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Sonntag den 29. Dezember
1850.
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Neues Abonnement.
Bestellungen aus das mit dem 1. Januar neu beginnende Quartal der „Nassauischen Allgem. Zeitung" und ihr Beiblatt der „Wanderer" werden baldigst erbeten, um die Starke der Auflage bestimmen zu können.
Die Verhandlungen des Assisenhofes und des Landtages werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt, und bei den bis, Hengen und neu eingegangenen Verbindungen K orr esp ond en zn ach richten aus allen Theilen des Landes gebracht werden.
Durch den „amtlichen Theil" der Zeitung kommen Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publikums.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" erfreut sich einer bedeutenden, stets zunehmenden Verbreitung, sie ist daher zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art besonders geeignet.
Dieselbe erscheint auch für das nächste Jahr einmal täglich in gegenwärtigem Format, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränumera« tionSpreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fL, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 2 fl. IO fr. mit Inbegriff des Poftnufschlags. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellend er g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Das Landesarchiv zu Idstein.
Deutschland. Wiesbaden (Die Stadtuhren). — Vom Mainufer (Einqurtierung. Konskription. Der Taunuswächter). — Von der Dill (Wahlwesen). — Hach en - bürg (Gemeinderathswahl). — Frankfurt (Weisung an den Fürsten Thurn und Taris). — Darmstadt! (Der Landtag). — Kassel (Die Garden. Ankunft des Kurfürsten. Die Anordnungen der Kommissäre). — Dresden (Die Konferenzen). — Detmold (Herrmanns Schild). L— Berlin (Diè letzte Sitzung- des Fürstenkollegiums.
Adreffen an den Herrn von Ladenberg). — Oldenburg Nichterlaffung einer Aniwortadrrffe). — Schleswig.- Holstein (Die Landèsversammlung). — Wien (Erzherzog Stephan. Die Marine. Die Konferenzen. Penstonirungen).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Amerika. (Sklavenfrage. Die Londoner Ausstellung).
Neueste Nachrichten.
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§ Das Landesarchiv zu Idstein.
Bei der Berathung deS Archiv-Budgets für daS Jahr 1850 wurden von dem Ausschüsse deS Landtages in seinem Berichte verschiedene Ausstellungen" gemacht, die im Interesse der Sache eine nähere Erörterung wünschenswerth machen.
Bevor wir indessen aus die Spezialitäten deS Ausschußberichtes eingehen, halten wir eS für nöthig, eine Uebersicht über die früheren Verhältnisse, die Bedürfnisse und den gegenwärtigen Zustand des Archives voranzustellen.
Im vorigen Jahrhunderte, von 1729—1762, wurde das Archiv zu Idstein vom Archivrath Ha- gelganS, einem eben so fleißigen als geschickten Beamten gründlich geordnet und repertorisirt. Seine Nachfolger bis zu Anfang dieses Jahrhunderts halten blos die leichte und mühelose Arbeit, daS wenige was unter der Hand in das Archiv ringe, liefert wurde, einzuordnen und in den Repertorien nachzutragen. Dabei soll indessen nicht unerwähnt bleiben, daß der 'Archivrath von St. George zn dem Hagelgans'schen Repertorium über die Generalien ein eben fo nützliches als praktisches Sachregister gefertigt hat, welches selbst jetzt noch mit gutem Erfolg benutzt wird, obgleich das vonHagel- ganS geordnete Archiv durch ungeschickte Hand leider vor längerer Zeit zerrissen und nach den jetzigen Beständen untergetheilt wurde.
