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Deutschland.

* Wiesbaden, 7. Dez. Die der Ostdeutschen Post entnommene Nachricht auS.Wien vom 29. Nov., daß Oesterreich Preußen seine bundeSgeinäße: Hilfe gegen die demokratischen Elemente der preu­ßischen Landwehr zugesichert habe, wird heute in der OperpostamlS-Zeitung für durchaus unwahr erklärt.

Der Lloyd stellt ebenfalls diese Mittheilung der Ostdeutschen Post in Abrede.

Aus dem Maingrund, 4. Dezbr. Mit dem Beginne deS Winters scheinen die Diebe ihr nächt- licheS Handwerk wieder steuerfrei betreiben zu wol­len. Der Anfang ist schon in voriger Woche auf einer Mühle unterhalb Maffenheim gemacht worden. Mittelst eines über das Rad derOelmühlc gelegten Brettes sind nämlich die Diebe durch eine Fenster­öffnung in die Mühle deS Müllers Dambmann eingestiegen und haben eine Parthie gefüllte Geb früge, eine Anzahl leerer Säcke und eine Quantt, tät Oelsaamen hinauSerpedirt. Glücklicherweise für den Bestohlenen, find die geraubten Sachen wieder in dessen Besitz; besser wäre eS freilich, wenn auch die Gerichte in dem Besitz der Diebe wären, was indessen schwer werden dürfte, indem zu deren Er­mittelung gar keine Aussicht vorhanden ist. Wahr­scheinlich ist den Herrn vom Dunkel der Tag zu frühe gekommen, so daß sie genöthigt gewesen sind, ihren Raub an einem Abhange deS von Mainz nach Diedenbergen führenden Wegs in den Sand zu vergraben, wo ihn ein Knecht DambmannS, auf die frische Wühlerei in dem Sande aufmerksam gemacht, gefunden hat. Es steht zu erwarten und zu hosten, daß, wenn dieser Winter an Diebstählen so ergiebig ist, wie die beiden vorhergehenden, sich unsere Stände doch noch entschließen müssen, die Bermehrung der Landjäger im Interesse der allge­meinen Sicherheit zu genehmigen.

© Von der Weil, 2. Dez. Der Korrespon­dent von der Elb, der für daS Nibelungenlied, wie ein Cicero für sein HauS, in die Schranken tritt, setzt den vom Korrespondenten von der Weil aus Göthe angeführten tadelven Stellen andere s $ ein« bar lobende desselben Dichters entgegen. Ich sage schein bar lobende; denn eS gehört nicht Viel Scharfsinn dazu, auS diesen allgemeinen , oft diplomatisch unbestimmten Ausdrücken die seine Iro­nie und die Kunst deS Welt- und HofmannS, der selbst den Tadel in schöner ober doch mildernder Hülle austreten läßt, herauszufinden. Zur Begrün­dung dieser Ansicht mögen folgende Stellen auS dem Götheffchën Urtheile dienen:Alles von der gröbsten Rohheit und Härte. Die anmu- thigste Menschlichkeit wahrscheinlich dem deutschen Dichter angehörig".Der Rhythmus ist bestechend. Wir haben ganz nulle Gedichte we­gen lobenswürdiger Rhythmik preisen hören. Nach unserer oft geäußerten Meinung deßhalb be- Hauvten wir, daß jedeS bedeutende Dichterwerk, be- , sonders auch daS epische, auch einmal in Prosa übersetzt werden müsse. Auch den Nibelungen wird ein solcher Versuch höchst heilsam sein, wenn die vielen Flick- und Füllverse, die jetzt wie ein Glockengeläute ganz wohlthätig sind, wcgfielen und man unmittelbar kräftig zu dem wa­chenden Zuhörer und dessen Einbildungskraft spräche" ic.Jedermann sollte es lesen, damit er nach dem Maße seines Vermögens die Wir­kung davon empfange. DaS Werk ist nicht da, ein für alle Male beurteilt zu werden; eS macht An­spruch an Einbildungskraft, die der Reproduk­tion fähig ist, an daS Gefühl für'S Erhabene, Uebergroße, sowie für daS Zarte, Feine. AuS welchen Forderungen man wohl sieht, daß sich nochJahrhunderte damit zu belästigen ha­ben". In den Tag- und JahreSheflen zur Ergän­zung feiner sonstigen Bekenntnisse (1807) sagt Göthe: Das köstliche Werk blieb roh bei mir liegen und ich blieb so stumpf dagegen, wie die übrige deutsche Welt". Die Stelle, wo die Meerfrauen dem kühnen Helden weissagen, traf mich, ohne daß ich wäre gereizt worden, tiefer einzugehen" ic.

