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Nassauische Allgemeine Zeitung.

jlü 285. Dienstag den 3. Dezember 1850»

Die Raff. Alla. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in G r o p so l t o - ,xorma t, mit Ausnahme deS Sonntags. - Der vterteliLbria- PrLnum-rattonSvr-i« ist in Wiesbaden für den Umfang des Herzogtimms Nassau, des GroßherzogthumS und «urfurstentbnm« 'Hessen , der Sandgrafschan Hessen-Homburg und der freien Stark grantnnt « fl., in den übrigen Ländern deâ fürstlich Thurn- und Tariâlchen Verwaltungsgebietes S fl. IO fr. Inserate werden sie vreispallige Pent,eile oder deren Naum in t / fr berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern -u machen

Uebersicht.

Rückblicke in die Geschickte der deutschen Union. Deutschland. Wi eSbaden (Bedeutung der Börse. Assisen).

Vom Taunus (Die Synode). Mainz (Wahl). Kassel (Der Prinz von Preußen). München (Das erste Armeekorps). Leipzig Manteuffel und Schwar­zenberg). Berlin (Die Adreßkommifston. Friedens- auSfichten. Die kurhessische Frage. Widerruf von Gerüch­ten. Interpellation Hapm betreffend. Die Konferenz in Olmütz. Kinkel. Der Adreßentwurf der zweiten Kammer). Kiel (DieIntervention. Unterhandlungen mit dem Bunde).

Wien (Graf v. Westphalen. Finanzgesetz. v. Schön- holS. Russtsche Truppen. Hayna». Fürst Schwarzenberg. Vermischtes).

Frankreich. Pari« (Das Polizeikommiffariat der gesetz­gebenden Versammlung. Der Antrag des neuen Verban- nungSgesetze« vertagt).

Großbritannien. London (Der Statthalter von Ceylon.

General von Radowitz. Erzeffc).

Türkei. Konstantinopel (Die Unruhen in Aleppo).

Neueste Nachrichten.

Sprechsaal für Stadt und Laud.

1 Rückblicke in die Geschichte der deutschen Union.

Wenn die Zeitereignisse sich drängen und über stürzen, wie in den letzten Jahren, lauft jeder, dem die Politik nicht zur ausschließlichen Beschäftigung dient, Gefahr, der Zusammenhang der sich aneinan­der anreihenden Begebenheilen zu verlieren, und so zu vergessen, wie die eine von der anderen eine Folge war. Es ist daher nothwendig, von Zeit zu Zeit, wenn gewisse Abschnitte derselben sich'von selbst bilden, Rückblicke in die nächst verflossene Ver­gangenheit zu thun; doppelt nothwendig aber er­scheint dieS, wenn es in den maßlosesten Verdrehun­gen der Verhältnisse und an Bemühungen, ge­schehenes ungeschehen machen zu wollen, nicht fehlt, wie dieS hinsichtlich der Union und des Bundes­tages bis zum Ueberdruß heut zu Tage geschieht. ES soll daher in den nachfolgenden Zeilen versucht werden, eine gedrängte übersichtliche Zusammenstel­lung der Ereignisse zu geben, auS welchen die Union hervorgegangen ist, um so den schamlosen Verdäch­tigungen großdeulscher Blätter, als sei dieselbe eine Anmaßung Preußens und ein Eingriff in die Selbstständigkeit der anderen deutschen Staaten ge­wesen, als entbehre sie aller und jeder Lebensfähig­keit, und sei nichts weiter, als ein Phantastegebilde, entgegen zu treten. Es dürfte um so viel mehr Veranlassung hierzu vorliegen, als wir an einem Zeitabschnitte angelangt sind, wo eS sich um die große Frage handelt, ob fortan nicht sowohl Ein­heit, sondern konstitutionelle Freiheit, oder ob Ab­solutismus in Deutschland bestehen soll, und ob Preußen, um erstere zu erhalten und auf alle Zeiten im deutschen Vaterlande zu befestigen, gethan hat, waS cS behufs feiner Stellung zu thun die große Aufgabe hatte.

