Diese Maxime entspringt nicht dem Streben, unnütze Erörterungen der Presse zu vermeiden, der Furcht, unzeitige Befürch, tun en zu nähren. AlS Gegnerin war die Presse der Diplomatie nie ein Gegenstand deS Schreckens und der Bcsorgniß, als Mittel stets willkommen. Sie wußte steiS beides möglich zu machen. Die angenommene Schweigsamkeit der Diplomatie ent­springt also weder einer Furcht vor d-r Macht deS Wortes, noch einer übertriebenen Sorgfalt für die GemüthSruhe der Völker; sie entspringt dem Be­wußtsein der wiedergekehrten Macht, der Ueberzeu­gung , daß die Dresdener Ministerkonserenz dem Volke gegenüber alS Gesetzgeber zu Rathe sitzt, dem gegründeten Glauben, daß sie autonomische Be­schlüsse verkünden werde: Entscheidungen, gegen die ein Widerspruch unzulässig.

Anders ist eS im Schooße deS berathenden Kör­pers, eine andere Stellung die ter, einzelnen stimm­berechtigten Mächte einander gegenüber. Da muß die gute Presse herhalten, um eine ober die andere Idee mundgerecht zu machen, um einen oder den andern Gedanken wie Fühlhörner vorauSzusenden. Dieser Scheinkampf, der sich seit der Christnacht in den Organen" fortspinnt, ist höchst ergötzlich. Natür­lich klingen die Fanfaren, mit denen die Kämpen in die Schranken sprengen, weil todesmuthiger und herausfordernder, als der bis an die Zähne mit Klauseln und Verträgen gewappnete Partisan zu vertreten beabsichtigt. Wir wollen nur auf die Dualismusschwärmereien der preußischenOrgane" aufmerksam machen, als es sich darum handelte, ein paar armselige Stimmchen im engeren Rathe zu erobern; auf das volksfreundliche Krähen und Flü­gelschlagen derNeuen Münchener Zeitung", die, um günstigere Bedingungen zu erlangen, stets daS Banner der Volksvertretung am Bunde vor sich trug, wie ein Jäger, der hinter einer gemalten Kuh und die Glocke läutend Hochwild anschleicht; auf die Selbstständigkeitöbramardasirung der nord­

deutschen Staaten; und endlich, um den vielen Beispielen noch eines zu entnehmen, auf daS Frei, Handelsgeschrei der preußischen Handelspolitik, um einige höhere Schutzzollsätze deS urplötzlich auftau- chcnden Reorganisators in Oesterreich herabzudrücken.

So kam es, daß man über daS Resultat der Dresdener Konferenzen nichts Bestimmtes, nichts Richtiges in Erfahrung bringen ließ. DaS Heer der gewöhnlichen penny a line Mitarbeiter der Journale blieb auch nicht müßig, brachte heute eine Nachricht aus zuverlässigster Quelle, morgen aus einer Quelle, deren Reinheit nicht zu bezwei­feln, dann wieder Mittheilungen von Personen, de­nen ein Blick in die sonst unzugänglichen Räume gestattet, um sie später zu widerrufen.

Die Menge der »»übereinstimmenden Mitthei­lungen klärte sich endlich bis auf die Nachricht von dem tlfstimmigcn engeren Rath und die bekannte Stimmenverlheilung, die sogar auS offiziellen An­gaben entnommen werden konnte.

