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ernstlich daran gedacht, eine durchgreifende Säube­rung des Beamtenstandes eintreten zu lassen. Wir erwarten, daß eS nicht bei der Absicht verbleibt, daß das Ministerium vielmehr unbeirrt die Schwachen und Revolutionären aus den Reihen der StaatS- diener entfernt und für diese Männer beruft, die einer schweren Zeil gewachsen sind. Die Besetzung deS Ministeriums für landwirthschaftliche Angelegen, Heilen wird mit nächstem erfolgen, und ist eS kaum zweifelhaft, daß dies Ministerium eine Erweiterung durch einzelne Abtheilungen deS gegenwärtigen Han­delsministeriums erfahren wird. In Folge der neuesten Bestimmungen des KriegSministeriumS wer­den auch die meisten für die mobile Armee einge­richteten Administrationen aufgelöst und dadurch eine Menge von Beamten ihrer eigentlichen Bestimmung zurückgegeben werden. Insbesondere werden sämmt­liche Feldposten, mit alleiniger Ausnahme der für das nach Holstein bestimmte KorpS eingerichteten, eiugehen.

Berlin, 21. Jan. (K. Z.) Die Vertreter der kleinen Staaten haben dem preußischen Kommissa- riuS von Alvensleben in Dresden ihre Anerkennung ausgesprochen, daß es ihm gelungen ist, ihnen die in dem Oesterreichischen Projekte entzogene Theil­nahme an der Exekutivgewalt deS Bundes zu er­halten. Hinterher beansprucht Herr v. Bülow für Dänemark eine selbstständige Stimme, weil die deutschen Königreiche sich deren erfreuen; deßgleichen hat er sich NamenS seiner Regierung gegen eine nationale Vertretung beim Bunde erklärt. Die Be­setzung von Rendsburg und Altona durch Bundes­truppen ist nun außer Zweifel, auch Lübeck und Hamburg dürfte vorübergehend Garnisonen erhal ten. Vom österreichischen KorpS werden nur etwa 5000 Mann in Holstein einrücken. Friedrichsort erhält wahrscheinlich eine dänische Besatzung. Daß Graf Sponneck von Wien aus seinen Kollegen die Reduktion der dänischen Armee gerathen habe, ist begründet, vorzüglich weil die dänischen Finanzen den längeren KriegSstand nicht zu ertragen vermö­gen. Ein Antrag auf die Gestaltung deS Austrit­tes von Holstein aus dem Bunde soll vom Grafen Sponneck nicht gestellt sein.

Berlin, 21. Jan. Die Tagesordnung der er- sten Kammer für die aus morgen angesetzte Sitzung hat einen Nachtrag erhalten, indem der nachfolgende Antrag deS Abgeordneten von Arnim und Gen. zur Erörterung gestellt worden ist. Der Antrag lautet:

Die hohe Kammer wolle beschließen: In Er­wägung: daß, in offenem Widersprüche mit den Zusicherungen, welche von den nach Kiel gesendeten Kommissarien von Preußen und Oesterreich der Statthalterschaft der Herzogthümer SchleSwig-Hol, stein laut der Protokolle vom 7. und 11. Januar : d. I. dahin ertheilt sein sollen, daß keine Truppen dieser beiden Mächte in Schleswig Holstein ein- * n'jcken sollten, nunmehr dennoch, sicherem Vernehmen nach, preußische und österreichische Truppen daS | Hcrzogthum Holstein besetzen werden; in fernerer Erwägung: daß anderweitigem Vernehmen nach die preußischen und österreichischen Truppen zwar die deutsche Festung Rendsburg besetzen sollen, zugleich aber andere feste Punkte von Holstein, welche eben so unzweifelhaft zum Gebiete deS deutschen BnndeS gehören, den dänischen Truppen zur Besetzung über, lassen werden sollen; in endlicher Erwägung: daß durch diese, wenn auch nur provisorische Anordnung rechtlich ein gefährliches Präjudiz und faktisch eine wirkliche Gefahr für die Erhaltung der Integrität deS deutschen Bundesgebietes gegeben sein würde, bei der hohen StaatSregierung zu beantragen: 1) dafür zu sorgen, daß die von den preußischen und österreichischen Kommissarien im Namen deS deutschen Bundes mit der Statthalterschaft der Herzogthümer SchleSwig-Holstein abgeschlossene Kon- vention von Seiten Preußens und Oesterreichs eben so heilig und unverbrüchlich gehalten und be­obachtet werde, als dies von Seiten der gedachten Statthalterschaft geschehen ist, für den Fall jedoch, daß die nach Kiel entsendeten Kommissarien ihre Instruktionen überschritten hätten, sie also deSavouirt werden müßten und der abgeschlossenen Konvention die Ratifikation versagt werden sollte; 2) jedenfalls dafür Sorge zu tragen, daß, auch nicht provisorisch, Theile von Holstein, welche erweislich zum deutschen Bundesgebiete gehören, oder über welche eine Kon­troverse besteht, bis zur definitiven Regnlirung der schleswig-holsteinischen Angelegenheit von keinen anderen als deutschen Truppen besetzt werden..

