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IN Dresden wird daher, ob nun die Mittel- staaten ihren alten Bundestag, oder irgend eines der vielen Direktorialsysteme, ob Oesterreich und Preu­ßen den symbolischen Dualismus durchsetzen, ledig- lich die Frage über den Hammer, nicht aber auch jene über den AmbsS entschieden; die uns durch die dortigen Konferenzen in Aussicht gestellte Weih- nachtSbescherung dürfte sehr dürftig ausfallen, und sich auf den Glanz und Schimmer der vielen dort nun vereinigten Lichter, aus einen Zuwachs an (vnbotenen) Früchten, und mag auch immerhin versichert werden, » die Wiener und Karlsbader Beschlüsse nicht zur Grundlage der neuen Bera- Hung dienen, auf jenes kleine pädagogische Instru­ment beschränken, an welchem die Herren Haffen- Pflug und Konsorten bis jetzt so eifrig banden, und welches nun mit einem offiziellenLâtschli« gegen­seitiger Uebereinstimmung versehen, an den Spiegel der neuen BundeSakte zur ersprießlichen Warnung für Alle gesteckt werden soll.

Das Einladungsschreiben der österr. Regierung.

* Wiesbaden, 23. Dezember. Das Zirkular, welches von der k. k. österreichischen Regierung an die deutschen Regierungen als Einladung zur Be- schickung der Konferenzen nach Dresden ergangen ist, lautet folgendermaßen:

DaS Bedürfniß einer zeit- und sachgemäßen Verstärkung der grundgesetzlichen Verfassung deS deutschen Bundes im Wege der Revision ward in Deutschland gefühlt, lange ehe noch die Begebenheiten der letzten drei Jahre dessen Erfüllung zur Sache unausschieblicher Nothwendigkeit gemacht hatte. Schon damals waren alle Vaccrlandsfreuude dar­über einig, daß die Organisation der obersten Ver­waltungsbehörde des Bundes eine mangelhafte sei; daß es an den Mitteln gebreche, das wahrhaft Ge­meinnützige in geistiger wie in materieller Beziehung unter den Mitgliedern deS Bundes in daS Leben treten zu lassen, baß dem Auslande gegenüber die Vertretung Deutschlands nicht aus eine Weise be­stellt sein könne, wie sie der wirklichen Macht, den Hilfsquellen und der historischen Größe Deutsch­lands angemessen wäre. Die Ereignisse deS Jahres 1848, die Leichtigkeit, mit welcher damals die Grundlage des Bundes erschüttert und dessen ge­setzliche Thätigkeit außer Wirksamkeit gesetzt wurde, und der Zustand innerer Zerrissenheit, in welchem seitdem und bis zu dieser Stunde daS gemeinsame Vaterland versetzt worden ist, haben nur zu sehr die Besorgnisse und Wünsche Derjenigen gerechter, tigt, welche jüngst auf gründliche Revision der Verfassung deS Bundes gedrungen hatten. Ver­schiedene Wege sind seit 1848 zur Erreichung dieses Zweckes eingeschlagen worden; keiner hat bis jetzt zum ersehnten Ziele geführt. Und dennoch muß man schnell an dasselbe gelangen, will man nicht die Bande, die gesetzlich und naturgemäß die deut­schen Staaten aneinander knüpfen, immer mehr sich lockern, will man nicht die deutschen Verhältnisse einer völligen Auflösung entgcgengehen, und den Bund in der europäischen Staatensamilie gänzlicher Machtlosigkeit zur traurigen Beute werden sehen. UiHr solchen Umständen erscheint der durch frühere Erfahrungen als gut und zweckmäßig bewährte Weg gemeinsamer Ministerialkonserenzen neuerdings an# gezeigt. Es mögen daher in kürzester Frist die be­vollmächtigten Vertreter sämmtlicher deutscher Regie­rungen an einem freigewählten Orte zusammenlre- ten. Daselbst sei ihre Aufgabe, von dem Grundsätze ausgehend, daß der deutsche Bund ein unauflöslicher, und dessen Grundgesetze bis zur erfolgten Revision in unverbrüchlicher Giltigkeit bestehend seien, die Verbesserung eben jener Grundgesetze in Bera­thung zu nehmen. Dec leitende Gedanke bei dieser hochwichtigen Arbeit sei jener, daß die Interessen der Gesammtheit einer starken Vertretung sowohl im Innern als nach Außen hin bedürfen, um den Erfordernissen der Zeit, den billigen Wünschen der Nation, uno der Stellung, die Deutschland inmitten deS europäischen Staatensvstemö einzunehmen hat, zu genügen. Die Ergebnisse der Berathungen jener Versammlung mögen sodann den Bestimmungen beö Art. IV. der Wiener Schlußakte gemäß sämmtlichen BundeSgliedern vorgelegt, durch deren Zustimmung mit der erforderlichen Sanktion versehen und durch die hierauf von Seite der zu bestellenden obersten BundeS- behörde erfolgende Veröffentlichung zu BundeSgruud- gesetzen erhoben werden. Se. Maj. der Kaiser, unser allergnädigster Herr, und Se. Maj. der König von Preußen, von der Ueberzeugung geleitet, daß der angegebene Weg endlich zum Ziele führen werde, und gleichmäßig von dem Wunsche beseelt, sobald als möglich wieder in Deutschland einen festen auf Recht und Gesetz ruhenden Zustand hergestellt zu sehen, sind sich in dem Entschlusse begegnet, gegen Ihre Mitverbündeten den Wunsch auszusprechen, daß bis zum 23. d. M. sämmtliche deutsche Regie­rungen ihre Bevollmächtigten nach Dresden entfen# den, damit daselbst nach der Analogie der Mintstc- rialkonferenzen deS Jahres 1819 die Versammlung eröffnet und in obenbezeichneter Weise vorangegan-

