Ihre Stadt in jüngster Zeit erlebt hat. DaS Vor- spiel dazu hat bereits gestern statigcfunden. Einige in umliegenden Ortschaften einquartierte Bayern hatten sich nach Kassel in die Roßteuscher'sche Bierhalle begeben und zogen dortselbst weiblich über die Bewohner von Kassel los; einer der anwesenden Preußen nahm sich aber der Letzteren an; eS kam zum Wortwechsel, in dessen Verlauf der Bayer auf den Preußen loSsprang und ihn beim Kopf zu fassen suchte; jetzt nahmen aber die übrigen anwesenden Preußen für ihren Kameraden Partei, überwältigten die Bayern und holten eine preußische Wache herbei. Die Bayern wurden hierauf von derselben unter einem großen Zusammenlauf und unter dem Gehöhn der Straßenjugend auS der Stadt tranS- portirt. Auch wurden vorgestern zwei bayerische Offiziere, welche die Stadt betreten hatten, auf offener Straße insultirt und mit Schnee geworfen.
Stuttgart, 20. Dezember. Der zwischen Wür- temberg und Baden abgeschlossene Vertrag, betreffend die Verbindung der Eisenbahnen beider Staaten hat die höchste Ratifikation erlangt.
Dresden, 21. Dez. Dem Fürsten Schwarzenberg ist als Zeichen besonderer Huld eine glänzende Wohnung im königlichen Schlosse selbst angeboten, von ihm aber, dem Vernehmen nach, abgelehnt worden. Wahrscheinlich wird derselbe das Hotel de Sare beziehen, dessen beste Räume von der hiesigen österreichischen Gesandtschaft in Beschlag genommen wurden. Sachsen selbst wi.d, wie Ihnen bereits bekannt sein wird, von dem Minister des Auswärtigen, Herrn von Beust, bei diesen Konferenzen vertreten werden und man schmeichelt sich hier, daß diesem Herrn aus Artigkeit und zum Dank für die gute Aufnahme auch das Präsidium derselben übertragen werde, zumal auch Rußland, von dem freilich am Meisten abhängt, demselben gewogen sein soll.
Berlin, 20. Dezbr. (D. Z.) In der Olmützer Punktation wird von preußischen Verbünde« ten gesprochen ; die Zahl dieser Verbündeten schmilzt aber auf eine für die Regierung erschreckende Weise zusammen. Nachdem Baden und Schwerin aus dem Bündniß vom 26. Mai gänzlich ausgeschieden, sind jetzt auch die Hansestädte und Oldenburg gefolgt. N assa u h a t, st at t d e m „F ü r st en ko l l eg i u m" eine Mittheilung zu machen, der preußischen Regierung direkt erklärt: sein Vertreter sei schon seit lange nicht mehr zum Stimmen, sondern nur noch zum Hören instruirt. Man hat dies Alles sehr schmerzlich empfunden; indessen „Untreue schlägt ihren eigenen Herrn". Es ist nur noch zu verwundern, wie der Rücktritt von Staaten, denen man doch daS Zeugniß geben muß, daß sie allen Verlockungen zum Abfall widerstanden haben, so lange Preußen fest blieb, jetzt noch Befremden erregen kann, nachdem die preußische Regierung vertragsbrüchig geworden ist. Der Bestand von Verbündeten reduzirt sich jetzt also auf Braunschweig, Anhalt, die Thüringischen Staaten, Lippe-Detmold und Waldeck; der größte von diesen Verbündeten, Braunschweig, hat eine Bevölkerung von nur 250,000 Seelen und für sich allein keine Stimme im engeren Rath ; die Gesammtheit der sächsischen Herzogthü- mer hat nur Eine Stimme. Und selbst dieser letzte Rest von Verbündeten ist keineswegs gebunden; denn Keiner von ihnen if auf bie gebotenen neuen Grundlagen eingegangen, cS steht ihnen also jeden Tag der Rücktritt frei. Daß alle bisher noch im Vertrage vom 26. Mai Begriffenen ihre Zustimmung zu der Abordnung eines Kommissärs nach Hessen verweigert haben, ist begründet. Die Erklärung hat fast übereinstimmend dahin gelautet, daß man zwar nichts gegen die Person des Generals v. Peucker, wohl aber Viel gegen den Zweck seiner Sendung einzuwenden habe. Es bezieht sich jedoch diese Weigerung nur aus die hessische Angelegenheit, denn in Bezug auf die holsteinische ist bis jetzt eine ähnliche Zustimmung nicht beansprucht worden.
