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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 287.

Donnerstag den S. Dezember

1850.

Die Naff. Alta. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in G r o st s o ll o-Format, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumecalionspreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürstentbumS Hessen, der Landgrafschall Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt g fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerwaltuiigSgebieteS 8 fl. IO rr. Jnserate werden die dreifvaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fl'. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Schellenderg'fchen Hof- Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Preußens Kraft, Preußens Schwäche.

Rückblicke in die Geschichte der deutschen Union. Deutschland. Wiesbaden (Assiftn. Der hiesige Kunst- verein). Aus dem Nisterthal (Entgegnung). Diez, Hadamar, Hachenburg (Preußische Einquar­tierung). Karlsruhe (Anleihe). Stuttgart (Der landständisch« Ausschuß). Ka ssel (Der Prinz von Preußen erwartet. Die Truppenmärsche der Westarmee fistirt). M ü nchen (Truppeukonzentrirung. Die Kroaten).

Aus Sachsen (Die Armee). Hannover (Land­tag). Berlin (Die Olmützer Konferenz. Ministeriai- Erklärung an das provisorische Fürstenkollegium. Man­teuffels Empfang in Olmüh. General v. Radowitz Die Adreßkommission der ersten Kammer). Kiel (Die Be­schießung von Friedrichstadt). Prag (Sistirung von Personenzügen). Wien (Die Olmützer Konferenz. Ein unterdrückter Armeebefehl. Erzherzog Karl und Ludwig gegen den Krieg).

Frankreich. Paris (Der griechische Gesandte. Verur- theilung. Vermischtes).

Italien. Turin (Hr. v. Butenval). Rom (Landes­eintheilung). Berona (Die Zwangsanleihe).

Türkei. Smyrna (Die Unruhen in Aleppo). Australien. (Expedition nach den Gesellschaftsinseln).

Neueste Nachrichten.

Preußens Kraft, Preußens Schwäche.

f Vom Main, im Dezember. Worin Preu­ßens Kraft bestehe, wissen wir so ziemlich Alle. Sein Heer steht da, auf den Ruf des Königs ist kein Mann ausgeblieben. Sein Kredit ist groß, kein panischer Schrecken ist der Vorläufer eines StaatobankerottS. Deutschland hofft für seine Ent­wickelung nur auf Preußen , und wenn wir auch daS WortSympalhieen" nicht gerne gebrauchen, so ist doch gewiß, daß man sich allgemein sagt, Fortschritt im deutsch-vaterländischen Sinne komme nicht von Wien. An München denkt nur ein Theil von München selbst.

Heute wollen wir aber den Regierungen, die neben Preußen im deutschen Paterlande die Grenze gegen Frankreich zu schirmen haben, ein Wort sa­gen. Gerade Preußens Kraft ist Preußen Schwäche. Den Epheu sucht man zu ranken, die Eiche will man fällen. Eben weil Preußen das einige Deutsch­land zu schaffen vermag, sind nicht allein die Mit­glieder der Bregenzer Allianz, sondern auch die auswärtigen Großmächte Preußens Feinde. ES gibt eine traditionelle Politik in Wien, Paris, Pe­tersburg. Sie hat den Wahlspruch: Divicle Ger- maniam el imperabis. Wir wissen aus guter Quelle, daß als man die Fusion der Ansprüche deS Herzogs von Bordeaux und deS Grafen von Paris besprach, Bedingung dabei war, daß der dann ein* zusetzende König von Frankreich die Rheinlande er­obere: Möglich, daß General Ehangarnier, welcher gerne die Rolle eines Monk spielen möchte, dieses vorbereitet. Frankreich bietet Alles auf, daß kein Krieg in Deutschland ausbreche. Weshalb ? Den preußisch gesinnten Perstgny ruft man von Berlin ab, den schlauen, großdeutschen Lefebvre sendet man hin. Und wozu?

Wir lesen eS im Journal des DebalS vom 29. November. Ein in Deutschland persönlich nicht unbekannter, jedoch auch ganz durch die Brille eines Franzmanns blickender Herr Alerander Thomas sagt eS uns deutlich.Ein Krieg meint er ist für Frankreich in jedem Falle nachtheilig. Wenn Preußen siegt, ohne seine Monarchie zu erschüttern, waS dann? dann wäre Preußen die energische Macht, welche ganz Deutschland unter seiner Leitung konzentrirte und Frankreich, den militärischen und prohibitiven Staat in die Nachbarschaft eines großen noch militärischeren und noch prohibitiveren StaatS brächte. Wenn Oesterreich siegte, so gäbe es ein österreichisches Deutschland unter russischem Ueber« gewichte, und diese Nachbarschaft ist den Franzosen auch nicht angenehm".