Nachdem von der deutschen Nationalversamm­lung zu Frankfurt die deutsche Kaiserkrone Preußen angetragen worden war, wurden durch eine Zirku- larnote vom 3. April 1849 sämmtliche deutsche Re­gierungen von der preußischen eingeladen, sich über die durch die Beschlüsse der Nationalversammlung dem Könige von Preußen dargebotene Stellung, so wie über ihre Ansichten von der in Frankfurt ent­worfenen Verfassung auszusprechen, und an diesem Orte durch Bevollmächtigte in Berathung über die eventuell erforderlichen Modifikationen zu treten. Ueber diese Modifikationen hoffte die preußische Re- zierung alsdann mit der Frankfurter Nationalver- ämmlung zu einer Verständigung zu gelangen. Eine olche Verständigung wurde jedoch durch den Be- chluß der Nationalversammlung vom II. April: an der einmal aufgestellten Reichsverfassung un­abänderlich festzuhalten", zur Unmöglichkeit. Zu­dem waren 28 deutsche Staaten zusammengetreten und hatten in einer gemeinsamen Note vom 11. April 1849 die Erklärung abgegeben, daß sie die ReichS- verfassung, wie sie von der Nationalversammlung in Frankfurt beschlossen und verkündet worden war, anerkannten; sie hatten zugleich die Voraussetzung varangeknüpft, daß diese Verfassung für ganz Deutsch­

land Geltung erlange. Diese 28 deutsche Staâke erkann­ten also auch die an Preußen übertragene Kaiserwürbe an und zwar auf den Grund der Frankfurter Reichs­verfassung. Die übrigen Staaten hingegen hielten mit ihren Erklärungen zurück, gaben aber deutlich zu verstehen, daß sie sich den Beschlüssen der Na- tionalverfassung nicht fügen und einem Kaiser nicht unterordnen würden. Doch verkündete Preußen seine Entscheidung dahin, daß es die Kaiserkrone und die deutsche Reichsverfassung, wie beides aus den Be^ fchlüssen der Nationalversammlung hervorgegangen sei, nicht annehmen könne.

ES geht auS diesem Verfahren der preußischen Regierung zur Genüge hervor, wie sorgfältig sie es vermied, ohne Uebereinstimmung mit den übrigen deutschen Regierungen zu handeln, und wie ferne es lag, sich ein Recht anzueignen, welches diese ihr nicht förmlich übertragen hatten. ES lag in ihrer Hand sich mit einem Mal an die Spitze Deutschlands zu stel­len ; denn, nahm der König von Preußen die an- getragene Kaiserkrone an, ganz Deutschland Hütte bei dem damals allgemein für dieselbe herrschenden Enthusiasmus sich unter seinem Szepter vereinigt, ohne baß Die die Frankfurter Reichsverfassung nicht anerkennenden Regierungen bei ihrer gänzlichen HülfS- lofigkeit, welche sie nicht einmal in eigenem Lande des Aufruhrs ohne Preußens Hülfe Herr werden ließ, auch nur daS mindeste dagegen hätte einwenden können. Allein der günstigsten Umstände ungeachtet wollte Preußen ein ihm angetragenes Recht nicht antreten, ohne die Gewißheit Der Zustimmung aller hierbei Beiheiligten vorher erlangt zu haben.

Indessen verhehlte sich die preußische Regierung nicht, wie viel edle und wohlberechtigte Hoffnungen der deutschen Nation durch Die Ablehnung der Kai­serwürde und die Nichtanerkennung der ReichSver- saffung enttäuscht wurden. Diesen Hoffnungen auf anderem Wege wieder entgegen zu kommen, war daher Pflicht für sie, waS sie wohl erkannte. Denn, wenn auch nicht an Preußen die Schuld lag, daß eine Einigung unter den deutschen Staaten nicht zu Stande gekommen war, so durfte eS deßhalb doch nicht seine Aufgabe in dieser Schuldlosigkeit für be­schlossen erachten. Es war heilige Pflicht für eS, zu handeln, und nicht das deutsche Vaterland einer ungewissen Zukunft Preis zu geben. (Forts. folgt.)

