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RasMsche Allgemeine Zcimng.

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JV» 23» Dienstag den 28. Januar 1831»

Dir Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrânumecationSdreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des Herzogthums Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 2 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Gchellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Ueber die Gründung eines nassauischen ärztlichen Vereins.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag. Die Zollkonferenz.

Die deutsche Kokarde). Runkel (Neubert). Dillen­burg (Assisenfälle für das erste Quartal). Mainz (Krämer. Der deutsch-katholische Pfarrer). Frankfurt (Schlosser t). Kassel (Henkel). Stuttgart (An­kunft Ihrer Hoheit der Frau Herzogin Pauline u. der Prin- zesfln Helene). München (Fürst Thurn und Taris). Dresden (Sitzung der 3. Kommission. Schwarzenberg und Manteuffel erwartet. Beschickung der Wiesbadener Zollkonferenz. Einigung der beiden Großmächte. Proviso­rische Zentralgewalt). Hannover (Klenze), Braun­schweig (Beseler). Berlin (Abberufung des französi­schen Gesandten, v. d. Heydt. Dellbrück« Henning. Das kurhessische Ministerium). Hamburg (Vorrückender Dänen. GrafReventlou. Entlassene Soldaten). RendS- burg (Die Dänen. Schließung der Thore. Rückzug der Armee. Han« von Raumer). Von der Eider (Die Thronfolge). Bromberg (Die Tscherkessen). Wien (Die Erekutiv-gcwalt. Weisungen an den Gesanden in Pari«. Depesche nach Kopenhagen. Der Zollkongreß. Samo«. Schmerling, v. Prokesch).

Dänemark. Kopenhagen (Beurlaubungen der Solda­ten. Amnestie für Schleswiger).

Frankreich. Paris (Sitzung der Burggrafen. Botschaft des Präsidenten. Das neue außerparlamentarische Ministerium), Neueste Nachrichten.

Amtlicher Theil.

Dem provisorischen Lehrvikar Pulch zu Korb ist die dasige Lehrvikarstelle definitiv übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Ueber Gründung eines naffauische« ärztlichen Vereins.

Von Dr. L. Spen gier in Herborn.

DaS Bedürfniß zu periodischen Mittheilungen über medizinische Gegenstände auS unserm Ländchen war eS, das im Jahr 1843 die medizinischen Jahr­bücher für daS Herzogthum Nassau inS Leben rief Im Verlaufe der Jahre bis 1848 sind davon 8 Hefte erschienen, über deren Werth die Kritik ent­schieden hat; allein seit 1848 ist ein Stillstand ein, getreten. Die Jahrbücher sind gewiß der geeignetste Platz zur Verwerthung der halbjährigen SanitätS- berichte, und werden als solche immer ihren Werth behalten. Mit dem denkwürdigen Jahre 1848 aber hat sich daS Bedürfniß zu solchen Mittheilungen vermehrt, und wurde namentlich dadurch erhöht, daß in vielen Beziehungen unser bisheriges Medi- zinalwesen für nicht mehr vollkommen gut befunden, und so der Ruf nach Reform stetS dringender wurde, so daß endlich die Regierung selbst eine Kommission zur Prüfung und Entwerfung einer neuen Medi- zinalverfaffung niedersetzen mußte. Wie sehr wurde damals ein Organ vermißt, in dem sich die verichie- denen Stimmen vernehmen lassen konnten! Zwar brachten die vaterländischen politischen Zeitungen medizinische Reformartikel, aber zu eigentlich wissen, schädlichen Arbeiten konnten sie weder den Play Fefern, noch war eS in ihrem, noch der Aerzte, noch

Publikums Interesse, solchen Mittheilungen ihre Spalten zu öffnen. Es wurde in diesen Artikeln zwar auf. die Nothwendigkeit eines medizinischen Blattes für Nassau hingewiesen, wie ja auch ein ianbwlrihschafmches, ein Schul-, ein Gewerbeblatt erlstlren; allein an Ausführung war nicht zu den- Hauptgrund, warum wohl ein solches Unternehmen nicht gewagt wurde, war wohl daS Bedenken, daß ein derartiges Blatt sich pekuniär

