noch kein bestimmter Beschluß gefaßt worden ist. Unterdessen laufen die Erklärungen der mit Prußen verbündeten Staaten zu Gunsten Union und der Verfassung vom 28. Mâr, unbeirrt und unbekümmert ein, und zeigen die Zahlg- keit mit welcher die kleiner» Staaten an Preußen sekbalten Mit der großen Spannung harrt man der nächsten Sitzung des Fürstenkollegiums entgegen, da bis jetzt hier auch die sonst eingeweihten nicht wissen, was geschehen wird. Oesterreichs Forderung ,um völligen Aufgeben der Union wird immer drängender. — Die Deutsche Ztg. bestätigt diese Nachricht sowie die gestern von und gebrachte, daß Herr v. Manteuffel definitiv -z um Mini- st er deS Auswärtigen ernannt ist. Man hörte in den letzten Tagen, er trage Bedenken, dieses Portefeuille anzunehmen, weil er den Geschäf, ten, zu denen eS verpflichte, nicht gewachsen sei. Sonst will man wissen, daß die preußische Regierung auf dem Punkte stehe, mit dem Wiener Kabinet sich zu verständigen. Oesterreich soll auf die freien Konferenzen cingcgangcn sein und Preußen zugegeben haben, daß sie in Wien stattfinden. Doch ist dieß keine Nachricht, die verbürgt werden kann.
Die D. Ref. enthält einen Leitartikel der vielleicht als daS Programm deS neuen Ministers deS Auswärtigen zu betrachten ist. Er leidet an derselben Zweideutigkeit, wie alle früheren dieser Art. Die Hauptpunkte der jetzigen Politik würden hiernach sein: Die Gleichberechtigung Preu
ßen S mi t O e st err ei ch u. die freie Un i ir u n g. Lon Kurhesscn und Schleswig-Holstein ist nicht die Rede.
Bei Hrn. v. Radowitz haben mehrere Wahlbezirke angefragt, ob er eine Wahl in die zweite Kammer annehmen würde. Er hat verneinend geantwortet. Die Thatsache dieser Anfragen beweist aber, daß er sich durch sein jüngstes Verhalten entschieden populärer gemacht hat. Von den Provinzen treffen fortwährend Nachrichten ein über den frohen Aufschwung, den der Mobilmachungsbefehl zur Folge hatte.
Der Kriegsminister hat durch ein Rundschreiben an diejenigen Kammermitglieder, welche zugleich militärpflichtig sind, den Wunsch ausgesprochen, dieselben möchten sich bei dieser Kollision von Pflichten nicht für den Eintritt in die Armee, sondern für daS Einnehmen ihres Kammersitzes entscheiden, da in diesem kritischen Augenblick die Abwesenheit von 50 Abgeordneten für daS Land ein bei weitem größerer Verlust sei, alS die von 50 Soldaten.
Altona, 11. November. (N. fr. Pr.) Bei dem letzten heftigen Sturme soll auch daS schleswig-holsteinische Kanonenboot Nr. 8, daS von Büsum sich in die Elbe zu retten suchte, beim Einlaufen in dieselbe mit seiner ganzen Mannschaft verunglückt sein. Man hofft noch, daß diese UnglückS- nachricht sich nicht bestätige. Die ganze Westküste ist mit SchiffS-Trümmern aller Art nach jenem unseligen Sturme bedeckt; an der Elbe und Weser sind mehrere größere Seefahrer untergegangen, u. A. ein Westindienfahrer, mit Kaffee befrachtet.
Dem Obersten Fürsen-Bachmann soll sein Gesuch um Abschied aus den schleswig-holsteinischen Diensten nicht bewilligt worden sein; dagegen meint man er werde zum Inspekteur der Kavallerie desig- nirt und das gesammle Remontewesen unter seine Obhut gestellt werden. AlS Kommandeur der Kavalleriebrigade dürfte Oberst v. Breidbach die Stelle des Abgehenden einnehmen.
