dazu in sich fünfen sollte, so wollen wir diese Sache doch als eine allgemein deutsche zur Sprache bringen. Es handelt sich nämlich, wie ein Frankfurter Blatt sich auSdrückt, um die Schönheit in den Erzeugniffen unserer Industrie, besonders in unserer Kleidung, in welcher wir uns von fremder Despotie und Geschmacklosigkeit (man denke nur an unsere Hüte und Frakröcke) emanzipiren müßten. Ein süddeutsches Gewerbeblatt spricht eS geradezu auS: „Wir müssen die Mode unS selbst diktiren". Nachdem uns Lessing, Göthe und Schiller von der französischen Geschmacksherrschaft befreit, ist eS wirk- lich sonderbar, daß wir unS in den äußeren untergeordneten Dingen noch nicht auf eigene Beine haben stellen können. Der große VolkSwirthschaftS- lehrer Friedrich List machte schon vor sieben Jahren einen Plan, wie die größeren Industriellen in ihrer Fabrikation der Zeuge, die Handwerker, Künstler und Schriftsteller zusammenwirken müßten und zwar in allen größeren Städten Deutschlands, um uns von dem Pariser Joche zu befreien und die ungeheuere Summe selbst zu verdienen, welche wir jährlich nach Frankreich schicken. Nachdem wir in den bildenden Künsten, zumal in der Malerei, eigene Wege eingeschlagen, werden wir wohl auch schöne Formen für unsere Gewänder und Geräthe finden können. Die ersten und geschicktesten Kleiderkünstler w. in Paris und London sind bekanntlich Deutsche. Wir müssen nur Vertrauen zu und selbst fassen. Nach Beendigung der gegenwärtigen politischen Wirren wird von Wien aus, welches auch Gewerbzeilungen des übrigen Deutschlands für den geeignetsten Ausgangspunkt hallen, Versuche im obigen Sinne gemacht werden. Mehrere Fabrikanten haben diese Angelegenheit bereits ernstlich berathen. Dr. Laube, jetzt vom Wiener Burgtheater eingestellt, hat früher als Redakteur der eleganten Zeitung, dieselbe eifrig betrieben. Hermann Hauff hat die liefern sittlichen Ursachen der Trachten der verschiedenen Zeiten und zum Bewußtsein gebracht und uns so über die Schranken der willkürlichen Mode belehrt. Aber dem sinnigen Nachdenken und freien Schaffen bleibt noch ein j großer Spielraum, welchen deutsche Künstler so gut ausfüllen können als französische.
* st Frankfurt, 4. Dezember. Das Oberkom- I mando der in und um Frankfurt garnisonirenren preußischen Truppen wird Oberst Herwarth von j Bittenftld übernehmen. Generalmajor Kaiser, der i sich hier aufhält, geht nach Wetzlar zum Obser- j vationSkorpS. — Nachdem wir den trefflichen Gene- ; rallieutenant Roth von Schreckenstein hier begrüßt | haben, ist heute der Durchmarsch der letzten prcußi- j scheu Truppen auS Baden geschehen. Baden ist ) geraum t. Herr von BlitterSdorff kann nun nicht mehr von preußischem Ehrgeize schreiben. Wenn nur die MetalliqueS steigen, alles Andere ist eitel unter der Sonne. — Die Militärschlägereien finden jetzt nicht mehr statt. Der weise gesetzgebende Körper wüyscht, daß der hochweise Senat dergleichen । zu verhüten suche. Weßhalb wird nicht der Ausmarsch des 3. bayerischen Bataillons gewünscht? Es liegen hier jetzt weniger Oesterreicher als früher: daher die Verwirrung. Und wühlen nicht auch | die Demokraten? Weßhalb läßt man das ruhig! geschehen? Preußen trägt keine Schuld. — Für die kurhessischen Offiziere gibt die Gesellschaft Lyra ein Konzert. Wir gestehen offen, daß wir eine baldige Schlichtung der kurhessischen Frage wünschen: diese Kollekten und Konzerte für ein MilitärkorpS widerstreben unsern Ueberzeugungen, namentlich wenn sie außerhalb des engeren Vaterlandes statt finden.
Fulda, 3. Dez. Endlich sind die lang ersehnten Nachrichten da. Oesterreich und Preußen sollen sich über die kurhessische Sache verständigt haben und sie gemeinschaftlich ordnen.
