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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 288.

Freitag den 6. Dezember

L8SO

Die Naff. Alla. Zeitung mit dem Wanderer erlernt einmal tagl ich in Gr o ß fol» o-Format, mit Ausnahme des Sonntags. Der »ierteljLhriae Pkânum-ration-prcis ist in Wiesbaden für den Umfang des Herzogtums Nassau, des Grovher,ogthumS und Kurfuriientumâ Hessen, der Landgrafscha'I Hessen-Hamburg und der freien Stadt Frankfurt 3 ft., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSichenVerwaltungSgebieteS » fl. IO fr. - Inserate werden die dreispaltige Pelitieile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Schellenberg ichen Hot - Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Rückblicke in die Geschichte der deutschen Union. Deutschland. Wiesbaden (Asfisen). Von der Dill (Erzeß). Vom Westerwald (Emanzipation der Ge- tverBe). Frankfurt (Kommandowechsel. Militärkon- flikte). Fulda (Friedliche Ausgleichung. Vorrücken nach Kassel). Kassel (Die preußischen Abgesandten. Die Adresse der StaatSdiener). Karlsruhe (Der Eisen­bahnvertrag mit Wnrtembcrg). Stuttgart (Auffor­derung an die ständische Kanzlei). Freiburg (Ver­ordnung). A u S Bayern (Die Großmachtsgelüste). Braunschweig (Die VcrpflegnngSgelder' für Schleswig- Holstein). Hannover (Herr von Hammerstein). Berlin (Gerücht die Abberufung betr. Die Olmützer Konferenz. Vincke'S Adreßentwurf. Die Adreßdebatte.

Stand der Dinge). Schleswig-Holstein (Gefechte.

Wollene Decken für die Dänen aus England). Kiel (Die dänischen Schiffe. Strategische Pläne. BefestignngS- arbeite». Gesundheitszustand). Wien (Rüstungen).

Schweiz. Von der Sch w - iz e rg rân z e (Kreuzerzoll). Frankreich. Par is (Remusat's Vorschlag. Vermischtes). Amerika. New-Jork (Die Wiener Oktobermänner).

Neueste Nachrichten.

t Rückblicke in die Geschichte der deutschen Union.

(Schluß.)

Die Oberleitung wurde der Krone Preußen vorläufig übertragen, bis die Bestimmungen der Reichsverfassung inS Leben treten würden. Zur Führung der auf die Erreichung deS Zweckes be- züglichen Geschäfte wurde ein VerwaltungSrath er­nannt, zu welchem jede der verbündeten Regierungen einer oder mehrere Bevollmächtigte entsendete; zu­gleich wurde die Errichtung eines provisorischen BundeSschiedSgerichtS beliebt, dessen schiedsrichter­liche Entscheidung sich die verbündeten Regierungen nach den Kompetenz-Bestimmungen unterzuordnen hatten.

Die verbündeten Regierungen theilten nun die getroffenen Verabredungen den übrigen deutschen Regierungen mit und luden letztere durch Zirkular- note zur Betheiligung ein. Vorher aber gaben der Sächsische und Hannoversche Bevollmächtigte noch besondere Erklärungen ein, welche Preußen im Ver, trauen auf die Loyalität der beiden verbündeten Staaten entgegen nahm. In denselben war beson­ders gesagt, daß Sachsen und Hannover eine Er­neuerung der Verhandlungen und Umgestaltung der vereinbarten Verfassung für den Fall sich vorbehielte, daß eS nicht gelänge, den Süden Deutschlands, namentlich Bayern, in den Reichsverband aufzu- nehmen, fvie solcher durch die fragliche Verfassung bestimmt worden. Hierauf erfolgte die Auswechse­lung der Ratifikationen des abgeschlossenen Vertrags zwischen Preußen, Sachsen und Hannover.

Die Verhandlungen mit Oesterreich führten in­deß zu keiner Einigung. Die von Preußen ent­wickelten Grundzüge einer Union der deutschen Staaten halten eben so wenig den Beifall Oester­reichs, wie von demselben eine Zustimmung zudem Erbieten Preußens erfolgte, bis zum Abschlusse der Bundesstaatsverfassung die provisorische Zentralge­walt zu übernehmen.

Später trat Preußen in erneuerte Kommuni- kalion mit Oesterreich. Während eS durchaus nicht an dem Fortbestehen der Bundesverträge von 1815 zweifelte, und diese Verträge als Grundlage ter Bildung einer neuen Zentralgewalt hinstellte, glaubte eS dafür sorgen zu müssen, daß durch dieses neue Zentraiorgan weder die Entwickelung des Bünd­nisses vom 26. Mai, noch die in demselben einge­löteten Bestrebungen für die Verwirklichung eines engeren Bundesstaates, wie er dem Bedürfniß der deutschen Nation entspricht, paralysirt und gehemmt werde.