geu werden könne. Ew. tc. sind beauftragt, die hierzu führende Einladung ohne Verzug Namens Sr. Majestät an die Regierung, bei welcher Sie beglaubigt zu sein die Ehre haben, gelangen zu lassen. Allerhöchstdieselben zweifeln nicht, daß Ihre sämmtlichen Bundesgenossen mit Freuden die Aus­sicht begrüßen werden, die sich heute darbietet, die erschütterten Verhältnisse des deutschen Vaterlandes auf dem altgewohnten Wege gegenseitigen Ver­trauens und friedlichen Einverständnisses wieder ge­regelt und die hierdurch gesetzlich neu begründeten Zustände für alle Zukunft befestigt zu sehen. Em­pfangen Dieselben 2C.

Deutschland.

t Wiesbaden, 23. Dez. Seine Hoheit der Herzog sind gestern von Biebrich zu einem Besuche am Herzoglich Anhaltischen Hofe nach Dessau ab# gereist. Für die Dauer dieser Abwesenheit haben Höchstdieselben dem Staatsministerium umfassende Spezial-Vollmachten ertheilt, so daß alle Regierungs- Geschäfte ihren ununterbrochenen Fortgang haben. Unsere Ständeversammlung ist zwar vertagt, jedoch nur während des WeihuachtsfestcS, so daß am vor­stehenden 6. Januar die landständischen Verhand­lungen sofort wieder ausgenommen werden.

Die Vertretung deS HerzoglhumS in der Mini- sterial-Konferenz in Dresden ist dem StaatSminister a. D. Freiherrn v. Dungern übertragen worden, welcher, begleitet von dem Ministerinlrath Dr. Bertram am 25. Dezbr. dorthin abreifen wirb.

88 Aus der Mitte von Nassau, im Dezbr. ES ist in der jüngsten Zeit sehr viel über die vielen Brände und daraus folgende hohe Brandsteuern geschrieben und gesprochen worden. Traurig sind solche Ereignisse allerdings immerhin, aber nicht die BrandentschädigungSgelder machen die Brandsteuern hoch, sondern die Rezepturen tragen ihr Schärflein auch dazu bei. Man sehe doch daS 1849r Brand- steuerauSschreiben Seite 29 des 1850r Verordnungs­blatts, wo die Rezepturen 2711 fl. 12 fr. Hebge- bühren beziehen. Nicht die Rezepturen besorgen die Erhebung bei den Häuserbesitzern, sondern die be­stellten Steuererheber; die Hebgcbühre beziehen aber nicht die Steuererheber, sondern meistentheils die Rezepturen, daS gejammte Rezepturpersoual bezieht gesetzlich firirte Besoldungen, wird also doppelt honorirt. Zu dieser doppelten Honorirung muß der Domänen - Fiskus auch seine Rate beitragen wegen den versicherten Hofgebäuden und eS wäre sehr zu wünschen, wenn die LandeSdeputirten darauf Bedacht nähmen, daß die doppelte Besoldung weg­fiele, Die Beträge der Brandkaffe erspart oder den Steuerhebeln zugewiesen würden.

