diesen wieder durch den General v. Rochow in St. Petersburg zu ersetzen, so kann ich aus guter Quelle versichern, daß für jetzt wenigstens an eine derartige Versetzung der genannten Diplomaten in unserm auswärtigen Amte nicht gedacht wird. Freilich wünscht man einige Veränderungen in unserer Dip- lomatie demnächst vornehmen zu können, und die deßfallsigen Andeutungen der „N. Pr. Z " entbehren nicht allen Grundes; es kann aber schon jetzt versichert werden, daß sie schwerlich in der bezeichneten Art zu erwarten sind.
Berlin, 12. Dezember. Es scheint sich zu bestätigen, daß Herr v. Schleinitz bas Kommissariat für Schleswig-Holstein angelragen war, und daß er es, den Grundsätzen der von ihm vertretenen Politik getreu abgelehnt hat. Darauf bezog sich auch wahrscheinlich seine Theilnahme an dem Ministerrathe, von deren neulich die Blätter erwähnten.
Berlin, 13. Dez. Es ist noch immer unklar, ob bas Eingehen Oesterreichs auf den Gedanken deS Dualismus, welches nicht neu, aber stets unter bekannten Reserven Statt gefunden hat, ein ernstlich gemeintes ist oder nicht. Es wird sich in Dresden zeigen. Herr v. d. Pfordten hat von seinen früheren Projekten wenig aufgegeben. Sachsen nimmt eine alte Idee v. Zeschau's, an ein Direktorium, wo nicht nur Bayern vertreten wäre, an- knüpfend, wieder auf. Hannover scheint im Norden eine Gruppe begünstigen zu wollen; denn eS handelt sich bei seinen Bestrebungen gewiß um Politik mindestens eben so viel, als um den Handel. Daß es so gut, wie Schwerin schon förmlich zugesagt habe, unter allen Umständen mit Preußen zu gehen, ist wohl verfrühte Nachricht. In allen Punkten können auS guten Gründen die preußischen Vorschläge wohl noch nicht in Hannover bekannt sein.
In einer Korrespondenz des Frankfurter Journals aus Schleswig-Holstein vom 12. Dezember heißt es: Wir wissen nicht, wie Herr v. Willisen dazu kommt, in seiner Proklamation zu sagen, „der neunte Mann der Armee hat die Schlachtfelder mit seinem Blute benetzt", nachdem diese Schlachtfelder in den Händen der Dänen geblieben sind. Will er damit den TodeSmuth und die Hingebung unserer Armee bekunden, die, trotz aller Unfälle, die sie unter der Führung deS v. Willisen gehabt, doch immer von Neuem dem Feinde entgegengeführt zu werben wünschte? Herr v. Willisen hat sich wahrlich auf die Schlacht bei Idstedt, auf den Angriff auf Mis- sunde und auf Berennung FriedrichSstadts nichts zu Gute zu thun. Unbegreiflich, bleibt es , wie man. nach der Schlacht bei Idstedt, welcher Akt wiederum unbegreiflich ist, den Rückzug über Hals und Kopf antrat , Eckernförde aufgab, ganz Schleswig dem Feinde preisgab und erst unter den Kanonen von Rendsburg Halt machte! Friedrichstadt, das leicht zu halten war, wurde trotz der Kräftigsten Gegenvorstellungen der terrainkundigen Stabsoffiziere auf- gegeben und Fehmarn, zu dessen Sicherung 100 Mann hinreichend gewesen wären, hielt v. Willisen gar nicht einmal werth zu halten. Vielleicht bringt unS die Ferne, vielleicht schon die nächste Zukunft, eine Auflösung aller dieser Räthsel!
Von der Eider, 11. Dez. Der Kommandeur der Avantgardcnbrigabe, Generalmajor v. Gerhardt, hat den aus Gesundheitsrücksichten wiederholt erbetenen Abschied erhalten, und hat der Oberstlieut. von Gageru, bisher Kommandeur der ersten Halb- brigade, das Kommando der Avantgardenbrigade vorläufig übernommen. Der bisherige Stabschef dieser Brigade, Ritliiieister von Keudell, ist inS Generalkommando kommandirt und an dessen Stelle der Kommandant des 1. Jnf.-Bat„ Major Beeren, einer unserer ausgezeichnetsten jüngeren Offiziere, getreten.
