NafsamM AllMeme Zetmng.
^L 297. Dienstag den 17 Dezember 1S59.
Die Naff. Allg. Zeitung n.it dem Wanderer erscheint einmal täglich in Großfolio-Format, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prânumecationsvreis ist in Wiesbaden für den Umfang deâ HcrzogthnmS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürstentbumS Hessen, der LandgrafschaN öessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerwaltungSgebicteS 2 fl. SO kr. — Znferate werden die dreifvaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Poiiâmtern tu machen
Uebersicht.
Zur Fortbildung des nassauischen Schulwesens. Stimmen der Presse.
Deutschland. Wiesbaden (Asflsen. Die hiesigen wissenschaftliche» Vereine. Die Landesbibliothek). — A u â dem Nassauischen (Entgegnung). — Weilburg (Stiftung des Ob-rschulralhs Krebs). — Dillenburg (Preußische Truppen). — Mainz (Heinrich von Nagern. Die Großherzogin von Hessen). — Frankfurt (Abreise des Grafen Leiningen). — Von der mittleren (Ankunft der österreichisch-bayerischen Truppen). — Rotenburg (Die Ere- kution. Dislocirung der Truppen). — Ka rlS ruh e (Schreiben des Prinzen von Preußen). — Berlin (Die freien Konferenzen. Die Presse. Graf Alvensleben. Demobilisi- rung. Hr. v. Schleinitz. Gesandtenwechsel. Die verschiedenen Projekte für Dresden). — Schleswig-Holstein (Willisen. Veränderung in der Armee. Gefecht bei Lottorf. Requisition der Dänen. Vermählung des Königs von Dänemark). — Wien (Dresdener Konferenzen. Reduktion der Armee. Ministerrath. Hr. v. Bruck. Radetzky. Schwarzenberg. Die Zivilehe).
Galizien. Krakau (Geschenk des Papstes). Frankreick!. Paris (Schreiben des Königs von Preußen. Vermischtes).
Spanien. Madrid (Erklärungen die Finanzen betr.).
Großbritanien. London (Die antipapistischen Deputationen. Lord Ponsonby).
Neueste Nachrichten.
Zur Fortbildung des nassauischen Schulwesens.
.. „.*△* Vom Taunus, Mitte Dezember. Nachdem wir einen jungen kräftigen Schulreferenten erhalten haben, welcher nicht bloß Gelehrsamkeit, sondern auch wahre wissenschaftliche Bildung besitzt, und demgemäß befähigt erscheint, die Bedürfnisse seines Volkes und seiner Zeit im Gebiete des Unterrichts und der Erziehung zu erkennen, so ist eS wohl angemessen, eine die Fortbildung unseres Schulwesens betreffende Petition des nassauischen Vereins für vaterländische Arbeit und Bildung an Herzog!. Staatsministerium auch in weiteren Kreisen zu besprechen, damit die Ideen derselben, welche sich an den gegenwärtigen Standpunkt der pädagogischen Wissenschaft anschließen, möglichst die öffentliche Meinung durchdringen und dem neuen Schulrefcren- ten eine eingreifende, fruchtbare Wirksamkeit erleichtern helfen. Die das ganze Unterrichtswesen umfassende und ausführlich motivirte Petition greift in einigen Theilen rücksichtloS viele Vorurtheile von Hoch und Niedrig an und bedarf daher um so mehr einer Erörterung. Zuerst wird verlangt, daß der Staat die für daS UnterrichtSwesen als die wichtigste Seite deS Volks- und Staatslebens zu verwendenden Mittel in daS angemessene Verhältniß zu den übrigen StaatSauSgaben setze, namentlich für die Ausstattung der Schulen mit den von dem gegenwärtigen Standpunkt der Wissenschaft gebotenen Hülfsmitteln aller Art sorge. Dieser Gegenstand ist durch ganz Deutschland schon so lange und vielfach besprochen worden, daß er keiner weiteren Erläuterung bedarf. Der Staat wird auch endlich einsehen, daß eö Ersparniß in allen übrigen Seiten deS Staatshaushaltes ist, wenn man der Werkstätte, wo die produktiven Menschcukräfte entwickelt und gebildet werden, jede Förderung angedeihen läßt. Obgleich im Nassauischen Manches in dieser Hinsicht geschehen ist, so sind die gerechten Forderungen einer wahrhafte» Pädagogik doch noch lange nicht erfüllt. Für viele UnterrichlSgegenstände fehlt noch daS nothwendige Handwerkszeug. Wir wollen nur au den Mangel der meisten Schulen an den unentbehrlichsten Kupferwerken für den geographischen, nalurgeschichtlichen, nolhdürftigsten technologischen und kunsthistorischen Unterricht Hinweisen. Ohne Anschauung aber ist kein lebendiger, fruchtbringend der Unterricht möglich. Die Schulen sollen keine Kunstakademieen sein, aber zu einer wirklich menschlichen Bildung gehört auch der bisher so sehr vernachlässigte Sinn für bildende Kunst, welchen der Gewerbstand heutigen TageS am Wenigsten ent. beeren kann. Die zweite Forderung ist, daß in Zukunft nur drei Gattungen, oder besser, drei Stu
