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des Wiederzusammentritts der Kammern im Januar besetzt werden.)

Die Nachrichten, die heute Nachmittag hier aus Kurhessen eingegangen sind , lauten auch nicht sehr erhebend; es scheint, daß die Versuche zu einer friedlichen Aussöhnung deS Kurfürsten mit den Ständen und Behörden auf lauter Kontreminen stoßen. Auch aus Süddeutschland hört man nur von steigendem Argwohn gegen vle Uebereinkunft von Olmütz. Unsere Rüstungen dauern fort. So werden laut Eckenanschläge alle, die sich vom ersten oder zweiten Aufgebot noch nicht gestellt haben, aufgefordert dies bis zum 15, d. M. zu thun, wid- rigenfallS die betreffenden Strafen eintreten. Tau­schen nicht alle Zeichen, so wird es am Ende noch vor den Dresdener Konferenzen zu Reibungen und Konflikten kommen; den Mittelstaaten und vor Allem Bayern ist unter den gegenwärtigen Konstellationen gar nicht zu trauen, da Kriegslust und Prcußenhaß dort die bei weitem überwiegenden Leidenschaften ge­worden sind. DaS sind dämonische Kräfte, die ein­mal losgelassen, nur mit großer Mühe wieder ge­bändigt werden. Merkwürdig ist, daß auch wir, seitdem der Friede gesicherter geworben, ben Kriegs­fall als wahrscheinlicher fürchten müssen.

Von bem General v. Willisen ist nach ter Sp. Z. ein Schreiben hier eingegangen, demzufolge der General bereit ist, alle dienstpflichtigen Reser­visten und Landwehrmänner, welche gegenwärtig in der schleswig-Holsteinischen Armee dienen, aus dem ihm anvertrauten Heere noch zur rechten Zeit zu entlassen, im Fall Se. Maj. der König von Preu­ßen, bei den nunmehrigen friedlichen Aussichten, den Armeebefehl, wonach die im Auslande befind­lichen Preußen bis zum 15. d. M. sich in ihrer Heimath gestellt haben müssen, nicht zurücknehmen sollte. Die Nat. 3 theilt cine'^ Berechnung mit, nach welcher die Verluste, welche die schleswig-hol steinische Armee durch die preußische EinberufungS- ordre erleidet, sich auf 1356 Mann , unter denen 47 Offiziere, belaufen.

Berlin, 7. Dez. (C. C.) Mir haben einen Brief von einem Mitgliede der konstitutionellen Partei aus Kassel gesehen, worin dieversöhnlichen und ehrenwerthen Bemühungen" des Generals v. Brese und deö Majors v. Boddien für eine Ausglei­chung der zwischen dem Kurfürsten unv dem hessi­schen Volke obschwebenden Konflikte volle Anerken­nung finden, zugleich aber bedauert wird, daß sie Den schlimmen Eindruck der Vorschläge deS Hrn. Niebuhr kaum zu verwischen im Stande sein werden. Nachrichten aus Kopenhagen mei­nen, daß die dortige kriegerische Partei und also auch das dänische Ministerium die Resultate der Olmützer Konferenz für durchaus unbefriedigend.er­klären und Die Rechte Dänemarks durch die Bestim­mung Oesterreichs zu einer Pazifikation im Sinne des Bundesbefchluffcs vom 17. September 1846 für gefährdet erachten. Es ist aber wol kaum zu be­zweifeln , daß wenigstens England sich von der Ge­rechtigkeit einer Pazifikation in diesem Sinne über zeugt halten, und so von dieser Seile einem Auf­treten Rußlands, das von Dänemark jedenfalls provozirt werden wird, ein gebührendes Gegenge­wicht wird gehalten werden. Man ist hier davon unterrichtet, daß in Frankfurt, als Graf Thun den BundeStagSabgeordneten Mittheilung über die Ol­mützer Uebereinkunft machte, die Abgesandten Bayerns und WürlembergS sich heftig gegen jene Verabre- düngen auösprachen.

