tj nct, in ihm nicht mehr den stolzen Vorkämpfer „ alles Große, Schöne und Wahre sieht. Ja dieses Weihnachtsfest von 1850 robb unvergeßlich bleiben. feine Bescheerung ist eingezeichnet in die Ge- schichtStafeln. Und wir sind mit ihm erst am Anfang des Endes angelangt. Nun bleibt noch Schleswig. Holstein. Die deutschen Stämme werben mit dem Eintritt der zweiten Hälfi^des 19. Jahrhunderts ein Schauspiel aufführen, wie feind feit Menschengedenken je da gewesen; fix werden Stammesverwandte für das Ausland zur Unterwerfung nöthigen — dieselben Stanimesverwanbten, die erst durch sie und ehre einstige Mithilfe dahin gebracht worden sind, die deutsch erwandtschaflstreue mit allen Wunder- thaten b/fliger Vaterlandsliebe zu bethätigen. Was wird >srutsche Treue, deutsche Stammessympathie »on 1851 an noch werth sein?
Berlin, 27. Dez., Abends. (T. D. d. K. Z.) Minister v. d. Pfordten verliert für seine Politik in Dresdens und München Terrain. Der Dualismus gewinnt' bei den Konferenzen Chancen. Oesterreich hat den Kommissär für Holstein ernannt.
Berlin, 27. Dezbr. Die „Deutsche Reform" meldet, daß für den morgen hier eintreffenden Fürsten v. Schwarzenberg im königlichen Schlosse Zimmer in Bereitschaft gesetzt werden. — Zum Kommissär für Holstein ist österreichischerseitS General v. MenSdorf-Bouilly ernannt worden.
Schleswig-Holstein. Als Beispiel des dänischen Raubsystems in Schleswig wird den „Hamb. Nachr. Folgendes mitgetheilt: „Dem Besitzer von WilhelmSthal bei Eckernförde, Hrn. Torkuhl, nahm der Feind vor etwa sechs Wochen 1500 Stück Käse nebst Wagen und vier Pferden ab, ohne daß er für die Abgabe der ersteren eine Bescheinigung erhalten oder die letzteren wieder gesehen hätte. So oft deutsche Patrouillen sich in der Nähe des Hofes blicken lassen, muß Herr Torkuhl seine gegen Eckernförde gekehrten Scheunenthore öffnen, damit die Dänen, gewarnt, nicht den Hof betreten. Im Weigerungsfälle ist ihm angevrohl, man werde seine sämmtlichen Gebäude von den in der Bucht liegenden Dampfschiffen auS in Brand schießen. Auf Windeby haben die Feinde nach uno nach 25 Stück Schweine geraubt. Zu dem Bau der Baracken von Kochendorf mußten Fenster, Thüren u. f. w. Herge- geben werden; schon drei Mal wurden Betten vom Hofe mit fortgenommen und im jetzigen Augenblicke sind die Bewohner weder im Besitze von Löffeln, noch anderer Tischgeräthschaften, weil alle diese Gegenstände durch dänische Kommandos requirirt wurden.
Und dieß Alles selbstredend ohne Aussicht auf Schadenersatz, ja, ohne daß dem Beraubten auch nur
eine Bescheinigung über die Requisition zugestellt
würde. Noch viele Beispiele dänischer Kriegsführung gegen geschlachtete Schweine rc. könnte ich mittheilen, begnüge mich indeß für dieses Mal mit dem obigen."
