Nassauische Allgemeine Zeitung.
M 293.
Donnerstag den 12 Dezember
1850»
Die Nass. Allz. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in Großfolio-Format, mit Ausnahme «es Sonntags. — Der vierteljährige Prânum-cationSprei« ist in Wiesbaden für den Umfang des Her^ogthumS Nassau, deâ Großher,ogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafscha-, Hessen-Homburg und ver freien Stadt Frankfurt « fU in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSichen VerwaltungSgebieteS 8 fl. 11» kr. — Znferate werden die dreisvaltige Petit^eile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch elle n b e r g' scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern <u machen.
Uebersicht.
A mtlicher Theil.
Dieustnachrichteu.
Nichtamtlicher Theil.
Unser Trost.
Deutschland. Wiesbaden (Landtagsverhandlung). — AuS dem Maingrund (Lage der Dinge). — RüdeS- heim (Entgegnung). — Frankfurt (Die Olmützer Konferenz). — Fulda (Das Hauptquartier der Bundestruppen. Einberufung der kurhesftschen Beurlaubten). — Landau (Für Schleswig-Holstein). — Stuttgart (Einberufung der Kammern. Entschädigung für den Fürsten Thurn- und TariS).— Bon der Saale (Kriegerische Autstchten). — Nürnberg (Rückkehrende Truppen. Erlös für Schleswig- Holstein). — Berlin (Vervollständigung des Ministeriums. Die kurhessssche Frage. Fortdauer der Rüstungen. Schreiben des General Willisen. von Brese und von Boddien. Stimmung in Kopenhagen. Herr v. Rochow). — Hamburg (General v. WillisenS Rücktritt). — Kiel (Blocki- ruug des Hafens. Baronin v. Dauner). — Rendsburg (Siegreiches Vorpostengefecht, Krankheitszustand). — Wien (Die türkische Gesandschaft. Graf Westmoreland. Dekoration für Hrn. Manteuffel. Die deutsche Frage. General Radetzky. Die Börse. Die „Presse". Rüstungen. Der bosnische Aufstand).
Frankreich. Paris (Dotationsgesetz. Der li). Dezember.
Vermischte«),
Großbritanien, London (Ministerrath. Ein Vertreter der Capkolouie).
Neueste Nachrichten.
Sprechsaal für Stadt und Land.
Amtlicher Theil.
Die Professoren Dellinger zu Idstein und Firnhaber zu Wiesbaden, sowie der Oberlehrer Greiß vom Realgymnasium sind zu Mitglieder deS Schulkollegiums ernannt worden.
Der Schulinspektor Ebenau zu Wiesbaden ist, unter Entbindung von seinen Funktionen als Mitglied des SchulkollegiumS, zum Sekretär und der bisherige Bibliothek-Diener Schmidt zum Kanz-
— bei ber LanveS-Biblioihek ernannt worden.
Der Ministerial-Kanzlist Flindt ist als Kanzlist an das Hof- und ApellationSgericht zu Wiesbaden; der JustizamtS-Sekretär Diehl zu Wiesbaden an das Justizamt zu Idstein und der Re- zeptur-Accessist Becker von Wiesbaden an Die Re- zeptur zu Bleidenstadt versetzt worden.
Dem von des Herrn ErblandpostmeisterS Fürsten von Thurn und Taxis Durchlaucht für die Vorstandsstelle der Postverwaltung zu Wiesbaden als Postmeister präsentirlen Postverwalter Karl Alexander Hoffmann zu Limburg ist die landesherrliche höchste Bestätigung ertheilt worden.
Nichtamtlicher Theil.
6* Unser Trost
Die Kammern zu Berlin sind vertagt, weil die mahnende und warnende Stimme der Vertreter deS Volks unbequem zu werden anfing; die unerhörte Demüthigung und Erniedrigung Preußens , welche ein preußischer Minister in FeindeSlande AngeuchtS der zu den Waffen gerufenen Nation, ehe noch ein Kanonenschuß gefallen, einging, ist gutgeheißen; — daS wackere loyale kurhessische, Volk welches in be- wundcrnSwerlher Kraft und Mäßigung seine beschworene Verfassung vertheidigte, ist wehrlos den gelehrigen Vasallen deS paaren überliefert; das gute Recht SchleSwig-HolsteinS verleugnet.
Nock mehr, — daS konstitutionelle Preußen ist einen Pakt mit dem Absolutismus eingegangen; feine Bataillone sollen dem Bundestag die Ordnung und Ruhe in Kurhessen daS heißt daS Regiment der Willkür und den Umsturz der Verfassung, herstellen helfen; die Armee, welche in Schleswig-Holstein für das heilige Recht dieses Landes, für ihres Königs verpfändetes Wort blutete, soll trotz dieses ge
gebenen Wortes dasselbe Recht, daS von ihr unter dem Jubel der Nation vertheidigt wurde, nöthigen- falls mit Gewalt unterdrücken, daS auS ihr gebildete junge und tapfere Heer entwaffnen.