1 % Uhr Mittags. So eben geht die Meldung ein, daß die Dänen bei Sorgbrück mit 2 Bataillonen und 1 Eskadron einen Angriff versuchen.
Aus dem Schleswigschcn, 4. Dezember. Vor einigen Tagen wurden sämmtliche Zimmerleute in Hadersleben, Alpenrade und Flensburg von den Dänen genöthigt, auf zu ihrem Transporte bereit stehenden Wagen sofort nach Schleswig zu fahren. Dieselben sollen, wie man erfährt, dort Lagerhütten bauen. Viele Flensburger Matrosen sind nach Cappeln und Arnis beordert, ohne daß man weiß, was sie dort sollen.
Rendsburg, 10. Dezember. (S.-H. Wehrz.) In einem Gefechte jenseits deS Dorfes Lottorf wurden gestern der Lieutenant Lindström nebst drei Jägern von der ersten Kompagnie deS 3. Jägerkorps leicht verwundet. Der Nebel verhinderte die Unfe- rigen zu bemerken, ob der Feind Schaden genommen. Er zog sich gleich in seine Schanze zurück. Heute vor 37 Jahren soll der Freiherr Lieutenant v. d. Horst, der bei Sehestedt mitgefochten, hier als Kriegsgefangener eingebracht worden sein; jetzt ist derselbe Generalmajor und Höchstkommandirender der schleSwig-holsteinischen Armee.
Cs ist schon früher gemeldet worden, daß'der König von Dänemark sich wieder vermählen wolle. Die Prinzessin, welche man Friedrich VII. destgnirt, soll die Schwester des hessischen Prinzen, deS Thronfolgers von Dänemark und vormaligen Schwiegersohnes des Kaisers von Rußland sein. Dieselbe war schon einmal morganatisch verhciralhet. Der König war bekanntlich schon zweimal vermählt: nachdem er von seiner ersten Gemahlin im Jahre 1837 geschieden war, zum zweiten Male im Jahre 1841 mit einer Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, von der er gleichfalls wieder geschieden wurde.
Wien, 10 Dez. Der heute früh als Kourier abgegangene russische Lieutenant Fedotoff überbringt dem St. Petersburger Kabinet eine Skizze der Propositionen , welche den Dresdener Konferenzen zur Grundlage dienen sollen. Mit dem Beginn derselben dürfte biâ zu Enke des Jahres gezögert werden. Wie ich vernehme, soll unsere Regierung in Dresden durch zwei Diplomaten vertreten werden: durch den Grafen Münch-Bellinghausen und den Baron Werner. (A. Z.)
Wien, 10. Dez. Die von mehreren Blättern gemachten Mittheilungen über die bevorstehende Reduktion der Armee fangen schon an ihre Bestätigung zu erhalten. Seit gestern Abend 8 Uhr sind die sämmtlichen Züge der Nordbahn für Militär im hohen Auftrage eingestellt. Eben ist die bereits re- partirte Landeslieferung von Fourage und Lebensmitteln für die Armee in Böhmen zum Theile ab- bestellt worden. — Gestern und vorgestern war großer Ministerrath. Wie man hört, widmet die Regierung jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit den Finanzen. — Man versichert, daß der Handelsminister v. Bruck im kommenden Frühjahr die Londoner Industrieausstellung persönlich besuchen wird. — In Wiener-Neustadt fanden in der Militärakademie Exzesse statt, die die Affentirung herbeiführten, und wohl die Auflösung der ganzen Akademie zur Folge haben dürften.