Altona, 12. Nov. (K. Z.) Leider bestätigt sich daS schon gestern hier in Umlauf gewesene Gerücht von dem Verluste eines unserer Kanonenbote Nr. 8, und seiner ganzen Mannschaft. Die Zahl der Verunglückten ist genau noch nicht anzugeben, auf 30 wackere Seeleute wird sie aber wohl zu veranschlagen sein.
Die „B. H." meldet nach Privatmittheilungen von hier, daß die bei Bornholm gestrandete russische Kriegödampffregatte „ArchimedeS" wrack geworden sei.
Aus dem Schleswigschen, 2. Nov. (Börsenh.) Von Flensburg sind am 27. Okl. Espignolen nach dem Süden abgegangen. Das früher erwähnte schwere Geschütz steht noch immer da. Es heißt dort, daS dänische Haupimagazin solle in den nächsten Tagen nach Sonderburg verlegt werden. Eine daselbst kantonnirende Jägerabtheilung ist am 29. DH. nach Eckernförde abmarschirt und eine ähnliche Anzahl Jäger am vorhergehenden Tage vom Norden eingerückt. Von Rüstung und Verstärkung den dänischen Armee zu einem bevorstehenden Angriffe, wovon in den jüngsten deutschen Blättern die Rede gewesen, bemerkt man in dem Schleswigschen (abgesehen von den Schanzarbeiten bei Schleswig und Friedrichstadt) wenig oder gar nichts. Zunahme findet hauptsächlich in den Lazarelhen statt, deren neuer, dingS wieder eines im Schlosse zu Glücksburg ein, gerichtet worden.
Wien, 10. Nov. Eine Deputation Sieben. bürger-Sachsen, welche sich in Angelegenheiten der Landesverfassung deS KronlandS Siebenbürgen hier aushielt und die nöthigen Schritte that, soll glaub,
würdigem Vernehmen nach die Zusicherung erhalten haben, daß in Entsprechung des §. 74 der Reichs, verfassung die Rechte der sächsischen Nation aufrecht erhalten werden würden. — Die „Oesterr. Korr." begegnet heute dem wiederholt auftauchenden Gerüchte , alS würden Oesterreich und Preußen am Ende aller Scheinkonflikte sich die Hand zu einer Theilung Deutschlands bieten, deren geheime Sti- pulationen man bereits in Warschau abgeschlossen habe.
Wien, 10. Nov. Einem Peivatbriefe auS Arnau in Böhmen entnehmen wir, datz zwischen die- ser Stadt und Gitschin ein Armeekorps von 40,000 Mann schleunigst zusammengezogen werden soll, dessen Stab nach Arnau verlegt werden wird. (Presse.)
Wien, 12. Nov. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Der königlich preußische wirkliche Gehcimerath, Herr Graf v. Dönhoff,Friedrich st ei n, hat an, nehmbare und entscheidende Vorschläge von Seite der preußischen Regierung überbracht; eS werden die Friedensaussichten dadurch in erfreulicher Weise vermehrt. Die mini, sterielle „Oesterreichische Correspondenz" bestätigt, daß, laut zuverlässiger Mittheilung, Oesterreichs Haltung dem Geiste der Gerechtigkeit und Mäßigung in Berlin begegne. (Eine telegraphische Depesche der „Hamb. Börsenhalle" auS Berlin vom 12. Nov. meldet obiger Nachricht entsprechend: „An der Börse war heute daS Ge- rücht verbreitet, eS sei von dem preuß. Gesandten in Wien, Grafen von Bernstorff, die Nachricht eingegangen, daß er auf dem Punkte stehe, die streitigen Angelegenheiten vollkommen zufriedenstellend ! zu ordnen, und daß überhaupt nur noch geringe Differenzen bestehen).
