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Bei Aufstellung von Kunstgegenstände überhaupt und insbesondere von Oelgemälden kommt eS näm­lich auf zweierlei an: erstlich, daß dieselben hell und möglichst gleichmäßig beleuchtet seien, und zweitens daß der Beschauer möglichst wenig, weder durch Spiegelung derBilbobèrPächc selbst, noch durch eine blendende Lichleinwirkung von irgend einer Seite her gestört werde. DaS ist bei einem ein­zelnen Staffcleibilde nicht schwer zu erreichen; wo eS sich aber darum handelt, möglichst viele Gemälde schön und genießbar in einem Raum aufzustellen, da muß das Lokal dem Zwecke angepaßt werden.

Bei gewöhnlichen Zimmern ist aber ein solches Einfällen des LichteS, daß dadurch an allen Wän­den möglichst alle Gemälde in die richtige Be­leuchtung kamen, wegen der mit dem Lichtreflcre der Fenster sich kreuzenden Schatten der Pfeiler und anderer Umstände sehr schwer, fast unmöglich zu erreichen; dagegen sind die beiden genannten Be­dingungen in einem v o n ob e n beleuchteten Raume ohne Schwierigkeit zu erfüllen. Dazu bietet unser Gebäude glücklicher Weite den geeigneten Rnum. Man beseitige die gänzlich überflüssige Thorfahrt in der Wilhelmstraße und gestalte sie zu einem Saale mit Oberlicht, so ergibt sich ein herrlicher Raum, der in einer Breite von beiläufig 22 Fuß, in einer Tiefe von etwa 50 Fuß 'mit entsprechender Höh» selbst schonarchitektonisch eine schöne Gesammtwirkung hervorzurufen geeignet und würdig wäre, den treff­lichsten Erzeugnissen der deutschen bildenden Kunst als A u s st estck u n g S« L o k a l oder als Aufbe­wahrungsort zu dienen.

Zeit und Umstände mögen von den im Obigen angedeuteten Umänderungen in Beziehung auf die Sammlungen unsers Landes und die gesteigerten literarischen und künstlerischen Bedürfnisse seiner Bewohner wohl noch manches abändern; in der Hauptsache wird man aber wohl schwerlich umhin können, alle die berührten Verhältnisse ungesäumt in reifliche Erwägung zu ziehen und in Beziehung auf Hebung, Belebung und Förderung des gesumm­ten geistigen LebenS im Lande auch in dieser Rück­sicht den Erfordernissen einer erhèheten Kultur nach­gerade gebührende Rechnung zu tragen. Daß daS Personal der öffentlichen Bibliothek kürzlich in so stattlicher Weise erneuert worden ist, dürfen wir auch in Bezug auf eine umsichtigere und sachver­ständigere Behandlung der K u n st i n t e r e s s e n deS Landes wohl mit Recht als eine günstige Vor­bedeutung begrüßen.

Deutschland.

Aus der goldnen Grafschaft» Ende De­zember. Der nassauische Verein für vaterländische Arbeit und Bildung denkt nun ernstlich daran, möglichst viele Obstkabinete im Lande zu veranlassen, damit durch eine gründlichere Kenntniß der Früchte die für unser Land so wichtige Obstkultur eine weitere Förderung erfahre. Wer es weiß, welche Verwirrung in der Namengebung des Obstes herrscht und wie störend dies oft auf die Förderung seiner Kultur wirkt, wird dies Bestreben gewiß lobens- werth finden. Die von Herrn S. von Beesten in Wiesbaden bei der Oraniensteiner Produktenaus­stellung auSgelegten naturgetreuen Wachssrüchte haben alle Besucher mit hohem Interesse erfüllt; für die Bewohner der goldnen Grafschaft hatten sie aber einen doppelten Reiz, weil wir seit langer Zeit der Obstkultur besondere Aufmerksamkeit gewid, met haben, wobei wir durch dir Natur unserer Ge­gend sehr begünstigt werden. Solche vorübergehende Ausstellungen können nun aber den Freunden der Obstzucht nicht genügen. Bei den Schwierigkeiten des Studiums der Obstkunde, die seinen Verwandt­schaften, Nüancirnngin, Schattirungen zu bezeichnen und zu unterscheiden, sowie die nöthigen Eremplare in normalem Zustande immer neben einander zu haben, machen ständige Obstkabinete sehr wünschens- werth. DaS landwirthschaftliche Institut zu Hof GeiSberg hat sich daher eine sehr umfangreiche Sammlung angelegt. Der Preis der Früchte ist aber nicht so hoch, daß nicht jede Stadt mit einer wenn natürlich auch bescheideneren Ausstellung Nach­folgen sollte. Die künstlichen Früchte des Herrn von Beesten gehen bereit» über Europa hinaus nach den Staaten Amerikas. Neberall sucht man von seiner Kunst Nutzen zu ziehen, und wir, deren Land wie zum Obstbau geschaffen ist, waren im Ganzen bisher sehr gleichgültig gegen diese schöne Erfindung. Die FruchlaussteUung im Herzen deS Landes hat endlich einen wohlthätigen Anstoß qc- gehen. Jede Stadt sollte an einem geeigneten Ort, sei eS daS RathhauS, daS Schulgebäude oder eine andere Räumlichkeit, mit einer kleinen Ausstellung dieser naturgetreuen Wachssrüchte beginnen. Ge­meinnützige Männer werden dieselben bald zu er­weitern wissen.