Deutschland.

+ Wiesbaden, 29. Nov. ES ist eine sehr all­gemein verbreitete Annahme, daß eS keinen zuver­lässigeren politischen Thermometer gebe, als die Börse, weßhalb die feit einigen Wochen fast täglich kintretenden Veränderungen bei derselben nicht we­nig zur Beunruhigung ängstlicher Gemüther bei- { tragen. Wir möchten versuchen mit wenigen Wor­ten darzuthun, wie höchst unbegründet solche Beun­ruhigung ist, und wie wenig Der jeweilige Stand der StaatSpapicre geeignet ist, einen sicheren Blick in die politischen Verhältnisse thun zu lassen.

DaS Geld übt vor allem zweierlei Einfluß auf seine Besitzer auS; einmal macht eS dieselben furcht­sam und besorgt wegen eines möglicher Weise ein» tretenden Verlustes; sodann aber erregt eS die Lust nach Vermehrung desselben, so daß wir den Besitzen­den in der Regel mehr nach Erwerb trachten sehen, alS Der Besitzlosen.,

Auf diesen zwei Ursachen beruhet haupt­sächlich das Steigen und Fallen der Staats­papiere; wir sagen hauptsächlich, denn daß eS auch noch andere diese Wirkung äußernde Umstände ge­ben kann, ist nicht zn bestreiten. Kriegerische Aus­sichten erregen nun bei den Besitzern von Staats­papieren Furcht eines Verlustes, weil im Kriege der Staatskredit erschüttert wird und alle Staaten mehr oder weniger durch denselben der Gefahr aus­gesetzt werden können, ihre Verpflichtungen den Gläubigern gegenüber nicht erfüllen zu können; eS sucht deßhalb jeder sich der in seinem Besitze befind­lichen Papiere zu entäußern, um einen Verlust von sich abzuwcnden; hierdurch wird die allge­meine Furcht vor solchem noch vermehrt und ein Andrang von Verkäufern erzeugt, während eS an Käufern fehlt. Allein eS ist doch offenbar lächer­lich, darauf großes Gewicht legen zu wollen, daß Die ohnehin furchtsamen Geldleute befürchten, die Möglichkeit könne eintreten, wo sie an ihren

StaatSpapicrcn einem Verluste auSgefetzt würden. Ebenso lächerlich ist eS auf Der anderen Seite, da­raus, daß Dieselben jeden Augenblick zwar benutzen möchten, um sich einen Gewinn anzueignen, schlie­ßen zu wollen, daß der Frieden erhalten bleibe; denn ebenso, wie jede oft absichtlich erdichtete krie­gerische Nachricht, die Börsenspekulanten in Furcht unD Schrecken versetzt, erregt jedes auf Frieden nur im Entferntesten hindeutenbe politische Ercigniß daS Verlangen bei denselben, hiervon Gebrauch zu ma­chen und sich dadurch zu bereichern, daß sie den au­genblicklichen niedrigen KurS zu Einkäufen in der Hoffnung benutzen, mit Vortheil bei günstigen po­litischen Verhältnissen, demnächst wieder verkaufen zu können. Hierdurch entsteht dann sehr natürlich ein Steigen der StaatSpapicre.

Die letzten Wochen haben allcS dieS hinläng­lich bestätigt. Hätte die Börse nur einigermaßen richtig die kommenden Ereignisse angcvcutct, so müßte cS ganz anders stehen, als eS in Wirklichkeit steht, d. h. eS müßte über Krieg oder Frieden längst entschieden sein.