Berlin, 21. Dez. Der Ministerpräsident Hr v. Manteuffel hat sich heute gegen Abend zu einer längeren Konferenz zu Seiner Majestät dem Könige nach Eharlotienburg begeben. Dieselbe, bc- zieht sich dem Vernehmen nach auf Gegenstände von hoher Wichtigkeit, weiche der Ministerpräsident sHon morgen in Dresden mit dem Fürsten von Schwarzenberg zu vereinbaren haben wird. Hr. v. Manteuffel geht morgen früh um 9 Uhr dahin ab. Der Minister hofft mit sehr belangreichen Resultaten von dieser persönlichen Zusammenkunft zurück- zukehren. General v. Gerhard ist aus Rendsburg hier eingetroffen.
Die Gerüchte von dem Ausscheiden deS Hrn. v. b. Heydt auS dem Ministerium tauchen neuerdings auf; wie die Neue Pr. Ztg. wissen will, als Vorboten einer Veränderung in der preußischen Handelspolitik.
Berlin, 21. Dez. Dem Fürstenkollegium sind in der letzten Sitzung Eröffnungen über die Dres
dener Konferenzen gemacht worden. Zugleich ist demselben von preußischer Seite mitgetheilt worden, daß sich Preußen nach Herstellung des weiteren Bundes nähere Vorlagen über ein engeres Bünde niß Vorbehalte. Eine weitere Sitzung des Fürsten« kollegiumS ist nicht anberaumt worden.
Berlin, 21. Dez. Wie es heißt, hätte der König in der letzten Zeit mehrfach hervorgehoben, baß eS nothwendig sei, bis zum 3. Januar irgend zu einem Resultate zu gelangen, daS den Kammern nolifizirl werden könne. — UebrigenS erwartet man, daß daS strenge Festhalten der preußischen Re- gicrung an der Verfassung und die Nichtgefährdung derselben durch die Dresdener Konferenzen auch in aufgeregten parlamentarischen Kreisen Beruhigung gewähren wird.
Die Const. Ztg. schreibt: Die Dresdener Konferenzen sollen am Vormittag des 23. durch einen Vortrag des Ministers Schwarzenberg eröffnet werden. Herr von Schwarzenberg fungirt dabei , wie die „V. Z." beruhigend versichert, nicht als österreichischer Bevollmächtigter, sondern als „Minister der auswärtigen Angelegenheiten!" Die „V. Z." ist sich des subtilen Unterschiedes schwerlich bewußt. Oesterreich tritt als die erste Macht in Deutschland auf. Wir Preußen wissen, daß seit dem April 1848 unser Königreich der größte deutsche Staat ist. Aber dieser größte Staat wird von kleinen Geistern regiert und Fürst Schwarzenberg, der Vertreter deS zweiten Staates in Deutschland, wird mit einem Vortrage die Konferenzen eröffnen. Wir erblicken hierin ein Präjudiz.
Geestemünde, 17. Dez. Gestern haben das Kriegsdampfschiff der „Königs. Ernst August" und die Fregatte „Eckernförde" zur Ueberwinterung in die Geest gelegt. Ebendort befanden sich die „Hansa" und der „Barbarossa". (Nieders. Z.)
