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NasMüHe Allgemeim Zeitung.

^ 282. Mittwoch den 8. November 1&5(K

Die Nass. Allg. Zeitung n.it dem Wanderer erscheint einmal täglich in to r o ß s o t i o - $ o tm a t, mit AuS»ahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânum ationSpreiS in WieSbaven für den Umfang des Herwgtbumâ Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürstenthumS Hessen, der Landgrafschatt Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt s rl in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. Kl re. Inserate werden die dreispaltige Petit, èile oder deren Raum mit S fr. berechnet Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Sch ellen b- rg'schen Hof- Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern ,u machen.

Uebersicht.

§^er Branntzohlenbergbau und Sie Etsenindustrie in Nassau.

Deutschland. Wiesbaden (Tue letzte Sitzung dcâ Land­tages) Hochheim (Einquartierung preußischer Trup- yen). Vom Ta null â (Volksschriften. Preußische Truppen). Vom Rhein (Die L'iguorianer). Vom naffauif^en Rhei nufer (Dampfschifffahrt). Von der mittleren Lahn (Die Elzer). Frankfurt (Protest des Kurfürsten). Hanau (Ablieferung der Waffen. Die Presse derHanauer Zeitung" versiegelt). Kassel (Die Preußen. Der Kurfürst. Die Neue Hess. Zeitung. Die Beurlaubten). Aus Baden (Die badi­schen und preußischen Truppen).'Stuttgart (Eiube- rufung). Ludwigsburg (Fürst Waldburg-Zeil). Gotha (Die Nichtratifikation des preußisch-dänischen Frie, denS beantragt). Hannover (Das Ministerium Stüve- Bennigsen). Berlin Die deutsche Frage, v. Radowitz. Rusfische Erklärungen. MeinungSkämpfe im Ministerium).

Altona (Die Gefangenen). Kiel (Die Bedingungen der Statthalterschaft). Lübeck (Verbot der Samm­lungen für Schleswig-Holstein). Wien (Rückkehr des Kaisers. Marschbefehle. Angebliche Depeschen aus Krakau). Frankreich. Paris (Gefahr einer großen Krisis besei­tigt. Changarnier. Politik in der deutschen Frage. Italien. Rom (Differenz zwischen Rom und Portugal). Neueste Nachrichten.

Der Braunkohlenbergbau und die Eisenindustrie in Nassau.

Gr. Wie der Nass. Allg. Ztg. non einigen Seiten berichtet wurde, tauchen in der Nahe des WesterwaldeS Unternehmungen aus, welche die Braunkohlen zur Eisenfabrikation benutzen wollen. Nun ist aber wegen strengerer Handhabung der Forstgesetze und den gestiegenen Holzpreisen 2C. in diesem Jahre eine so ungewöhnlich starke Nach­frage nach Braunkohlen sürden Hausbedarf, daß die bestehenden Gruben den Begehr nur schwierig be­friedigen können. Es müssen deßhalb von den hun­derten Fuhrwerken, welche sich täglich nach den Gruben drängen, viele oft tagelang warten, ehe sie Ladung erhalten können. ES ist natürlich, daß unter diesen Umständen und da daS halbe Herzogthum darauf augewiesen ist, der Verbrauch der Braun­kohlen zu technischen Zwecken von den Landbewoh­nern nicht gerne gesehen w rd, obschon eS Niemand eingefallen ist, Braunkohlen statt deS wohlfeilen FreiheitsholzeS zu brennen, als in den letzten zwei Jahren die Gruben wegen Mangel an Absatz gro­ßen Schaben litten, der noch lange nicht auSge- ( märzl ist.

Von vielen Seiten hört man jetzt die ganz auS der Luft gegriffene Behauptung aufstellen, baß der Nachhalt der Braunkohlen nach dem jetzigen Bedarf kaum mehr fünfzig Jahre ausreichen und dann der Westerwald und seine Umgebung dadurch in unabsehbaren Nachtheil gebracht würden: ja es solle dem Vernehmen nach sogar schon Schritte geschehen sein, die Anwendung der Braunkohlen zur Eisen- fabrikatiou in größerem Maßstabe zu verhindern oder doch zu erschweren.

Wer nur oberflächlich die Wichtigkeit unserer Eisenindustrie kennt und die Gefahren, von denen dieselbe durch ausländische Konkurrenz fortwährend bedroht wird, kann unserem Lande nur Glück wün­schen, daß es von der Natur mit einem Brennma­terial bedacht worden ist, bei dessen zweckmäßigen Benutzung diese Konkurrenz unwirksam aber auch dadurch nur allein unwirksam gemacht werden kann. Die Braunkohlen bieten unter den Verhältnissen, welchen mir in Bezug unserer handelspolitischen Entwicklung mit großer Wahrscheinlichkeit entgegen gehen, da England unter den gährenden politischen Händeln jedenfalls mit Erfolg die kräftige Beschütz- ung der deutschen Industrie zu hintertreiben wissen wird, das einzige Mittel der unser Eisen bedeutend wohlfeiler darzustellen und dabei noch ein viel besseres Produkt zu liefern als daS englische oder belgische.