Es geht uns die Nachricht von dem plötzlich erfolgten Tode des rühmlichst bekannten und verdienst­vollen Komponisten und Kapellmeister am Friedrich- Wilhelmstävter Theater, Herrn Lor hing zu.

Hamburg, 20. Jan. (D. R.) Es waren bis gestern Abend 8000 Mann österreichischer Truppen im Lauenburgischen eingerückt, fast ausschließlich Infanterie, heute und morgen werden fernere 4000 die Elbe passiven , später die Kavallerie und Artil­lerie, der Train und die MunitionSkolonnen. Der Uebergang wird sich bis zum 20. d. M. verzögern, an welchen Tage derselbe beendigt sein dürfte.

werden im Ganzen nur 16,000 Mann Infanterie, 1 1 Regiment Kavallerie nebst Artillerie über die Elbe gehen, der Rest deS Korps von 6 bis 7000 Mann wird in Hannover, zwischen Lüneburg und Celle, einstweilen verbleiben. !

Hamburg, 21. Jan. Wie dieBörsen-Halle" berichtet, ist österreichischer- und preußischer SeitS ' unserer Regierung die Anzeige gemacht, daß eS i nothwendig sei, in nächster Zeit einige Bataillons österreichischer Truppen nach Hamburg zu legen; je­doch solle solches auf kurz mögliche Zeit geschehen. Ueber die Anzahl der Truppen vermögen wir nichts 1 Genaueres anzugeben, jedoch dürfte dieselbe 3000 bis 4000 Mann nicht übersteigen. Da die Einquar­tierung zu Bundes-Zwecken und im Namen deS Bundes geschieht, so Joli auch die Erstattung der Kosten später aus der BundeSkasse statthaben.

Gestern Morgens kamen zwei österreichische Offiziere hier an, suchten die Kommissäre v. Mens- dorff und von Thümen auf, und überbrachten den­selben Depeschen. Bald darauf fand eine Konferenz zwischen den Genannten und den Bevollmächtigten Dänemarks statt, und nahm später in der Eigen­schaft eines solchen auch der aus Kopenhagen an­gelangte General v. Bandenfleth (dieser in voller Uniform) an diesen Berathungen Theil. Dergestern Abends hier eingelroffene Statthalter Graf von Reventlou konferirte hingegen allein mit v. MenS- dorff und von Thümen; sein Aufenthalt hier und in Altona dürfte sich dieß Mal wohl auf einige Tage auSdehnen. Es soll zwischen den dänischen Kommissarien und denjenigen deS Bundes noch zu keiner Einigung über die verhandelten Gegenstände, mindestens nicht über die Besetzung von Rendsburg und FriedrichSort, gekommen sein. Leicht möglich übrigens, daß man eine Uebereinstimmung in diesen Punkten noch gar nicht will, um nur Oesterreich einen plaustbeln Grund zu verschaffen, mit ansehn­licher Heeresstärke in Holstein einzurücken, trotz deS entgegenstehenden Versprechens der Kommissare von MenSdorf und von Thümen.

Wir hören, daß morgen Nachmittags eine Pa­rade der in Altona auS dem Felde angelangten schleswig-holsteinischen Truppen statt findet, wobei die Kommissäre Oestreichs und Preußens anwesend sein werden. Wie wir ganz richtig vermutheten sind EmpsangS-Feierlichkeiten, als gestern Abends mit einem Ertrazuge daS 1. Bataillon eintraf, un­terblieben ; nur eine Anzahl Bürger, welche Fackeln trugen, war erschienen, und eine Abtheilung der altonaer Bürgerwehr hatte den Bahnhof besetzt.

