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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 284.

Sonntag den i. Dezember

1850.

Die Naff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in Gropfollv-Format, mit Ausnahme des Sonntais n Wiesbaden für den Umfang des Her^agthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfârsteutbumS Hessen, der Lundgrafschun -> h,^ ., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen VerwultungSgebieteS 4 fl. II» fr. Inferate werden sie dreiwalti

ist in - .

g fl., in den übrigen Ländern des fürstlich ,

berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellender g'schen Hof-Buchhandlung

. Der vierteljährige PränumecationSPreiS

------o.-,- - Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Zinsrate werden die dreiivaltige Pettt, eile oder deren Raum mit 2 fr. , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu mache».

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Gesetz über Steuererhebung. Bekanntmachung der

Nachwahl. Dienstnachrichten.

N ich t aintl i ch e r Theil.

Suprematie und Parität.

Deutschland. Wiesbaden (Assiscn). Eltville (Steuerrevision). Vom Westerwald (Landesindustrie).

Selters (Dr. Heldmann t). Frankfurt (Fried­liche Aussichten aus Wien). Mannheim (Die abge- gehenden Preuße»), Kassel (Gerüchte über Abmarsch der Preußen. Geheimer Ausschuß). München (Erz­herzog Albrecht. Prinz Luitpold. Aufstellung des Heeres).

Dresden (Erklärungen des Ministers Beust). Königstein (Kostbarkeiten). Berlin (Sitzung der zweiten Kammer. Vorlagen. Braunschweig und Hamburg. Kleist-Reetzow. Schreiben des Hrn. v. Manteuffel. Hahm). Kiel (Botschaft der Landesversammlung). Wien (Er­klärung des Grafen Bernstorff. Das Finanzedikt Verthei- digungSanstalten in Olmütz. Die Abreise des Kaisers zum Heere vorbereitet).

Dänemark. Kopenhagen (Hamburgs Stellung. Die Erklärung der Lauenburger Landesversammlung).

Frankreich. Paris (Verlegung der Regierung. Ver­mischtes).

Türkei. Konstantinopel (Die Unruhm in Aleppo).

Amerika. (Bruch zwischen Brasilien und der argentinischen Republik).

Neueste Nachrichten.

Amtlicher Theil.

Gesetz.

(Die Erhebung von einem und einem halben Simplum direkter Steuern für daS Jahr 1850 betreffend.)

Zur Bestreitung deS StaatSaufwandeS des laufenden Jahres haben Wir mit Zustimmung der Stândeversammlung die weitere Erhebung von einem und einem halben Simplum direkter Steuern ein- treten zu lassen beschlossen, und verordnen demnach wie folgt:

8. 1. Ein Simplum Grund-, Gebäude- und Ge, werbsteuer soll am 9. Dezember 1850 und ein halbes Simplum Grund-, Gebäude- und Gewerbsteuer am 28. Dezember 1850 erhoben werden. §. 2. Die Rezepturbeamten haben die Erhebung nach der von Unserm Staatsministerium, Abtheilung der Finanzen, ergehenden Instruktion den bestehenden Vorschriften gemäß zu besorgen. §. 3, Gegenwärtiger Beschluß soll durch das Verordnungsblatt öffentlich bekannt gemacht werden.

So gegeben Biebrich, den 29. Nov. 1850.

(L. S.) Adolph

Wintzingerode. Ler. Hadeln.

Bekanntmachung.

(Die Wahl eines Abgeordneten zur Ständeversammlung im sechsten Wahlbezirke betreffend.)

Unter Beziehung auf die Ministerialbekannt­machung vom 22. v. M. (Verordnungsblatt No. 18 vom 26. v. M.) wird hiermit zur öffentlichen Kennt­niß gebracht, daß in der am 18. d. M. im sechsten Wahlbezirke stattgefundenen Wahl-Versammlung Gustav Dünkelberg von Diez mit absoluter Stim­menmehrheit als Abgeordneter zur Sländeversamm, deS HerzogthumS für die dermalige Wahlperiode erwählt worben ist.

Wiesbaden, den 26. November 1850. Herzoglich Nassauisches StaatSministerium.

Wintzingerode.

vdt. Grimm.

Dienftnachrichten.

Seine Hoheit der Herzog habenden Hauptmann Rubach vom dritten Bataillon zum Major und Chef dieses Bataillons, den Oberlieu­tenant Eduard Stahl zum Hauptmann im zweiten Bataillon, die Unterlieutenants der Artillerie : von Hadeln und von Einsiedel zu Oberlieutenants zu ernennen und den Major Gödecke vom fünften Bataillon in den Pensionsstand zu versetzen gerüht.

