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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Jo 11, Dienstag den LL Januar 1S51»

Die Naff. Allg. Zeitung n.ik dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des LanntagS. Der vierteljährige PrânumccnrionSvreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, der GraßherzsglhumS und KurfürüentbumS Hessen, der Landgrafschau Hessen-Humburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fL, in den übrigen Ländern des fiirâUch Thurn- und Tarisschen BerwaUuilgSzebieteS 4 fl. IO fe. Inserate werden sie dreisvaltige Pelitzeile aser deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Sch elle n b-r g' schen Hur- Buchhandlung , auS värlS bei den nächst gelegenen Puitamtern ,u machen.

Uebersicht.

Gymnasium und Realgymnasium.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). EmS (Fas­sung einer neuen warmen Quelle). Bon der Lahn (Der Wiesbadener Kunstverein). Herborn u. Hachen­burg (Kreisbezirkrathwahl). Bom Main (Die Zoll- konferenz). Darmstadt (Eröffnung des Landtag«). Karlsruhe (Die Kammer). München (Rückzug der Truppen au« Kurhessen). Dresden (Die Konferenzen. DaS österreichische ErekutionskorpS. Die Zentralgewalt). Göttingen (Legeditsch und die Studenten). Han­nover (Rückkehr Hrn. v. MünchbausenS. Legeditsch). Berlin (DaS Handelsministerium. Die schleswig-holstei­nische Angelegenheit. Die BnndeSkominisstvn. Der Zoll- kongreß in Wiesbaden, v. Manteuffel nach Dresden. Lord j Westmoreland). Kiel (Die Unterwerfung. Der Vorfall in der LandeSversammlung). Rendsburg (Oberst von Breidbach). Prag (Fluchtversuch BakuninS). Wien (Kossuth. Die Bankdirektoren. Geringer. Der Sundzoll. Rendsburg zur Bundesfestung erklärt).

Frankreich. Paris (General Changarniers Absetzung. DaS neue Ministerium. Montalembert. Mauguin).

Türkei. K o n st a n t i u o p e l (Bems Tod).

Neueste Nachrichten.

) Gymnasium und Realgymnasium.

Eine E r w i d e r u n g.

(Fortsetzung und Schluß.)

Der Entstehung der Realgymnasien haben einsichtS, volle Pädagogen allerdings dadurch wohl in die Hände gearbeitet, da» sie soviel praktischen Blick hatten, um zu sehen, daß wenn man AlteS in den Kreis der Gymnasien mit der Forderung einer ausgedehnteren überhaupt positiv eingehenden, also allein frucht­bringenden Betreibung einlasseu wollte, auS Allem Nichts würde. Dabei waren sie so ehrlich, zu be­kennen, in den und den Ding n weiden unsere Schüler, wenn sie von uns abgehen. Etwas wissen, in den anderen nur eben einen leidlichen Begriff über daS für jeden Gebildeten Unentbehrliche mit. nehmen. Und so haben sie denn nach einer Erfah­rung von mehr aiS einem Jahrhundert geglaubt und wohl daran auch nicht so ganz unrecht gehabt, daß, wenn man in dem Geist des Alterthums wirklich die HauptbildungSkraft der alten Gymnasien zu finden sortsährt und diesen wirklich für die Entwick­lung solider Einsicht und achter Charakterbildung auSbeuten will, nicht zu vielerlei andere heterogene Dinge in den Kreis deS Gymnasial-UnterrichtS ein. treten dürfen und gleiche Bedeutung und Berück­sichtigung geltend machen können. Alles, was der klassischen Philologie nach Bedeutung für den Gym« nastalzweck und nach Stundenzahl hätte gleichkom­men oder ihr durch irgend welche Einflüsse gar hätte den Rang ablaufen können, hielt man sich immer bis auf eine gewisse Distanz vom Leibe. So die Mathematik, so die Naturwissenschaft. Die Gymnasien behaupteten ihren bewährten sprach- lich-hist ori sch eu Hauptkern und daran halten sie Recht. Sie nahmen von Mathematik und Na­turwissenschaft ein ganz bescheidenes Maß auf, um keine wesentliche Seite deS menschlichen bildungs­fähigen Geistes geradezu verkümmern zu lassen. Doch huldigten sie nur wenig den W ssenschaften der An schauung, soviel auch, wie manche gern zuge stehen wollten, BilbuNgSkraft für den Geist darin stecken möge.

Die Trennung der zweierlei Gymnasien erfolgte. Die Realgymnasien haben, obgleich sie so ganz der neuesten Zeit entsprossen sind, überall da, wo mau ihnen nicht von vornherein den Boden, der zu einem fröhlichen Gedeihen erforderlich ist, unter ntinirte , sich mit den alten Gymnasien in der Be­ziehung gleichwerthig gezeigt, daß sie, wie diese, allgemeine höhere humanistische BildungSanstal- ten geworden sind.