Mit Beginn des jetzigen Jahrhunderts trat ein neuer Abschnitt für daS Archiv ein; denn dasselbe war von da an nicht mehr blos Archiv in seiner eigentlichen Bedeutung, sondern cs wurde auch zugleich Landesregistratur für alle Justiz- und Verwaltungsstellen. Das bis dahin nur in wenigen Zimmern befindliche Archiv hat sich bis auf 80 Zimmer und Sâle vermehrt und wir dürfen ohne Uebertreibung behaupten, daß eS um mehr als V« deS damaligen Bestandes angewachsen ist. Wenn gleich diese veränderten Verhältnisse eine erhöhcte Aufmerksamkeit der obersten Staatsbehörden nothwendig hätten Hervorrufen müssen, so geschah von dem, was hätte geschehen sollen, wenn auch nicht gerade daS Gegentheil, so doch leider sehr wenig. Wir lassen zur besseren Charakteristik dieser Verhältnisse eine hierhin passende Stelle auS einem Aufsatze über die Nassauischen Archive in der freien Q.itHM vom Jahr 1848 No. 229 wörtlich folgen: H Anfänge dieses Jahrhunderts bis zum Be- ainn deS Ministeriums Dungern, scheinen die Archive selbst bei den höchsten Staatsbehörden gleichsam nur als ein nothwendiges Uebel betrachtet worden zu sein. Eine unglückliche Spartheorie der
selben, unterstützt von eben so ununterrichteten Kammern (welche namentlich für das dem Zufluß stets geöffnete Archiv zu Idstein nur dann eine Ausgabe für Repositureinrichlungen bewilligten, wenn die Akten nicht mehr untergebracht, geradezu auf dem Boden lagen) brachte eS dahin, daß die, durch die gemäß der neuen Organisation der gestimmten Lan- deSverwaltung im Jahr 1816 herdeigeführte umständlichere Behandlung der Geschäfte, bis zu einer wahren Sündfluih angeschwollenen Aktenmassen sämmtlicher Lokal- und Zentralbehörden in dem weitläufigen Gebäude, wie sie eben kamen, ringe# ordnet wurden, nach Bemessung des gerade vorhan, denen Raumes."
Eine natürliche Folge dieser Verhältnisse war die, daß die Akten einer und derselben Behörde, je nachdem sie in verschiedenen Zeiträumen ankamen, oft in 2, 3 Zimmern und oft in verschiedenen Stockwerken untergebracht wurden. Ein Mißstand, den daS geringe Personal, selbst wenn feine Arbeitskräfte ausgereicht hätten, mit dem besten Willen nicht beseitigen konnte.
Erst im Jahr 1843 wurde M^düe dringendsten Anträge der Archiv-Verwaktung und nachdem Herr v. Dungern an die Spitze deS Ministeriums getreten war, dem Zentral-Archiv diejenige Aufmerksamkeit gewidmet, die es zum Nachtheile deS Staates während vieler Jahre fast gänzlich entbehrt hatte. Die nothwendigen Bauten wurden angeorrnct und die Aufstellung aller Akten und Urkunden in systematischer Weise verfügt. In Folge dessen wurde ein allgemeiner Umriß über die Verwendung der einzelnen Räume deS Archivgebäudes gemacht, dessen Grundzüge etwa folgende sind:
1. In die Gewölbe (EouterrainS) deS Gebäudes kommen: a) die HauSakten, b) die LehenSakten, c) die Klosterarchive, d) die LandeSurkunden und e) die GenerallandeSaklen.
II. In dem 1 fielt und 2ten Stockwerke werden die Amts- und Kollcgial-Aklen nach den gegenwärtigen Justizamtsbezirken ausgestellt und
III. Auf dem Speicher erhält das sämmtliche Zentral- und LokalrechnungSwesen seinen Platz. —
Einen eigentlichen, bis in die Materie eingehen, den Plan über eine systematische Ordnung deS Archives kennen wir nicht, nicht einmal ein Gerippe über die äußere Aufstellung der Archivalien.
Was nun die Ausführung dieses Planes aubelangt, so ist die äußere Aufstellung der Gegenstände I. a—c an den betreffenden Orten erfolgt, desgleichen der Rechnungssachen unter III.
Systematisch geordnet und repertorisirt sind: die Generalien der LehenSakten unter I. b, und die Archive einzelner Klöster unter I. c. Ebenso sind von dem Rechnungswesen die HoshaltungSrechnun- gen und Urkunden, desgleichen des Ministeriums, des Obcrappellationögerichls, der beiden Hofgerichte, der beiden Kriminalgerichte, der Militärverwaltung, der Staatskasse, der General-Domänen - Direktion, der Steuer-Direktion, der Regierung mit den vielen dazu gehörigen Fonds und der größere Theil der Lokalrechnungen nach Eintheilung der Justiz-Aemter vollständig geordnet, worüber sehr genaue und dc- taillirte Repertorien vorliegen. Um einigermaßen einen Begriff von dem Umfange dieser Arbeit zu geben, bemerken wir, daß daS so geordnete Rechnungswesen über 20,000 Bände zählt, von denen Band für Band zum Gesternt durch die Finger gehen mußte, bis er schließlich und definitiv seinen jetzigen Lagerplatz einnehmen konnte.
