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Berlin, 25. Dez. Ueber die neuesten Vor­gänge im Fürstenkollegium macht dieNeue Bremer Zeitung" nachfolgende Mittheilung: Die Olmützer Punktation nebst der sie begleitenden Denkschrift war dem Kollegium kaum mitgetheilt, als sich der Be- vollmâchtigte der thüringischen und anhaltischen Staaten, StaatSrath Seebeck, erhob, und die Frage an den preußischen Vorsitzenden richtete, ob die Ba. sen, worauf sich die preußische Regierung mit ihren Verbündeten als ein kompakter Staatenkompler bei den freien Konferenzen zu stellen gedenke, nicht vor­her und in genügender Weise den Verbündeten be, kannt gemacht würden? Der preußische Bevollmäch­tigte besMe die Frage. Allein in der folgenden Sitzung vom 11. b. MtS. erfolgte die bezügliche Mittheilung nicht. Herr v. Bülow, welcher gegen. wLitig Preußen in dem Kollegium vertritt, bemerkte, als die Frage von dem großherzoglich badischen Bevollmächtigten ausdrücklich wiederholt wurde, daß er zwar glaube, eine Mittheilung der gedachten Art werde rechtzeitig erfolgen; jedoch zu einer offiziellen Beantwortung der gestellten Frage nicht ermächtigt sei. Man kann sich leicht verstellen, welchen Ein- druck dies auf die übrigen Mitglieder des Fürften- kollegiumS machte. Ohnehin war deren Stimmung, wieleicht zu begreifen, eine ziemlich gereizte. Auf die Anzeige Preußens von der Ernennung deS Ge­nerals v. Peucker zum preußischen Kommiffâr in Kurhessen behusS Ausführung der Olmützer Punk- tation erklärten die übrigen Bevollmächtigten, keine Instruktionen über diesen Punkt zu besitzen und sich daher nicht weiter äußern zu können ; Herr B o l l. Pracht aber, der Gesandte Nassaus, sprach die Ansicht seiner Regierung so, fort dahin aus, daß dieselbe auf keine Weise auch nur den entferntesten A n - theil an den Maßregeln nehmen werd es, deren Ausführung die Olmützer Punk, tation an Oesterreich und Preußen über­tragen habe! TheilnahmloS ward eS ferner ausgenommen, als Herr v. Bülow der weitern An­zeige über die Ernennung des Grafen v. AlvenS- leben zum Vertreter Preußens bei den Dresdener Konferenzen die Bemerkung hinzufügte, Preußen erkenne daS VerfassungSbedürfniß für einen engern Kreis der deutschen Staaten fortwährend an und sei entschlossen, dieses Bedürfnißim rechten Au­genblick" zu befriedigen. Stumme Blicke begeg. liefen einander bei dieser Aeußerung und schienen sich zu fragen, ob und wann jemals dieser Augenblick für Preußen kommen werde. Den hösten Grad erreichte aber die Gereiztheit, als Herr v. Porbeck, der Be­vollmächtigte Badens, die Ansicht aussprach, nach Aufgeben der Unionsverfassung habe auch die Thä- tigkeit des FürstenkollegiumS eigentlich Wc Endk_^r- reicht und eigentliche Sitzungen desselben könnten nicht weiter siattfinden. Dieter Ansicht ward von allen Uebri- gen auf das Entschiedenste widersprochen; so lange eS Staaten gebe, die in dem Bündnisse vom 26. Mai 1849 verharren, könne die Fortdauer des Fürstenkollegiums in seiner auf das Bündniß gerichteten Thätigkeit für diese Staaten nicht in Frage kommen, wobei eS sich indeß von selbst verstehe/ daß eS den Staaten, die ihr Verhältniß zu dem Bündniß jetzt als aufgelöst ansähen, freigcstellt bleibe, sich dieser Thätigkeit zu begeben. Die Eristenz des FürstenkollegiumS beruhe nicht auf der Verfassung, sondern auf den Beschlüssen deS Fürstenkongresses vom Mai b. I. und werde daher durch die Wechselfälle der Verfassung nicht berührt, geschweige aufgehoben. Der Widerspruch, welchem übrigens auch Hr. v. Bülow sich anschloß, war so heftig, daß Hr. ». Porbeck einlenken und seine Aeußerung dahin erläutern mußte, er habe nur die Frage über die Fortdauer deö FürstenkollegiumS ver­traulich anregen, aber nicht entscheidend beantworten wollen.