Hamburg, 19. Dez. In der heutigen Bürgerschaft äußerte in seiner Anrede der präsidirenbe Bürgermeister die Hoffnung, daß, wenngleich die Union aufgegeben worden , für den Norden Deutschlands sich dennoch ein engeres Zusammenhalten erreichen lassen werde. WaS die Schulvforverung der Herzog« chümer Schleswigholstein anbeträfe, so sei diese Angelegenheit, so weit sie die Städte Hamburg und Bremen anginge, im Einverständnisse mit der Statthalterschaft dem Lübecker OberappellationSgericht zur Entscheidung übergeben.
Von der Niederelbe, 20. Dez. ES ist eine sehr strenge Untersuchung im.. Gauge wegen der dem General v. Willi sen zugesügten Insulten auf dem Bahnhöfe zu Neumünster. — Von Reisenden, die erst jüngst in Angeln und Schwansen gewesen sind, vernehmen wir, daß die Dänen bei .Cappeln eine Brücke über die Schlei geschlagen haben, daselbst starke Schanzen, wie bei Arnis und Miffunde, aufwerfen und selbige mit schwerem Geschütz armiren wollen, auch auf diesem Punkte unserer Armee den Uebergang über die Schlei unmöglich zu machen.
Aus Holstein, 20. Dezember. (D. A. Ztg) Einen sehr günstigen Eindruck macht im Lande der gestern von der Landesversammlung gefaßte Beschluß: die Aufhebung deS so verderblichen Lottos mit dem 1. Jan. 1851. Es ist dieses eigentlich der erste Beschluß der Versammlung in dieser Diât, der eine allgemeine und vortheilhafte Bedeutung für bas Land hat. — Die beiden Kommissare, für Preußen Generallieutenant von Thümen und für Oesterreich ein noch nicht definitiv ernannter General, werden ihre Mission unmittelbar nach dem Weih- nachlSfeste an treten, sodaß dieselben am 27. ober 28. Dezember hier eintreffen werden.
Wien, 21 Dezember. Fürst Schwarzenberg ist heute Morgen nach Dresden abgereist. Der Lloyd bringt neue heftige Artikel worin, worin er die Un- Haltbarkeit des jetzigen Finanzsystems darzulegen sucht mit bestimmtem Hinblick auf eine eventuell neue Finanzverwaltung. Unverzinliche Schatzscheine werden circa zu 50 Gulden und herab; die höchsten bleiben dreiprozentig. Die Zentralkassen-Anweisun- gen und die ungarischen Asstgnationen werden ein- gezogcn. __________________
Großbritannien.
London, 20. Dez. DaS Dampschiff Atlantic ist mit Nachrichten auS Newyork vom 7. auf der Höhe von Holyhead angekommen. Telegraphisch werden sie der Timeö gemeldet. Hiernach herrscht in der Hauptstadt der Ver. Staaten große Besorgniß wegen der auf Ablösung von der Union abzweckenden Politik der Staaten Südcarolina und Missisippi. Gerüchte über Vorschläge zu einem Ankauf der Insel Kuba durch die englische Regierung waren in Umlauf, sanden jedoch mit Recht wenig Glauben.
Die australischen Journale melden von einem vereitelten Fluchtversuche Smith O'Briens.
Der Herald will wissen, und zeigt dies mit Entrüstung an, Hr. Sheil, Gesandter in Florenz,
habe Vermittlungsvorschläge erhalten, die geeigner seien, vom Papste angenommen zu werden, ohne daß dessen Nachgiebigkeit dadurch den Schein eines Rückzuges erhalten würde.
Italien.
Rom, 12. Dez. Ein Bataillon Chasseurs »'Orleans abgegangen, um in Straßburg Garnison zn halten. DaS französische Okkupationskorps beläuft sich jetzt auf 8000kM. Wegen deS schwachen Standes der französichen Garnison hat General Gemeau mehrere entfernte Posten eingezogen und sich um die EngelSburg konzentrirt. An den Befestigungen wird unausgesetzt gearbeitet. Die Verbindung der EngelS- burg mit dem Vatikan, welche unter der Republik zerstört worden, ist wieder hergestellt. Die Spannung zwischen den Kardinälen und dem französischen General nimmt täglich zu.
Türkei.
