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Naht spricht nochmals gegen die Regierungs- ansicht. Er fragt: waS ist Slaasvermögen ? Die Beutel der Bürger sind kein Staatsvermögen; der Bürger ist StaatSkraft, sein Vermögen ist aber fein StaatSvermögen. Bei der Verhandlung über die Zivilliste hat die Regierung ausdrücklich gesagt, daß die Domäne einen Verlust erleben werde. Gegen von Ecks Ansicht wegen der Zivilliste, bemerke er, daß eine Verminderung deS DomânenvermögenS auch eine Verminderung der Zivilliste herbeiführen werde: die Prozesse wegen den Hofpensionen kön­nen auch kein Mittel abgeben, die Sache auf Kosten deS Landes herzustellen. Der §. 20 kann nicht allein für Private gelten; dafür, daß daS Domänenver- mögen ohne Verlust bleiben solle, und das Privat- vermögen nicht, dafür habe 'er kein Wort. Er be­dauert die Herren, die gezwungen sind einen solchen Satz aufjustellen. Man fordere jetzt, waS man schon rechtlich aufgegeben hat.

RegrepungS-Kommiffär T i pp e l! ES werden der Regierung Erklärungen unterlegt, die von an­deren Personen herrühren; handelt sich nicht darum, einen unsicheren Besitz, wie unter Anderm der Abg. Leisler bemerkt hat, guten Kaufs los zu werden, sondern um dem Ackerbau aufzuhelfen. Diesen zu befördern ist Pflicht deS Landes, nicht der Domänen oder der Privaten. Der DomänensiSkuS fordert nicht mehr, als waS Korporationen fordern, er hat eS sogar schon erhallen. Die Subvention der Pflichtigen ist nicht Sache der Domänen son­dern des Landes. Die Regierung wird darauf zu­rückkommen.

Snell. Es ist nachgewiesen, daß man damals anderen Sinnes war, als jetzt. Daß man uns eine Rechtsverletzung vorwirft, ist unbegreiflich. Der Rea.-Kom. hat die Sache ganz unschuldig varstellen wollen fließt in die Domäne und es fließt auS der Domäne; aber man sieht, daß die Domäne vergrößert werden soll, um die Ziviliste zu vergrö­ßern. Gegen gesetzliche Vermehrung ist nichts zu sagen, wohl aber gegen ungesetzliche. Man wagt jetzt, wo der Bundestag Leib und Leben erhält, her- vorzutreten, Dem Lande die Domänen zu entreißen und abermals daS ganze Domänenvermögen als Zivilliste anzusehen.

Lang beweiset auS früheren Regierungö-Er- klärungen, daß die Regierung anders und nament­lich bei dem ZehentablößungS-Gesetz nicht an einen Unterschied der beiden Kassen gevacht.

FrcseninS. Nach den schweren Beschul­digungen gegen Die Regierung beantrage ich den Druck der Verhandlung.

, (Dieser Antrag wird gegen 4 Stimmen abge« ^ehnt.)

Der Kommissionsantrag: daS Budget der Re­gierung zurückzugeben und die Zinsen in der Ein­nahme und Ausgabe zu streichen, wird hierauf mit 29 gegen 3 Stimmen (Zollmann, Großmann und Bertrgin) angenommen. Keim und Fresenius ent­halten sich der Abstimmung.

Born beantragt den Strich deS Kassenschwan- deS. Der Antrag wird zur Berichterstattung ver­wiese». In den PrkoritätSausschuß werden gewählt: Großmann, Hehner und Lang.