Sehr bald stellte eS sich heraus, daß Hannover und Sachsen nur durch die Gefahren deS Augen­blickes vermocht worden waren, das Dündniß mit Preußen einzugehen. Sobald die Gefahren des Augenblickes überwunden worden waren, trat die

Hannoversche und Sächsische StaatSweisheit in vol­lem Glanze wieder hervor. Sachsen suchte durch den Radikalismus seiner Kammern über das Bünd- niß wegzukommen, und Stüve's Feldgeschrei wurdet Kein Deutschland ohne Oesterreichs!"

Hierin lag offenbar ein absichtliches Mißver­stehen der Grundideen keS DreikönigSbündniffeS. ES war insonderheit von Sachsen unklug, um nicht einen stärkeren und bezeichnenderen Ausdruck zu ge­brauchen, den Freund, dessen Hülfe eS in der Noch nicht hatte entbehren können, zu verlassen, um mit Staaten zu unterhandeln, die Preußens Hülfe selbst bedurft hatten und deren ganze Lage eine vielfach bevrohete war.

Oesterreich und Bayern waren eS besonders, welche die Sondergelüste Sachsens und Hannovers mit allen Kräften unterstützen. Von Bayern ging namciitlich die Idee deS bekannten VicrkönigSbünd- niffeS zwischen Bayern, Würtemberg, Hannover und Sachsen auS, nach welchem die Erekution in die Hand eines Direktoriums gelegt werden sollte.

So kam eS, daß auf dem Erfurter Reichstage nur die Abgeordneten Preußens und der kleineren deutschen Staaten erschienen. Er wurde von den­selben als ein eben so freudiges, als bedeutendes Ereigniß begrüßt; denn man durfte von Erfurt hoffen, daß eS stark genug sein werde, um den Keim der Zerstörung, welcherden Organismus der kleinern Staaten bedrohte, und die Spaltung der Kräfte, welche als eine Erbschaft der alten Zeit auf uns hcrübcrgekom en, vernichten zu können.

Der weitere Verlauf der deutschen Union liegt der Gegenwart zu nahe, als daß man ausführlich dabei zu verweilen Veranlassung finden könnte; der Erfurter Reichstag nahm die Verfassung en bloc an, welche auf folgenden wefenlichut Grundlagen beruhte:

1) eine einheitliche Exekutivgewalt, auSgeübt durch ein verantwortliches Ministerium deS nicht verantwortlichen ReichSoberhaupleS.

2) Die Uebenragung der Würde des Reichöober- Hauptes an die Krone von Preußen,

3) Die konstitutionelle Betheiligung des Volkes an der Reichsgesetzgebung.

4) Die Theilung deS Reichstages in ein Oberhaus und Unterhaus (StaatenhauS und VolkâhauS).

5) Die Beschränkung des allgemeinen Wahlrechts.

6) Die Übertragung der obersten Leitung des ReichSverweferS, deS Recht» Krieg zu erklären und Frieden zu schließen, den BundeSstaaat bei auswärtigen Mächten durch Gesandte ver- treten zu lassen, an daS ReichSoberhaupt.

7) Die Einsetzung eine» obersten Reichsgerichts.

Nachdem derReichStag auseinander gcgangcnwar, wurde zum Zwecke feiner schnelleren Verständigung über das UnionSwerk ein Fürstenkongreß zu < edin veranstaltet, auS welchem das Fürstenkollegium her- vorgegangen ist.

Unterdessen hatte Oesterreich um die deutschen Verhältnisse zu ordnen, zu einer Versammlung in Frankfurt ciugeladen und war hierbei auf die Ver­hältnisse deS Bundestages gänzlich zurückgegangen, indem eS sich gerirte, als ob gar nicht» vorgefallcn wäre. Preußen und die übrigen zur Union gehören­den Staaten halten diesen BundestagSkougreß zwar beschickt, ihre Bevollmächtigte jedoch bald wieder zurückberufen, wodurch der Zwiespalt zwischen Preu­ßen und Oesterreich nach und nach entstanden ist, welcher im gegenwärtigen Augenblicke ganz Europa in Spannung erhält.

Ob Preußen gethan hat, was eS thun konnte und mußte, um eine Einheit unter den deutschen Staaten herzustellen, liegt vor allen Augen. Daß eS bei diesen selbst hierbei fortwährenden Widerstand gefunden hat, und ein Verbündeter nach dem an, deren sich von ihm abgewendet und so die Union zur Unmöglichkeit geworden ist; daS ist fürwahr nicht seine Schuld, sondern ein neuer Beleg dafür, wie wenig man überall in Deutschland daS aufrich­tige Streben, die deutsche Einheit und Freiheit zu begründen, mit Preußen theilt und wie wenig man für die Herbeiführung eines Zustandes , welcher Deutschlandst Wohlfahrt nur allein dauernd befesti- gen kann, beizutragen geneigt ist.