Die Wiener Blätter vom 9. d. lauten wieder kriegerisch. Der Llovd sagt: „Wenn wir vor 8 Tagen nicht an die Möglichkeit deS Kriegs glaubten , so glauben wir heute fast nicht mehr an die Möglichkeit eines Friedens". Bei den diplomatischen Verhandlungen scheinen neue Schwierigkeiten ent. standen zu sein. Preußen hat die Union aufgcge» den, dafür aber irgendeine Entschädigung (welche? ist nicht gesagt) gefordert. „Wenn Preußens Wille wäre zu erklären waS Oesterreich erklärt, daß eS bestehende Verträge achten und feine Vergrößerung auf unerlaubtem Wege anstreben wolle, so wäre der Frieden gesichert". An dieser unerlaubten Vergrö. ßerung werde, so schließt der Lloyd, Oesterreich Preußen mit Waffengewalt hindern. Nach der Oesterr. 1 Correspondenz handelte eS sich nur noch um die Räumung Kurhessens, welche von Seite Oesterreichs, wie eS scheint, peremtorifch gefordert wurde. „Mit dem Aufgeben der Union fiel ja ohnehin der militärische Zweck jener Besetzung weg. Warum man auS einem Jnzidenzpunkt eine Kriegsgefahr erwach, sen lassen wolle, wenn man sich über den Hauptpunkt einigen könne"? Die Reichs- zeitung nennt die Mobilisirung der preußischen Armee einen hingeworfenen Handschuh den Oesterreich aufheben werde.
Wien, 10. Novbr. Die Köln. Ztg. bringt auS sehr glaubwürdiger Quelle Folgendes: Eine Anerkennung der Frankf. Bundesversammlung von Seiten Englands und Frankreichs steht noch' int weitem Felde. Radetzky hat sich in der gestrigen Militärkonferenz entschieden mißbilligend über die Agressiv, Politik deS Bundestages und den eben so unzeitigen als unklugen Erlaß deS in ter „Wiener Ztg." veröffentlichten Manifestes ausgesprochen.
Schweiz.
Bern, 11. Nov. DaS Budget der Schweiz für 1851 weist eine Einnahme von 7,225,749 Frö. und an Ausgaben 7,064,910 FrS. nach. Es ergibt sich daher ein Ueberschuß der Einnahmen über'die Ausgaben von 160,839 FrS. — Der muthmaß. liebe VermögensstatuS zeigt bis Ende 1851 an Aktiva 8,363,131 FrS., an Passiva 3,273,761 Fr., mithin einen reinen VermögeuSbestand von 5,089,370 Francs.
B e l g i e n.
Brüssel, 11. November. DaS Zivilgesetz, wel« cheS in Belgien für die königliche Familie ganz daS nämliche ist, wie für alle anderen Bürger, erheischt die Ernennung eines GegenvormundeS, wenn beim l Tode des einen Ehegatten minderjährige Kinder vor- Handen sind. Um dieser gesetzlichen Vorschrichft in Bezug auf die Kinder der verstorbenen Königin zu genügen, ward vorgestern dahier unter dem Vorsitze eineS Friedensrichters ein Familienrath gehalten, worin der Herzog v. Nemours zum Gegenvormunde ernannt und ermächtigt wurde, in dieser Eigenschaft unter der Wohlthat deS Inventars, wie daS Gesetz es vorschreibt, die Erbschaft der Königin anzunehmen.
Frankreich
Paris, 12. Novemb. (K. Z.) Hr. Dupin wurde in der heutigen Sitzung der National-Ver- sammlung mit 383 Stimmen zum Präsidenten ge, wählt. — Die Interpellation über d'Hauipoul wurde auf sechs Monate verschoben. — Die Botschaft des Präsidenten ist versöhnlicher Tendenz und fand bei der Majorität Beifall. Sie stellt für Deutschland Neutralität in Aussicht, so lange daS europäische Gleichgewicht Frankreichs Interessen nicht bedroht. Die Revision der Verfassung wird vom gesetzlichen Willen deS Landes abhängig gemacht, den der Präsident anerkennen wird. — Hr. Lefevre wird Herrn Persigny in Berlin, und Hr. Butenval den Hrn. Barrot in Turin ersetzen.
Paris, 12. Novbr. (K.Z.) Rußland hat (vor, gestern) dem französischen Kabinet eine Note überreichen lassen, worin eS erklärt, daß eS im etwaigen Kriege zwischen Oesterreich und Preußen so lange neutral bleiben werde, alS keine andere Macht sich einmische und die Integrität Dänemarks nicht verletzt werde._______
Großbritannien.