Wien, 11. Dezember. Der neue Zolltarif ist nun zur Veröffentlichung, die ehestens erfolgen soll, vorbereitet. Die Wirksamkeit desselben erstreckt sich auf das ganze Reich, mit Einschluß Italiens und Ungarns. Mit dem 1. Mai 1851 wird der Tarif in volle Wirksamkeit kommen, dagegen tritt der ganze Zolltarif für Durch-, Enr- und Ausfuhr der Waaren vom Jahre 1829 und 1838 außer Gültigkeit. Eben so werden nach dem Erscheinen des neuen Tarifs alle Gesetze und Verordnungen, die in dieser Beziehung bis jetzt erschienen sind, ausgehoben. Nach dem neuen Tarife, werden alle Waaren, behufs ihrer Verzollung, in 32 Klassen, und diese wieder in Unterabtheilungen getheilt. Der Zoll muß in Reichswährung entrichtet werden, als welche gegenwärtig der Konventionögulben angenommen ist. Mit Ausnahme von Kochsalz, Schießpulver, Tabak und er# plodirenden Präparaten, dann einiger gesundheitsschädlicher Waaren können alle Gegenstände ohne besondere Bewilligung gegen Entrichtung deS Zolls ein-, durch- und auSgeführt werden. Mehrere Artikel, die bis jetzt mit hohem Zoll belegt waren, sind ganz zollfrei geworden, bei andern wurde derselbe bedeutend ermäßigt. Die Dauer der Wirksamkeit dieses Tarifs wurde auf 5'/, Jabr festgesetzt und eS dürfen in der Zwischenzeit ohne ReichS- tagSbeschluß keine Abänderungen in demselben vorgenommen werden.
Wien, 11. Dezember. ES ist nun bestimm, daß der Fürst Schwarzenberg sich zu den Konferenzen in Dresden persönlich begeben und sie wohl eröffnen wird. — Die zweiten Grânzerbataillone, deren in der amtlichen Zeitung gedacht wird, sollen nach Italien marschiren. — In Bezug auf daS Ehe- gesetz scheint ein Uebereinkommen der Regierung mit der Geistlichkeit nahe bevorstehend.
Wien, 12. Dezbr. (T. C.-B.) Dreißig Bataillone und zehn Banerieen in Böhmen haben Befehl zum Rückmarsch erhalten. — Der Herzog von Bordeaux hat die Reise nach Venedig gestern angetreten.
Wien, 13. Dezember. (Telegraphischer Bericht der „Augöb. Allg. Zeitung"). Radetzky kehrt nach Mailand zurück. DaS Tabaksmonopol wird auf Ungarn ausgedehnt
Triest, 13. Dezember. Die indische Ueberland post bringt unS Nachrichten aus Bombay bis zum 16. November. Die Mißhelligkeilen zwischen Napier und Dal Hou sie dauerten fort. In Kalkutta flog am 29. Oktober das Linienschiff „Donna Maria" in die Lust; alle Matrosen fanden den Tod. AuS China melken widersprechende Berichte von einem Rebellenheer, daS sich bis auf 60 englische Meilen Can ton genähert habe. Zuverlässiger scheinende Nachrichten vom 28. Okt. sprechen von einem Siege der Truppen der Regierung.
G a l i z i e u.
Krakau, 9. Dez. (Schlef. Z.) Der Papst hat vor einigen Tagen durch seinen Nuntius in Wien dem hiesigen Komite für die Abgebrannten unserer Stadt die Summe von 10,000 Franken übersandt, von denen die eine Hälfte für die Abgebrannten, die andere zur Wiederherstellung der durch den Brand beschädigten Kirchen bestimmt ist.
Frankreicb
Paris, 12. Dez. Der preuß. Gesandte, Graf v. Hatzfeld', hat dem Präsidenten ein auf die Abberufung deS Hrn. Persigny bezügliches Schreiben de« Königs von Preußen überreicht.
Changarnier scheint seines Lebens nicht sicher. Wenigstens läßt er sich bei seinen AuSgängen stets von 2 Agenten begleiten. Er hatte heute eine lange Konferenz mit dem Präsidenten, mit welchem er jetzt im besten Einvernehmen stellen soll.