Seine Hoheit der Herzog haben den Bibliothekar GeheimenregierungSralh Koch in den

Ruhestand zu versetzen, dem. Regierungsrath See- bode die Verwaltung der LandeSbiblioihek, und daS hiernach erledigte Referat in Schulsachen in der Ministerialablheilung des Innern dem Professor Schmitt von Hadamar nebst dem Vorsitz im Schulkollegium zu übertragen geritzt.

Der Reallehrer Müller zu Höchst ist auS dem Schuldienste entlassen worden. Der Schul­vikar Simon von Heltenhain ist zum Lehrer in Marienberg ernannt und dem provisorischen Lehrer Becker zu St. Goarshausen die dasige Schulstelle definitiv übertragen worden. Den provisorischen Schulvikaren: Weber zu Waigandshain, Herr­mann zu Lochum und Wollstadt zu Frisdrichs- thal, sowie den provisorischen Lehrergehülfen: Ni­colai zu Lindenholzhausen und Fischer zu Win­den sind ihe bisherigen Stellen definitiv übertragen worden, Dem Schulkandidaten Menkvon Berz­hahn ist die Sulvikarstelle in Seilhofen, dem Schul- kandidalen Althen von Reichelsheim die Schul- vikarstelle in Wengenroth, dem Schulkanbivaten Hehn er von Nastätten die Schulvikarstelle in Win­nen , dem Schulkandidaten Kilian von Becheln die Schulvikarstclle in Hettenhain, dem Schulkandi­daten Röhrig von Niedertiefenbach die neu er­richtete Lehrergehülsenstelle zu Seck und dem Schul­kandidaten Kopp von Kahldach die neu errichtete Lehrergehülsenstelle zu Waldernbach, allen in provi­sorischer Eigenschaft, übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Suprematie und Parität.

(Schluß.)

Selbst die entschiedensten Verehrer Oesterreichs und die gläubigsten Lobredner dcö alten heil. rö­mischen Reiches deutscher Nation, können, wenn und so weit sie die deutsche Geschichte verstehen, deö Zugeständnisses sich nicht erwehren, daß ein Dua- liSmuS der Kultur in Deutschland unabänderlich und unvertilgbar sich entwickelt hat, daß neben den kleineren und halbwüchsigen Staaten ein zweiter Großstaat entstanden ist, aus eigener Machtvoll- kommenheit und trotz allseitiger aber ohnmächtiger Widersprüche, also ganz providewiell, d. h. recht eigentlich von GotteS Gnaden. Dieser zweite Groß- staat stehet aber mit seiner ganzen Bevölkerung in Deutschland und sein vollstes Wohl und Wehe ist mit dem Ganzen eng verknüpft, während der alte erste Großstaat nur einen geringen Theil seiner 1 Provinzen darinnen hat, den eigentlichen Schwer­punkt seiner Eristenz und seiner Thätigkeit in au» ßerdeulschen Theilen seines Länberkompleres aner­kannt suchen muß.

Man sagt, daß Friedrich Wilhelm III. bei der Errichtung deS deutschen Bundes auS Pietät und Kourtoisie das Präsidium allein an Oesterreich über­lassen habe; Beweis genug, daß dieser Gegenstand schon früh zur Erwägung kam. Man sagt ferner, daß der genannte König seinem Nachfolger auf dem Sterbebette die dauernde Verbindung mit Oester­reich an'S Herz gelegt habe. Wie sollte er auch nicht, in der vollen Erinnerung deS Erduldeten und deS Erlebten, für sein Land und Deutschland diese Verbindung als einzigen und mächtigsten Stütz­punkt deS Friedens und deS Gedeihens betrachtet haben? Kundige wissen aber, daß vielfach noch während der Lebenszeit deS Genannten im Schooße der BundeSversa unlung Verhandlungen für Deutsch­lands Wohl gepflogen wurden, deren endlicher Aus­gang durch das österreichische Präsidium paralystrt wurde. Wir erinnern uur an den einen letzten Be­richt der preußischen Bundesgesandtschaft auS dem Herbste 1847 , -welchen die Deutsche Zeitung in vollem Wortlaute brachte, um daS Gesagte hin- hinreichend zu belegen. Auch sollen schon damals, d. h. eben im Herbste 1847, also am Vorabende der Revolution, und nicht ohne Rücksicht auf diese bevor­stehenden Bewegungen, welche man fühlte, ähnliche freie Konferenzen zwischen Oesterreich und Preußen über Modifikationen deS Bundestages im Werke gewesen sein, und zwar eben soll man Dresden als Ort dafür schon bestimmt gehabt haben.