Sie vermitteln eben so gut, wie die andern Gymnaffen eine solide Einsicht und einen festen Charakter bei der Jugend und bereiten daneben für wissenschaftliche und technische Fachstudien zur Uni versitât vor. Es sind also beide Anstalten in der Grundidee und in ihren wirklben Leistungen voll» kommeu ebenbürtig, äußern in völlig gleichem Maße ihren ethischen Einfluß, indem die Wahl der BildungSmittel eines gut organisirten Realgymna­

siums ebenso harmonisch berechnet ist, als die der Gymnasien.

Treten auch die m a t hem at i sch - n.a t ur- wissenschaftlichen Fächer im Realgymnasium als H aupt kern auf, so lehnen sich an dieselben doch in reichem Maße sprachlich-historische Disziplinen an. (Der PelilionSverfaffer vergleiche nur die Lek- lionSübersicht eines Programmes, wenn eS ihm nicht beliebt, ins Innere der Schule selbst in locoResidenz" praktisch hineinzuschauen.)

DaS humanistische Hauptziel der zweierlei Gymnasien, welche neidloS neben einander herge, hen sollten, ist ganz dasselbe. Nur die BUdungS« mittel und Wege sind verschieden. Die Methode und ganze BildungSart ist aber dennoch ebenso, wie ihr Hauptziel, gleichartig, nämlich bei beiden eine freie Gymnastik deS Geistes an dem positiven Ma­terial der BildungSmittel. Letztere sind, wie sich von selbst versieht, auch in dem Realgymnasiums allge­mein gültige positive Wissenschaftszweige, frei von allem lpeziell-te ch n i sch e n Charakter. Die beiden Anstalten sind nur eigentlich darin verschieden, daß die in den Bereich deS alten Gymnasiums gehörigen BildungSmittel einerseits, die zu dem deâ Real­gymnasiums gehörigen andererseits, jeder CykluS in seiner Art, abgesehen von dem in gleicher Weise erreichten Zweck einer echt humanen Erziehung, eine, Dem Material nach, relativ bessere Basis für ganz bestimmte BerufSarten gewähren, also bei der Vorbildung für die auf der Universität oder ei­ner höheren Fachschule zu betreibenden Fachstu­dien einem jungen Manne einen größeren und rascheren Erfolg der letzteren sichern. So werden z. B. im Gymnasium zukünftige Geistliche, Lehrer höherer Schulen, Richler aller Art, u. a. in. die geeignetste Vorbildung erhalten, es werden in dem­selben manche Künstler die, eine höhere Bildung erstreben, eine gute Schule machen.

DaS Realgymnasium wird für künftige Fabri­kanten, Militärs, Ingenieure, Geometer, Land­wirthe, Kaufleute (freilich nicht Kleinkrämer), Phar­mazeuten, Forstleute, Architekten ,Bergbeamte, Ver, waltungSbeamte oder Kameralisten, für Lehrer der naturwissenschaftlichen Fächer, der französischen und englischen Sprache, für Die Mediziner u. a. m., Die bessere Vorbildung durch die in seinen Bereich als BildungSmittel aufgenommenen Wissenschaften bie­ten. Doch wir müssen hören, waS unser Peli­lionSverfasser über diese Punkte meint. Da vcnuh. men wir denn freilich, daß der griechische Geist daS beste BildungSmittel ist, um die Schöpferkraft und Erfindungsgabe auch im Industriellen und jedem Gewerdlreibenden zu wecken, welcher sein Geschäft der Kunst zu nähern strebt".

In diesem Sinne haben die besten Gewerb- Zeitungen Deutschlands die Beschäftigung mit der griechischen Welt für den höheren Gewerbstand zu betrachten angefangen".

Der Mann der Industrie wird also gewiß, nach deS Petit ionSverfafferS Ansicht, feine Zwecke zum Mindesten auf den sogenannten Gelehrtengymnasien, freilich aber erst wenn ste durchdie Wissenschaft vom KoSmoS" regcnerirt fein werden, seine Rech­nung in Bezug aus eine ihm ersprießliche Sorbit düng besser erreichen, als auf dem Realgymnasium.

Die Idee , welche neuerdings Manche gehabt, die Mediziner aus Realgymnasien zu bilden", ist dem Petitions-Verfasser vollends ein Gräuel. Ein Liebig, ein CaruS haben ja gesprochen IEin­sichtige Regierungen werden eS nie zugcben, daß unsere künftigen Aerzte nach einem förmlichen Ge- s tz (ist wohl im nassauischen Staate weder nöthig zu verhüten noch zu erflehen, Da wenigstens unseres Wissens insoweit die deutschen Grnndrechle ihre Geltung haben, daß eine tüchtige Vorbildung zu jeglichem Staatsexamen ein Jeder sich erwerben darf, wo er will; wenn er besteht, ist's gut) aus diesen Schulen gebildet werden können, wenn auch einzelne besonder- begabte Persönlichkeiten wohl einmal ohne die eigentliche" (welche ist das?)Gymnasialbildung in den ärztlichen Stand ausgenommen werden mögen. (Sehr menschen­freundlich!) Freilich dieWissenschaft vom KoSmoS" (füll bedeuten Naturwissenschaft) gehört auf daS regenerirle Gelehrten Gymnasium.