Da haben wir die volle Wahrheit. Frankreich wünscht die alte Wirthschaft in Deutschland, jeden­falls keinen Sieg Preußens, denn dieser Sieg schüfe den deutschen Bundesstaat gemeinsam mit dem deut­

schen Zollvereine. Ein solches Deutschland wäre so mächtig, daß französische Habgier und Selbstsucht dann keine Aussicht mehr hätten. Diejenigen Re­gierungen, welche die Rheingränze zu wahren haben, mögen sich das merken; sie werden erkennen, welche Politik sie befolgen müssen.

Aber darin liegt die Schwäche Preußens. Es Hat keine Alliirten, weil seine Kraft Deutsch­lands Kraft ist, weil die Bregenzer Alliirten und die Großmächte, jedenfalls Rußland und Frankreich, kein einig-kräftiges Deutschland wollen, so ist Preu­ßen dennoch schwach, denn alle diese wahrlich nicht schwachen Mächte suchen eS zu hemmen. Preußen hat nur sich selbst, und ganz allein soll es daS Banner Deutschlands tragen.

Ganz allein? Ja, wenn nur Deutschland mit ihm ginge 1 Aber die Zeit ist noch nicht da. Noch viel Elend muß zuvor einbrechen. Auch Preußen wird noch schwere Leiden tragen, doch die Nacht deS Bundestages dauert nicht ewig. ' Hüter, ist die Nacht schier hin?"

1 Rückblicke in die Geschichte der deutschen Union

(Fortsetzung aus No. 285.)

Die preußische Negierung forderte daher in einer Zirkularnole wiederum die deutschen Regierungen auf, sich nunmehr durch die Entsendung von Be­vollmächtigten nach Berlin direkt mit ihr in Ver­bindung zu setzen, um gemeinsam zu berathen, wie daâ EinigungSwerk, als daS bingendste Bedürfniß der deutschen Nation, betrieben werden könnte.

Der Augenblick war ernst, entscheidend für die ganze Zukunft Deutschlands. Neben dem wahr­haft patriotischen Streben nach Einigung fanden sich in unserem Baterlande die trübsten und un­reinsten Elemente, welche auf den Umsturz der gan­zen gesellschaftlichen Ordnung hinzielten, sich hinter jenem versteckten und unter dem Vorwande der Ein­heit Deutschlands und einer den Schein der Gesetz­lichkeit tragenden Verfassung die Gemüther der Menge zu täuschen suchten.

Diese Elemente mußten geschieden werden, die reinern und bessern mußten vereint, die anarchischen Elemente bekämpft werden. Leider zu lange war das Streben nach Deutschlands Einheit und Größe mit dem Geiste einer kein Recht achtenden Revolu­tion idenlifizirl worden; eS galt jetzt dieses Streben mit der Achtung vor dem Recht, mit der Heiligkeit der Verträge, mit der Freiheit der Einzelnen zu vermitteln.

In dieser Ueberzeugung wandte sich Preußen vertrauensvoll an die übrigen deutschen Regierun­gen um ihre Mitwirkung. Seiner Einladung ent- sprachen Bayern, Sachsen und Hannover; auch Oesterreich erklärte sich bereit, an den Besprechungen Theil zu nehmen. Die übrigen deutschen Regie­rungen hingegen achteten sich durch die Stellung, welche sie zu der Nationalversammlung in Frank­furt und ihren Beschlüssen eingenommen hatten, ver­hindert, auf diese Verhandlungen einzugehen, wo­durch sich die ersteren nicht abhalten ließen, ihrer­seits eine Einigung zu suchen.

Noch ehe indessen die Konferenzen hierüber be­gannen , hatte die preußische Regierung ihre Ver­treter aus der Nationalversammlung in Frankfurt zurückberufen, weil diese in ihren Beschlüssen alles Maaß überschritt. Die bayerischen, sächsischen und hannoverischen Depulirten folgten bald nach. Da hierdurch die Nationalversammlung faktisch ihrer Auflösung entgegen geführt wurde, so mußte bei Entwerfung einer anderen Verfassung für Deutschland zugleich auch auf die Bildung eines neuen Reichs tageS Rücksicht genommen werden, damit demselben die in daS Leben zu rufende Verfassung zur Revi­sion und Annahme vorgelegt werden könne. Dies wurde die Aufgabe des nach Erfurt zu berufenden Reichstages.