*s WieLbaden , 23. November. In der Freien Zeitung Num. 275 hat ein Berichterstatter mit £ unseren in Num. 273 der Nass. Allg.Ztg. gegebenen Bericht über die Kammerverhaudlungeu in einer Art zu mißhandeln gesucht, wie man sie von einem Mann im Monde nicht besser erwarten kann. Wir würden darüber kein Wort verloren haben, um die gegebenen Witzeleien über einen oder zwei Druck­fehler zu widerlegen, die in unseren Bericht unter» gelaufen waren. Da aber der Herr Abgeordnete K. Braun mit einer sogenannten Berichtigung in diesen Blättern Num. 276 vom 22. Nov. unS an­greift, so halten wir es für angemessen hierauf zu antworten. Sowohl der Herr Abgeordnete Braun wie der Berichterstatter mit dem halben Monde, wird unS nicht zumuthen, daß wir Druckfehler verantworten sollen. In .Dem gerügten Artikel in Num. 273 der Nass. Allg. Ztg. steht nämlich daS Wort: Grundrechte statt: Gemeinbekassen und hinterBürger nicht" ist ausgelassen: berücksichti­gen. Es soll heißen:daß die G e in e i n d e k assen der Regierung zur Verfügung gestellt werden". Und weiter:man will die Lehrer pensioniren und den Bürger nicht berücksichtigen".Auf die­sen Druckfehler hat Herr Braun und der Herr im letzten MondSvierlU sich in der Beschwerde gestützt. Die Hauptsache aber, daß Herr Braun gesagt, er werde gegen das Gesetz stimmen, und doch dafür gestimmt hat, diese Hauptsache wird übergangen. Wir stützen unS auch auf daS stenographische Pro­tokoll, und wiederholen: Herr Braun hat zwei Mal gesagt, er werde gegen das Gesetz stimmen und hat hernach dafür gestimmt.

, * Wiesbaden, 26. Nov. Zu den 13 bereits veröffentlichten Nssisenfällen kommen noch weitere nachfolgende zur Verhandlung:

14) den 9. Dezember, gegen Franz Benedikt v. Z u« den von Wiesbaden, wegen Verleitung zur Unzucht;

15) den 10. Dezember gegen den gewesenen Lehrer August Ludwig Hermann von Becheln, we­gen Mords;

16) den 12. Dezbr. gegen Peter Hammer von Reifenberg, wegen ausgezeichneten Diebstahls;

17) den 14. Dezbr. gegen den quieSzirten Rezeptur- beamten Rudolph Brau bach von Cronberg, wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder;

18) den 16. Dezbr. gegen Margaretha Schäfer von Gemmerich, wegen MeineibS;

19) den 17. Dezbr. gegen Carl Altenkirch von Diedenbergen, wegen Schriftfälschung und Be­trugs ;

20) den 18. Dezbr. gegen Bernhard März von Zeilsheim, wegen ausgezeichneten Diebstahls.

* Wiesbaden, 26. November. Heute trifft daS dritte Bataillon deS 27. preuß. Infanterie-Regim. hier ein; ebenso eine königl. preuß. Feldpost.

ff-ff° Eltville, 24. Novbr. Dieser Tage wur­den dahier von Dem Gemeinderath die Kandidaten Der Schwurgerichte für daS Jahr 1851 gewählt. Ihre Namen sind folgende: AmtSapotheker Simon, Gutsbesitzer Adolph Herber, Verwalter Blüm­lein, Kaufmann Jakob Müller und Gastwirth Franz Mohr.

Es gereicht dem Gemeinderath zur Ehre, Män­ner wie Die Obengenannten zu diesem Berufe ge­wählt zu haben. Sie Alle sind von konstitutionellem Geiste beseelt, von biederem Charakter und werden ihr Amt mit Gewissenhaftigkeit erfüllen, sofern solche zu wirklichen Geschwornen gewählt wer­den sollten.

^Limburg, 22. Nov. gibt im Nassauischen wohl keinen rührigeren Gewerbeverein als den Hie­sigen. Was auch sonst in geistiger Hinsicht über die Stadt hingegangen sein mag, der strebsame Ge­werbsfleiß, durch welchen sie in früheren Jahrhun­derten weithin glänzte, und durch welchen sie sich zu großem Wohlstände erhob, ist nie ganz erstorben und treibt jetzt aufs Neue frische Sprossen. Großen Antheil hieran hat allerdings die unermüdliche Thä­tigkeit des gegenwärtigen Vorstandes deS Handwer­kervereins. Die Versammlungen dieses Vereins berathen fleißig die Abfassung einer Gewerbeord­nung, die Errichtung einer Kranken - und Sterbe­kasse und andere, die Hebung des Handwerkerstan­des fördernde Einrichtungen.