Rendsburg, 24. Dez. Ueber das Gefecht bei ] Marienthal am 21. d. M. bringt die „schleswig- ; holsteinische Wehrzeitung" noch nachfolgenden Bericht: „Gestern löste unS (daS 7. Bataillon) das 6. Bataillon vom Vorposten ab, und halten wir zuletzt noch ein ziemlich lebhaftes Gefecht mit den Dänen. Diese hatten nämlich den dichten Nebel benutzt und sich den Vorposten bei Marienthal so sehr genähert, daß die Meldung davon fast zu spät auf der Feldwache ankam, denn als die Dänen unsere Vorposten sahen, stürmten sie in dichter Schützenkette auf Ma- rienjhalzu, wo die Feldwache, die größtentheilS beim MittagSessen war, kaum Zeit hatte, tie Gewehre zu erreichen und sich eiligst vom Hofe zurückzuziehen. Beim Moor sammelte und ordnete sich unsere Feldwache wieder, drang vor, bekam bald von uns Unterstützung und so warfen wir den Feind bis dicht vor Eckernförde zurück, wo wir die Höhen, d. h. die nächsten vor Eckernförde, mehrere Stunden besetzt hielten. Von den Schiffen aus wurden uns mehrere Granaten und Vollkugeln zugeschickt, die aber keinen Schaden anrichteten. Wir waren uns, dem Nebel zufolge, freilich uneinig darüber, ob von einer Land- oder Schiffsbatterie auf uns geschossen, doch glaube ich letzteres behaupten zu können. Weil nun der Feind so rasch zurückgeworfen wurde und den Hof nur etwa fünf Minuten inne hatte, glaubten wir, daß er keine Gefangene gemacht habe, sein Plan also gescheitert sei, doch zeigte es sich, daß 4 ober 5 der Unsern in Gefangenschaft gefallen.
Rendsburg, 26. Dez. (Hamb.Nachr.) Eine Re k o gn o szir u n g hat heute Morgen auf dem rechten Flügel stattgefunden. Bei Breckendorf ist es zu einem nicht bedeutenden Gefecht gekommen. — Es haben wiederum in der Armee zahlreiche Avancements der untern Grade stattgefunden. — Der Verlustliste für den Zeitraum vom 5. Okt. bis ult. November zufolge sind gefallen in dieser Zeit 2 Soldaten; verwundet wurden 1 Offizier und 13 Soldaten; vermißt werden 1 Offizier 35 Soldaten. Summe (abgesehen von den beim Truppentheil verbliebenen Mannschaften): 2 Offiziere 50 Soldaten.
Prag, 24. Dez. (Allg. Z.) Die Bahnstrecke von Außig nach Bodenbach, auf welcher die Probefahrt am 21. stattfand, muß bis zum 1. Jan. vollkommen hergestellt sein, so daß man in außerordentlichen Fällen von ihr Gebrauch machen kann; die Eröffnung für das Publikum soll erst am 1. April stattfinden. — Der Verein für daS Militärhospital in Karlsbad (wofür bereits 12,000 fl. gesammelt sind) hat schon einen trefflich geeigneten Bauplatz angekauft. — Die Matice Czeâka wird auf ihre Kosten ein böhmisches Konversationslexikon in acht biâ zehn Bänden herausgeben, woran die vorzüglichsten böhmischen Schriftsteller sich betheiligen werden.
Wien, 22. Dezember. (Allg. Z.) Der Fürst Schwarzenberg wird nicht über acht Tage in Dresden verweilen. Die FriedenShoffnungen, welche nur wenige Augenblicke lang wirklich ganz versunken waren, sind seit einigen Tagen durch die Erstreckung des Tabakmonopols über die bisher davon befreiten Kronländcr höher denn je gestiegen. Die Maßregel wäre im Angesicht eines drohenden Zwiespalts allzu gewagt, denn eS ist offenbar gefährlicher, den Einzelnen wie die Massen in ihren Liebhabereien zu kränken, als in ihrem Recht, ihnen daS Vergnügen zu vertheuern, als die dringendsten Lebensbedürfnisse. Dazu kommt, daß im Osten der Monarchie der Tabak mit einer Leidenschaftlichkeit geraucht wird, von der wir uns kaum eine Vorstellung zu machen wissen, obschon einem Drittel von unS das Rauchopfer eine wirklich empfindliche Summe kostet. Wer täglich nur Drei bis vier RegaliwEigarren in die Luft lbläßt, der gibt im Jahr ungefähr 150 fl. C.-M. dafür auS So spaßhaft die Sache klingt, ist sie doch sehr ernst. Der Bauer und der Stadtbürger im Osten rauchen freilich nicht das Kraut der Havana, und die neue mittelbare Steuer trifft sie mit einem kaum merklichen Unterschied gegen den frühern Preis des Tabaks, aber sie würden sich dennoch lieber das Brod vertheuern lassen, und empfinden eine Anordnung sehr übel, die zugleich auch ihren Hochmuth verletzt, indem sie ihnen ein Vorrecht vor den westlichen Staatsbürgern raubt. Um solche Verstimmungen auszugleichen, bedarf eS der Zeit, und zwar einer friedlichen Zeit — mithin rechnet die Regierung auf ungestörten Frieden.