Noch mehr; —die Partei der „Kreuzzeitung", die Clique, welche eben daS Regiment im Staate Friedrichs des Großen führt, ist schamlos genug, in ihrem Organ offen auszusprechen, daß daS Reich der Konstitutionellen zu Ende sei; daß die nöthigen Geldmittel, wegen deren allein man sich daS Geschwätz der nach der beschworenen Verfassung konsti« tuirten Kammern habe gefallen lassen müssen, auf anderem Wege würden beigebracht werden.
Genug Des traurigen Thatsachen, welche eS zum Bedürfnisse machen, nach den Trostgründen und Hoffnungen in diesem kaum für möglich gehaltenen Zustande des Vaterlandes umzuschauen.
Und wir haben recht weit zu suchen nach diesem Troste, an dem sich rin Herz, daS sein Vaterland liebt, .wieder aufzurichten vermag.
Nur nach langen schweren Kämpfen und Leiden — die Geschichte der Völker lehrt eS — erhält eine Nation das Anrecht auf Größe und Glück; manches vergebliche Ringen, viele Trümmer halb- vellenveter Gebäude zeichnen den Weg, den die Nationen zu dem Bau wandelten, in dem sie endlich ihr Recht, ihre Größe, ihr Glück gefunden.
Diese Kämpfe, diese Leiden haben endlich auch in Deutschland begonnen.
Eben haben zwar die Mächte, welche zwar den begonnenen Bau mit Schrecken wachsen sahen, einen scheinbaren Sieg erfochten und in höhnender Schadenfreude die Kuppel zerstört, die sich als schützendes Dach schon zu wölben begann; aber mit diesem Sieg haben sie die Zahl ber eifrigen Bauleute um Millionen vermehrt; sie haben das preußische Volk, ,daö bisher mehr theilnahmloS in ifxe Reihe eingeführt. Die lebten Gewaltstreiche des sog. Bundestages, die letzten Demüthigungen, welche ein aus lächerlicher Furcht vor der Demokratie blind gewordener Minister seinem stolzen Volke bereitete, haben ein starkes Band um die Herzen aller Gebildeten im deutschen Vaterlande gewoben, und aufgeklärt über Das, was Noth thut über deS Vaterlandes LooS unter russischer Herrschaft.
Wohl ist eS herb, von liebgewordenen Hoffnungen zu scheiten, statt deS süßen Friedens, zu neuen Anstrengungen sich zu rüsten; wohl ist es traurig, an dem redlichen Willen Derer zweifeln zu müssen, in deren Hand eS lag, auf friedlichem Wege das Vaterland neu zu gründen; — aber bei festem treuem AuSharren wird die Zukunft das Werk vollenden, zu dem die Gegenwart zu klein und zu unreif befunden wurde.
Deutschland.
* Wiesbaden, 10. Dez. (31. Landtagssitzung.) Naht: Bei dem vor einiger Zeit erfolgten Beschlusse deS Landtages, daß mir die Einsicht in die Akten über die Pensions-Beiträge der Unteroffiziere deS 1. Regiments gestattet werde, hat der Ministerpräsident geäußert, daß ich damit den Auftrag der hohen Versammlung zu dieser Einsicht erhalten habe. Ein solcher Auftrag ist mir nicht geworden. Ich kann daher nicht alS Berichterstatter hier sprechen, sondern nur vertragen, was ich in den Akten gesunden habe. Der sogenannte PensionSfondS der Unteroffiziere deS 1. Regiments ist seit 1820 auS Mitteln gebildet worden, welche dem Staate ange- hörlcn. Der Redner führt dieses umständlich auS und stellt den Antrag: l) die über den gedachten Pen- stonSfondö der Unteroffiziere geführten Rechnungen von der Rechnungskammerprüfen zu lassen; 2) den Betrag deS genannten PesionSfondS, welcher jetzt 5370 fl. betrage, der Staatskasse zu überweisen. — Früher (1837) habe der FondS 8191 fl. 8 fr. betragen und sei also seit der Zeit um fast 3000 fl. gemindert worden — daS beweise die Nothwendigkeit der RecknungSablage. Er stelle feinen Antrag nicht auS Mißtrauen gegen die Personen, welche den FondS verwaltet haben. General - Lieut. von Preen habe mit Umsicht gehandelt — sein Streben für die Mannschaft ihn vielleicht etwaS zuweit geleitet.