Heute Abend findet im Elysee ein großes Fest Statt.
DaS Journal des DebatS spricht sich „mit gro- ßem Bedauern" gegen den Monlalembert'schen Bericht auS, da er in demselben „nicht blos die Sonn- tagSfeier, wie er angekündigt, sondern ein ganzes ultramontanes System verhandele, daS sich überlebt habe".
Paris, 12. Dez. (K. Z.) Die Mitglieder der Gesellschaft Nemesis sind theilweise freigesprochen worden. — Der ehemalige spanische Minister Mon ist nach Madrid abgereist. — Die Repräsentanten der Linken find in Berathung, ob die Demokratie an den ausgeschriebenen allgemeinen MunicipalitätsWahlen sich betheiligen solle. — Die Nationalver, sammlung hat heute den Hauptartikel deS Wucher- Gesetzes verwofen. — Nach Berichten auS Madrid vom 8. Dez. ist die Regelung der Staatsschuld verschoben bis zur Vorlage eines definitiven Projektes. DaS Budget zerfällt in ein ordentliches und ein außerordentliches.
Der neue päpstliche Nuntius Garibaldi ist zu Marseille angelangt und wird am 15. v. Mts. hier erwartet.
Paris, 12. Dezbr. (K. 3 ) Die Journale, Welche „Constitutionnel", „Patrie" und „PayS" als vom Elysee fubventionirt genannt, sind freigesprochen worden. — Der „Siede" prozessirt gegen den FiscuS wegen des verlangten doppelten Stempels. — Die Nationalversammlung debattirte daS Wuchergesetz. — Nächsten Mittwoch gibt der Präsident Dupin L. Napoleon ein Fest. — Man meldet auS Madrid, kaß die Minister in der Sitzung der Deputirtenkammer vom 7. Dez. die baldige Vorlage des Budgets versprochen haben. — Man schreibt aus London vom 12. Dez, daß daS neue portugiesische Anlehen keine Fortschritte mache; einige Journale verlangen, Madeira soll als Hypothek gestellt werden.
Spanien.
Madrid, 7. Dez. In der gestrigen Dcputlr« tensitzung verlangte General Prim von der Regierung Erläuterungen über den Rücktritt des Finanz- ministerS Bravo Murillo. Narvacz erklärte, daß Murillo auS Gesundheitsrücksichten, nicht aber wegen Zerwürfnisses mit seinen Kollegen seinen Posten niedergelegt habe, die eben so sehr auf Ersparnisse bedacht seien, als er. Die Regierung beabsichtige übrigens keine Erhöhung der Steuern; die Verbindlichkeiten dcâ Slaateâ werde man eben so pünktlich erfüllen, alâ wenn Murillo nicht auâgefchicdcn wäre; wenn baS Ministerium seine Verpflichtungen nicht erfüllen könnte, so würde es insgesammt zurücktre- ten. Zum Schluffe versicherte Narvaez, daß er eben so sehr für strenge Sparsamkeit sei, als irgend Jemand. Bei Abgang ker Poft nahm Bravo Mu- rilla das Wort, um über die Finanzlage Aufschlüsse zu geben. _________________
Großbritannien.
London, 11. Dez. Gestern händigten die Deputationen der Hochschulen von Cambridge und die städtischen Behörkkn der City ihre Adressen gegen die „licbergriffe" deS Papstes der Königin ein, um deren Person sich bei dieser feierlichen Gelegenheit unter andern auch Lord John Russel und Sir G. Grey, Minister deS Innern befanden.
Lord Ponsonby hat den GeüinktschaftSposten in Wien wirklich aufgegeben und hat sich mit seiner Gemahlin für den Winter in London niedergelassen. BiS zur Ankunft seines Nachfolgers in Wien wird Mr. MageniS dort als Gefchâfträger thätig sein.
Aus den Mittagsposten
Frankfurt, 15. Dezember. (Fr. I.) Die von Preußen und Oesterreich ernannten Kommissarien,