Man schreibt dem Dresdner Journal aus Wien vom 24. Dez.: Den letzten Nachrichten zufolge hat der König von Dänemark seinen Bevoll, »nächtigten beauftragt, den in Dresden konferirenden Regierungen neuerdings seine Bereitwilligkeit zu erklären, den Holsteinern ihre ursprüngliche Ver- fassung und eine umfassende Amnestie angedeihen zu
jaffen, sowie die Beziehungen Schleswigs und
sammlung regeln zu wollen, wenn die Holsteiner
der gütlichen Aufforderung ihres Landesherrn und der deutschen Großmächte folgeleisten und sich unter# werfen wollen. Es unterliegt auch keinem Zweifel mehr, daß, wenn dieselben der Stimme der Vernunft nicht länger Gehör geben wollen, Oesterreich »er# eint mit Preußen die Pazifikation Holsteins unternehmen wird.
Paris, 27. Dezember. (K. Z.) Allais wurde heute zu einjährigem Gefängniß und 300 Francs Geldstrafe verurtheilt. — Am Sonntag biskutirt daS Bureau der Nationalversammlung über die Absetzung Uon's. Die Nachricht, daß 7 Stimmen für und 7 gegen die Absetzung seien, ist unbegründet. Man erwartet in der Nationalversammlung eine Interpellation über diesen Prozeß.
In der heutigen Sitzung derselben erhob sich zwischen Baroche und Duprat ein heftiger Streik wegen der Barren-Lotterie. Man ging zur einfachen Tagesordnung über und das algerische HanbelSge« setzbuch wurde berathen.
Die Nachricht, daS die Königin von Spanien sich in interessanten Umständen befinde, bestätigt sich nicht. — Nach Berichten auS Lissabon steht ein StaatSbankerolt für Portugal bevor.
Paris, 26. Dez. Der neue Generalgouverneur von Algerien, General v'Hautpoul, hat um eine Verstärkung von einigen Regimentern nachgesucht. Er wünscht im nächsten Frühlinge eine Erpedition mit mehreren starken Kolonnen nach Kabylien zu unternehmen, um die Unterwerfung dieses wichtigen Theiles Algeriens zu vervollständigen.
Großbritannien.
Am 22. Dez. ging in London, wie der Ob, server erwähnt, das Gerücht: Sir John Franklin sei wohlbehalten, und werde binnen 14 Tagen auS dem Polarmeer nach öjähriger Abwesenheit nach England heimkehren; ja, dieß ward an demselben Abend am Schluffe der Vorstellung im Haymarket- Theater durch den Direktor Hrn. Webster von der Bühne verkündigt, als auf guter Autorität bc, ruhend. Erkundigungen in der Admiralität haben die erfreuliche Botschaft leider nicht bestätigt.
Die neuesten Senate auS Haiti reiiSèn biS zum 27. November. Seit dem Friedensabschlusse mit der dominikanischen Republik herrschte in jenem Lande vollkommene Ruhe und die Geschäfte fingen wieder größere Lebhaftigkeit zu gewinnen an. Der Kaiser Faustin I. beschäftigte sich jetzt mit den Vorbereitungen zu seiner feierlichen Krönung; diese
wird den, und nen. nete
die
indeß erst in einigen Monaten vollzogen wer« da die erforderlichen Reparaturen in der Kirche im Palaste früher nicht vollendet werden fön# Die Kaffeevorräthe waren knapp; doch rech- man auf eine erträgliche Erndte.
AuS Merico wird vom 16. Nov. berichtet, daß
Lage der Dinge in dieser Republik nichts weniger als erfreulich war. Die Grenzdistrikte waren von Jndianerstämmen wieder stark beunruhigt.
Der Schmuggelhandel wurde mit unerhörter Frechheit betrieben. Die Finanzen verkehrten fortwährend in einem sehr bedauerlichen Zustande. Die Staatsbeamten in Veracruz hatten bereits seit fünf Mo, naten ihren Gehalt nicht auSgezahlt erhalten. General Joaquim Rea war ermordet worden.
Italien.
Turin, 17. Dezbr. In der gestrigen Sitzung des Senats ward mit einer Majorität von 34 gegen 19 Stimmen das Gesetz, wodurch die Abschaffung der Fideikommisse verfügt wird, angenommen.