Weiter erzählt er, wie er auf die Erkundigung der Damen, denen er Mittwochs Vorträge zu hal­ten bgö Glück gehabt, unmittelbar daS Original ergriffen und sich hineingearbeitet habe.Ich ver­fertigte mir ein Verzeichniß der Personen und Cha­raktere, flüchtige Aufsätze über Lokalität und Ge, schichtlicheS, Sitten und Leidenschaften, Harmonie und I n k o n g r u i t ä t e n " rc.

Die Stellen, auf welche der Korrespondent von der Elb großes Gewicht legt, scheinen mir nicht sonderlich viel zu sagen, z. B. folgende: die Kennt, niß dieses Gedichtes gehört zu einer BildungSstuic der Nation, und zwar deßwegen, weil eS die Ein- bilbungskraft erhöht, daS Gefühl anregt, die Neugierde erweckt und um sie zu befriedigen, unS zu einem Urtheil auffordert. Mir scheint hinter dieser Rezension (wenn man G's hin­geworfene Aeußerungen so nennen will) dieselbe feine Ironie versteckt, die GervinuS in der Göthe'schen Rezension der Gedichte von I. H. Voß gefunden hat.

Doch angenommen, der Altmeister meine eS Ernst mit dem Lobe, so hat der Korrespondent von der Elb noch nicht viel damit gewonnen. Denn eS handelt sich hier um die Frage: Ist eS zweckmäßig, das Niebelungenliev in den Gymnasialunterricht aufzunehmen? Nein, antwortete ick, aus den schon früher angeführten Gründen. Schließlich bemerke ich noch, daß ich in der Redlichkeit der Absicht bei dieser Streitsache dem Korrespondenten von der Elb nicht nachzustehen glaube.

© Limburg, 6. Dez. Die angezeigten Trup­pen kamen an den 6 letzten Tagen durch unsere Stadt. Ihre Haltung ist vortrefflich, ihr Benehmen in den Quartieren gut. Außerdem sehen wir täg­lich kleinere Haufen von Truppen jeder Waffen­gattung ankommen und abgehen. Vor einigen Ta­gen ist auch eine Feldpost nach Wetzlar hier durch« gekommen.

cf Von der Lahn, Anfang Dezember. In der Stadt Runkel, auf welche der VolkSwitz früherist dunkel" gereimt, brennt jetzt ein Licht der Kunst und der geistigen Regsamkeit, welches gegenwärtig, so viel wir wissen, in den übrigen Lahnstädten fehlt, wir meinen daS in schönster Blüthe stehende Lieb- haberthcater. DaS auf ächter Geselligkeit zwischen StaatSdienern und Bürgern beruhende Kasino ist der Träger deS edeln Kunstinstituts, welches be­reits nach verschiedenen Seiten hin, der Sinn für das Schöne und Angemessene entwickelt hat. Die­sem Streben von Seiten der Kunst kommt seit eini­ger Zeit ein gewerblicher Aufschwung entgegen, den man früher hier nicht erwartet hätte, und welcher auch dem dramatischen Verein wieder zu Gut kom­men wird. In dem nahen Limburg hat die neuere religiöse Entwicklung daS Theater zu Grabe getra­gen, indem die Damen nicht mehr mitspielen wol­len. Von Diez und Nassau wundert eS uns, daß sie dieser höchsten aller Künste, diesem allseitigsten BildungSmittel der menschlichen Persönlichkeit so wenig huldigen, da sie doch in anderer Hinsicht strebsam sind. Weilburg hatte im vorigen Winter einen dramatischen Verein, nur aus Bürgern be­stehend, welche dem Vernehmen nach auch Akte aus Schillers Tragödien mit Beifall aufführten. Dies könnte man an dem Runkler Theater auSsetzen, daß eS sich mehr an daS gesellschaftliche Lustspiel hält, wer aber weiß, wie selten sich die rechten Elemente zur Aufführung einer Tragödie in einer kleinen Stadt finden, wird dies dem Runkeler Institut nicht zum Vorwurf machen, zumal da unS der lange Friede in ein behagliches Schlaraffenleben versenkt hat. Dauern diese ernste Zeiten noch eine Weile -fort, so werden sich auch Liebhabertheater bald an Trauerspiele wagen können. Ein schon mehrmals öffentlich ausgesprochener und weit verbreiteter Wunsch in der Provinz ist, die besseren Künstler der Wiesbadener Bühne möchten im Winter, wo sie wohl einmal in der Hauptstadt entbehrt werden können, eine Rundreise durch die Landstädte unter­nehmen, und wenn eS nicht anders zu machen ist, nur einzelne, für sich abgeschlossene Szenen oder Akte auS Shakespeare, Göthe und Schiller auffüh- ren. Die Wähler der Landtagsabgeordneten wür­den dann auch leichter von der bildenden Kraft der dramatischen Kunst überzeugt werden und ihren Gewählten auftragen, das nöthige Geld für die Wiesbadener Nationalbühne zu bewilligen. Bis wir diesen hohen Kunstgenuß haben werden, wollen wir unS einstweilen an unserem Liebhabertheater erfreuen und durch diesen Genuß zur Arbeit deS Lebens stärken.