^ Diez, 21. Dezember. Die Früchte der so allgemein gewordenen Religionsverachtung uns Gottlosigkeit in unserm Lande äußern sich jetzt be­sonders durch die vielen vorkommenden Verbrechen, und ehemalige Erzieher der Jugend, sogenannte VolkSbildner, haben schon die scheußlichsten Bilder |

der Entsittlichung abgegeben. DaS Zuchthaus schließt jetzt in seinen Mauern 195 Züchtlinge bei­derlei Geschlechts ein und ist, so lange die Anstalt besteht, diese Zahl noch nicht erreicht worden; vor un­gefähr 7 Jahren waren sogar nicht einmal 100 Zücht­linge da. Möchten doch alle währen Menschen­freunde diese Zustände in Erwägung ziehen, vor allen aber die Herren Lehrer und Geistliche, die Sache nicht nur inö Auge, sondern auch inö Herz fassen, und eingedenk ihres wichtigen V erufed es wohl erwägen , wie sehr es nöthig ist auch alles Das zu thun, wozu sie ihr Amt verpflichtet.

Insbesondere aber sollten vor Allem doch Diejenige»/ welchen die geistliche Pflege der Ver­brecher anvertraul ist, außer den sonntäglichen vor« geschriebenen Gottesdiensten mehr die spezielle Seel­sorge üben und auf die einzelnen Individuen besser zu wirken suchen, damit dieselben nach der in der Regel so kurzen Strafzeit nicht als Verbrecher, fon- dern als wirklich gebesserte Menschen entlassen wer­den. Denn leider hat die Erfahrung bisher in vielen Beispielen gelehrt, daß ein nicht unbe­trächtlicher Theil entlassener Züchtlinge bald nach verbüßter Strafe durch Begehung neuer Verbrechen sich die zweite, ja dritte und vierte Zuchthausstrafe zugezogen haben. Allenthalben drängt man auf Organisationen und Verbesserungen in der Staats­verwaltung , allein für eine innere wahre Reform des GefängnißwesenS scheint aber bis heute noch nichts geschehen zu sein.

Mainz, 25. Dez. Der Main, welcher gestern Abend noch keine Spur von Eis zeigte, hat in Folge der in verflossener Nacht eingefallenen Kälte von 8 Grad R. so viel Treibeis dem Rhein zugeführt, daß heute Abend um 5 Uhr unsere Rheinbrücke ab­gefahren werden mußte.

Kassel, 22. Dez. Die Sitzung deö StadtratheS war gegen 11 Uhr bereits beendet. Derselbe hat einstimmig den Beschluß gefaßt, die Septem­berverordnungen nicht anzuerkennen. DaS OberappellationSgericht will seine Unterwerfung n'icht weiter auSdehnen. Die Mitglieder deS Obergerichts, deS Konsistoriums und deS Obermedi- zinalkollegiumS, letzteres mit Ausnahme der HH. HaräuS und Waldmann, haben den Abschied ein­gereicht.

Kassel, 23. Dezbr., AbendS. (Tel. Dep. der j Weser - Ztg.) Die Baiern haben die Stadt I geräumt.