Hr. v. Ladenberg hat von vielen Seiten, wie die Sp. Z. berichtet, ebenfalls Adressen erhalten, welche eine Zustimmung zu seiner Haltung aus« drücken. Auch die hiesige Universität wird eine große Deputation, bestehend aus dem Rektor (Hrn. Twesten) und den Dekanen der vier Fakultäten, an ihn absenden, um ihm ihre Theilnahme zu be­zeigen und ihr dankbares Gefühl für feine bisherige Verwaltung kund zu geben. Nach der Urwählerzei- tung ist durch Korpsbefehl den Offizieren verboten worden, Zivilkleider zu tragen; eine Ausnahme hiervon ist nur bei Hofmaskenbällen gestattet. Die Zahl der auS der holsteinischen Armee zurückberufe, nen Preußen wird jetzt auf etwa 1500 abgeschätzt. Die Regierung der Herzogthümer hat Vielen in An­erkennung ihrer militärischen Leistungen Medaillen verliehen, deren Anlegung ihnen jedoch, wie man hört, hierselbst einstweilen noch nicht gestattet sein soll.

Oldenburg, 23. Dezbr. Der Landtag hat in seiner vorgestrigen Sitzung beschlossen, keine Ant« wonSadrcsse auf die Eröffnungsrede zu erlassen. Die Gründe der meisten, welche gegen die Erlas­sung einer Adresse sprachen, schienen darauf hinaus« zukommcn, daß man nicht gleich anfangs, um einen Bruch zu verhüten, die vorhandenen Differenzpunkle mit der Regierung in der Schärfe aufstellen dürfe, wie die Abfassung einer Adresse dies erfordern würde. Der Gesammtvorstand wurde beauftragt, sich zum Großherzoge zu verfügen, um den Gruß,

welchen Se. königl. Hoheit dem Landtage hatte ver­melden lassen, mündlich zu erwiedern. Derselbe hat sich heute dieses Auftrags entledigt. Der Landtag vertagte sich hierauf in der heutigen Sitzung bis zum 3. Januar k. I.

Schleswig-Holstein. Die Landesversammlung hat vor ihrer Vertagung noch die Forterhebung der Steuern für den Monat Januar bewilligt, bis zu dessen Ende daS Büdget für 1851 genehmigt fein wird. Die Versammlung hat in ihrer kurzen Si­tzung eine Reihe von wichtigen, meist finanziellen Angelegenheiten erledigt: die Stempelsteuer ist auf­gehoben, das Lotto abgeschafft, die Zuckerzölle sind angemessen festgestellt und die Posttaren wesentlich ermäßigt. Das vor dem Kieler Hafen stalionirte dänische Kriegsschiff hat drei Meilen weiter hin- auSgelegt.

Wien, 22. Dez. (L. Z.) Man erwartet mit nächstem die Ankunft des Erzherzogs Stephan, nachdem eine vollkommene Aussöhnung und ein gegenseitiges Vergessen deS Geschehenen zugesichert ist. Die Bestimmung deS ältesten Bruders deS Kaisers, deS Erzherzogs Ferdinand, für die Flotte ist nunmehr als fest getroffen anzusehen, und soll ein Beweis sein, daß man diesen zeiiher so vernach­lässigten Theil der nationalen Wehrkraft ebenbürtig mit der Landmacht zu behandeln gedenkt. Für eine Admiralität und ein Marineministerium ist eS zwar noch zu früh; dagegen wird im Kriegsministerium eine eigene Sektion für die Marine gebildet und mit Fachleuten besetzt werden. An den Finanz- minister ist Befehl ergangen, die zum Baue deS Arsenals in Triest bestimmten Gelder in dreimal!« gen Raten in Bereitschaft zu halten. Der Judrang zu dem Flottendienst ist außerordentlich zahlreich, und unter den Seekadetten finden sich Söhne der ersten Familien deS Landes. DaS deutsche Ererzitium und die deutsche Sprache sind bereits so ziemlich durchgesetzt, und in einigen Jahren dürften die letz­ten italienischen Spuren verschwunden sein.

