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Warschau bieten noch nicht die nöthigen Garantien rar und die Rüstungen dauern deshalb fort; dies d-weist jedoch die Absicht, daß man die Demuthi- auna Preußens auf'S Aeußerste treiben will, indem nick? blos der Rücktritt des Generals Radowitz er- rwungen werden soll, sondern sogar die Gewährung freier Konferenzen versagt werden wtrd; jeßt oder nie, denkt man in hohen Kreisen von der gegenwär- tia-n deutschen Krisis und man ist entschlossen, die Oberhoheit Oesterreichs in Deutschland jetzt mehr als jemals zu erweitern und zu befestigen, da man die Könige auf feiner Seite sieht und Rußland zum Bundesgenossen zu haben meint. Die finanziellen Bedenklichkeiten, von denen man sich früher ein- schüchtern ließ, sind nunmehr völlig überwunden und Männer von Einfluß erklären offen, Oesterreich dürfe sich nicht durch Börsenrücksichten hemmen lassen, sondern müsse seinen Kredit eben dadurch zu befesti­gen suchen, daß eS der Welt zeige, keinerlei Gefahr fürchten zu dürfen. Nicht durch die offizielle Be- kräftigung deS Aberglaubens der Geldleute, Oester­reich könne keinen Krieg führen, würde der StaatS- krebit deS Kaiserreiches steigen, sondern vielmehr durch die faktische Widerlegung desselben, und das Schwert müsse im Angesichte Europas den lügen­haften Börsenzettel zerreißen. Mit der Demüthi­gung Preußens wird die deutsche Reaktion ihre letzten Dämme durchbrechen und auch den herrlichen Nationalkampf in Schleswig-Holstein in Schmach begraben.

Inzwischen droht der Regierung ein neues Zer, würfniß und zwar mit der Pfordte, welche die Jn- ternirung der magyarischen Flüchtlinge nicht weiter auSdehnen, sondern dieselben in Freiheit setzen will, während Oesterreich, sobald die Jnlernirung aufge­hoben wird, die Auslieferung der politischen Flücht­linge beansprucht. ES heißt, Kossuth habe am Bord eines englischen Schiffes bereits die Küste Klein­asiens verlassen, und bringt man diese Wendung der Dinge in dem jetzigen Augenblick mit dem preu­ßischen Zerwürfniß und den geheimen Absichten des Lord Palmerston gegen Oesterreich in engste Ver­bindung.

Wien, 1. Nov. Die heutige offizielle Mitthei­lung, daß der alte Feldmarschall Radetzky durch tele­graphischen Befehl deS Kaisers nach Wien berufen worden, macht hier einen tiefen Eindruck, da sie voll­kommen unerwartet kam. Ohne wichtigen Grund würde man den greisen Helden den Faliguen einer Reise in dieser Jahreszeit und seinem hohen Alter gewiß nicht ausgesetzt haben. Alle möglichen kaum verklungenen kriegerischen Gerüchte tauchen daher mit erneuter Stärke wieder auf. Der alte Marschall ' scheint sich übrigens bereit erklärt zu haben, alle ferneren Verpflichtungen, die ihm der Kaiser über­tragen will, zu übernehmen.

Wien, 1. November. (A. A. Ztg.) Heute Abend treffen bereits won Görz die theils in Eil­märschen, theils auf der Eisenbahn cheranrückenden Truppenkörper hier ein. In wenig Tagen erwartet man hier die vor etwa einer Woche noch in Vene- dig gelegenen Regimenter. Von Oedenburg herauf bewegen sich Kavalleriemassen ,. nehmen aber nicht den Weg über Wien, sondern passiren bei Schloß­hof die Marchbrücke um auf dem kürzesten Weg nach Mähren zu gelangen. Sogar die Nachschiebungen aus Siebenbürgen sind bereits auf dem Marsch. Die starken Abgänge von der italienischen Armee werden wieder durch kroatische Truppen, die bereits Marschordre erhalten haben, ersetzt. Mehre Grenz- Regimenter aber haben ihren Sammlungsort in Semlin erhallen, von wo aus sie mittelst Dampf- Schleppschiffen auf der Donau hier durch befördert werden. Gestern ist ein Aufruf des Kaisersan feine treuen Grenzer" zur neuen wiederholten Kraft, anstrengung abgegangen, und wurde von einer schwunghaften Proklamation ihres hier wellenden BanS begleitet. Beide Dokumente sollen von dem vertrauten Freund deö Bans, General Denkstein, überbracht werden.