Im Allgemeinen hat daS Steigen und Sinken der StaatSpapicre für solche Besitzer, welche keine Spekulationen damit treiben, d. h. sie nicht mit Vortheil laufen oder verkaufen wollen, in so ferne feinen Werth, als der Besitz Der Papiere dadurch nicht sicherer und unsicherer wird, Der Ausbruch eines Krieges kann aber allerdings in dieser Be­ziehung viel ändern; doch ist nur in so ferne ein Verlust an StaatSpapieren durch denselben zu be­fürchten, alS es wahrscheinlich ist, daß der betreffende Staat dadurch banquerott wird, waS sich wohl von Oesterreich möchte mit Gewißheit annehmen lassen, hingegen bei den anderen deutschen Staaten weniger wahrscheinlich ist, wenn man ihre finanziellen Ver­hältnisse erwägt.

* Wiesbaden , 2. Dez. »(Assiscnverhandlung.) Jakob Faust, 30 Jahre alt, Taglöhner, Friedrich D chwald, 20 Jahr alt, Bäcker, und Ludwig Dehwald, Schreiner, säm «ich aus Wiesbaden, sind auf die Angabe des bereits vcrurtheilten OS- tvald KlaS angeklagt, in Gemeinschaft mit ihm in Der Nacht vom 18. auf den 19. Nov. v. I. einen Diebstahl an dem hiesigen Goldarbeiter Phil. Kölsch in der Kirchgasse verübt zu haben. Die Anregung zu diesem Diebstahl ging von Jokob Faust und Friedrick Dehwald aus, welche den Oswald KlaS am 17. Nov. zur Theilnahme an demselben mit dem Bemerken aufforderten, er möchte die gestohlenen Sachen in Mainz verkaufen.

Auch der sog. Alsfelder Georg (Heinrich Mel­chior Kniriem) wurde von den Genannten zur Theilnahme aufgefordert. Jakob Faust gab an, er kenne die ganze Gelegenheit, Werkzeuge hätten sie außer einer Klammer, die er besitze, zu Dem Ein­bruch nicht nöthig, Die Wand bestehe nur auS Back, steinen, er habe einen Backstein schon mit der Hand herausgehoben. Die Verübung des Diebstahls wurde auf den nächsten Tag verschoben, weil OSwald KlaS betrunken war. Sonntag Abend waren die Genannten in DebuSmannnS Wirthshaus. Um et­wa 11 Uhr gingen Jakob Faust und Friedrich Dehwald fort. Da sie etwas lange auSblieben, forderte der Alsfelder Georg den KlaS auf mit ihm an den Laden des GolvarbeiterS Köllsch zu gehen, weil die Anderen eS sonst allein fertig mach­ten. KlaS hatte früher ein Stück Talglicht und einige Schwefelspäne vom Faust erhalten. Sie trafen Faust uno Fr. Dehwald auf der Hoch- stälie. Am Laben deS Köllsch angekommen stellten sich Fr. D ehwalb und der Alsfelder Georg vornen an Die Mahr'sche Thorfahrt, um aufzupaffen. Faust dagegen begann mit einer eisernen Klammer Steine aus dec Wand zu brechen, wobei ihm KlaS half. Da eS Lärm bei den Ausbrechen gab, wurde Fr. Dehwald unwillig und schickte den F a u st u. K l a« hinweg, um daS Loch in der Wand vollends auS zubrechen. Unterdessen kam auch Ludwig D eh w a l d Faust sagte: Da kommt der Lbub auch noch und hat sogar weiße Hosen an. Ludwig Deh­wald brachte einen Tischlermeisel mit. Damit Die weißen Hosen nicht gesehen werden, mußte er eine blaue Schürze, die er bei sich hatte, umbinden unS dann an .de» Thüre des Nachbarhauses verborgen Acht geben, ob Niemand auS dem Hause Isaak Bär herabschen. AlS das Loch in der Wand fer»