Die Gewerbehalle hat zu den glänzendsten Re­sultaten geführt. Tüchtige Meister sind durch die­selbe in weiteren Kreisen bekannt geworden und haben in einzelnen Branchen nun so viel zu thun, daß sie nicht einmal die Gewerbehalle nach dem Wunsch Der Verwaltung derselben beschicken können. Lim­burg, im Knotenpunkt vieler Chausseen gelegen, hat allerdings vor allen übrigen Provinzialstädten deS Landes einen großen Vorsprung. Dazu kommt, daß der Erzherzog Stephan in Schaumburg sein Schloß erweitern und zum Theil neu mobliren läßt. Da er seine Möbel nicht aus Paris oder auS an­derweitiger fern gelegener Fremde kommen läßt, son­dern in unserer Gewerbehalle und bei den Meistern, welche sich in denselben hervorgethan haben, kauft, so ist auch hierdurch eine wohlthätige Bewegung in manches Gewerbe gekommen. Eine Verloosung soll nun die nicht verkauften Erzeugnisse der Halle, welche ihrer Natur nach weniger starken Absatz j finden können, ebenfalls verwerthen. Wir wünschten einer jeden Nassauischen Landstadt eine gleiche wohl­thätige Anstalt. Durch Eifer und gemeinnütziges Wirken ließe sich wohl überall etwas AehnlicheS entrichten. Aber die li bt Trägheit, Stumpfheit rc.!

K-je Hachenburg, 23. Novbr. Heute ist den hiesigen Einwohnern durch die Schelle bekannt ge­macht worden, daß am 25., 26. und 27. d. Mts. preußisches Militär auf feinem Marsche hier über­nachten wird, und zwar sollen an jedem Der drei bezeichneten Tage ein Bataillon deS 28. Landwehr- regimenIS hier einquartiert werden. Je 400 Mann werden hier in der Stadt, die übrigen auf den be­nachbarten Dörfern untergebracht werden. Wir sind überzeugt, daß diese hier seltenen Gäste von der hie- ? sigen Bevölkerung mit Freuden werden bewirthet werden. Jedenfalls gibt cs für unsere Stadt einige lebhafte Tage, namentlich wird dies am ersten der Fall fein, wo hier Der sehr bedeutende Katharinen­markt abgchalten wird. DaS Regiment wird seinen Marsch auf der Leipziger Straße über Herborn nach dem Kreise Wetzlar fortsetzen. Hierbei bemerken wir noch, daß Die im vorigen Winter vom Wasser fortgerissene Arfelder Brücke, von welcher in Diesen Blättern mehrmals die Rede war, seit mehreren Wochen in der alten Weise wiederhergestellt ist.

* Vom Westerwald, 21. Nov. Der Wunsch der Stadt Dillenburg, wieder eine Forstschule in ihren Mauern zu besitzen, erscheint als ein sehr ge­rechtfertigter, im Interesse deS ganzen Landes. Ob wir wieder ein forstwissenschaftliches Institut für höhere Forstbeamte' errichten sollen, ein Institut, welches den ganzen Bildungsgang derselben umfaßt, wollen wir dahingestellt sein lassen. Aber eine Ntt- staU zur Abhaltung eines praktischen Kursus etwa

möchten wir-mpfthlen, eine Anstalt, Welche,^,,, in einem besonderen Kursus eine niedere Forstw> für weniger vorgebildete jungt Leute darstell,e sich dem Försterdienst widmen wollen. Mil T hat daS nassauische Polk in neuerer Zeit seinen Blick auf se ne reichen Waldungen gerich,? In Den Gemeinden erwacht allmählig die èinfi*' daß ihre Wälder in ein lebendigeres und »etnun' tigereS Verhältniß zu ihrer gesummten Gemarkung kultur und zu ihrem GemeinbchauShalt geseßt den können als bisher aus Mangel an Sinn Fortschritt und gemeinnütziges Handeln geschehen s Die höheren Forstbeamlcn werden hiervon ein singen können. Sie standen aber den einzelnen meinden zu fern, um nachhaltig auf die Beschs derselben einwirken zu können. Fänden sie nur in der Mehrzahl der Gemeinden kräftige, empfänglich, Förster, so könnten sie durch diese forstwirthschâ liche Kenntnisse, die oft so innig mit der Landwind, schaft verschwistert sind, verbreiten und die Gemein, den zu Verbesserungen geneigt machen lassen. L gleich würde eine gediegenere Bildung der Föch, der Forstwirthschaft selbst unendlich nützen, Da btt höhere Forstbeamte seine Augen nicht überall hab kann. Eine höhere geistige Bildung würde au* eine höhere sittliche Haltung herbeiführen. Diller, bürg wird sich um Nassau wohl verdient mache« wenn eS zu seinem eigenen Vortheil diese Angeli! genheit eifrig betreibt.