Die Auflegung deS lombardisch-venezianischen ZwanganlehenS hat bereits stattgefunden. Man erwartet nächster Tage schon ein kaiserliches Mani­fest bei Gelegenheit der großen RekrutirungSauS« schreibung. Der preußische Gesandte, Graf Bern­storff, hat heute Wien verlassen, wie einige sagen, um durch seine persönliche Anwesenheit in Berlin versöhnend zu wirken, wie andere meinen, um nicht mehr zurückzukehren. Leider ist die letzte Meinung vorwaltend, weil die Erzherzogin Sophie mit der Königin von Preußen dieser Tage eine Zusammen­kunst in Dresden haben sollte, und diese nun nicht stattfinden wird. Unter diesen Umständen charakte- risirt sich in der hiesigen Stimmung der gebildeteren Stände vor allem die österreichische Gutmüthigkeil und Friedensliebe. Mit befriedigtem Stolze näm­lich freut man sich der diplomatischen Siege unsrer obersten StaatSleitung, und würbe doch zugleich Preußen die Ermöglichung einer anständigen Lösung der Widersprüche gern gönnen.

Frankreich.

Paris, 4. Nov. Man verbreitet Gerüchte über eine sehr wesentliche Veränderung in der Politik deS Elysee. Bei der offen erklärten Feindseligkeit der Legitimisten und Orlcanislen soll LouiS Napo­leon Bonaparte sich entschlossen haben, mehrere Ab­geordnete der vorgerückten Linken zu sich zu berufen und ihnen vorzuschlagen, sein Ministerium auS ihren Reihen zu besetzen. (?) Der Präsident der Republik habe sie ungeladen, sagt man, ihm daS Programm der Bedingungen vorzulegen, unter wel­chen sie die Regierung übernehmen würden. (?) Es scheint, man habe sich nicht verständigen können; die Unterhandlungen dauern aber noch fort. (?) Die Fragen über Verlängerung der AmtSdauer und Verfassungsrevision sind cS hauptsächlich, welche das Elysee von der Annahme der Bedingungen der Lin­ken abhalten. Man versichert, der Präsident der Republik sei über ChangarnierS Tagsbefehl so auf­gebracht gewesen, daß dessen Absetzung nur noch unterzeichnet zu werden brauchte. Die ständische Kommission erhielt Nachricht davon, kam eiligst Abends zusammen, und war entschlossen, unmittel­bar nach Ausfertigung deS Befehls dem General Changarnier den Oberbefehl über ein starkes Trup- penkorpS zum Schutze der Versammlung zu über­tragen. Ludwig Bonaparte erfuhr dies, zögerte, und die Absetzung wurde vertagt. Das Gerücht der Ersetzung des Generals Changarnier durch General Baraguay d'HillierS ist von neuem in Um­lauf;Bulletin de Paris" behauptet jedoch, daß derselbe mit dem Präsidenten auf gutem Fuße stehe und täglich mit ihm arbeite.

Paris, 4. Novbr. DaSPayS" greift heute den General Changarnier als Denjenigen an, der zuerst daS Signal zu den Manifestationen der Trup­pen gegeben habe, indem er im April 1849 bei einer Revue auf dem MarSfelbe allen um ihn ver­sammelten Regiments-Kommandeuren den Befehl ertheilte, ihre Truppen nichts als: Vive Napoleon ! rufen und alle Anspielungen auf die Republik ver­meiden zu lassen.