Nur allein von diesem Gesichtspunkte auS be­trachtet, muß die als vollständig gelungen anzu, sehende Anwendbarkeit der Braunkohlen zur Roh-

und Frisch-Eisen-Erzeugung für eine so große Wohl­that betrachtet werden, daß deren Folgen für unser Land von unberechenbarer Wichtigkeit werden müs, sen. Aber auch für den Westerwald und dessen nächste Umgebung wird der Verbrauch der Braun­kohlen zur Eisenfabrikation von dem größten Vor­theile sein, da dieser Gegend nur Industrie fehlt, um ihren trefflichen Boden und dessen Erzeugnisse vorlheilhaftcr benutzen und verwerthen zu können.

Wie passen nun diese Betrachtungen, denen sich noch andere von nicht viel geringerer Wichtigkeit anreihen ließen, zu den engherzigen und wie sogleich gezeigt werden soll, ganz unbegründeten Befürchtun­gen, welche gegen den erhöhten Verbrauch der Braunkohlen geltend gemacht werden wollen.

ES ist allerdings wahr, daß die Braunkohlen­gruben in ihrem jetzigen Zustande der durch man­cherlei Ursachen, deren Erörterung nicht hierher ge­hört, bedingt ist, größtentheils nicht im Stande sind, aus einmal einen viel stärkeren Bedarf nach­haltig zu decken. Wer aber die größtentheils leicht und verhäUnißmäßig in kurzer Zeit zu beseitigenden Hindernisse, welche der größern Ausgiebigkeit dieser Gruben cntgegenstehen, genauer kennt, wird die Produktionskraft der Braunkohlen-Lagerstâtten , die gegenwärtig in den verliehenen Grubenfelvern be­kannt sind, nicht so gering anschlagen können, daß schon über fünfzig Jahren ein Aufhören derselben zu befürchten stände.

Der Braunkohlenbergbau auf dem Westerwalde ist überhaupt erst in seinen Anfängen begriffen und wird die Entwickelung desselben auch für manche Gruben Schwierigkeiten haben. Diese gehören aber zu den Ausnahmen und viele Hindernisse können noch mit einigen Opfer b feitigt werden. Dage­gen sind die meisten Gruven in Ausdehnung ihres Betriebes, wenn sie gehörig bewirthschaftet werden und ihnen einige Zeit gegönnt ist, nicht gehin­dert und cs kann sogar von jetzt an fortschrei­tend ein bedeutendes Kohlenqnanlum der größeren Industrie zur Verfügung gestellt werden, ohne daß der Hausbedarf leidet, oder die Preise auf kurze Zeit erheblich steigen werden. Im Gegentheil ist wie durch die Erfahrung an andern Orten voll­kommen bewährt wurde und auch auf dem Wester- walbe nicht ausbleiben wird, zu erwarten, daß die Braunkohlen durch einen ausgedehnteren ratio­nellen Betrieb der Gruben wohlfeiler werden und die Besitzer .derselben doch bessere Geschäfte machen als bisher.

Der zusammenhängende Theil der Kohlensor- mation deS WesterwaldeS, in dem nach der Erfah­rung und nach wissenschaftlichen Gründen Kohlen­niederlage» vermuthet werden müssen, beträgt nach sorgfältiger AuSmittclung über 12 Quadratmcilen, wovon zwei Drittel int höchsten Anschläge für un* bauwürdiges Feld, Ortsberinge, Brunnenverstche, rungen rc. abgerechnet werden können. ES verblei­ben dann noch 4 Q.-M. übrig , deren Bauwürdig­keit mindestens auf zwei Zentner trockene Kohlen für den Q.-Fuß angenommen werden kann.

Hieraus ergibt sich eine Fläche von 2300 Mil­lionen Q.-F. mit 4600 Mill. Zentner Kohlen; wo­von höchsten 50 Mill. Q.-F. mit 100 Mill. Ztr. Koh­len abgebaut sind. bleiben demnach noch 4500 Mill. Zentner Kohlen übrig. Da nun das jährliche Förderquantum Eine Million Zentner nie erreicht hat, aber für die Folge bei einer sehr lebhaften in» dustriösen Entwickelung auf daS zehnfache steigen mag, so können nach 450 Jahren unsere Nachkom­men daS Ende unseres Braunkohlenbergbaues erle­ben, wenn zu dieser Zeit, wofür wir gewiß nicht besorgt zu sein brauchen, überhaupt noch waS sich sehr fragen dürfte Kohlen als Heizw gS- oder Schmelzmittel gebraucht werden. (Schluß f)

Deutschland.