Ungeachtet der durch die Olmützer Konferenz eröffneten friedlichen Aussichten dauern die Truppen- bewegungen im Oesterreichischen fort und werden immer mehr Streitkräfte herangezogen, namentlich auch die Gränzen von Oberschlcsien jetzt stark be­setzt. Den 3. und 4. d. M. sind wieder eine Menge Kroaten von Wien nach Böhmen dirigirt worden, seit dem 2. auch die in Galizien stehenden Truppen nordwärts im Marsch begriffen. In Oesterreichisch- Oderberg und Umgegend ist für die nächsten Tage Einquartierung angekündigt; man erwartet daselbst das Regiment Schönhals.

Der königl. Gesandte und bevollmächtigte Mi­nister am Hofe von St. Petersburg, Hr. General- Major von Rochow, wird in gleicher Eigenschaft beim k. k. Hose'zu Wien akkreditirt; Graf Bernstorff, tvelcher bisher Diesen Posten versah, soll für St. Petersburg bestimmt sein ; eS fragt sich, ob Per leibe die neue Funktion übernimmt. Hr. v. Rochow hat bei Den Konferenzen zu Warschau in deren Aus- gangsstadium einen entscheidenden Einflug auf den verewigten Grafen Brandenburg ausgeübt und dürfte zu Wien im Sinne Deö dortigen Repräsen­tanten Rußlands handeln. Dieser Personenwechsel ist demnach von politischer Wichtigkeit.

Hamburg, 8. Dez. Schon vor längerer Zeit halten sich hier und in Altona dunkle Gerüchte über einen bevorstehenden Wechsel im Generalkommando der Armee verbreitet. Damals noch als unhaltbar befunden, scheint jetzt ganz unerwartet die Bestäti­gung eingetreten zu sein. Gestern AbendS soll in Rendsburg General v. Willisen seinen erbetenen Abschied erhalten, den Oberbefehl nicdcrgelegt und Generalmajor v. d. Horst denselben provisorisch

übernommen haben. Die Wichtigkeit dieses Ereig­nisses bedarf keiner Erläuterung, in so fern mit Dem selben ein militärischer Systemwechsel eingetreten ist. Und hierauf kann man allerdings schließen, da mehrseitig verlautet, Generalmajor v. d. Horst (früher preußischer Oberst) habe sich diejenige Un­abhängigkeit feiner Entschlüsse von dem Willen Der Statthalterschaft von vorn herein auSbedungen, woran eS dem General v. Willisen leider fehlte, zum empfindlichen Nachtheil der Sache, die er ver­fechten sollte. Die Verantwortlichkeit deS neuen Oberbefehlshabers gegenüber der faktisch bestehenden LandeSautoriiât würde sich natürlich von selbst ver­stehen. In Rendsburg wurde eine Proklamation » d. Horst'S an Die Armee erwartet. Er gilt für einen thatkräftigen , unerschrockenen Mann, der ge­rade auf sein Ziel losgeht und Dem Grundsätze hold ist:Wer wagt, gewinnt." Der rechte Flügel, den v. d. Horst in der Schlacht von Idstedt kommandirte, blieb entschieden siegreich gegen die Dänen, woran hier zu erinnern nicht unangemessen sein dürfte.

Kiel, 6. Dezemb. (Alt. M.) Ein holländisches Schiff, mit Roggen beladen, wurde gestern, wie uns erzählt worden, bei der Einfahrt in den hiesi­gen Hafen von dem noch immer vor demselben lie­genden dänischen Kriegsschiff zurückgewiesen. Der Holländer weigerte sich, Folge zu leisten, weil nach Den Instruktionen seines Handelskonsuls die Dänen kein Schiff fremder Nationen an der Einfahrt in Den hiesigen Hafen behindern dürften, indem ja eine Blokade desselben den beikommenden Regierungen nicht angezeigt sei; der Däne bestand jedoch auf seinem Verlangen, worauf ihn der Holländer auf­forderte, sein Schiff lc. nach Kopenhagen aufzu- bringen, wo sich die Sache dann ja finden werde. DaS aber wagte der dänische Kommandeur denn doch auch nicht, verbot aber nichts destoweniger die Einfahrt. Der Holländer warf darauf neben ihm Anker und erklärte nicht weggehen zu wollen, die Sache werbe sich ja zu gehöriger Zeit und am ge­hörigen Ort finden, er mache den dänischen Offizier für alle Schaden und Kosten verantwortlich. Durch diese Festigkeit wurde die dänische Anmaßung besiegt, und bald darauf die Einfahrt verstattet. Der Fall scheint uns Der Veröffentlichung zu bedürfen, weil nicht alle Schiffskapitäne gleiche Festigkeit besitzen möchten; so hören wir, daß vor einigen Tagen ein englisches Schiff einer gleich unbefugten Zurückwei­sung wirklich Folge gegeben habe.