An der Börse versichert man heule, cS habe eine AuSlöhnung zwischen Changarnier und dem Elysee stattgcfunben; ersterer habe gestern bei LouiS Bonaparte eine lange Audienz gehabt und mit dem­selben während mehrerer Stunden gearbeitet. Auch wolle man wissen, daß der Permanenz-Ausschuß nur deßhalb die National versammlung nicht zusammen- berufen habe, weil derselbe nicht ganz sicher sei, ob die Majorität sein Auftreten gegen den Präsidenten der Republik billigen werde. Andererseits behauptet das ziemlich unzuverlässigeEvennement", Chan­garnier lasse sich deâ NachtS Lewache«, als ob er eine plötzliche Gefangennehmung auf höheren Befehl fürchte.

Paris, 4. November. (Köln. Ztg.) Gestern beschloß die Permanenz-Kommission täglich zwei Sitzungen zu halten, insofern der General Chan­garnier abgesetzt werden solle, und demselben alSdann den Befehl der Truppenmacht zum Schutze der Nationalversammlung zu übertragen. Die nächste Sitzung findet Donnerstag statt.

Heute wurde Changarnier im Elysee sehr freund­lich empfangen, und ist daS Gerücht, als feien Thiers , Changarnier und Mole daselbst nicht em­pfangen worden, ganz falsch.

Changarnier'S Tagesbefehl vom 2. November verbietet den Truppen jeden Ruf.

Italien.

Turin, 30. Okt. Ich beeile mich, Ihnen eine Nachricht mitzutheilen, die seit heute Morgen daS ausschließliche Stadtgespräch bildet; eS heißt näm­lich , daß daS ErkommunikationSedikt des Papstes in Turin eiugelroffen sei. In diesem Edikte habe der Papst versichert, den König, die Kammern, alle staatlichen und gerichtlichen Autoritäten, sowie alle Munizipalitäten und diejenigen Privatpersonen, wel­che ihre Zustimmung zu denn Siccardischen Gesetzen abgegeben, auS dem Schooß der katholischen Kirche erkommunizirt. Dieses Mal scheint daS Erkommu- nikationS-Gerücht kein leeres zu sein, sondern auf Thatsächlichkeit zu beruhen; denn eS wird von sonst gut unterrichteten Personen amtlicher Stellung ohne Vorbehalt verbürgt. Wenn daS EikommunikalionS- Gerückt, wie man mit Bestimmtheit hier annimmt, auf Wahrheit beruht, so wird die nächste Folge sein, daß die bisherige Politik der Regierung die einmüthigste Unterstützung deS Landes finden wird.

Briefen aus Malta, vom 17. Okt. zufolge hat die ottomanische Regierung ihrem Konsul in Malta die Anzeige gemacht, daß ein österreichisches Fahr­zeug von einem griechischen Seeräuber bei Tripoli angegriffen und geplündert worden sei. Der Kon­sul hat sogleich der Regierung von Malta hiervon Kenntniß gegeben, worauf Mr. W. Sim die britische SchaluppeFrolic" beordert hat, zwischen Malta und Tripoli zum Schutze deö Handels in den dor­tigen Gewässern zu kreuzen.

Aus den Mittagsposten.

Schlüchtern, 5. Novbr. General v. Gröben hat durch den Parlamentär daS Anerbieten gestellt, daS Fuldische zu räumen unter der Bedingung, daß die Besetzung von Kassel den preußischen Truppen ausschließlich verbliebe. Auf diesen Antrag ist von Seite der Bundesbehörden nicht eingegangen, im Gegentheil angekündigt worden, daß mit dem Bor­rücken nicht inne gehalten werden würde. Darauf hin fand bei den preußischen Truppen eine rückgän­gige Bewegung statt, während auf deren linker Flanke von Brückenau und Motten her die österrei­chisch-bayerischen Kolonnen erschienen, um die Ver­bindung mit Thüringen abzuschneiden.

_ * Kassel, 6. Nov. Heute Morgen ging daS Füsilierbataillon deS 32. Regiments mittelst eines ErtrazugeS nach Bebra ab und marschirte heute noch in der Richtung nach Fulda weiter. Um 12 Uhr Mittags ist das Füsilierbataillon deS 18, Regiments in derselben Richtung auf der Eisenbahn befördert worden. Wie man auâ guter Quelle ver­nimmt, liegt diesem Eilmarsch nur ein Wechsel btt Regimenter zu Grund, und soll daS in Fulda lie­gende Gardcregiment (Kaiser Alerander) seine Be­stimmung hierher erhalten.