i Wiesbaden, 4. November. Wir haben in der Sitzung unseres Landtages vom 2. v. Mts. uns gefreut, das die Verhandlung im Allgemeinen, besonders auch die über das Gesetz, die Pcnsioni- rung der Rebliken der Offiziere 2C. aus der SlaatS, kaffe betreffend mit so vielem Anstande und parla­mentarischem Takte geführt und daß ihr eben so viel Aufmerksamkeit von Seiten deS die Gallerie füllen­den , besonders militärischen Publikum gewidmet

worden ist, als von den Mitgliedern der Kammer selbst. Dabei haben wir tief bedauern müssen, daß daS Ende ter Verhandlung gänzlich formlos war. Der Antrag des Abg. I u n g U., daS Minderhcitö- Gutachten deS Berichterstatters Zollmann nicht zur Abstimmung kommen zu lassen, erscheint unS eben so unparlameniarisch und geschäftSwidrig, als die Begründung desselben daß der Zollmann'« sche Bericht von dem cs Justi nicht viel verschie­den sei verworren und haltlos. Wäre die Min­derheit der Kommission, Z o l l ma n n und Gödecke, mit Justi und Genossen einverstanden gewesen, so hätten sie keinen besonderen Bericht gegen diesen gemacht. Oder glaubt Herr Jung II., die Ver­werfung eines Gesetzes sei einerlei mit der Aussetz­ung der Berathung über dasselbe, so müssen wir bedauern, daß wir auf diese Logik nicht cingehen können. UebrigenS hat der genannte Abgeordnete dieses mit sich selbst auözumachcn. Daß aber die Partei, welcher Herr Jung II. angehört, durch ihn einen Antrag stellt, über einen Kommissionsbericht gar nicht abzustimmen, ist eine unerhörte Gewalt­that, ein moralischer Todtschlag. DaS haben einige Mitglieder dieser Partei auch eingestanden, dabei aber bemerkt, eS geschehe ihren Gegner recht, daß cS so gekommen fei; sie hätten sich besser wehren sollen; eS sei auch manches zu thun gewesen. Hierin jedoch finden wir gerade daS Unwürdige der Sache. Bekanntlich ist der Antrag Iung' ö II. und mit einer Stimmenmehrheit angenommen wor­den. Drei oder vier der Stimmen, welche dem Anträge Ju n g' s IL jufielen, gehörten der Fraktion Schmidt an. Diesen Männern kann man eS nicht übel nehmen, wenn sie das Gefährliche und Geschäftswibrige des Antrages nicht gleich durch­schauten. Silber der Opposition kann man eS übel nehmen, daß sie solche auf Ueberrumpelung Einiger berechneten Anträge bringt; der Opposition kann man und muß man es verdenken, daß sie nicht durch Kraft der Mehrheit, sondern durch Ueberei» lung Anderer einen unlauteren Sieg davon zu trä­nen sucht. Die Sache ist selbst bedenklich für sie. ES könnte leicht kommen, daß die Kammcrmchrheit, welche mit dem Anträge I ung'S II. gehännselt werden sollte, den Spieß herumdrehete. Jedenfalls, glauben wir, wird der seltsame Vorfall der Fraktion Schmidt den Beweis geliefert haben, wie gut eS sein werde, wenn sie sich wieder fester an die Haupt­partei der Rechten anschließl, da nichts unheilvoller in einer Ständevcrsammlung ist, als Mangel an fester Uebereinstimmung ter Mehrheit, und alles Wackeln zu nichts führt, als zum Falle.

* Wiesbaden, 5. November. Dem Vernehme» nach fand gestern Abend zwischen den östcrr. und Preuß. Truppen in Mainz ein bedeutender Konflikt statt.

cf Hochheim, 4. Nov. Auf morgen ist einer Abtheilung preußischer Truppen zur Einquartierung angesagt.

V Vom Taunus, 4. November. DerVerein zur Verbreitung guter und nützlicher Volksschriften" zu Zwickau im Königreiche Sachsen, gegründet im Jahre 1841 pon dem dortigen Kirchenrathe Dr. Dölger, hat seinenachten Jahresbericht" er­scheinen lassen. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der Zweigvereine auf 309 und die der Mitglieder auf 7440 gestiegen ist. Die Gesammteinnahme deS Vereins seit feiner Gründung, also binnen 8 Jah­ren , beträgt über 30 Tausend Thaler. Die Aus­gabe um 25 Tausend Thaler. So viel vermochte ausdauerndes und einmüthigeS Zusammenwirken! Der Inhalt der verschiedenen Schriften, welche der Verein verfassen und drucken läßt, bezicht sich auf Ver­breitung nützlicher Kenntnisse aller Art, (sogar eine Anleitung zum Seidenbaue findet sich darunter) und wahrer christlicher Religiosität und Moralität in Häusern und Gemeinden, ohne alle Pietisterei.

An manchen Orten unseres HerzogthumcS hat dieser Verein schon in früheren Jahren die verdiente Aufmerksamkeit und Theilnahme gefunden. Wer Nachrichten darüber wünscht, erhält sie unentgcld« lich durch die Klinkbartische Buchhandlung zu Leip­zig auf dem gewöhnlichen Wege deS Buchhandels.

tt Vom Taunus , 4. November. Heute ist ein Bataillon des 28. preußischen Jnfanteriereg!-