«.rZn,,re' ""d daß nicht genug selbstständige Mittheilungen für das Blatt eingingen. Um jedoch

namentlich daS letzte Bedenken zu heben, habe ich mir die Mühe genommen, und der medizinischen Literatur deS Jahres 1850, so weit sie eine bei be, schränkten Mitteln, und entfernt von jeder größeren literarischen Kommunikation, zugänglich war, daS zusammenzustellen, waS das Herzogthum Nassau betrifft, und im Anhänge mitzutheilen. Solche Ar, beiten sind allerdings selten vollständig, und mache auch ich namentlich hierauf keinen Anspruch, im Gegentheil werde ich für jede Ergänzung dankbar sein. ES wird aber auS dieser Uebersicht erhellen, daß von selbst hier ein medizinischer Stoff geboten ist, der hinreichend war, ein medizinisches Wochen­blatt zu füllen, anderntheilS wird daraus ersichtlich, daß auch Kräfte genug da sind, ein solches Institut zu halten, wenn nur der Wille nicht fehlt. Um aber auch dafür zu sorgen, ist die Gründung eines wissen­schaftlichen Vereins Nassauischer Aerzte nöthig, als dessen Organ die beabsichtigte medizinische Zeitung erscheinen soll. Schon öfter, in Aufsätzen und in Versammlungen, wurde diese Idee beregt, und wenn sie auch stetS Anklang gefunden, so waren sowohl die Zeitverhältnisse nicht geeignet, sie inS Leben zu rufen, als auch die Sache an und für sich noch zu neu. Doch die Zeiten haben sich geändert; das KriegSgetümmel scheint sich zu verlaufen, und den Werken deS Friedens kann wieder mehr Aufmerk­samkeit geschenkt werden. Auch wurde die Sache seit der Zeit vielfach überlegt, und von vielen Sei­ten und öfter der Wunsch nach der Verwirklichung dieser Idee lebhaft ausgesprochen. Fast in jedem Lande deS deutschen Vaterlandes , ja fast in jeder größern deutschen Stadt eristirt ein ärztlicher Verein, in jeder Provinz des Auslandes gibt eS medizinische Gesellschaften, und alle haben für ihre Arbeiten ein medizinisches Korrespondenzblatt. Nur wir Aerzte in Nassau nicht! Wer aber unbefangen die neueste Entwicklung der Heilwissenschaft überblickt, wer die reiche Ausbeute prüft, welche durch Virisektionen, chemische Analysen deS gesunden und kranken Or­ganismus in seinen Se- und Erkretionen, patholo- gisch-anatomische Untersuchungen, Ausbildung der physikalischen Diagnostik, die Untersuchungen über Die Wirkungen einzelner Arzneimittel genommen wurden, und damit historisch die Leistungen der Bor, zeit vergleichen will, der wird leichr einsehen, daß eS dem einzelnen praktischen Arzte, dem eS an Zeit und wegen der Ueberzahl der Aerzte in ganz Deutsch, land auch an Geldmitteln zur Anschaffung und Durcharbeitung der Literatur fehl», unmöglich ist, den Leistungen und Fortschritten der Wissenschaft zu folgen. Diese Einsicht, und daS Gefühl der, den unsäglichen Mühen, der geistigen und körperlichen Strapatzen, den vielfältigen gemüthlichen Aufregun- ! gen und Niederdeugungen, nicht entsprechenden Stel- ! lung der Aerzte im Staate und im Publikum hat die Idee der ärztlichen Assoziation in vielen Gauen deS deutschen Vaterlandes hervorgerufen. Durch solche Vereine soll wechselseitige Belehrung durch Ideenaustausch, Mittheilung von Beobachtungen und Erfahrungen und deS Wissenswerthesten in der Heilkunde, Erhaltung und Beförderung der Kolle­gialität, der Würde des Standes, und der Ehre der Stanbesgenossen bezweckt werden. Diese Zwecke erreicht ein Verein durch größere und kleinere Ver­sammlungen zu kollegialischer Annäherung und wissenschaftlicher Besprechung, durch gegenseitige An- eiferung zu wissenschaftlichen Arbeiten, durch wissen- schaftliche Fortbildung durch Lesezirkel, und durch ein periodisches Organ, das über die Thätigkeit des Vereins und der Vereinsmitglieder referirt rc.

Auf daS wissenschaftliche Streben und die kol- legialischen Verhältnisse muß ein solcher Verein nur günstig einwirken. Von einem glücklichen Gedeihen solcher Vereine hängt gewiß eine höchst wohlthätige Rückwirkung auf daS Verhältniß der Aerzte zu ein­ander, und ihre Stellung zum Publikum ab. Aber auch für die Grundübel der menschlichen Gesellschaft sucht ein solcher Verein Hilfe. Die Reform deS SanitätSwesenS ist sein höchster Beruf! Sein letz­ter Zweck ist, die Gesetze der öffentlichen Gesund­heit, die Lebensdiätetik der Staatsbürger durch Un- tersuchung der pathologischen Produkte der jedes­mal vorhandenen geselligen Verhältnisse aufzufinden und mit der Allmacht der Wahrheit zum Eigen­thum der Gesammtheit zu machen.

Ich erlaube mir daher zur Gründung eines solchen Vereins die Nassauischen Aerzte aufzufordern,

und bitte Diejenigen, die einen solchen Verein grün­den wollen, sich zu melden, damit eS möglich wird, Ort und Zeit zu einer berathenden Versammlung resp. Konftituirung zu bestimmen. (Schluß folgt.)