Aus der Pfalz, 5. Nov. (Pflz. Z.) Sämmt. liche Rheinübergänge gegen Baden sind dem Ver­nehmen nach von bayerischen Truppen besetzt worden.

Augsburg, 3. Nov. (A. Abdz.) Einer offi­ziellen Mittheilung zufolge werden vom 3. bis 6. d. MtS. nicht weniger als 232 österreichische Ossi- j ere mit 11,356 Soldaten und 2720 Pferden per Eisenbahn an unsere Stadt vorbeikommen und den vorausgegangenen bayrischen Truppen als SuccurS dienen.

Koburg, 3. Nov. (N. C.) Gestern ist der Herzog nach Berlin abgereist.

Dresden, 5. Nov. Die gestern vom KriegS- ministerium mitgetheilte Verordnung lautet:Die politischen Verhältnisse haben sich plötzlich verän­dert. Demnach wird eS möglich, den Ankauf einer größeren Anzahl von Pferden vorderhand cinzustel- len. Die Märkte, welche ungeordnet waren, werden nicht abgehalten. Der früher zur Kompletirung der Reiterei ungeordnete Remonteeinkauf in DreS- ren und Borna dauert fort. Zur Beruhigung der Bcthciligtcn wird ferner bekannt gemacht, daß cS möglich sein wird, die Mehrzahl der KriegSreservi- sten gleich nach ihrem Eintreffen wieder in ihre Heimath zu entlassen".

Berlin, 5. November. Die von derConst. Zeitung" gegebenen Mittheilungen über die jüngste Depesche nach Wien, daS definitive Aufgeben der Union und daS Gefchchenlassen der BundeSerckution gegen Kurhessen und die Herzogthümer betreffend, werden von derDeutschen Res." für falsch erklärt.

DieLithogr. Corr." dagegen berichtet: Der Minister deS Innern hat das Programm" seiner Politik als in folgenden beiden Punkten enthalten bezeichnet: 1) in der Aufrechterhaltung und gewis­senhaften Darchlührunq der Verfassung, also in ei­ner im Innern durchaus konstitutionellen Politik; 2) in der Konstituirung einer deutschen Verfassung auf einer neuen Basis vermittelst freier Konferenzen, unter Aufgabe der durch den bekannten Beschluß vom 15. Okt. dieses JahreS als aufgegeben allgemein angenommenen Union.

Eine Deputation deS vaterländischen Vereins begibt sich zum König mit der Bitte: den Herrn I v. Radowitz zurückzubsrufen, ihm die Bildung eines KabinetS zu übergeben und die in der Opposition J mit ihm befindlichen Minister zu entlassen.

Berlin, 6. Nov. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Nach der Deutschen Reform hat daS Ministerium in einer heutigen Berathung unter dem Borsitz deS Königs die Mobilmachung des gefamm« len Heeres mit Einschluß der Landwehr beschlossen.

Berlin, 6. Novbr. (T. D. b. Fr. Bl.) Graf Brandenburg ist mit Tod abgegangen.

AuS dem Schleswigschen, vom 22 Oktober. (B. H.) Die Schanzarbeiten der Dänen bei Düp­pel sind beendigt. Ihre dortigen Verschanzungen liegen ungefähr da., wo die der deuticken Truppen lagen, denen sie übrigens an Großartigkeit und Solidität bedeutend nachstehen, und ziehen sich wie diese quer über die Höhe oder die ganze Landzunge. Espignolen und schwere Geschützstücke, welche schon vor einiger Zeit zu Flensburg anâ Land gebracht worden, stehen noch immer dalelbst. Von Letzteren sind übrigens nur einzelne vorhanden.

Die N. Z. Z. schreibt: Mailänder Briefe vom 2. November melden, daß der Feldmarschall Graf Radetzky zum Chef der deutschen BundeSarmee und Graf Giulai zum Nachfolger desselben ernannt worden sei.

Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.