Fürst von Thurn und TariS und der Bundeskom- missär Graf Rechberg haben schon heute das Hauptquartier von hier nach Hünfeld verlegt. Sonst sind keine wesentlichen Veränderungen in der Dislokation vorgegangen. Doch deutet dieses wohl auf unverzügliches Vorgehen gegen Kassel.
Kassel, 3. Dez. Die Mission der von Seiten der königl. preußischen Regierung Abgesandten, der Herren RegierungSralh Niebuhr, General von Neese und Major von Bodin , Flügeladjutant Sr. Maj. des Königs, an den hiesigen Magistrat, hat nun vollständig ihre Erledigung gefunden. Der Magistrat hat auf die von diesen Herren gestellte Bedingungen zum Adresscentwurf an Se. königliche Hoheit den Kurfürsten nicht ringeln zu können erklärt.
AuS der Mitte des OberappellationSgerichtS ist am gestrigen Tage der Entwurf einer von den StaatS- dienern zu erlassenden Adresse hervorgegangen. Derselbe lautet wie folgt:
„Allerdurchlauchtigster :c. Die ehrerbietigst unterzeichneten Diener Cw. königl. Hoheit fühlen sich durch die Treue, m l welcher sie ihrem allergnädigsten Landesherrn zugethan und verpflichtet sind, gedrungen, Folgendes allerunterthänigst vorzustellen. Seit Ansting deS vorigen MonatS ist namenloses Elend über unser Vaterland hereingebrochen. Kai
serlich österreichische und königlich bayerische Truppen sind auf Ansuchen Ew. f. Hoheit auf der einen, königlich preußischen Truppen sind" von der andern Seite in das Land eingerückt, und eS sind alle Anzeichen dafür vorhanden, daß innerhalb der Grenzen derselben ein Kampf entbrennen werde, dessen Folgen nicht zu übersehen sind, der aber jedenfalls den Wohlstand der Unterthanen auf lange Jahre vernichten wird. Königliche Hoheit, nach der Ueberzeugung aller wahren VaterlandSfreunde gibt es ein Mittel, diesen verderblichen Konflikt abzuwenden, und die ehrerbietigst unterzeichneten Diener wagen solches in der allerunlerthänigsten Bitte auszusprechen: daß Ew. königl. Hoheit in Ihre Residenzstadt zurückzukehren und die Differenzen zwischen Allerhöchst Ihrer Regierung und der Ständeversammlung unter schleuniger Einberufung neuer Stände auf verfassungsmäßigem Wege ausgleichen lassen wollen. Die wir rc. Kassel, am 2. Dezember 1850. (Folgen die Unterschriften)"
Hr. Oberappellationsraih ElverS gilt als Urheber und Verfasser dieser Adresse, welche sich keiner großen Betheiligung zu erfreuen hat, da man ein- mal den gewählten Zeitpunkt für ungeeignet hâU, und andererseits nicht mit Ungrund annimmt, der Wortlaut der Adresse lasse die Auslegung zu, man wünsche die Rückkehr des Kurfürsten mit dem der- m eiligen Ministerium, welches doch die meisten Staalsdiener wiederholt als Rebellen bezeichnet hat. Außerdem hält der gebrauchte Ausdruck: „Diener Ew. kön. Hoh.", womit seit der Verfassungsurkunde (vom 5. Januar 1831) und dem StaatSdienstgefetz (vom 8. März 1831) nur Hof-, nicht aber Staats- diencr bezeichnet werden können, viele im Uebrigen mit der ausgesprochenen Bitte Einverstandene von Unterzeichnung der Adresse ab.
Karlsruhe, 2. Dez. (S. M.) Dem Vernehmen nach ist der Abschluß deS Vertrags mit Würtcmberg über den Eisenbahnanschluß bevorstehend, jedoch noch nicht erfolgt, und Staatsralh Knapp aus Stuttgart wird wohl noch bis Ende dieser Woche mit demselben hier beschäftigt sein.
Stuttgart, 3. Dez. Der Staatsanzeiger sagt: Wie wir hören, wurde heute der Stadtdirektion vom k. Ministerium deS Innern aufgegeben, sämmtliche Beamte und Diener der ständischen Kanzlei, NamenS des k. Gesammtministeriums, aufzuforbern, der durch die Verordnung vom 26. v. M, eingesetzten provisorischen StaatSschuldenverwaltungSkom- mission, welche sich bereits konstituirt hat, als der allein rechtmäßig bestehenden StaatSschuldcnver- waltungSbehörde, die ibr in ihrem Geschäftskreis gebührende Folge zu leisten.