Außerdem wurden die Urkunden auS dem Sayn- Hachendurgischen Archive, über 4000 Stück betragend, bearbeitet, wie nicht weniger die Repertorien dazu, aber erst theilweise, gefertigt. (Schluß folgt.)
Deutschland.
â Wiesbaden, 28. Dezbr. In unserer Stadt scheint man eine das ganze astronomische System bedrohende Entdeckung gemacht zu haben. Man hat einen eigenen und zwar beweglichen Meridian zur Zeitbestimmung gewählt.
Bald geht die Stadtuhr gegen die Eisenbahnuhr, welche mit den Eisenbahnuhren der benachbarten StädtckorreSpoNdiren muß,um fünf, zehn, zwanzig Minuten zu früh, bald um ebensoviel zu spät. So lange das erstere der Fall, haben Fremde und Ein- heimijchc, welche oie- Eisenbahn benützen wollen, höchstens das Unangenehme, Viertelstunden lang auf den Abgang des Zuges zu warten, endlich aber wenigstens die Genugthuung, abreisen zu können; im leiteten Falle aber den fast unvermeidlichen Unfall, zu spät zu kommen.
Wir wollen die eigentliche Ursache dieses Uebelstandes nicht ermitteln; ersuchen aber dringend denselben abstellen oder sich bei her Herzoglichen Sie# gierung verwenden-1% woNu , auf daß Unterhandlungen mit den Nachbarstaaten behnfS der Abopti- rung des hiesigen beweglichen Meridians gepflogen werden.
tt Som Mainufer, 25. Dez. Es drängten sich in jüngst verwichener Zeit die politischen Er- cigntsse in so hohem Grade; die Spalten der Tagesblätter wurden für die Besprechung höchst wich, tiger Zeitfragen so vielseitig in Anspruch genommen, daß eine, auf einen kleinen Kreis sich beschränkende, Korrespondenz auS der Provinz sich wie ein Zwerg unter Riesen ausgenommen haben würde, wenn sie ihre winzige Neuigkeiten neben die große Frage: „Krieg oder Frieden?" hätte stellen wollen. — DieS der Grund, weßhalb ich seit einigen Wochen Ihnen Mittheilungen nicht gemacht habe. — Nunmehr erlauben Sie einiges Nachträgliche.
Die Durchmärsche der aus Baden zurückge« kehrten Preußischen Truppen brachten unS zu Ende des vorigen Monats täglich wechselnde Gäste der verschiedensten Waffengattungen. Gegenwärtig sind 6 Kompagnien deS 29. Infanterieregiments in 13 Ortschaften der Aemter Höchst und Köni g stein dislozirt und hat cs den Anschein, als wollten sie über Winter diese Kantonnements inne behalten. ■— lieber das Verhalten dieser sowie der vorher hier einquartiert gewesenen preußi'chen Truppen, ihren Quarlierträgern gegenüber sowohl als auch im Allgemeinen, läßt sich nur Lobendes sagen, so daß einzelne Unzufriedenheiten von der einen oder der andern Seite zu den äußersten Seltenheiten gezählt werden dürfen.
Die dießjährige Rekrutirüng zu Höchst und Königstein ist, obgleich die Konskription von 1851 jene der vorhergehenden Jahre an Zahl übertraf, an beiden Amtsützen mit musterhafter Ruhe und Ordnung vor sich gegangen. Die munteren Cchaa- ren kraftstrotzender Jünglinge, neben der Verhältniß« mäßig geringen Zahl der zum Militärdienst Untätig# lichen, boten 'einen recht erfreulichen Anblick.
Weniger rühmenswert) war das Verhalten der Konskribirten des Justizamtes Hochheim, in# dem unter denselben nicht nur Wirthshaus« Prügeleien vorfielen, sondern auch mehrere Kon- skribirte sich in der Sitzung deS RckrutiruugS- rathcS höchst ungeziemend benommen haben, so daß dem Vernehmen nach ein Strafverfahren gegen die» selben wegen Störung der öffentlichen Sitzung ein* geleitet worden ist oder noch werden wird.
Wenn in einem frühern Korrespondenzartikel d. Bl. das Hinscheiden deSOberurseler „Tauwuâ> I Wächters" als nahe bevorstehend, und in einer