Deutschland.

t* Wiesbaden, 21. Jan. (Landtagssitzung. Fortsetzung.) Kap, IV. Medizinalpflege. Berichterstatter Haupt: Die Anforderung ist: 1) Die Besoldung 25,846 fl. 40 kr.; 2) Kan^ leiaufwand und Inventar 980 fl.; 3) Reise- und UeberzugSkosten 24,400 fl ; 4) JrrenhauSanstalt für Besoldungen und öffentliche Blätter 7550 fl.; 5) Hebammen. Lehr- und Entbindungsanstalt 2585 fl.; 6) SanitâtSbericht 400 fl.; zusammen61,76l fl. 40tr.

Der Ausschuß trägt darauf an, daß sich die Kammer für Erhöhung der ärztlichen Normalgehalte biS auf daS Medium, welches dieser Stand bisher unter allen allein noch nicht zu erreichen daS Glück gehabt habe, aussprechen möge.

Naht ist gegen letzteren Antrag. Die Kam­mer habe nicht auf bessere Stellung der Aerzte an­zutragen. Dazu hätten die Beamten Vertreter in der Regierung. Hier sei der Ort nicht, die Sache zu erledigen.

Snell ist für den Antrag, jedoch nur in Bezug auf die jüngeren Aerzte (Akzessisten und Assistenten. Kalt: er sei für den ganzen Antrag, weil er wisse, daß der Ertrag der ärztlichen Praxis viel geringer sei, als man ihn gewöhnlich schätze.

Keim befürwortet den Antrag ebenfalls und wiederholt die Anfrage: wann endlich die schon so oft zugesagte Verbesserung im Medizinalwesen ein­treten solle?

Minist.-Präl. v. Wintzinge rode. Vergleiche man daS Dienstalter der Aerzte, so würden diese schneller als alle andere Beamten befördert; daher könne man ihnen daS Medium nicht geben. Wegen der beabsichtigten Verbesserungen deS Medizinal­wesens werden beständig neue Erfahrungen gesam­melt und Berathungen gepflogen ; er hoffe nächstens (?!) eine Vorlage machen zu können.

Heydenreich: Die so eben gemachte Be­hauptung der schnelleren Beförderung der Aerzte sei vor 30 Jahren richtig gewesen; jetzt gebe eS in diesem Stande so alte und vielleicht ältere Akzes­sisten, wie in irgend einem andern. ES sei erwie­sen, daß die große Mehrzahl der Aerzten daS in der Praxis zu führende Drittheil des NormalSqe« hallS nicht erwerbe: daS gelte jedoch nicht blos von den jüngeren, sondern noch viel mehr von den älteren Aerzten, indem jene ihr Drittheil mit 100 bis 200 fl. natürlich leichter in der Praxis finden könnten, alS diese mit 500 bis 600 fl. Ueberhaupt sei eS ein falscher Grundsatz, einen ganzen Stand bloS deßhalb zurückzusetzen, weil einige Mitglieder desselben glänzend gestellt seien. Endlich habe der ärztliche Stand wegen der damit verknüpften Stra­patzen die kürzeste Lebensdauer: und auch aus die­sem Grunde könne man ihn bei Bewilligung deS BesoldungSmediumS billiger Weise nicht von dem Vergleich mit andern Ständen abhängig machen.

Haupt: Naht sei ein Mann für Recht, daher eS ihn wundere, daß jener die Ansicht habe, man solle sich der unterdrückten Aerzte nicht annehmen. Die Kammer müsse sich jedes Bürgers annehmen, also auch der Aerzte, wo Recht und Billigkeit auf ihrer Seite ständen.

Die Kammer tritt hieraus dem Wunsche deS Ausschusses bei.

Zu der Anforderung für das Irrenhaus be­merkt Haupt: Er habe das ganze Budget dieser An­stalt eingesehen, weil man außerdem unmöglich einen Zufluß bewilligen könne. Min.-Präs. v. Wiu- tzingerode: DaS Budget des JrrenShauseS sei zur Einsicht, nicht aber zur Verwilligung vorgelegt worden. Gesetzlich stehe dem Irrenhaus daS Recht zu, die VerwaltungSkosten auS der ÄmtSkasse zu er­halten. Seit 38 Jahren werde die Sache jetzt zum erstenmale angeregt. Die Regierung berufe sich auf das Gesetz vom 10. März 1815. Der Kronauer Fond sei nicht bk6 für Hospitäler, sondern auch für andere milde Zwecke bestimmt und verwendet worden. He Huer: DaS gesammte StaatSver- mögen stehe unter Aussicht ter Kammer: Aber die