Das Gerücht von der Trennung des Königs von Dänemark von seiner Gemahlin findet heute seine Bestätigung und die Trennung soll nicht auf die friedlichste Weise erfolgt sein.

NMdsbmg,7,.,

Morgen hat ein kleines Kommando vom 1. Batail­lon, unter Führung des Pr.-LieulenantS Vogt, eine dänische Patrouille bei Fleckebye überfallen, und 21 Gefangene gemacht. Einer der wenigen Schüsse, welche gewechselt wurden, hat leiderden kühnen Füh­rer erreicht, und ihn sofort gelobtet. Pr.-Lieutenant Vogt war Würtemberger und bereits in den beiden ersten Kriegsjahren als würtemb. Offizier hier im Lande; das l. Jnfanteriebataillon hat an ihm einen seiner tüchtigsten Offiziere verloren.

Rendsburg, 7. Dezbr. lieber den Kranken­stand Der schleSwig - holsteinischen Armee kann Die N. M. Ztg. auS sicherer Quelle folgende Angaben machen: Die Totalfumme Der Erkrankten belief sich im November auf 2669, darunter Verwundete 542, am Typhus Erkrankte 142, an Augenentzündung Leidende 286. Im Oktober starben 98, worunter Verwundete von Friedrichstadt; an Krankheit starben 40 bis 50. DänifcherseitS soll Die Sterblichkeit ungeheuer jein, man spricht von monatlich 3500 Todten, waS auf einen Krankenstand von 11 13,000 schließen läßt.

Wien, 5. Dez. Die neue türkische Gesandt­schaft wird jeden Augenblick hier erwartet. Man glaubt auch, daß Der englische Gesandte Westmore­land binnen 14 Tagen eintreffen wird. Für Hrn. v. Manteuffel bestimmt man das Großkreuz deS StcphanöorbcnS.

Wien, 4. Dez. (S. M.) In dem Mi nist er­rathe, welcher vorgestern unter dem Vorsitze des Kaisers gehalten wurde, war die d e u t sch e F r a g e Gegenstand der eifrigsten Besprechungen. Fürst Schwarzenberg berichtete noch einmal vor dem ver­sammelten Kabinete über den Erfolg der Olmützer Zusammenkunft, und man konnte nach Beendigung der vierstündigen Sitzung auS den heileren Mienen Der KabinetSmitglieder erkennen, daß der Bericht deS Premier -den gehegten Erwartungen vollkommen entsprochen habe. lins scheint hierbei besonders Der Umstand berücksichtigungswürdig, daß man sich in dieser Sitzung wiederholt für eine liberale Reform deS Bundestages ausgesprochen, und daß der Kaiser selbst diesen Antrag befürwortete. Es dürfte demnach mit Gewißheit auzunehmen sein, daß die Reform des Bundestages der erste Punkt sein werde, welcher beiden freien Konferenzen zur Sprache kommen wird, um so mehr, da man erst nach Schlichtung dieser

wichtigsten Frage und auf ^Grundlage derselben so­wohl rücksichtlich Holsteins als auch des Kurfür­stenthums definitive Bestimmtheit feststellen kann.

Die Ernennung deS Marschalls Radetzky zum GenerallissimuS der gelammten österreichischen Armee wird künftige Woche erfolgen.

Wien, 6. Dez. Dem Verbot der Deutschen Zeitung auS Böhmen ist die Unterdrückung der Brün, nerPresse" gefolgt. DaS Forterscheinen der Presse wurde nicht durch ein förmliches Verbot von Seite der Behörde, sondern durch Die Schließung der Zangg'schen Druckerei in Brünn unmöglich gemacht. Dem Vernehmen nach will Die Behörde die Be« rechligung deS Hrn. Zangg zur Ausübung eineS Druckergewerbes nicht gelten lassen. Die Bücher­ballen, welche bisher den Buchhändlern undurch- suchl übergeben und ohne Kontrolle von ihnen er­öffnet werden Durften, müssen von nun an an die Stadthauptmannfchaft zur Revision übergeben wer- den. Selbst die an die k. k. Hof- und Staatsbib­liothek direkt adressirten Büchersendungen sind von dieser Verfügung nicht ausgenommen.