Kassel, 23. Dezbr. (Fr. I.) Die Erekution hat heute bereits ihren Anfang gemacht. Der F.-M.-L. Graf von Leiningen desavouirl den preu­ßischen G.>L/ k/P'èücker vollständig, und bringt die ihm von dem sogenannten Bundestag ertheilten Aufträge einseitig, ohne Uebereinstimmung oder Zu­stimmung des letzteren zum Vollzug. Heute früh erschienen mehrere (schon erwähnte) Bekannt­machungen an den Straßenecken. Wie wenig übereinstimmend alle diese Maßregeln durch das ein­seitige Auftreten des Grafen von Leiningen mit den Olmützer Punklationen sind, ist bereits genügend hervorgetreten , und es möchte zu bezweifeln sein, ob die preußische Regierung in Berücksichtigung ihrer Interessen und ihrer Ehre nicht eine bessere Würdigung dieser Ucbereinkünfte und Beschlußnahmen von Olmütz verlangt. Wie es heißt, ist durch jene Veranlassungen bad v. Tiezen'sche Korps zum eiligen Rückmarsch hierher beordert, und soll mor­gen, spätestens übermorgen eintreffen. Gegen Abend ist die Bekanntmachung erlassen worden, daß um 9 Uhr Abends alle WirthschaftSlokale geschlos­sen sein sollten. Alle diese Manipulationen sind un­serer Ansicht nach unnöthig. Wir können die Ver­sicherung ertheilen, daß sich, eS mag auch vorgehen, was da wolle, keine MauS regen wird. Ebenso sind wir durch daS frühere Benehmen der sogenann­ten ErekutionSarmee in den anderen Orten unseres Landes, wie Fulda, Rotenburg ic., von ihrer Ver« fahrungSweise so wohl unterrichtet, daß wir genau wissen, was unS noch bevorsteht, und keine Zusam, menkünfte zu halten brauchen, um unS zu berathen, was jetzt zu thun fei. Es weiß ein Jeder, waS er zu thun hat, und wird es auch für die Zukunft wissen. Daß gegenwärtig ein vollständiges Zer- würfniß zwischen den beiden Kommissarien obwaltet, ist eine Thatsache und wir werben sehen, wohin unS dieses führt. Wenn freilich auch dieser streitige Punkt auf den Konferenzen zu Dresden erst zur Entscheidung gebracht werben sollte, die zwar heute ihren Beginn genommen haben, so dürften wir in­zwischen viel Bitteres von der ErekutionSarmee erfahren.

Kassel, 24. Dezember. (D.Z.) Unsere neuesten Briefe von H^r berichten, baß die nach Kassel be­stimmten preußischen Verstärkungen Gegenbefehl er­halten haben, seitdem man sich von per anderen Seite dazu verstanden hat, daß auch die baierischc Besatzung bid auf ein Bataillon reduzirt werden soll. Zur Jnstanbsctzung bet kurfürstlichen Zimmer im Schlosse war, wie es hieß, der Befehl bereits eingetroffen. (Die Kasseler Ztg. kündigt au, daß sie mit dem 1. Januar in Kassel erscheinen werde.)

An der Stelle der Neuen Hessischen Zeitung erscheint jetzt unter derselben Redaktion (Pfaff, PinhaS, Oetker) einNeuhessischer Anzeiger".

Stuttgart, 23. Dezbr. Ueber bas Verhalten der würlembergischen Regiermrg und der Königreiche überhaupt, den Olmützer Punktalionen und der Dresdener Konserenzen gegenüber, enthält die hiesige lithographirte Korrespondenz, die, wie es scheint, in solchen Dingen verlässige Quellen hat, Folgendes: Verschiedene, namentlich preußische oder Gothaer Blätter behaupten fortwährend von einer Betheili, guug, WürtembergS an einem Proteste gegen die Olmützer Punktationen und einem gemeinsamen bayc, risch-würtembergischen Programm für die Dresdener Konferenzen unterrichtet zu sein. In ersterer Bezie- Hung ist bereits durch das Organ der Regierung der formellste Widerspruch erhoben worden, und in letzterer Hinsicht vernehmen wir von einer Seite, wo man sonst gut unterrichtet zu sein pflegt, daß ein gemeinsames Programm nicht besteht, wenn eS schon natürlich ist, daß die Mittelstaaten gemein­same Interessen haben, worin also die ihren Be, vollmächtigten ertheilten Instruktionen zusammen, laufen werden, wie z. B. dem Dualismus ent# gegenzuwirken, der indeß von österreichischer Seite weil weniger sich geltend machen dürfte, als von preußischer, wenigstens nach der Sprache der.offiziel­len und halboffizieüen Organe der beiden Großstaa- ten zu urtheilen. Darum steht auch die würtem, bergische Regierung fortwährend im freundlichsten Einvernehmen mit seinen Verbündeten von Bregenz her und also auch mit der österreichischen Regierung. Gleichzeitig wird versichert, daß die Instruktionen deS würlembergischen Bevollmächtigten durchaus ver­söhnender und vermittelnder Art seien und ed kann hinzugesetzt werden, daß die sicheren Aussichten auf Erhaltung des Friedens Niemand erwünschter und erfreulicher waren, als eben der würtemb. Regierung, die ja auch bekanntermaßen erst im letzten Augen­blick im Größeren rüstete, als schien, der Friede sei nicht mehr zu erhalten, und als sie nimmer zögern konnte, den feierlich eingegangenen Verpflich­tungen gegen ihre Verbündeten nachzukommen.