Dieses bis jetzt einzig und allein in Erfahrung gebrachte Resultat ist aber allem Anscheine nach nur ein scheinbares, eS scheitert an dem Widersprüche einzelner Regierungen; diesmal nur der kleineren, indem die größeren theils die Unmöglichkeit mehr burchzusetzen einsehen, theils durch den günstigen Ausschlag der Unterhandlungen überrascht sind. Die österreichischen Organe sprechen von BundeSerckution, um diesen Beschluß durchzusetzen, während Preußen, daS keine Gelegenheit unbenutzt vorüber gehen läßt die Miene der Bonhommie und der Ritterlich­keit anzunehmen, im Wege der Presse wieder die gegründetesten Vermuchungen aufstellen läßt, diese Regierung werde von Ehrfurcht vor der Selbstbestimmbarkeil jedes auch noch so kleinen StaateS durchdrungen einen solchen Zwang nicht zugeben oder wenigstens so weit eS aus sie ankömmt, nicht anwenden. Wie viel eine solche Verheißung der jetzigen Militärstellung Oesterreichs gegenüber zu bedeuten hat, wird Jeter einsehen, der erwägt, daß eS nun auS strategischen Rücksichten, jeden be­liebigen Erfolg durch Maßreglungen erzielen kann, von denen die natürlichste: Einquartierung seiner Truppen für jeden renitenten kleinen wie großen Staat auch die nachdrücklichste ist.

Zugleich mit diesen Gerüchten von den Prote­sten, die einzelne Staaten gegen die neue Bundes­organisation erhoben, oder wenigstens unmittelbar darauf, erhob sich daS Gerücht von Gründung einer provisorischen Zentralgewalt, die zwischen Oester­reich und Preußen getheilt sein würde, brach die Diplomatie ihr künstlich angenommenes Schweigen, um die Nothwendigkeit derselben zu beweisen.

Er scheint also, wir müssen zu unserer dritten Konjektur zurückkommen und die Vermuthung aus- stellen, daß eS in Dresden noch zu keinem Resultat gekommen sei und wahrscheinlich auch nicht dazu kommen wird, wenn nicht allenfalls Oesterreich, wir bezweifeln sogar, daß eS Preußen eine Theilnahme an diesem Schritte, eine Scheinostentalion gönnen wird, eine neue BundeSorganisation oklroyirt.

Jetzt scheinen überhaupt alle Fragen von den Fragen deS materiellen Interesse in den Hinter, gründ gedrängt zu sein. Der österreichische Zoll- kongreß in Wien, der beiläufig gesagt, was die Publizität seiner Verhandlungen betrifft, ganz auf dem Fuß der Dresdener Konferenzen behandelt wird, wird durch alle Tarifsätze der ministeriellen Zollvorlage par force durchgetrieben, ihm ist ein präklusiver Termin von 10 Tagen festgesetzt, nach dessen Verlauf er mit seinen Arbeiten zu Ende sein muß, auf baß der neue Zolltarif mit dem 15. Febr. ins Leben trete. Mit diesem Zolltarif in der Tasche wird nun Herr von Bruck alS gleichberechtigt dem Zollverein und dem nordischen Sieuervcrein gegen übertreten, und werden muthmaßlich die Un­terhandlungen in Dresden beginnen.

An Sätzen, die Konzessionen zu Gunsten dieser beiden Vereine zu lassen, ist der neue Zolltarif über­reich. Sprach sich doch Hr.v. Bruck gegen Hrn. Hlu- beck, der auf die Rheinweine einen geringeren Zollsatz als auf die französischen Weine vorschlug, dahin aus, eS möge bei dem höheren Satze für erstere bleiben, man könne die spätere Herabsetzung alS Konzeision für Deutschland ad captandam benevotentiam be­nützen. Wir fürchten, daß die Masse von Konzessio­nen mit beitragen werde, die Pille zu vergolden, welche die österreichische Handelspolitik hier der

übrigen deutschen aufnölhigen wird. Die Vortheile, welche für Oesterreich auS einer Zoll- und HandeiS- einigung resultiren, liegen auf ter flachen Hand. ES ist so angenehm, trotz dem Besitze des auSgebrei» teten und biS jetzt noch nicht auSgebeutetenWelt­marktes" an dem Ertrage dr Eingangs,ölle in unser gewerbregkS und reiches Vaterland pro rata des LänderbesitzeS (an Pusten und üb rschwemmten Strecken) zu parlipiziren und seiner Industrie einen durch EingangSzöllt nicht mehr beschränkten Markt zu öffnen; den Verkehr auS der Levante von der Adria nach der Ostsee zu erleichtern und die besten Vortheile dieser Erleichterung sich gleich anS erster Hand zu sichern. Kein Wunder, baß Oester­reich alle Minen springen lassen wird, um auch hier zum Ziele zu gelangen. Durch die Besetzung von Kassel, Hannover, Mecklenburg, Lauenburg, Hamburg und Lübeck hat Oesterreich zwei Würfe mit einem Stein gethan, eS hat den Steuerverein in feiner Hand und kann ihm Gesetze diktircn. Im Zollverein zählt eS seine besten Verbündeten, und seit Preußen die Union und die Vortheile derselben aufgegeben, ist es kein Ding der Unmöglichkeit, daß eS sich auch auS dem Zollverein herauSkonferen« zen lasse.