Wien, 6. Dez., Abends. Heute wurde durch den Telegraphen den aus Galizien heranrückenden Truppen Der Befehl zur Beschleunigung ihres Mar­sches zugesendet. ES scheinen somit die Hoffnungen einer größeren Entwaffnung noch keineswegs der Erfüllung so nahe, als man sich geschmeichelt hatte.

Aus ganz verläßlicher Quelle läuft soeben die Nachricht ein, daß die letzten Anstrengungen des Omer-Pascha an der BoSna, die ich in meiner letz­ten Mittheilung andeulete, mit dem vollständigsten Erfolge gekrönt wurden. Die Insurgenten, schaaren sind gvnz versprengt.

Frankreich

Paris, 7. Dez. DaS französische Kabinet hat sich in einem gestern abgehaltenen Ministerrathe ausschließlich mit der deutschen Frage beschäftigt und soll auf ein AuSkunftSmitiel bedacht gewesen sein, Preußen vor etwa zu befürdnenoen Unruhen zu be­wahren ; man glaubt eS gefunden zu haben, indem die französische Regierung sowohl von Oesterreich als von Preußen eine allsogleich vorzuuehmende Herabsetzung deS Militärstandes verlangte. Auf diese Weise wollte man der preußischen Regierung eine wie man hier zu glauben scheint will, kommene Gelegenheit verschaffen, die Landwehr wic- t er nach Hause zu schicken. In Frankreichs Inte­resse wurde hingegen eine veränderte Ausstellung Der gegenwärtig zujammengezogenen Heere als erwünscht DargesteUt. In diesem Sinne sind gestern Noten sowohl ân die preußische als an Die österreichische Negierung abgegangen. Daß mit der gegenwärtigen Abfindung Preußens und Oesterreichs eigentlich noch gar nichts gewonnen, dies fühlt man hier in allen politischen Kreisen, und Da3 heute zufammengetre- lene Komite der Legislative für KriegSangelegenhei- ten erklärte es für wünfcheiiswerth, daß Die Regie­rung um Bewilligung einer weiteren Truppeirvcr, mehrung von 40,000 Mann bei der Nationalver­sammlung anhalte.

Paris, 8. Dezbr. (K. Z.) Das Ministerium bereitet ein Dotationsgesetz vor. Das Finanz- Ministerium wird am 23. Dezbr. zwei Millionen FrancS Renten zur Deckung des RüstungS-KrediteS öffentlich versteigern lassen, DaS Gericht, am t0. Dezbr. stehe eine Amnestie bevor, erweist sich ulS falsch. Für diesen Tag sind Schulferien angeordnet worden. General Cabrera wird hier erwartet. Nach Briefen aus Madrid vom 2. Dezbr. wurde am folgenden Tage die Vorlage deS Budgets er­wartet. Es ging das Gerücht, das Defizit betrage 400 Mill. Realen.

Großbritannien

London, 7. Dez. Ein auf nächsten Dienstag in Wuidforkastle anberaumtes, geheimes Minister- Konseil bleibt biS zu nächsten Donnerstag ausgesetzt. In demselben wird wahrscheinlich Die weitere Ver­tagung des Parlaments bis zu Anfang Februars beschlossen werden.

Dr. Tancred ist als Repräsentant der Kapko- lonic der guten Hoffnung hier angekommen, um in Versaffnugsangclcgenheiten und anderen Interessen der Kolonie mit dem Ministerium in Verhandlungen zu treten.

Lord Normanby, bisher großbritannischer Ge­sandte in Paris, geht bekannt als Gcneralgouver- neur nach Ostindien; als Nachfolger auf seinem Gesandschaftsposten nennt man Lord Baltimore.

Aus den Mittagsposten.

* Wiesbaden, l l.Dez. Die K.Z bringt zwei Briefe von Gottfried Kinkel, auS welchen hervorgeht, daß ein Karl Schurz sein Befreier an3 dem Span­dauer Zuchchause gewesen. Karl Schurz ist ein