DaSConstitutionelle Blatt aus Böhmen" be­richtet:ES sind hauptsächlich drei Punkte, aus welchen Oesterreich festzustehrn gesonnen ist: 1) Sie Aufrechthaltung deS Bundestags und der territoria­len und politischen Rechte der einzelnen Staaten. 2) Eine Nationalrepräsentation beim Bundestage mit dazu nothwendigen Veränderungen in dem Re­präsentativsystem der einzelnen deutschen Länder, und 3) der allgemeine große Zollverein. Dieser letzte Punkt scheint unserem Kabinet der wichtigste. Daß die einzelnen, besonders die südlichen Staaten, Nichts dagegen haben, hat sich schon in den Kasseler Kon« .cherenzen bewiesen. Die Stimmenmehrheil war da­mals die einzige Ursache, daß diese Konferenzen ge- Ichèilert sind. Doch seitdem sind die Unterhandlun­gen auf direktem Wege so weit vorgeschritten, daß man jetzt auf daS definitive Resultat rechnen kann, und dieß um so mehr, da dasselbe nicht ohne Ein­fluß auf den politischen Beistand Oesterreichs sein dürfte.

Wien, 23. Dez. (Allg. Z.) Zwei Fcldmar- - schall-LieutenantS sind in Pension und vier Felb- marschall Lieutenants sowie sechs Generalmajors in Disponibilität versetzt. An der Spitze der definitiv in Disponibilität gesetzten steht der auS dem ita­lienischen Feldzuge berühmt gewordene und in der Armee rangälteste Felbmarschall-Lieut. von Schön­hals. Einer heute eingetroffenen Depesche auS Zara vom 19. zufolge war die Kommunikation der Herzegowina mit Sarajewo wegen Unruhen in letzterer Gegend unterbrochen. Die Ortschaften, wohin JdrahimS Truppen kommen, wurden zerstört und die Gefangenen ermordet. Der Renegat Skan« denbeg hielt noch immer Canicats Brücke, ohne von den Insurgenten beunruhigt zu werden.

Wien, 17. Dez. (N. M. Z.) Da die k. k. österreichischen Truppcnablheilunge«, welche sich ge­genwärtig in Bayern befinden, demnächst ihre fernere Verwendung vom Bunde auS zu gewärtigen haben, erhalten sie vorläufig Marschbefehl und werden in kürzester Frist Bayern verlassen. Von Seite der kaiserlichen Regierung ist die Verfügung getroffen, daß nach ihrem Abzug die Liquidation der von Oesterreich an Bayern zu erstattenden VerpflegungS« kosten allsogleich eingeleitet werde.

Frankreich

Paris, 24. Dezemb. DasPouvoir" spricht heute von demtief-demokratischen" Geiste L. Na­poleon'-. Wie verlautet, sollen die neuen drei Millionen für L. Napoleon gleich nach Neujahr bei der Nationalversammlung beantragt werden. Man will seit Kurzem auffallend viele russische Agenten hier bemerken, waS man mit der Möglichkeit eines auS den Dresdener Konferenzen hervorgehenden Krieges in Verbindung setzt. Lola Montez will mehrere Journale, die sich auS Anlaß ihrer Denk­würdigkeiten derb über sie geäußert haben, gericht­lich belangen.

Amerika

New-Aork, 10. Dezember. Im Senate zu Washington hatte ein Herr Giddens auS Ohio den Versuch gemacht, die Agitation über die Skla­venfrage von Neuem ins Leben zu rufen; er drang jedoch nicht damit durch.

Im Repräsentantenhause war ein An­trag, welcher den Finanzausschuß veranlassen wollte, sich für daS AuSwerfen einer Summe zur Ausrü­stung deS LinienschiffesPennsylvania" auszusprechen, um auf demselben amerikanische Erzeugnisse nach der Londoner Ausstellung zu befördern, verworfen worden. DemNew-Vork Herald" zufolge ist die Pennsylvania" vaS größte Kriegsschiff in der Welt, und das genannte Blatt meint, daS Erscheinen des­selben in der Themse würde große Sensation her­vorgebracht und den Engländern einiger Maßen einen Begriff vonunserer Größe" gegeben haben.

Aus den Mittagsposten.