5 Vom Westerwald, Mitte Dezember. Die von Ihrem geehrtem Blatte neulich berührte Noth­wendigkeit, das Geschäft der Krug- und Kannen­bäcker mit allen Kräften zu heben, ist bereits nicht mehr bloße Erkenntniß und frommer Wunsch, fon# dern man rüstet sich auch, zu zweckmäßigem Han­deln zu schreiten. Wer selbst strebt und arbeitet, dem wird auch Gott helfen. DaS Volk darf die Hände nicht mehr in den Schooß legen und alle Rettung von oben erwarten. Dieß geht über die Kräfte auch der mächtigsten Regierung. Darum war es ganz in der Ordnung, daß die Krug- und Kan­nenbäcker sich zunächst selbst regten und die Stiftung freiwilliger Innungen beschlossen, daS Herzogliche Staatsministerinm hat auf Ersuchen der Krugbäcker diese Angelegenheit zu fördern beschlossen und daS betreffende Kreisamt in diesem Sinne beauftragt. Wir sehen nun dieser Entwicklung mit Genugthuung entgegen.

Von der unteren Fulda, 21. Dezember. Der neulich in einem An falle von Wahnsinn so wunder­bar auS der Eisenbahn zwischen Rotenburg und Bebra entsprungene russische Courier ist plötzlich und sehr unerwartet wieder zum Vorschein gekommen. Ganz aufgerissen und blutend fand er sich auf dem Bahnhöfe zu Bebra ein zum allgemeinen Erstaunen. Er mag sich also 8 Tage in dem fürchterlichen Wet­ter in der Gegend herumgetrieben haben, ohne zu Grunde zu gehen, waS sehr zu verwundern ist.

Kassel, 22. Dez. (D. Z.) In diesem Augen­blicke, 11 Uhr Vormittags, rücken unter klingendem Spiel sogenannte BundeStruppen in einer Stärke von 5000 Mann zum Leipziger Thor in die Stadt. Es sind k.k. österreichische Jäger, bayerische Chevaur- legerS, bayerische Infanterie und Artillerie. Die Truppen rücken auf den untern Friedrichsplatz und werden in der Unterneustadt kinquartiert. Von den preußischen Truppen ist nur noch ein sehr spär­liches Ueberbleibsel da, ein Bataillon vom 13. In« santerieregtment. DaS andere Bataillon, daS 7. Jägerbataillon, Husaren und Artillerie, Alles ist abgezogen. Um Reibungen zwischen preußischen und BundeStruppen möglichst zu begegnen, sind die Preußen gestern in die Oberueustadt verlegt. Von den Behörden haben mit Ausnahme des bleibenden landstänbischen Ausschusses und deS Konsistoriums alle sich gefügt.

ZwangSmaßregeln sind bis jetzt noch nicht er­griffen. Dem Konsistorium wurde noch gestern vom Grafen Leiningen aufgegeben, sich bis 12 Uhr Nachts zu erklären, ob eS gehorchen wolle oder nicht. Das­selbe antwortete darauf, daß, da seine Mitglieder bereits die Entlassung eingerpicht hätten--, sie sich nicht mehr in der Lage befänden, der Anforderung zu entsprechen. Dem Komandeur der Bürgerwehr, Hrn. Seidler, wurde vom General v. Peucker er­öffnet, daß eS noch wünlchenswerth sei, wenn die Mitglieder der Bürgerwehr ihre Waffen freiwillig ablieferten, weil dieselben sonst von den heute hier einrückenben 5000 Mann Bayern und Oesterreichern mit Gewalt würden genommen werden. Hr. Seidler halte darauf eine Zusammenkunft mit den Offizieren der Bürgerwehr, wo der Beschluß gefaßt wurde, die Waffen nicht freiwillig abzuliefern. Wenn gleich auch gegen die Presse bis jetzt noch nicht eingeschritten ist, so haben die Redakteure und Eigenthümer der hier erscheinenden beiden politischen Blätter es doch für gerathen gehalten, sich frühzeitig auf und davon zu machen. Der Eigenthümer der Neuen Hessischen Zeitung, Herr ObergerichtSanwalt Oetker, und der Redakteur derselben, Dr. Pfaff, sind bereits gestern Morgen abgereist, mit ihnen das Mitglied deS bleibenden landständischcn Ausschusses, Hr. Ober­gerichtsanwalt Henkel. Die Redakteure der Hornisse, Rcchtökandidat Heise und Dr. Kellner reisten erst gestern Abend ab. Der Feldmarschall-Lieukenant Graf Leiningen soll an der WirthStafel zu Roten­burg erklärt haben, daß, wenn er nach Kassel komme, er die Redakteure der Hornisse vor Kanonen treten und todtschießen lassen werde (?). In Folge dieser Erklärung erschien gestern auf einem halben Bogen dieletzte Nummer« der Hornisse. In ihren an'bie Leser gerichteten Abschiedsworten beschuldigt sie den höchsten Gerichtshof des Landes, die Vernichtung der Verfassung, Den Bruch alles Rechts selbst in freiwilliger verräterischer Art vollzogen zu haben. Schließlich ruft sie ihren Lesern ein Wiedersehen zu. Die Reue über den wohl voreiligen Beschluß, wel­chen das OberappellationSgericht in der Voraus­setzung gefaßt hat, daß die Aufforderung dazu von den Kommissären im Namen sämmtlicher deutschen Regierungen erfolgt sei, dürfte nach dem Bekannt, werden der oben mitgetheilten Verordnung, welche nur von einem BundeSzjvilkommissär spricht, leicht eintreten, uud es fragt sich sehr, ob daS Oberap, Pellationsgericht durch jene Verordnung selbst sich nicht veranlaßt finden dürfte, feinen Beschluß wie­der zurückzunehmen, der folgendermaßen formulirt ist:

1) Ist anzunehmen, daß, wenn die beiden hier anwesenden Kommissäre offiziell erklären, auf den Grund der Olmützer Konferenzbeschlüsse in Beziehung auf die dermalige kurhessische Angelegenheit, in Ver­tretung Der sämmtlichen Regierungen Deutschlands zu handeln, sie in dieser Hinsicht als Organ des GefammtwillenS der deutschen Regierungen zu be­trachten sind? (Ja.) Sind die von den eben gedacht ten Kommissären ausgehenden Erlasse hinsichtlich der vorläufigen Regulirung der kurhessischen Ange­legenheit als rechtsverbindliche provisorische Normen zu betrachten? (Ja.) DaS OberappellationSgericht erklärt hierauf:Bis zur definitiven Regulirung der kurhessischen Angelegenheiten der Verordnung vom 4. Sept, (und somit auch dem Beschlusse deS kurfürstlichen Justizministeriums vom 17. Dez.) Folge zu leisten".

Diesen Morgen ist die Sachlage jedoch wieder eine andere geworden. Graf Leiningen soll jetzt nicht allein verlangt haben, daß die Behörden sich den sämmtlichen Verordnungen vom September zu fügen haben, sondern daß sie dieselben auch aner­kennen sollen. In Folge dieser Erklärung sollen denn die Mitglieder des ObergerichtS, deS Oberme, dizinalkollegiumS rc. ihre Entlassung sofort einge- reicht haben. DaS OberappellationSgericht hat da­gegen noch diplomatische Unterhandlungen auge- knüpft. Von den eingerückten Truppen" soll vor­läufig nur ein Bataillon hier bleiben nebst dem Ge, neralstabe deS Fürsten Thurn und Taris, der sich an der Spitze der Truppen beim Einzuge befand. Unter dem Gefolge deS Fürsten war auch der StaatSrath Scheffer. Die Ablieferung Der Waffen sollte nach einem Befehle deö Grafen Leiningen bis heute Mittag 12 Uhr erfolgt sein. Es hatte jedoch bis dahin Niemand dem Befehle Folge gegeben. Der Kurfürst soll gestern in Wabern angekommen sein. (?) Der Marstall ist wenigstens seit gestern Dort und außerdem daS Leibgarderegiment und zwei Husarenregimenter, das Kurfürsthusarcnregiment und daS ziveite Husarcnregiment.

Dem Prokurator Heise in Vischhausen sind mitten in der Nacht 50 Mann bayerische Truppen in daS Quartier gegeben worden, denen am Tag noch 15 Mann hinjugefügl wurden, so daß derselbe 65 Mann int Hause liegen hat. Dem bedauerns- werthen Mann ist natürlich nichts übrig geblieben, als sein HauS und Alles darin den bayerischen Soldaten, die zu Dieser Erekution gebraucht wor­den, prciözugebeu und mit seiner Familie zu flüchten.

Dem Franks. Journ. wird geschrieben: Wenn die Preußen beim Einrücken der Bayern die Stadt nicht gänzlich räumen sollten, was man allgemein glaubt, so dürfte Kassel in noch größerem Maß­stabe der Schauplatz von Szenen werden, wie sie