Leipzig, 23. Dez. ES heißt, der Sprecher der hiesigen Deputaten an Hrn. v. Manteuffel werbe seine Rede bei der Uebergabe mit dem be­deutungsvollen Spruche schließen:

Nimm diesen Zweig, es ist der Lohn

Der Demuth, die sich selbst bezwungen.

Die Deputation, wie derNürnb. Korr." mel­det, hat, welche die Petition zu Gunsten des Bürger, meistcrs Koch dem König überbrachte, eine sehr un# gnädige Aufnahme gefunden. Der König soll den Herren sogar seine Verwunderung auSgtsproMn haben, wie so angesehene unb besonnene Männer sich einesungehorsamen und pflichtvergessenen" I Beamten annehmen könnten.

Dresden, 23. Dezbr. Bei den hier garnisoni, ! renben Truppen haben gestern die Beurlaubungen i begonnen. Dieselben erstrecken sich'vorderhand auf die Infanterie, bei welcher, wie wir vernehmen, der Stand der gegenwärtig 1000 Mann starken Batail, Ione auf 300 Köpfe reduzirt werden soll, so daß inklusive her Offiziere und Unteroffiziere die Kom­pagnie von 250 auf 75 Mann gebracht wird.

Dresden, 23. Dèz. (Dresdeiidr Zöürn.) Heute Nachmittag 2 Uhr fanden sich in Folge einer Ein- ladung deS StaatSministerS von Beust die den anberaumten Ministerialkonferenzen hier angelaügUtt Bevollmächtigten deutscher Bundesstaaten in dem Brühl)chen PalaiS ein, wo hierauf die Eröffnung der Konferenzen durch den österreichischen Minister­präsidenten Fürsten von Schwarzenberg erfolgte. Anwesend waren folgende Bevollmächtigte: für Oe­sterreich Fürst v. Schwarzenberg; für Preußen Mi­nisterpräsident Freiherr v. Manteuffel und StaatS- minifter Graf Alvensleben; für Bayern Mlnistcr- präsibent v. d. Pfordten und Geh. LegationSralh Freiherr v. Aretin; für Sachsen StaatSminister v. Beust; für Hannover StaatSminister v. Münch­hausen und Geh. Kabinetsrath v. Scheele; für Würtemberg Geh. LegationSralh Freiherr v. Neu­rath; für das Großherzogihum Hessen StaatSi« minister Freiherr v. Dalivigk und StaalSrätb ^rhr. v. Hallwachs; für Braunschweig StaatSniiüisrer Freiherr v. Schleinitz und LegationSralh Dr. Liebe; für Sachsen,- Weimar StaatSminister v. Watzdorf und Geh. StaatSralh Freiherr v. Fritsch; für Sachsen-Coburg-Gotha StaatSminifler v. Seebach^ für Sachsen Meiningen StaatSminister v. Wechmar; für Sachsen - Altenburg StaatSminister Graf von Beust; für Mecklenburg-Strelitz StaatSminister von Oertzen; für Anhalt-Dessau StaatSminister v. Plötz; für Anhalt-Bernburg Kammerherr v. Krosigk; für Schwarzburg-SonderShausen wirkl. Geh. Rath Chop; für Schwarzburg-Rudvlstadt StaatSminister v. Rö­der ; für Reuß ältere Linie Kanzler Otto; für Reuß jüngere Linie StaatSminister Dr. v. Bretschneider; für Lübeck Bürgermeister Brehmer; für Franksèirt Schöff Dr. Harnier; für Bremen Bürgermeister Smidt; für Hamburg Syndikus Banks. Sämmt­liche Bevollmächtigte erschienen zu dem hochwichtigen, von ganz Deutschland in hoffnungsreicher Spannung