Unsere Blätter haben in ganz gleicher Ueber­zeugung, während der Jahre 1848 und 1849 nie feindselige Artikel gegen Oesterreich gebracht, wozu Anlaß genug vorlag. Aber wir haben auch nie anerkennen können, daß eine gewaltsame Ausschlie­ßung Oesterreichs durch den neuen deutschen Bun­desstaat beabsichtiget worden sei. Oesterreich hatte seine deutschen Provinzen durch die neue Zentral, Monarchie auS eigenem Entschlusse von Deutsch­land zurückgezogen. Oesterreich hatte sich also da- durch gleichsam selbst vom Bunde ausgeschlossen; cS war faktisch und freiwillig davon auSgeschicvcn und zurückgetreten; cS hatte sich auf sich selbst zu­rückgezogen und wollte nur als österreichische Zen- iralmonarchic seinen Platz als europäische Groß, macht einnehmen und auSfüllen.

Bei dieser Stellung mußte die Idee eines enge, ren und weiteren Bundes, wozu Oesterreich selbst den thatsächlichen Anlaß gegeben, wie sie schon oft früher Manchem vorgeschwebt hatte, nun zur Ver­wirklichung kommen, und Herr v. Gagern und Herr v. Radowitz begegneten sich dabei in ihren verschiedenen Modifikationen. Oesterreich schwieg damals zu diesen theoretischen Unterhandlungen; später aber geschah daS Ungeheuere, daß derjenige deutsche Gropstaat, welcher von dem anderen nur auS Pietät und Courtoiste den Vorsitz erhalten hatte, welcher als BundeSglied gleichsam freiwillig auSgeschieden war und dadurch alle Pflichten und Rechte und Interessen für Deutschland aufgegeben und ausgekündigt hatte, demnach daS alte Präsidial- Recht plötzlich wieder nicht blos beansprucht, son­dern mit stillschweigender Abläugnung aller Ereig­nisse der Jahre 1848 und 1849, ohne Weiteres die alte Bundesversammlung zusammenrief und die säumigen Glieder mit RechtSverwelgerung und Ere, kution bedrohete.

Oesterreich fühlte wohl, daß eS zu rasch, nicht deutsch und zu seinem eigenen Nachtheile gehandelt hatte, daß V.e Ausführung einer österreichischen Zentral - Monarchie nur in, mit und unter dem deutschen Geiste" möglich war, daßösterreichisch" kein spezifischer Begriff sein und werden konnte. Unsere Blätter haben diese Gegenstände vielseitig auS der Geschichte und Literatur-Politik zu erläu­tern versucht; aber immer kommen wir zu der Ueber­zeugung, daß Oesterreich von Deutschland nicht las­sen könne, dürfe und werde. Wir hielten allenfalls die österreichische Diplomati, in den Zeiten der all­seitigen Erhebung Deutschlands, deS großartigen Gedankens fähig,die durch alle Verhältnisse gebotene Mission für die Ziviltsirung deS Südens rein auf« zufassen, die alte Verbindung mit Deutschland in einer Weise freiwillig zn modisiuren, wie sie der gegenseitigen Entwickelung inneren Gedeihens und äußerer Macht-Stellung in der Neuzeit einzig ange­messen erscheinen mußte. Wir haben uns zwar darin nicht getäuscht, daß Oesterreich fühlte, eS müsse ohne daS Ferment des deutschen Geistes zerstörenden Ele­menten verfallen; aber darin, daß cS in Deutsch, land, statt etwa höchstens nur Paritiät anzusprechen, welche selbst noch proplematisch genannt werden kann, die alte volle Suprematie aufS Neue begehrte und dadurch neue Verwirrung erzeugte.

Später ist sogar der fast abenteuerliche Gedanke von Oesterreich vorgebracht worden, mit allen seinen undeutschen Provinzen in den deutschen Bund zu treten, ein Gedanke, welcher den deutschen Bund als solchen vollkommen aufhebt und dadurch die Ver­träge Europas von 1815 alterirt, während der di­plomatische Kampf um Suprematie und Parität um Theilung und Wechsel des Präsidiums beim Bundestage, eine rein innere Frage für Deutsch­land bleibt.

Bei der drohenden Krisis können alle Vater, landSfreunde nur einen Wunsch haben: daß Oester­reich und Preußen einig sein mögen zum Heile Deutschlands.

Deutschland.

* Wiesbaden, 30. Novbr. (Assisenverhand- lung gegen Johann Ungeheuer und Genossen.) Förster Bock sah am 7. April 1848 den Pdter Biron II. von Schloßborn bei Tagesanbruch auS dem Domänenwalve Dickhaag mit einer Flinte und einem geschossenem Reh herauskommen, nachdem er zuvor im Walde einen Schuß hatte fallen hören.