Frankfurt, 24. Nov. Es wird unS soeben au« einer glaubwürdigen Quelle mitgetheilt, daß du Gesandte für Luxemburg und Limburg bei Der so, genannten Bundesversammlung in Frankfurt »ci seiner Regierung mit dem Bemerken abberufen sei, daß sie sich vorerst von jeder weitern Betheiligu«; bei Diesem Bundestag zurückziehe. Grund zu rUset Abberufung habe daS Vorschreiten der sog. Bim desversammlung in Kurheffen gegeben, worin um einen Versuch zur Beseitigung Der Verfassung jene« Landes erblicke. Die Bedeutung dieser Abberufuuz liegt darin, laß die Versammlung dadurch beschlch unfähig wird. (Nach einer neueren Mittheilum desselben Blattes ist die Abberufung zwar noch nich> eingetroffen, aber alle Tage zu erwarten).

Fulda, 23. Rov. Der Mangel an Fourazi in unserer Gegend ist so groß, daß Heu der Zentmi bis zu 3% Rchlr. bezahlt wurde und nicht mehlj« bekommen ist. Alle Preise der Lebensmittel steigen unverhältnißmäßig.

Kassel, 24. Nov. (Fr. I.) Ich kann Ihnen dit festverbürgte Nachricht mittheilen, daß zu M helmSbad große Angst, Verwirrung und Verlegen­heit herrscht. Der Kurfürst hat nicht im Entfern­testen die gegenwärtige Verwicklung und Entwich lung Der geschehenen Schritte geahnt. Zwischen dem Kurfürsten und Hassenpflug ist eine Spannunz vorhanden; nur ist in diesem Augenblicke Haffeiv 1 Pflug nicht zu entbehren. Der Geldmangel ist außen ordentlich ; die Steuern können in den Haupitheilei des Landes nicht erhoben werden; die Erekutiont' armee verlangt aber Geld, nichts als Geld, wch rend der Kurfürst bisher stets geglaubt hatte, 8 bis 12,000 Mann würdeu ihre Exekution in we­nigen Tagen vollziehen können. Die Provinz kann sicherem Vernehmen nach die dort beftnDlity Armee nicht ernähren; die kurfürstliche Regieruq muß nun Magazine zu außerordentlichen Preis!« anlegen und hat keine Mittel. Alles dieses km nicht lange währen. Man sieht in WilhelmSbâ daß der Karren , wie man sagt, in den Su«i geschoben ist, aber Niemand sieht, wie heraus j kommen.

Kassel, 23. Nov. Mit dem heutigen Abe»b zuge kam wieder eine Abtheilung Reservetruppen 6«. DaS Obergericht in Fulda soll Die Stempel not nicht verwendet, sondern die Verfügung Rechberg'i wegen Der Stempelcrhebuug einfach Den Unters richten milgetheilt haben.

In Hanau haben sämmtliche Mitglieder tti ObergerichtS sich sehr standhaft benommen, mit Aus­nahme deS Obergerichtsassessors Etienne, der W schon bei Der Abstimmung über die Stempelerhebuiiß Der Stimme enthalten haben soll. Ueber daS B» tragen der Erekutionsmannschaften bei denMitgl"' Dern der Obergerichte laufen die bittersten Klag'" ein. Trotzdem, daß eine Kost verlangt wird, tveldje Die meisten Bürger nicht haben können, so hat mar einem wackeren ObergerichlSralh, der sich bei ein«» Offizier beschwert, daß die Mannschaft noch mehr verlange erwidert, eS sei Erekution, die könne solche Forderungen stellen.

Einem ziemlich verbürgten Gerüchte zufolge würde Hr. Haffeiipflug auS der sogenannten Bun­desversammlung zurückgezogen und durch den fr' Heren kurhessischen Minister v. Trott ersetzt werden- Es ist übrigens, Da Hr. Hassenpflug im Rathe des Kurfürsten verbleibt, jener Personenwechsel in keiner Weise einer Aenderung deS bisherigen System- gleich zu achten; vielmehr versichert man uns am glaubwürdigem Munde, daß die gewaltsame Proee Vur in Kurhessesi, so weit eS die Umstände erlan- ben, ihren ungestörten Fortgang nehmen soll.