Belgrad, 7. Dez. Die Insurrektion in Bosnien ist also bezwungen. Vorgestern kam eine Depesche von dem SeriaSker an die hiesige fürstliche Regierung und an den Pascha. Nach dem bei Dreventa stattgehablen Hauptschlag streckten die Aufständischen freiwillig die Waffen, indem dieselben zugleich eine Amnestie ansuchten, die ihnen auch mit Ausnahme der Anführer zu Theil geworden.
Aus den Mittagsposteu.
Kassel, 22. Dez. Unsere Briefe von hier berichten von der ungemeinen Entrüstung und Erbitterung , die hier in Folge der erneuten maßlosen Forderungen des Grafen Leiningen (nachdem man die Proposilioncn deS preußischen Kommissars sammt, lich angenommen !) unter allen Schichten der Bevölkerung herrscht. Alle Beamte, mit Ausnahme von 3OberappellationsgerichtS- und LObergerichtSräthen sind entschlossen, ihre Entlassung zu nehmen. Ein Theil der zuerst nach den Dörfern der Umgegend bestimmten baierischen Truppen ist in der Stadt einquartiert worden — Beweis, daß Leiningen seine Verordnungen mit Gewalt durchzusetzen gesonnen ist. Herr v. Peucker spielt eine ganz untergeordnete Rolle.
München, 21. Dezemb. Dem N. C. wird ge, schrieben: Die mit Recht gefürchtete Zweiherrschaft über Deutschland soll keine Aussicht haben, in Dresden sanktionirt zu werden; man behauptet dieß hier in politischen Kreisen mit einer solchen Bestimmt« heit, daß man jedenfalls gute Gründe hiezu haben muß. —
Dresden, 23. Dez. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Die Herren Ministerpräsident von Manteuffel und Freiherr von Prokesch-Osten sind gestern um 3 Uhr Nachmittags in Dresden angekommen, wo um 5 Uhr Abends die Herren Fürst von Schwarzenberg, Graf von Buol-Schauenstein und Graf von Rech« berg-Rothcnlöwen ebenfalls eintrafen. Die Herren von Mqnteuffel und von Schwarzenberg sind im Prinzenpalais abgestiegen. Gleich nach der Ankunft der k. k. österr. Bevollmächtigten begann eine Konferenz, welche bis in die Nacht sich verlängerte. Heute Mittag wurden die „freien Konferenzen" in Anwesenheit sämmtlicher Bevollmächtigten a l l e r (?) deutschen Staaten eröffnet. Herr StaatS- Minister Hassenpflug ist noch nicht hier a n g e I a n g t.
(Wie die Kass. Ztg. vom 23. meldet, ist Lega- tiousralh v. Baumbach, kurfürstl. Minister der auswärtigen Angelegenheiten, nach Dresden bestimmt und bereits dorthin abgereift.)
Hannover, 21. Dezember. Der „Niederschlesi, schen Zeitung" meldet eine telegraphische Depesche auS Frankfurt, daß der Feldmarschall -Lieutenant Legeditsch den Befehl erhalten habe, sich mit seinem Korps marschfertig nach Holstein zu halten.
Berlin, 23. Dezbr. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) General v. Thümen, welcher sich jetzt hier befindet, wird sich demnächst nach Holstein begeben.
Rendsburg, 20. Dezember. (H. B.) Dem 2. JägerkorpS ist am gestrigen Tage eine seiner Feldwachen von den Dänen überfallen und wurden bei dieser Gelegenheit fünf von unsern Jägern gefangen genommen.
Paris, 21. Dezbr. Die Nationalversammlung hat am Schluß ihrer heutigen Sitzung, nachdem sie den Antrag abgelehnt, über die Jntcrpclationen de« Herrn Pascal Duprat in Betreff der Lotterien zur einfachen Tagesordnung überzugehen, mit 375 Stimmen gegen 232 sich dahin ausgesprochen: daß sie, vertrauend auf die Sorgfalt der Regierung, zur Tagesordnung übergehe.