Stuttgart, 3. Dez. Gestern Abend erging der Befehl zu unverzüglicher Einberufung derBt- ; urlaubten. I j
Freiburg, 30. Novbr. Die großh. Komman- { dantur und daS großh. Stadtamt haben, da die de- j mokratischen Wühler wieder offener Hervorlreten, ! eine gemeinschaftliche Verordnung erlassen. Hiernach unterliegen der kriegSpolizeilichen Behandlung und können in Folge dessen von einer Gefängnißstrafe getroffen werden:
1) Diejenigen, welche über daS Verhalten badischer Soldaten unbegründete üble Nachreden verbreiten. 2) Jene, die in Bezug auf Maßnahmen der Polizeibehörden Thatsachen zudem Zwecke erdichten oder entstellen, um gegen dieselben oder einzelne mit der Handhabung der Polizei betraute Personen aufzu reizen, oder solche in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, sowie 3) Diejenigen, welche Thatsachen der bezeichneten Art leichtfertig nacherzählen.
Aus Bayern, 3. Dez. (D. Z.) Man fängt bereits an, uns für überflüssig zu halten. Diesen Eindruck hat wenigstens die Konferenz in Olmütz in unsern „leitenden Kreisen" gemacht; eS wird nicht der erste und letzte gewesen sein. Unsere Hof-Ztg., die N. Münchnerin, scheint zwar im Anfänge noch absichtlich die Sache so hingestellt zu haben, als sei die Olmützer Verhandlung von Oesterreich „im Einverständniß mit seinen Verbündeten" eingegangen worden; allein gegen diese Darstellung beö Sachverhalts spricht selbst die Zeit. Von einer vorhergegangenen „Verständigung des kaiserl. Kabinets mit seinen Verbündeten" , wie unsere Münchnerin ed bezeichnet, kann keine Rebe sein, cd müßte denn jene persönliche B sprechung der Repräsentanten Oesterreichs , Preußens und — Rußlands schon länger im Werke sein. Unsere Regierung beantwortet ihre Hintenansetzung mit fortgesetzten Kriegö- rüstungen, welche bereits auf neue Rechnung gehen; denn daS Militärbudget ist erschöpft. Unsere Artillerie wird bedeutend vermehrt; wir sollen täglich mit Lebensmitteln auch für »nvermuihete Einquartierung versehen sein; und so hat ed allen Anschein, daß wir unsere Großmachtsträume am Ende noch auf eigene Faust verwirklichen.
Braunschweig, 30. Nov. Unter den der heute nach ihrer Vertagung wieder zusammengetretenen
Abgeordnetenversammlung gemachten Vorlagen.. von allgemeinem Interesse eine Propositivn be>ü^ der Bezahlung von VerpflegungSgelder an wig-Holstein. Darin theilt die Regierung 54,657 Tblr. 17% Sgr. gefordert seien, fehlender Belege habe die Regierung, bis dieses | gegangen sein würden, abschlägig 30,000 Thlr „ zahlt, sie halte sich jedoch auch zur Bezahlung^,.' Restes verbunden und ersuche daher die 5lbgtCrt 8 tenveriammlung um einen Kredit von 50,000 zu diesem Behufe.
Hannover, 30 Nov. Der Geh. Regierung rath Frhr. v. Hammerstein ist gestern von Frankfurt hier eingetroffen.
Berlin, 1. Dezember. Der Hamb. Gorr, enthält von hier folgende Mittheilung: „Dem bin unh wieder verbreiteten Gerüchte, als ob die in da Allerhöchsten Verordnung wegen Mobilmachung da preußischen Armee vom 9. v. MtS. ausgesprochen Zurückberufung sämmtlicher im AuSlanbe befindlich» preußischen Dienstpflichtigen der Reserve und Lam, wehr nicht überall ernstlich gemeint sei und nam ent, lich nicht auf die in ver schleswig-holsteinischen 'ch, mee Dienenden zur Anwendung gebracht werde» solle, sind wir aus amtlicher Quelle zu widerspn, chen im Stande".