Altona, 18. Jan. (B.-H.) Gestern mit dem Abendzuge langten die Quartiermacher deS 1. Ba­taillons, welches morgen hier einrückt, hier an. Montag und Dienstag werden die anderen beiden für die hiesigen Kantonnements bestimmten Batail­lone, das 2. und 3., hierher kommen. Am vierten Tage nach der resp. Ankunft eines jeden Bataillons wird dasselbe bis auf 400 vermittln werden. Es werden also im Ganzen 1200 Mann nebst sämmt­lichen Offizieren hier liegen bleiben. Aehnlich wie hier wird die Permittirung in allen Kantonnements erfolgen.

Altona, 20. Januar. Heute Abend 7 Uhr 10 Minuten ist das 2te fckleSwig - holsteinische Jnfanierie-Bataillon mittelst ErtrazugeS hier an­gekommen.

Gestern Abend 10 Uhr wurde ein großer Za- pfensteeich von dem Musikkorps der ersten Infan­terie-Brigade ausgeführt.

Heute Morgen ist H. v. Gagern von Rends­burg hier eingetroffen.

Aus Holstein, 20. Januar. Daß Dänemark seine Forderungen auf eine enorme Höhe hinauf geschraubt, bestätigt sich; es will in der That nichts mehr und nichts weniger, als dem deutschen Bunde r jede Berechtigung zur Mitwirkung über die Verhält­nisse Schleswigs entschieden streitig machen, und beabsichtigt, vaS Herzogthum Schleswig als eine zu Dänemark gehörige Provinz zu behandeln. Alles, was man demselben zugestehen würde, wäre eine getrennte Administration und Justiz, eine Provin­zialverfassung mit sehr beschränkten Rechten, die re­präsentative Vertretung jedoch beim Reichstage in Kopenhagen, die Zoll- und Schifffahrtsgesetze, das Militär- und Marinewesen und die Finanzen mit dem Königreiche verbunden, wie Solches der Plan der RnwIulionSpartei und des Kasinoministeriums in Kopenhagen zu Anfang des Kriegs war. Man wollte Schleswig erobern und glaubt jext mit Hülfe Oesterreichs Das thun zu können, was man mit den eigenen Waffen nicht vermochte.

Rendsburg, 17. Januar. (N. f. P.) Vor, gestern Abend nahm daS 10. dänische leichte Ba­taillon auf den Vorposten in vertrautester Weise Ab, schied auf Nimmerwiedersehen von unserm 1. Batail­lon, indem eS dieses auf der Feldwache besuchte und seinen Gegenbesuch auf ein GlaS Punsch erbat, welche Einladung nicht abgelehnt wurde.

Rendsburg, 20. Januar. (H. B -H.) Am morgenden Tage verlassen die letzten Bataillone, |

das 3., 4., 8. und 14., die Vorposten und rüsten theils als Garnison hier ein, theils auch nur durch. Die Passage nach Schleswig scheint von den Dänen ziemlich freigegeben worden zu fein, wenig­stens zogen im Laufe des heutigen Tages bereits eine große Menge von beurlaubten Soldaten, Hand­werksburschen und anderen Reisenden nach dem Norden und sind bis heute Abends nicht zurückge- lehrt, werben also wohl durch die dänische Kette gelangt sein.

Juowraelaw, 16. Jan. Die Tscherkessen sind von hier immer zu zweien, und zwar am 12. die letzten beiden, per Wagen nach Bromberg befördere. In Betreff der namentlich einem von ihnen, un­mittelbar nach der Entwaffnung durch einen Poli- zeisergeanteu zugefügten Mißhandlung sind in diesen Tagen noch Zeugen vernommen, die ihre Aussage vor Gericht beschworen haben, und eS gewinnt den Anschein als wolle man das inhumane Auftreten des Polizeidieners nicht ungeahndet lassen. Zum Erstaunen deS Publikums hat der hiesige KreiS- PhysikuS für die Behandlung der Tscherkessen vom russischen Kaiser den St. Annenorden erhalten.