Fulda, 5. Dezember. (Fr. I.) Die heutigen Nachrichten von unserm friedlichen Kriegsschauplätze sind folgende: Zufolge einer am 3. dS. MtS. vom Fürsten TariS auS Hünfeld an den Grafen von der Gröben vorauSgefendeten Nachricht begab sich ersterer am 4. in der Frühe in Begleitung seines General­stabs nach Hersfelv, allwo allein zwischen beiden eine Unterredung von früh 7 bis 10 Uhr und in Folge derselben ein Uebereinkommen stattfand. Hier­nach sind glaubwürdigem Vernehmen nach die Preu­ßen (ob alle oder nur ein Theil derselben?) auS HerSfeld, auch alle Vorposten von HerSfeld hierher zu zurückgegangen und kann gestern die österrei­chischen Jäger, welche zur Vorhut gehören, in HerSfeld eingerückt. DaS Hauptquartier der Bayern ist heute noch in Hünfeld. Der Einmarsch weiterer Truppen auS Bayern nach Kurhessen ist sistirt und sollen die bereits über und an die bayerisch- hessische Grenze vorgeschobenen österreichischen Trup­pentheile die Ordre zum Rückzug erhalten haben. Eine anderweitige DiSlocälion der hiesigen Truppen ist nicht vorgekommen.

Kassel, 4. Dez. Zu einem blutigen Zusammen- stoße zwischen den Preußen einerseits und den Bun- deStrupPen andererseits, von dem im Laufe deS Vormittags hier daS Gerücht ging, ist eS allerdings nicht gekommen, aber wohl standen am 4. noch lange vor Tagesanbruch die Dinge so, daß jeden Augenblick ein solcher erwartet werden konnte. AuS der Allarmirung, welche in der Nacht vom 3. zum 4. längs der ganzen Linie der preußischen Aufstel­

lung statt fand, mag sich denn auch wohl jeneS Gerücht herschreiben.

Man schreibt hierüber der O.-P.-A.-Ztg. von der weimarisch. hessischen Gränze, 4. Dezember: ES ist Alles hier in'größter''Bestü In Folge der Nachricht, daß die Bundestruppen weiter gegen Kassel vorgerückt, brachen nämlich die bei unS kan» tonnirenden königl. preußischen Truppen in aller Frühe auf, und erreichten diese zwischen Hünfeleld und HerSfeld, wnrouf es, wie hier gesagt wird, zu einem Zusammenstoß kam, der blutig hätte werden können, wenn nicht die Bundestruppen es vorgezogen hätten, sich zurückzuziehen. Niemand vermag sich dieses Ereigniß zu erklären, eS müßte denn sein, daß der von den Zeitungen gemeldete Befehl zum Vorrücken der BundeSlruppen in der Voraussetzung erlassen worden, daß der .Befehl, dieses nicht zu hindern, schon von Berlin im preußischen Hauptquartier ein. getroffen gewesen.

Eisenach, 5. Dezember. DaS Hauptquartier deS Generals Grafen v. d. Gröben soll wieder hier­her verlegt werden.

Hannover, 5. Dez. (Z. f. Nordd.) Wir ver­nehmen, daß daS Ministerium sich über die Wahl des hannoverschen Abgesandten zu den freien Kon­ferenzen noch nicht entschieden, so viel aber schon beschlossen hat, daß Hr. Detmold den Auftrag nicht erhalten soll. GrafKielmanSegge wird von seiner Mission nach Wien zurückerwarlet. Graf Benningsen will auf einige Zeit nach Paris gehen.