London, 11. Novbr. England wird vorläufig den Bundestag, sagt man, noch nicht anerkennen; e S will st r e n g n e u t r a l bleiben. Sollte eS zum Kriege kommen, so würde dies nur ein Krieg zwischen der Freiheit und dem Despotismus sein; Oesterreichs Sieg könnte nur zur Wiederherstellung der heiligen Allianz, und der PreustrnS zur Befestigung der parlamentarischen Regierungsform in Deutschland führen. Die Sympathie der englischen Nation würde also auch auf Seite Preußens sein, eine Sympathie, der daâ britische Kabinet nur deßhalb keinen Nachdruck geben könne, weil eS strenge Neutralität beobachten müsse, um die Schrecken eines KontinentalkriegcS abzu- wenden. Dies die Quintessenz deS heutigen Leitartikels im „Globe", dem Organe Lord Palmerstons.
Kardinal Wiseman trifft heute von seiner Fest- landSreise wieder hier ein. An seiner Wohnung, die gegenwärtig auSgebessert wird, so daß er sie erst in einigen Tagen beziehen kann, erblickt man auf Thüren und Fensterrahmen die Worte geschrie- den: „Keine Papisterei" ic.; wiederholt sammelten sich dieser Tage Volkshaufen vor dem Hause.
Der Kardinal Erzbischof von Westminster, Dr. Wiseman, ist heute von Ostende in Dover ange, kommen.
Türkei.
Aleppo. Von hier schreibt man dem „Pesti Naplo": Bcm, der lange kränklich war, befindet sich jetzt vollkommen wohl. Außerhalb der Stadt hat er ein HauS mit einem Garten gemiethet , den er mit großen Kosten zu seinem Vergnügen Herrichten läßt. Wie eS scheint, will et für immer da bleiben (?); er spricht viel von Errichtung einer Salpeterfabrik. Eine Zeit lang beschäftigte er sich mit dem Gedanken, wie man die wandernden Araber zum Kriegsdienste verwenden könne; zu dem Zwecke hatte er schon beschlossen, sich mit einigen Stämmen in Verbindung zu setzen. Indeß wurde er von mehreren Seiten darauf aufmerksam gemacht, wie ein solcher Plan nicht nur an dem Nnabhân- gigkeitsgefühle dieses Volkes scheitern, sondern auch er selbst als Versucher betrachtet und in Gefahr kommen würde. Der türkischen Regierung hat er mehrere Projekte eingesandt, die nach der Behauptung Reschid Pascha'S sämmtlich auf dem Arbeitstische deS Sultans liegen. Die Türken hegen für Bem eine gränzenlose Verehrung, weil sie glauben, daß er, wie alle Kriegshelden, gleich Mohamed unter der unmittelbaren Leitung Allah'â stehe. Kmety beabsichtigt gleichfalls, in der Türkei zu bleiben, er hat die türkische Sprache mit großem Fleiße erlernt, und jetzt lernt er das türkische Ercrzier-Reglement. Seine MonatSgage von 500 fl. vertheilt er größten- theilS unter bedürftige Flüchtlinge. Stein geriet sich als Diplomat, korrespondirt mit aller Welt, intriguirt und hat Chancen, in der Türkei sein Glück zu machen. Guyon, jetzt ChoSrey Pascha, hat in der Angelegenheit der Gränzstreitigkeiten mit Persien einen Auftrag erhalten. Kollman hat in DamaSk ein Amt erhalten und dort die dreizehnjährige Tochter eines türkischen Stabsarztes geheirathet.
AuS Aleppo wird ferner vom Ende deS vorigen MonatS die schreckliche Ermordung von Christen in sehr großer Zahl und die Verwüstung deS dortigen FrankenquarlierS gemeldet. DaS tür- kische Militär hat sich bei diesen Greuelszenen durch, auS passiv verhalten.
Aus den Mittagsposten.
Mainz, 14. Nov. (O.-P.-A.-Z.) Die Demokraten haben, wie dieS bei dem für sie allein ! günstigen Wahlgesetz nicht anders möglich war, in I unserm Wahlbezirke alle ihre Kandidaten zum Be-