Berlin, 1. Dezbr. Wir wissen nicht, schrch »an dem „Hamb. Corresp.", inwiefern auf dir schnelle Ausgleichung in Olmütz ein eigenhändig,, Brief deS Königs an den Kaiser von Oestmetz mitgewirkt habe. Derselbe kann freilich erst n^ der Abreise des Fürsten Schwarzenberg in s eingetroffen sein, da der Flügelabjutant des fi’ènigd, Major von Manteuffel, (Überbringer desselben und dieser erst nach der Abreise deS Ministers von Manteuffel mit diesem Briefe Berlin verließ. M hören genaue Details über den Wortlaut dicht Schreibens, müssen und aber aus Rücksichten d„ Diskretion die Mittheilung desselben versagen; NU daS Eine sei erwähnt, daß es in der bestimmtest« Form den erneuten Wunsch nach Erhaltung dii Friedens auSdrückt, sogar auf;bie Gefahren eint« Kriegs zwischen Oesterreich und Preußen hiinvch und zum Schluß mit einem Seitenblick auf grob reich eine sehr merkwürdige Stelle darüber enthält, wie nothwendig leicht nach einer andern Seite ch die Einigkeit dieser Mächte sein könnte.
Berlin, 2. Dez. Die heutige „Deutsche Ku form" berichtet: In der Olmützer Konferenz ist eint Verständigung in so weit als Hergestellt zu betraf len, daß die hessische und schleswig-holsteinische A«- gelegenheit ihre endliche Entscheidung durch dit Konferenz aller deutschen Regierungen in Dresden Ende dieses MonatS zu erwarten haben. Inzwischen werde ein preußischer und ein österreichischer Kvniis sär in Schleswig und in Kurhessen die Beilegu«; der vorhandenen Zerwürfnisse gemeinschaftlich jn erstreben suchen. — Rücksichtlich der schleswigschn Angelegenheit wird ein einträchtiges Zusammenim ken Oesterreichs und Preußens im Stande fein, einen dem Bundeöbeschluß vom 17. Sept. 1848 angemessenen Zustand herbeizuführcn.
88 Berlin, 2. Dez. Friedliche Nachrichten Hni der Minister v. Manteuffel mitgebracht; friedlilt lautet der Avreßenlwurf der zweiten Kammer, il* lische Symphonien, komponirt Herr Selig Ml in der „Deutschen Reform". Was will man mehr! Die Börse hat ein williges Ansehen, und unsers Erhebung hat genügt, dem Fürsten-Schwarzenbeai zu imponiren. „Weit in nebelgrauer Ferne" liegt« die Unionsideen, deren Durchführung, offen gestn«1 den, nicht mehr möglich war, als der Kursürst M Hessen abfiel. Die Depesche vom 25. August nm der Schluß und Minister Schleinitz ist in würdigst Weise mit ihr auSgeschieden. WaS nun nicht nw liw geworden, muß in anderer Weise geordnet nw - den. Die Neugestaltung Deutschlands ist auch anderer Form denkbar, wenn Oesterreich ed J^1 aufrichtig meint. Ein weiterer Bund mit der öfter* reichischen Gesammtmonarchie, und das freie IM' rungsrecht mit parlamentarischer Fassung: keine Volksvertretung am weiteren deutschen Bunde, dst doch nur eine Chimäre wäre. Zuerst ist die scyuilg eines „deutschen Bunvesraths" von 17 Stimmen zu erwarten, mit wechselndem Verfitz teil Preußen und Oesterreich , damit ed ein Zentraler' gan gebe, und alle Konflckte über den sogenannten Bundestag und die Zentralkommisston anshörem Ein solches Zentralorgan, unter theilweisem Vorsitz Preußens, kann viel nützen und die Gemüther beruhigen. Dieses für den weiteren Bund. Dann ist es Aufgabe der deutschen Regierungen und Kani' mern, bad llnirungsrecht klar zu ordnen; darüber werden dann auch die freien Konferenzen bestimmen.
So wenigstens gestaltet sich der Erwartung nach die nächste Zukunft. Kurhessen und Hotsts' machen keine Sorgen mehr: in beiden Ländern wu der vielgeliebte Landesherr wieder seinen E>nM Halten. Bon der Entlassung sämmtlicher Hcere ve> lautet noch nichts. Ganz Europa steht unter Ara - fen, unser Berlin strotzt von Militär, ein prktis