fen von Bildungsanstalten bestehen sollen , nämlich die Volksschule, das Gymnasium und die Universität, damit das Unterrichtswesen aus seiner bisherigen Zersplitterung erlöst werde, durch welche eS sich in vielfacher Hinsicht unkräfiig erwiesen und die Zwecke des Staates nicht genügend erfüllt habe. Dieser Punkt findet durch die folgenden seine Begründung und Erläuterung, wetzhalb wir zu den- selben übergehen. Der Volksschule soll nach dem dritten Verlangen ein erweileter nud vertiefter Lehrinhalt zugewiesen werden, theils durch umfassendere Leistungen in den bisherigen UnterrichtSgegcnständen, theils durch einen angemessenen Unterricht in Erdkunde, Geschichte, Kenntniß deutscher Schriftwerke und Zeichnen. Die Schule in der Stadt soll ebenso wie auf dem Lande Volksschule genannt werden und überall dieselbe Einrichtung haben, nur etwa mit dem Unterschied, daß auf dem Lande in den Fortbildungsschulen vorwiegend die Hauptzüge der Geschichte und der Verhältnisse der Landwirthschaft, so wie in den Schulen der Stadt die Geschichte der Gewerbe, außerdem die französische und englische Sprache (die Sprachen jedoch nur für Freiwillige) gelehrt werden, und zwar in der Art, daß der Schü« ler der Landfortbildungsschule unmittelbar eine Acker- bauschule, der Schüler der Stadtschule eine Gewerb- schule mit Nutzen besuchen kann, wonach die künftige Vorbildung der Volkslehrer dem Geiste der Verhandlungen und Beschlüsse der Lehrerversamm. lang zu Nürnberg gemäß einzurichten sei. Als Begründung dieser Forderung wird angeführt, daß das gesammle Volk, wohne es in der Stadt oder auf dem Lande, im Wesentlichen der gleichen Grundlagen allgemein menschlicher und bürgerlich politischer Bildung bedürfe. ES wird daraufhingewiesen, welche Bedeutung die ländliche Bevölkerung in unserm Staate bei der Wahl der LaNdiagsabgeordneten und Geschwornen rc. habe, weßhalb man sie nicht auf die bisherige Elementarschule beschränken dürfe. Wer eS weiß, auf welche dürftige, formalische Bildung diese sogenannte Elementarschule all mählig herabgedrückt worden war, wird diese Forderung für höchst begründet halten. Wir dürfen daS Geschick unseres StaateS nicht in die Hand ungebildeter Massen legen. Staatsmänner, welche auf die Unwissenheit deS großen Haufens ihre Macht bauen wollten, sind in den letzten Zeiten wohl eines Andern belehrt worden. Das viert e Verlangen geht dahin, daß das Realgymnasium aufgehoben, der Lehrplan der eigentlichen Gymnasien aber, denen der unpassende, nur zu Mißverständnissen führende Ramen : „Gelehrten" -Gymnasium abzunehmen sei, dahin abgeänbert werbe, daß die Naturwissenschaften auf demselben eine größere Berücksichtigung unter Verwendung der durch Aufhebung deS Realgymnasiums freigeworbenen Lehrerkräfte zugewendet und die alten Sprachen und Literaturen durchgehends so behandelt werden, daß nirgends mehr auch nur der Schein auf ihnen hafte, als seien sie bloße Vorschulen der Wortphilologic, sondern baß sie frei von jeglicher Kleinigkeitskrämerei, wahrhaft in die großen LcbenSanschauungen des charaktermächtigen Alterthums einführen und sich dem Volke als ernste UcbungSschule deS rein menschlichen Geisteslebens und einer wahrhaften Nationalerziehung durch einen gesinnungsvollen Lehrerstand darstellen; daß ferner die an vielen Orten bestehenden sogenannten Realschulen, welche in Wirklichkeit aber meist schon wirkliche Untergymnasien geworben sind, auch diesen Namen führen und überall alS wirkliche Nutergym- nafien für die einzelnen Landeskreise eingerichtet werden, damit eine höhere, geist- und kraftcrzcugenbe Bildung möglichst alle Schichten deS Volkes und alle Theile des Landes burchbringe. Die Forderung, daS Realgymnasium aufzuheben, wird damit begründet, daß die sogenannten Gelehrten« und Realgymnasien bei ihrer nach dem Urtheil der ersten Pädagogen Deutschlands unnatürlichen Trennung nur einseitige Menschen und ungenügende StaatS- diener bilden könne, indem auf den sogenannten Ge- lehrtenschulen die Wissenschaft von der Natur, ohne deren Kenntniß kein gebildeter Mensch mehr gedacht werden könne, anderer SeilS auf den Realgymnasien einer der wichtigsten Theile der Geschichte der menschlichen GeistcSentwicklnng, nämlich die griechische Welt und der mehr alS jedes andere BilbungSmit- tel die gediegene Schöpferkraft, sowie die Erfindungsgabe erregende griechische Geist vernachlässigt