Den Eindruck, welchen die Artikel über daS Danaergeschenk gemacht, hat Oesterreich zwar noch lange nicht verwunden; und eS wird viel brauchen, bis er den deutschen Staaten sein Tabakmonopol, die Korruption feiner Zolladministration, seine miß­lichen Papierverhältnisse und daS Miltragen seiner Finanznotl) annehmbar gemacht haben wird. Denn nur dadurch, ober daß diese Steine des AnstoßeS Hinweggeräuml werben (?), ist eine Zolleinigung möglich.

D^r ad latus deS Hrn. v. Bruck, Hr. Höf, kön versucht zwar in einem längeren Artikel der A. A. Z. kaS Unmögliche. Er sagt:Die Be- seitigung der östr. Papiergeldverhältiiisse und der mangelhaften Grenzbewachung wird in Oesterreich selbst als das dringendste Bedürfniß von Regierung wie von Volk aufS lebhafteste gefühlt. Man sehe doch wie unablässig diese Fragen hier besprochen werden und wie bereits alle legislatorische Vorbe­reitungen getroffen sind, Abhülfe zu schaffen. Nun der Friede so weit gesichert ist, hat eS hiermit auch gewiß keine Noth. Die Maßregeln zur Herstellung unserer Valuta-Berhälinissc sindim Zug"". Mit der Einführung des neuen Zolltarifs wild auch eine gründliche Umgestaltung der Douane Hand in Hand gehen, darüber kann kein Zweifel aufkommen, und wenn man schon beim_ Eniwuife jenes Tarifs sich |o viel thunlich ten Sätzen und dem Systim deS ZollvereinS-TanfS angenähert hat, so wird dies bei der Organijation der neuen Gränzbewachung in noch viel größerem Maße geschehen können, da die- selbe im Zollverein sich ja trefflich bewährt hat und in Oesterreich sich allgemeiner Anerkennung erfreut. Auch in dieser Hinsicht dürsten demnach die beiden Zollfvsteme bald eine erfreuliche Uebereinstimmung Dar bieten und jeder billige Wunsch Befriedigung er­halten". Gegen diese Gründe läßt sich nichts ein* wenden, als daß sie erbärmlich sind. Wenn Oester­reich keine besseren Kämpfer inS Feld zu führen weiß, bann kann eS sicher sein geschlagen zu werden; auf diesem Kampfplatz wird eS kein so leichtes Spiel haben, als bei ben andern Siegen, bei denen das Maß deS NachgebenS durch kie unumstößlichen Gesetze deS Absolutismus und deS dynastischen In­teresse gegeben und das Verhalten durch den Mu­sterstaal an der Neva vorgeziichnet war. Hier han­delt eS sich um materielle Interessen, hier ist daS Feld, wo der Deutsche noch Kraft und Energie ent* fälltet; hier stehen ihm alle entgegen, die sein ent­schiedenes Voranschreiten gegen die Revolution und zum Schutze deS materiellen Wohls gebilligt und gefördert haben; hier gibt eS Einigkeit. Doch waS vermag nicht Konsequenz und wäre es die Konse­quenz der Diplomatie gegen die Presse.

Nachschrift.

^Wiesbaden, 6. Febr. (4l. Landtagssitzung.) Gegenstand der Tagesordnung ist:

I. DaS Budget der Landesbank.

Berichterstatter Wehrfritz. Verwilligt wer­

den 9200 fl. Besoldungen, 1539 fl. Kanzieiaufwand