Toöcana. Zwischen der hiesigen Regierung und dem römischen Hof soll in neuester Zeit eine kleine Spannung eingetreten sein. Die Geistlichkeit von Lucca erfreut sich nämlich vorzüglicher Bcgün- stigungen, welche seit dem Heimfall des lucchesischen Staates an Toscana in Folge der allgemeinen Landesgesetze in Frage gestellt erscheinen. Die römische Kurie besteht darauf, baß die Privilegien der Geistlichkeit von Lucca im Wesentlichen aufrecht erhalten
werden, während der toScanische Hof der von pold I. herrührenden Kirchengesetzgebung nichts geben wissen will.
AuS Neapel vom 8. Dezember bringt „Wanderer" nähere Einzelheiten über daS von
Leo- ver-
der dem
königlichen Prokurator gemachte Requisttorium gegen die Angeklagten des Prozesses, die „Italienische Einheit" genannt. Die sechs Personen, gegen welche auf Todesstrafe angetragen worden ist, sind Fauci- tano, Settembrino, NiSco, Agresti, Pironti und Priester Barilla. Gegen Faucitano soll die Todesstrafe dritten Grades in Anwendung gebracht, d. h. derselbe soll mit einem schwarzen Kleide angethan,
> nackten Füßen und einem Schilde mit den Worten
10 mir der «woedrer* Oomo emxicM^ trexrBrust, hrngertchret werden.
Bei 6 Personen ist auf 30jährige Galeerenstrafe angetragen worden. Diese sind: Poerio, chemal. Minister
1
u. Dcputirter, Catelano, Pacifico, Caprio, Dono und Vellucci ; der Erzpriester Miete und der Buchdrucker Romeo sollen zu fünfundzwanzigjähriger, der Arzt BraSko und Kavaliere zu zwanzigjähriger, Caraia d'Anari, de Margherita, Tedeschi, Pidera und Ko- lombo zu neunzehnjähriger, Toraffa und Miraglia zu zehnjähriger und Montella, Molinaro und Gio, vanni zu zweijähriger Zwangsarbeit verurtheilt worden fern. Nur bei vier, Eersalc, Palotta, Eualtieri und Persiko, hat man die Klage fallen lassen. Die Aufregung in Neapel in Folge dieses barbarischen RequifitoriumS bei einem Prozesse, w» eS fast bis zur Evidenz bewiesen, daß das angebliche Komplott von der Polizei angezettelt worden ist, soll sehr groß sein. Erwähnter Brief sagt zwar, daS diplomatische KorpS würde sich für die Verur- Iheilten verwenden, damit kein TodeSurtel vollstreckt werde, glaubt aber, daß dasselbe feinen Zweck nicht erreichen würde.
Aus den Mittagspoften
Frankfurt, 30. Dez. (D. Z.) ES sind Briefe vom neuesten Datum aus Kassel eingetroffen, welche der Nachricht, daß die baierischen Truppen zur Fortsetzung der Erekution nach Kassel zurückkehren sollen, widersprechen. Allerdings würden diese Mi- litärerzesse in Kassel durch die Vermehrung der baierischen Garnison noch einen »zentrischen Charakter gewinnen.
Darmstadt, 29. Dez. (O.P.A.Z.) Die gestern begonnene Verhandlung der Anklage gegen den „AlS- felder Georg" konnte schon heute zum Schlüsse gelangen. Die Geschwornen sprachen hinsichtlich aller sieben Anklagen das „Schuldig" auS, erachteten nur hinsichtlich des in Offezibach verübten Diebstahls die Entwendung des bähten Geldes nicht als er# wiesen. Der Staatsanwalt trug auf eine geschärfte Zuchthausstrafe von 12 Jahren und Stellung unter polizeiliche Aufsicht auf 5 Jahre (daS Maximum) an. Der Assisenhof genehmigte diesen Antrag, unter Ermäßigung auf 11 Jahre. Die Verhandlung gewährte einen tiefen Einblick in daS jetzige Gauner- wesen. Zu den Vernommenen gehörte auch ein Genosse KnierimS, der vor kurzem von den Äffinn in Wiesbaden zu achtjähriger Zuchthausstrafe »er# urtheilt worden.