Min.-Präf. v. Wintzige rode: DaS Herzog!. StaatSministerium habe über diesen Gegenstand
noch nicht verfügt. DaS Krieqâvepartement habe die Abgabe der Rechnung an Herzog!. RechnungS, kammer verfügt. DaS StaatSministerium habe den Gang der Sache in der Kammer abwarten wollen.
Rahl bedauert, daß den Unteroffizieren deS l. RegimenS durch seinen Antrag ein bisheriger Portheil entgehen werde. Er betrachte die Sache auS dem rechtlichen Gesichtspunkte und hoffe, eS werde Die Eifersucht, welche durch diese Vortheile bisher unter den Unteroffizieren erzeugt worden sei, verschwinden.
Min.-Prâs. v. Wintzingerode glaubt, man könne Die Sache der Rechnungskammer überlassen, welche nach ihrer Instruktion daS Interesse deS FondS wahren werde.
Die Jnbetrachtnahme des Antrags wird beschlossen und soll in nächster Sitzung eine auS drei Personen bestehende Kommission zur Begutachtung deSiclben gewählt werden.
Sodann berichtet Der Abg. Großmann, als Berichterstatter des zur Vereinbarung der Zivilliste gewählten Ausschusses, über den Stand dieser An. gelegenheit Folgendes: „In einer Sitzung dieses Ausschusses erklärten die Herren Minister v. Wintzingerode und Ler, daß sie die Verhandlungen mit dem Ausschusse nur schriftlich führen könnleu, da cS sich dabei auch um Privatrechte handle. In Folge dessen richtete ich als Berichterstatter ein Schreiben an Herzogliches StaatSministerium, worin cS heißt:
„Der Ausschuß ist von dem aufrichtigen Wunsch beseelt, Alles dazu beizuiragen, waS in feinen Kräften steht, um eine für daS Herzogthum so wichtige Frage einer friedlichen und gedeihlichen Lösung entgegenzuführen und auch berechtigt, in diesem Bestreben um so mehr auf Die Unterstütz« . ung i^r herzoglichen R-gieruna zu rechnen, alS die Zeit drängt und die Ansscht an Theilhabern gewinnt, daß die Herzogliche Regierung eine Ber« einbarung über die Zivilliste überhaupt nicht mehr für wünsckenSwerlh halte u. s. w."
„Der Ausschuß erachtet eS daher für geeignet, das Herzogliche StaatSministerium zu veranlassen, sich eben so klar und bestimmt, alS auSgiebig und motivirt über seine Ansichten hinsichtlich der Zivilliste, ihrer Größe und ihres Verhältnisses zu den Domäncnrevenüen auSzusprechen und damit eine möglichst genaue Vorlage über den Stand der Domanialerträge in 1848, 1849 und 1850 und annäherungsweise auch auS den kommenden Jahren zu verbinden."
„Von besonderem Interesse dürfte eS auch fein, zu erfahren, welchen W-g die Regierung für den geeignetsten Halte, insbesondere ob sie den einer Vereinbarung auf 5 Jahre dem auf Die Dauer der RegierungSzeit vorziehe ic.”
Hierauf ist mir ein Schreiben deö Herzoglichen StaatSministerium» vom 4. Dez. I. J. zugegangen. womit vorläufig ein Nachweis deS Reinertrags des DomanialvermögenS witgetheilt wird.
Dieser Nachweis nebst vielen Berechnungen folgt Dem von Dem Herrn Abg. v. E ck erstatteten Bericht über den Stand und Ertrag deS Domanial- vermögens in vergleichenden Uebersichten und enthält eine in vieler Beziehung werthvolle Arbeit. Um die Einsicht derselben alSbald zugänglich zu machen, hat Ihr Ausschuß mich beauftragt:
„Der hohen Versammlung vorzuschlagen, denselben baldigst zum Druck befördern zu lassen".
Da durch diese Mittheilung der Regierung der Inhalt und Die Desiderien meines Schreibens an das Herzog!. StaatSministerium nur zum kleineren Theil ihre Erledigung gefunden haben, so richte ich an daS Herzog!. StaatSministerium das dringende Ersuchen um weitere baldige Mittheilungen über die an cS gerichtete Fragen.
Die Versammlung nahm den Antrag deS Abg. Großmann auf Druck der von der.Regierung gemachten Mittheilungen an.
Sodann trug der Abgeordnete Großmann den Bericht deS zur Begutachtung des Antrags deS Abgeordneten Braun erwähnten Ausschusses vor. Dieser hatte nämlich beantragt, „die BüdgetS pro 1851 dem Herzoglichen StaatSministerium mit Dem Ersuchen zurückzugeben, dieselben dem Landtage pro 1851 vorzulegen".
Wir können unS hinsichtlich des Inhalts deS Berichts und der Diskuston um so kürzer fassen alS