Frankfurt, 27. Dez. (Fr. I.) Der bei dem deutschen Bunde beglaubigte kais. russische Gesandte Fürst v. Gortschakoff ist auf eine kurze Zeit auf seinen Gesandtschaftsposten nach Stuttgart zu, rückgekehrt. Dis zum 20. Dez. waren bei dem hiesigen HülfSverein für Schleswig-Holstein 23,172 fl. 3 kr. eingegangen. Für Kurhessen waren bis zum 18. Dez. bei dem am 21. Nov. jusammengetretenen Komite die Summe von 7190 fl. 16 kr. an einma­ligen und 261 fl. an monatlich zu leistenden Bei­trägen gezeichnet und größtentheils in Baarzahlung eingegangen.

Nach der Kaff. Ztg. steht nun die Fortsetzung der Telegraphenlinie von Aschaffenburg über Hanau nach Frankfurt in naher Aussicht. ES darf dies hoffentlich auch als ein Vorläufer deS Abschlusses eines Vertrags zwischen Baiern und Kurhcffen zur Fortführung der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn b!» Aschaffenburg erkannt werden.

Kassel, 26. Dez., AbendS 10 Uhr. Heute Abend zwischen 5 und 6 Uhr fanden einige Unruhen statt: einzelne Prügeleien und Zusammenlauf von Pöbel­haufen, so daß mehrere Personen verhaftet wurden. Starke Patrouillen durchzogen die Stadt und die Ruhe wurde weiter nicht gestört.

Dresden, 24. Dez. (Allg. Z.) Die Rede, mit welcher Fürst Schwarzenberg die Konferenzen eröffnete, war sehr allgemein gehalten; sie sprach weder daS Aushören deö alten Bundes auS, noch berührte sie die Fragen von der Bildung der Erc- kutive und oem Eintritt GesammtösteireichS in den Bund. Hr. v. Manteuffel sprach hinterher wenig : Worte, in denen er auf die Nothwendigkeit- sich zu

Luxemburg, 24. Dezbr. Die Einladung zur Beschickung der Dresdener Konferenzen ist nun auch an unsere Regierung gelangt, nachdem ihr schon früher von Frankfurt die Olmützer Punktationen zugekommen waren. Unserer SeilS wird der Ge- neral-Verwalter des Auswärtigen und des Kultus, Regierungspräsident Willmar, nach Dresden gehen, sich aber zuvor im Haag Instruktionen einholen. Sein Abgang wird morgen erfolgen. Ob Herr Willmar Luremburg allein, oder Luremburg und Limburg repräsentiren soll, darüber verlautet immer noch nichtS; daS Letztere ist aber wahrscheinlich, weil Herr v. Scherff in Folge deS Beschlusses un­serer Kammer von Frankfurt abgerufen wurde.

Berlin, 27. Dezember. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Hr. v. Manteuffel wird morgen Mittag, begleitet von dem k. k. Ministerpräsidenten Fürsten v. Schwar­zenberg, hier einlreffen.

AuS Nordalbingieu, 25. Dez. Der ausge­zeichnete Generalmajor von Gerhard, der wirk­lich um feinen Abschied nachgesucht, aber ihn nicht erhalten hat, war auf einige Tage nach Berlin ver­reist, wird aber schon heute oder spätestens morgen bei der Armee zurückerwartet.

In diesen Tagen sind Baron Heintze (der Amt­mann von BordeShol», deS Statthalters Reventlow Schwager), sowie die Grafen Reventlow-Farv« und Rcventlow-Altenhof (Radowitz'S Schwager) nach Hamburg gereist; vermuthlich hat sich einer oder der andere von ihnen von da nach Dresden begeben. Graf Reventlow - Favre befand sich am 23. diese» in Berlin.

Rendsburg, 29. Dezbr. (N. fr. Pr.) Von einem PatrouiUengang brachte das 1. Bataillon gestern einen Gefangenen mit zurück, den es bei Fleckebye gemacht. Sonst nichts Neues von der Armee.

In Chili hatte die erwartete außerordentliche Session des Kongresses noch nicht stattgefunreii. Die Bewohner des Landes werden als mit ven Schritten der Regierung sehr zufrieden geschildert.

VerautworUicher Redakteur r Dr. A. Boczek-