werde, Es wird ferner bemerkt, daß 'der Wir- kungskreiS der sogenannten Realgymnasien der gesunden Richtung deS deutschen Geistes gemäß, wie die Erfahrung überall zu lehren beginnt, ein unbedeutender bleiben wird. Einsichtige Regierungen werben es z, B. nie zugeben, daß unsere künftigen Aerzte , welche wenigstens eben so tief als die Staatsmänner in baS Reich des menschlichen Geistes und seiner Entwicklung eindringen müssen, nach einem förmlichen Gesetz auf diesen Schulen gebilbct werden können, wenn auch einzelne besonders begabte Persönlichkeiten wohl einmal ohne die eigentliche Gymnasialbiloung in den ärztlichen Stand aufge« nommn werden mögen. Zuletzt wird darauf hingewiesen , daß die Trennung der sogenannten Gelehrten- und Realgymnasien eine in der deutschen Kuliurentwicklung nur vorübergehentc sein kann, welche schon deßwegen bald aufhören muß, da die Vertreter und Verwalter ker volkSwirthschaftlichen Interessen, denen Hauptsächlich die Vorbildung durch das Realgymnasium zugebacht ist, und welche eine immer größere Rolle im SlaatSorganiSmuS spielen werden, wenn die Entwicklung Europas nicht plötzlich eine der bisherigen entgegengesetzte Richtung nimmt, doch nicht eine andere, etwa geringere Bildung haben können als die übrigen Staatsdiener, welche durch die allein wahrhaft erziehenden ethischen Elemente der Menschheit gebildet werden. Wir müssen auch diesen Erwägungsgründen beistimmen:
(Schluß folgt.)
Stimmen der Presse.
Ein längerer Artikel der Berliner ministeriellen „Conftilutioncllcn Correspondenz" vom gestrigen Tage ist den Dresdener Kbnfcrenzen und der durch dieselben zu erzielenden Neugestaltung der teutschen Bundesverfassung gewidmet. Nachdem darin das Mißlingen ker bisher zu diesem Zwecke gemachten Versuche dargelegt ist, heißt es wörtlich weiter:
Die Erfahrungen des JahreS 1848 und folgenden sprechen gegen die Fortdauer deS Staaten- bundcS, eines Bundes von einer Menge kleiner Monarchien, die in sich nicht die Kraft haben sich zu halten und stets auf die Hilfe ihrer mächtigen Nachbarcn angewiesen sind. Die Entwickelung der Mächte, welche daS Jahr 1815 schuf, zeigt unroi« derleglich, daß die kleineren Staaten nicht einmal im Stande gewesen sind, die Verschiedenheiten der Theile aus denen sie zusammengesetzt wurden, zu verschmelzen. So interessant und ehrenvoll die Geschichte einzelner Stämme und Staaten Deutschlands sein mag, die Zeil der kleinen Staaten ist vorüber und ihr historischer Ruhm kann die Angehörigen derselben nicht für den Mangel an politischem Einfluß entschädigen brr ihnen aus der Zusammengehörigkeit mit einem größeren Staate erwachsen würde.
D i e kl e i n en d eu t sch e u M o na rch i e n Hatz e n eine äu ß e rc u nd inn ere Kra ftl osisgke i t. Jener haben wir die traurigen Erscheinungen in der deutschen Geschichte zu banken, daß fremde Mächte im Bunde mit Deutschen unsere Sieder verwüsteten, unsere Heere vernichteten und auf unsern Kongressen das entscheidende Wort führten, dieser die schlechte Frucht deS deutschen Radikalismus. In den meisten Kleinstaaten Deutschlands hat, meistens durch Unterstützung der Großmächte, eine Reaktion stattge» funden, aber in Kurzem würden alle diese Kammern, wie wir dies bereits im Jahre 1849 erlebt haben, dem Radikalismus wieder verfallen feiu, wenn der alte Staatenbund eingerichtet wird, die 38 Souve- ränetâlen wieder hergestcllt werden. ES ist ganz unmöglich, neuen Bewegungen vorzu- beugen, wenn die Menge kostspieliger Regierungen wieder eingerichtet und alle die Sam m e r n und Kämmerchen mit ihren idealistischen und durch eine praktische Anschauung größerer staatlicher Verhältnisse unbedingten Wünschen und Begehren auf die schwachen Regierungen eindringen und einen Wettlauf zum Radikalismus beginnen. Die Bevölkerung eines kleinen StaatS ist leichter durchwühlt, die konservativen Elemente können nur schwerer zur Geltung gelangen, und waS soll eS Deutschland nützen, wenn die radikalen Kammern