Wien, 19. Jan. Ueber die Dresdener Kon­ferenz erfährt man nur so viel, daß man alle Ur­sache habe mit dem Gang Derselben zufrieden zu sein. Außer den bereits mitgetheilten Namen, welche man gerüchtweise schon als Nachfolger deS Hrn. v. Schmerling bezeichnete, werden noch genannt: der LandeSgerichtSpräsident in Trient Salvatti; der Stadthalter von Oberösterreich Dr. Fischer; der Präsident des obersten Gerichtshofes Graf Taaffr, bereits im März 1848 Justizminister in dem ersten Ministerium nach Metternich, dann der in der öster- reichischen Justiz oft genannte ehemaligeStaatSrath von Pilgram. Man scheint aber vorerst noch ein wenig temporisiren zu wollen, und vielleicht irre ich mich nicht, wenn ich ihnen sage, daß der Herr von Schmerling sich doch noch bereit finden dürfte sein Portefeuille wieder zu übernehmen. Der Ban ist gestern Abends in Begleitung seiner jungen Ge­mahlin nach Agram zurückgekehrt.

Triest, 16. Jan. Heute ist die kaiserl. königl. KorvetteCaroline*, Kommandant Graf Caroly, von Portsmouth hier eingetroffen. Sie hat 24 Ka­nonen und 198 Mann , kam in 48 Tagen von PoNSmouih und in acht Tagen von Corfu. Herr V. Rochau ist wieder hier, und es heißt, daß daS seit so langer Zeit projccklirte deutsche Blatt er­scheinen werde. Dieses Blatt soll neben den kom­merziellen Interessen auch Politik behandeln. Die Assisen sind heute geschloffen worden. Die nächsten Assisen werken gegen Ende Februars oder Anfangs März eröffnet. Die Theilnahme deS Publikums an den Verhandlungen ist unermüdlich.

B e l g i e n.

Brüssel, 22. Jan. Der König hat die Ab­dankung deS Kriegsministers angenommen. Der Minister des Innern, Rogier, hat provisorisch daS Portefeuille des Krieges übernommen.

Frankreich

Paris, 21. Jan., 7 Uhr Abends. Bestimmtes ist wiederum über daS Ende der Krisis noch nicht zu melden, jedoch gewinnt ein Ministerium Lamartine immer mehr Wahrscheinlichkeit. Ich bereitete Sie auf dieses Ereigniß bereits vor und meldete Ihnen gestern, daß Lamartine vorläufig abgelehnt habe. ES war daS durchaus richtig und erst gestern Abends, als sich mehrere Repräsentan­ten, und besonders Hr. Abalucci père, zu Hrn. Lamartine sich begeben und ihm Vorstellungen ge­macht hatten, gab er dem Letzteren zu verstehen, daß er gewiß sey, daß sein Programm (ich schrieb Ihnen schon von einem Memoire) ohne Rückhalt akzepiirt würde. Darauf verabredete Lamartine den heute Morgens in derPresse" erschienenen Artikel, dessen Verfasser Herr von la Gueronniere, früherer Se­kretär Lamartine'S, mit demselben in der intimsten Verbindung steht. Heute Morgens wurde Hr. La­martine aufS Reue ins Elysee berufen und legte in einer längeren Konferenz in Gegenwart des Hrn. Aba- tucci père auf's Neue sein Programm vor. Dieses lautet: Antrag auf Abschaffung deS Wahlgesetzes vom 31. Mai, vollständige Amnestie und Aufhebung des auf der Presse ruhenden PolizeizwangeS. Dieses Programm ist heute im Elysee zum ersten Male ernstlich diskutirt worden ; akzeptirt ist bis zur Stunde noch nichts, allein mehrere intime Freunde Lamar, tine's waren nach den Aeußerungen desselben über­zeugt, daß die Sache sich arrangiren würde. Da­neben übrigens kann ich mich dieser Sickerheit nicht hingebe», da außer Lamartine heute noch die ver, schiedensten Persönlichkeiten, unter anderen Herzog von Brogkie, ins Elysee berufen sind, und dort mit dem Präsidenten unterhandelt haben. Die Wahr­scheinlichkeit eines liberalen Ministeriums hat übri­gens die Burggrafen bereits in Bewegung gesetzt,