Der Arzt muß auch fernerin das Reich deS menschlichen Geistes und seiner Entwickelung tindringen", davon hat ein Realgymnasium freilich

Nichts oder doch nur kümmerliche Spuren unter seinen Bildungsmitteln: Der künftige junge Arzt gehört also auf bad regenerirle Gelehrtengymnasium. Dort weht alsbestes BildungSmittel der grie­chische Geist, dahin muß auch dieWissen­schaft vom KoSmoS" übergrsiedelt werden.

Alle Völker schaaren sich um unsere Fahnen!

Ehe wir die 4. Forderung deS Vereins resp. deS Petitionsverfasser- verlassen, muß nur der prakti­schen Wichtigkeit wegen bemerkt werden, daß nach seiner Behauptung (wäre vielleicht schwerer zu be­weisen!)die ersten pädagogischen Schriftsteller Deutschlands die Bekanntschaft mit guten deutschen Ueberietzungen griechischer Klassiker sowie mit Den plastischen unübertroffenen Kunstwerken die­ses gottbegnadigten Volkes selbst für VvlkSsch'u- l e n verlangt haben".

Die 5. Forderung ist nichts Geringeres, alS eine organische Verbindung deS nassauischen ' Unlerricht Swesen S und Lehrerstandes I mit den beiden hessischen Universitäten zu Gießen und Marburg".

AuS einer organischen Verbindung mit einer Hochschule würden belebende Kräfte ununterbrochen auf daS gesummte Uiiierrichlswefen ausströmen, und eS würde demselben die Krasl uno Blüthe nicht auS- bleiben, welche ihm, den geistigen Anlagen deS Volkes gemäß, zukommen". Daß dies wahr­haft internationale Projekt uns Nassauern ge­rade kein großes Kompliment macht, daß vielmehr der völkerbeglückende Pelitionsverfasser , völkerbe- glückend, denn die Hessen werden doch so viel Mit­gefühl haben, daß sie sich freuen werden, unS in'S Schlipptau zu bekommen, wirklich und armen Hy­perboreern erst den wahren Born fließen und unS aus duftigem Hintergründe daS rechte Licht aufgehen zu lassen gedenkt, spricht er sehr »«verholen weiter aus:Es ist nicht zu leugnen, daß etwas im Reich des Nassauischen Schulwesens faul fein muß, und daß trotz häufiger Auffrischung durch auswär­tige Kräfte die innere Stockung (da 'haben wir'â!) nicht ganz hat überwunden werden kön­nen". Der Petitionsverfasser bedauert in dieser vä­terlichen Rücksicht auf den bcklagenSwerthen fauligen, stockenden, versumpfenden und versaurenden Zustand Deß Nassauischen UnterrichtswesenS und L-Hrerüan- deS, daß die kleineren Staaten noch nicht Halt nenug in sich selbst gewon en hätten, um recht bald diese segensreiche UnwersiiälS-Allianz inS Leben »u setzen.

In der 6. und letzten Forderung sind wohl I Die Lehrer aller nassauischen Schulanstalten mit ; Dem Petition--Verfasser einverstanden, mögen sie I nun sordern oder petitioniern , oder stillschweigen I und adwarten, selbst Die bestgestelltcn werden ein­stimmen und glauben: ein solcher Passus fei auch allemal mit Fug und Recht auf sie auSzudehnen: Der PetitionS,Verfasser verlangt nämlich für den ganzen Lehrerstand einenzur Befriedigung Der Le­bensbedürfnisse angemessenen Gehalt".

Deutschland.

^Wiesbaden, 9. Januar. (Landtagssitzung. (Schluß.) Braun will nicht über Die Sache, sondern über die Form Deß Antrags Großmann S sprechen, dahin gehend, eine Rüge gegen zwei Mit­glieder Deß Ausschusses Wayt und Wehrfritz) auSznfprechen. Ein Strafbefugnis? der Art kenne die Geschäftsordnung tritt. Bei Gelegenheit Deß Austritts Deß Abg. Krämer habe Großmann Dieselbe in einem großen Vortrag sehr beschränken wollen, jetzt persönlich berührt, solle die Versamm­lung Davon Gebrauch machen. Einem solchen An­trag werde kein Mensch zustimmen.

Raht: Herr Präsident Ler habe nicht nach­gewiesen , daß die Regierung den nöthigen F^eiß angewendet, da sich Der erwählte Anwalt bei Be­rathung Deß Gesetzes über Die Zentralorganisaiion gegen die Aufnahme der Bestimmung über Den StankeSaufwanv ausgesprochen habe. Eine Kritik Der Vertheidigung wolle er nicht liefern; dieselbe gehöre nicht hierher. Er halte eS für dringende Pflicht deS MinisterinmS, daß eS eine authentische Interpretation einbringe.

Großmann: Wenn gesagt worden sei, er sei in eine sonderbare Stellung gerathen, so beruhe