Deutschland.

* Wiesbaden, 5. Dez. (Assisenverhandlung.) 3n der gestrigen Assisenverhandlung wurde Johann Lang von Oberhöchstadt deS Verbrechens der ver­suchten No,hzucht schuldig erkannt. Der Gerichts, Hof verurteilte ihn zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren.

Bei der auf heute anbergumten Verhandlung gegen Philipp Anton Winterwerber von No­chern, wegen Münzverbrechen, wurde der nicht er­schienene Angeklagte von dem Gerichtshof in con­tumaciam zu drei Wochen Gefängniß und zur Zah­lung der UntersuchungSkosten verurtheilt.

0 Don der Dill, 2. Dezember. DaS Leben hat verschiedene Formen, unter welchen sich die Eigen­thümlichkeiten deS Denkens, Fühlens und Handelns der Einzelnen wie der Gesammtheit offenbaren. Diese Formen sind denn auch, woran der Menschen­beobachter die Philosophie deS Lcbenö und den Bil- dungSgrav jeglicher Generation und jeglichen Staubes stuviren kann. Ja nach dem Stande sind sie bald feiner bald grober Art; bei der niedrigen Klasse geben sich diese Erscheinungen auf mehr plumpe, bei der höheren auf subtile, mehr durch Anstand gebundene Weise kund. Aber darin kommen sie überein, daß sie fast dasselbe Resultat liefern: sie legen die Fehler und Gebrechen deS Menschen offen. Wer die verschiedenen Gesellschaften der Volksklaffen besucht und mit einiger Beobachtung daS Thun und Treiben wahrgenommen hat, wird unsere Behauptung nicht bestreiten wollen. WaS für die höhere Klasse Bälle, Assembleen, Kasino'S u. dgl. sind für die niedere Kirchweihen, Märkte ic. Von allen Arten dieser Formen haben wir hierorts Anschauung. Kirchweihen und Märkte sind jedoch am interessantesten, weil namentlich von letzterer Klasse am zahlreichsten besucht. In unserer Nach, barstadt Herborn werden jährlich acht Märkte abge­halten, welche sich stets eines großen Besuchs zu erfreuen haben. Auf alle Weise wird dadurch Ge- legcuheit geboten, die verschiedenen Bedürfnisse zu befriedigen, den Bewohnern der umliegenden Gegen­den, ihre Naturerzeugniffe zu verwerthen und Ge« werbSgegenstände cinzukaufen, den Trinkern, ihrer Trunksucht zu fröhnen, und dem stillen Beobachter daS Thun und Treiben der Menge, die entfesselten Leidenschaften und den dadurch bloSgelegten morali- schen Zustand kennen zu lernen. Daß in letzterer Beziehung die traurigsten Erfahrungen gemacht werden, liegt klar vor. Neulich berichteten wir in diesen Blättern über die in Folge übermäßigen Ge­nusses berauschender Getränke verübten Jnsulticun- gen gegen einen Lehrer. Diesmal haben wir ein ähnliches Bild zu zeichnen. Am letzten Markttage kam des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr an die verschlossene Wohnung deS Gastwirths W i f,fe nbach ju Burg ein anständig gekleideter, aber total betrun- kener Mann und verlangte von diesem Chaise und Pferde nach Dillenburg. Da eS demselben jedoch nicht möglich war, daS Verlangte zu schaffen, wurde der Tumultuant grob und drohte, verlangte am Ende sogar Geld. Jener griff nach einer ungela­denen Pistole, um sich vermittelst dieser den rohen Gesellen vom Halse zu schaffen; allein derselbe zeigte auf dergleichen Waffen in seiner Tasche. DaS Einzige, waS den Tumultuanten vertrieb, war der Hilfeschrei deS GastwiithS Wissen b a ch. Im Nu war jener verschwunden. Folgenden Tage» wurde der Vorfall dem Justizamte in Herborn an­gezeigt. Der Ruhestörer ist bekannt und wir wollen auS Schonung seinen Namen verschweigen, haben indessen daS Vertrauen zu jener Behörde, denselben der gerechten Bestrafung nicht entgehen zu lassen.

Ucberhaupt sind die Bewohner von Burg gar häufig den Rohheiten durchwandernder Betrunkener auSgesetzt und wird nicht selten die nächtliche Ruhe auf grobe Art gestört.

8 Dom Westerwald, Anfang Dezember. Mehrere Gewerbzeitungen unseres deutschen Vaterlandes sind zugleich aus eine Seite unseres GewerblebenS ge­kommen, wobei eS sich jährlich um sehr viele Millio­nen Gulden handelt. Wenn Nassau auch nicht den Ausschlag in dieser Frage geben und auch ebenso wenig die Initiative ergreifen wird, obgleich eS als europäischer Sommersakon einiger Massen Beruf