Sehr bald machte eS der Ausbruch offenen Aufruhrs in einzelnen deutschen Staaten nothwen­dig , durch eine unmittelbare Vereinigung der Re­gierungen eine Gemeinschaft deS Handelns und ei­nen Mittelpunkt für energische Maßregeln herzu stellen. Neben dem ursprünglichen Hauptzwecke der

Konferenzen, die Verfassung zu berathen, hatten dieselben sogleich für ein Provisorium Sorge getra­gen, welches auf so lange, bis die Verfassung inS Leben treten würde, ein sicheres RechtSverhältniß auf der Grundlage voller Unabhängigkeit und Frei­heit zwischen den sich vereinigenden Staaten festsetze und eine Gemeinschaft unter ihnen begründe, welche einem Jeden die erforderlichen Garantiern gäbe.

In den nun beginnenden Konferenzen legte Hannover zunächst den Plan eines Direktoriums vor, welchem aber Preußen entschieden entgegen trat, weil derselbe weder der Stellung jenes StaateS, noch der Forderung der deutschen Nation entsprach. Der Hannoversche Entwurf wurde deßhalb verwor­fen und auf Vorschlag Preußens , die Frankfurter Reichsvcrfassung mit den von den verbündeten Re­gierungen beantragten Modifikationen zu Grunde gelegt. An Oesterreich , dessen besondere Stellung in Deutschland ein Anschlüßen an diesen engeren ! Bundesstaat unmöglich machte, wurde von Preußen der Vorschlag zu einer Union gemacht, welche die ganze österreichische Monarchie in eine enge und unauflösliche Verbindung mit dem deutschen Bun­desstaate setzen sollte. Zugleich e.klärte Preußen sich nach dem ihm von mehreren Regierungen auS- gedrückten Wunsche bereit, die provisorische Leitung der gemeinsamen deutschen Angelegenheiten zu über­nehmen, bis der engere Bundesstaat inS Leben tre­ten würde, und erwartete dazu die österreichische Zustimmung.

Am 17. Mai 1849 begannen die Unterhand, hingen, von welchen jedoch Oesterreich gleich nach der ersten Sitzung zurücklrat, indem der VerfassungS, Entwurf deS engeren BundeSstaatS Oesterreich nur unter der Voraussetzung der Annahme des UnionS- ProjektS berührte; worüber eS aber sich vorerst noch offen erklären wollte. Die Theilnahme der übrigen deutschen Regierungen an den Konferenzen war nicht ausgeschlossen; nur wurde die Erklärung einer wenigstens eventuellen Annahme der Konferenzbe« schlösse als Bedingung gestellt.

Am 26. Mai 1849 wurde durch daS Schluß, Protokoll sowohl der von den verbündeten Regie, rungen dem übrigen Deutschlande vorzulegende Ent, Wurf der Verfassung, als auch dies RechtSverhält, niß in Form deS Statuts eines Bündnisses zwischen den Regierungen von Preußen, Sachsen und Han­nover Dreikönigsbünvniß] festgestcllt , wäh. rend Bayern sich die letzte Entscheidung vorbehielt In diesem Statute wird der Artikel 11 der deutschen BuudeSakle vom 8. Juni 1815 zu Grunde gelegt, wonach daS Bündniß zum Zwecke hat: die Erhal­tung der äußeren und inneren Sicherheit Deutsch­lands und der Unabhängigkeit der einzelnen deutschen Staaten. (Schluß folgt.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 3. Dez. (Assisenverhandlung.) Die Angeklagten Jakob Faust, Friedrich und Lud­wig Dehwald sind von den Geschwornen schul­dig erkannt. Die Staatsanwaltschaft (durch StaatS- Prokurators Subst. Flach) beantragt für Jakob Faust eine achtjährige, für Friedrich Dehwald eine sechsjährige, für Ludwig Dehwald eine fünfjährige Zuchthausstrafe, der Vertheidiger Prokurator v. Eck eine Herabminderung dieser Ansätze. Der Gerichts­hof verurtheilt den Jakob Faust zu einer achtjäh­rigen Zuchthausstrafe, verschärft durch Beschränkung der Kost während der ersten 14 Tagen eines jeden halben JahrcS der ersten fünf Jahre und während der ersten 14 Tage der letzten drei Jahre der Straf- zeit, den Friedrich Dehwald zu einer sechsjähri­gen Zuchtsbausstrafc, verschärft durch Beschränkung der Kost während der ersten 14 Tage eines jeden halben Jahres der ersten fünf Jahre und während der ersten 14 Tage des letzten Jahres der Straf­zeit, beide zur Stellung unter Polizeiaufsicht wäh­rend der Dauer von zwei Jahren nach überstan­dener Strafe; den Ludwig Dehwald dagegen zu einer 3jährigen KorreklionShauSstrafe, sämmtliche Angeklagte zur Zahlung der Untersuchungskosten und solidarisch zur Entschädigung deS GoldarbeiterS Köllsch.

Die Verhandlung wurde um l0V, Uhr Abends geschloffen.