München, 3. Dez. Man spricht heute von einem EntlassungSgesuche v. d. Pfordten'S. An­laß dazu soll der Unmuth sein, der in höheren Krei­sen darüber herrscht, daß die Resultate dcr Olmützer Konferenz mit keinem offiziellen Worte der bayer. Regierung angejeigt wurden, und sogar die mini­sterielleNeue Münchn. Ztg." genöthigt war, deß« fallsige Notizen derAllg. Z." zu entnehmen. In­dessen dürfte eS wahrscheinlich sein, daß kein Mini­sterwechsel vor sich geht, ehe daS Resultat der freien Konferenzen dahin feststeht, daß die bisherige baye. rische Politik eben so erfolglos als kostspielig ist.

Berlin, 2. Dezbr. Dem Hamburger Korre­spondent wird geschrieben: Als der Minister von Manteuffel vorgestern Mittag auS Olmütz zurück- gekehrt war, entsendete er die Nachricht von seiner Ankunft und eine vorläufige Uebersicht der von ihm erzielten Resultate sofort durch den Telegraphen an den König nach Sanssouci. Wie Jemand berich­tet, der an diesem Tage gerade zur k. Tafel war, traf diese Depesche den König bei Tische: er laS dieselbe aufmerksam zwei Mal, ward dann plötzlich sehr ernst, und fing nach einem längeren Stillschwei, gen von völlig gleichgültigen Dingen an zu sprechen : wie mein Gewährsmann hinzufügt, daß sich in der Depesche ein Pakt befand, dem der König nicht zu­stimmte. Wie aus dem gestern früh gehaltenen Ministerkonseil hervorgeht, betraf dieser Pakt, wie ich gleich hier antizipirend hervorheben will, daS von Oesterreich gestellte Verlangen einer bald vor­zunehmenden Entwaffnung. Er beschied sofort den Minister v. Manteuffel durch den Telegraphen zu sich. Es ist bereits bekannt, daß derselbe bis gegen 8 Uhr beim Könige verblieb, um ihm Bericht abzu­statten, und daß dann nach dessen Rückkehr nach Berlin noch spät Abends ein beinahe bis Mitter­nacht dauernder Ministerrath abgehalten wurde. Dieser Berathung wohnte der König nicht bei, wohl aber der Prinz von Preußen. ES kam hierbei zwischen dem Letzter» und dem Minister voü Man­druffel zu einer sehr heftigen Szene.

Ueber die Vorgänge auS der Sitzung der Adresse- Kommission der zweiten Kammer vom 2. dS. MtS. AbendS erfährt man folgendes: Nachdem der Herr Minister die verlangten Aufschlüsse über die Olmützer Verabredung gegeben, fragte der Graf Schwerin, als Präsident der Kommission, den Minister: Wie er eS verantworten könne, als Preuße, als preußi­scher Minister, solche Bedingungen zu unterzeichnen! Er, der Graf, an Manteuffels Stelle, hätte lieber sein Haupt auf den Block gelegt, als die Feder zur Unterzeichnung solcher Konvention ergriffen! Ein anderes Kommissions-Mitglied rief: kaS heißt Preußen dem österreichischen Stock, der russischen Knute unterwerfen! Selbst Herr Geppert sprach von Verrath an der preußischen Ehre, und daß die Kammer darauf nur durch ein Mißtrauens-Votum antworten könne. Herr von Manteuffel schwieg, er führte nur an, daß in Böhmen, an der fchlest« scheu Grenze, 190,000 Ocsterreichcr, voran die Kroaten, in Mähren 100,000 Mann, in Vorarlberg und Bayern nicht viel geringere, wenn nicht noch stärkere Mannschaften aufgestellt seien.

Berlin, 4. Dezbr. DieDeutsche Reform" sagt über die Vertagung der Kammern:Durch Allerhöchste Verordnung sind beide Kammern heult bis zum 3. Januar vertagt worden. Die Regierung hat sich zu diesem Schritte genöthigt gesehen, weil sie die zuversichtliche Hoffnung hegt, in der Zwischen­zeit die Verhandlungen so fördern zu können, daß die Wünsche und Erwartungen der Nation befrit-