Gerlach Schnei der von Weiganâhain, wegen Verbreitung falschen Papiergelves, zu einer Zucht. Hausstrafe von 2V, Jahren und
die Wittwe des Gottfried Stahl, Charlotte, geb. Diehl, von Homberg, wegen Verbreitung falschen Papiergeldes, zu einer KorreklionShauSstrafe von 3 Monaten, sowie
Ludwig Müller von Alpenrod, wegen Schriftfälschung, zu einer Gefängnißstrafe von 3 Wochen, dagegen
Johann Schaaf, vormals Schullehrer zu Frobbach, wegen Schriftfälschung freigesprochen und
Heinrich Ludwig Stahl von Mabenmühlin, wegen Verbreitung falschen Papiergeldes, zu einer KorreklionShauSstrafe von 2 Jahren und
Ludwig Christian Koffler von Diez, wegen betrügerischen BanquerolteS, zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren verurtheilt.
88 Dillenburg, 31. Okt. Denn Herren Geschwornen unseres Bezirkes wurde während der diesmaligen Assisenverhandlung dadurch eine besondere Aufmerksamkeit bewiesen, daß ihnen zu Ehren von Seiten des hiesigen MusikvereinS in Verbindung mit dem Turngesangverein am 19., sowie Seiten deS Liederkranzes am 28. d. M. musikalische Abendunterhaltungen im Gasthause zum Schwanen veranstaltet wurden. Ich kann eS mir nicht versagen, öffentlich die Leistungen sämmtlicher Vereine zu loben; ganz besonders aber sind die des Lieder- kranzeS, welchem der Lehrer Schmidt als Dirigent Vorsicht, hervorzuheben. Dieser Verein hat auch an diesem Abend wiederholt seine ausgezeichneten Fortschritte im Vortrage vorzüglicher und schwieriger Männerchöre dargelhan. Oft schon hatte ich Gelegenheit, Singvereinen beizuwohnen, habe aber nicht gefunden und gehört, waS in obiger Abendunterhaltung der Dillenburger Liederkranz unter seinem gewandten Dirigenten leistete.
Frankfurt, 1. Novbr. Fürst von Thurn und TariS weilte vorgestern Nachmittag und gestern Morgen in unserer Stadt. — Graf Rechberg ist ebenfalls hier wieder anwesend.
* AuS Hanau wird gemeldet, daß gestern Mittag bayerische Truppen daselbst und in den Nachbarorten eingerückt sind.
Kassel, 31. Okt. (Fr. I.) ES sind hier noch keine zuverlässige Nachrichten über die Bestimmung unserer Truppen eingegangen. Generallieutenant von Haynau soll, wie verlautet, keineswegs eine freundliche Aufnahme beim Kurfürsten gefunden haben. Der Umstand, daß derselbe unverrichteter Sache zurückgekehrt und durch seine unbesonnenen outrirten Maßnahmen bei der beabsichtigten Umwälzung in der Angelegenheit für seine Zwecke mehr geschadet als genützt hat, ist nicht zu bestreiten; wie denn auch die zu Anfänge seiner Unternehmungen hier von ihm abgehaltene große Parade, und die damit verbundene unpolitische Anrede an daS OsfizierkorpS dem Kurfürsten Anlaß zu Aergerniß gegeben haben soll. Eben so unangenehm wird es höchsten OrtS vermerkt worden sein, daß Herr von Haynau dem ihm ertheilten Auftrag, die Mitwegführung des Staatsschatzes betreffend, nicht hat nachkommen können.
Kassel, 31. Okt. Der so unyechoffte und eilige Abmarsch unserer Truppen gibt noch vielfachen Stoff zu Kombinationen. Es ist gewiß, daß am Sonnabend die Entlassungspatente der Offiziere angekommen waren. Der Befehl, sie nicht auSzu- liesern, folgte am Sonntag und kurz darauf der andere wegen sofortigen AbrückenS der Truppen. Die Eile, mit der die Truppen auSrückten, gab zu der Vermuthung Anlaß, daß der Krieg vor der Thür sei, und daß man jenseits die Besorniß hege, unsere Truppen würden von den preußischen abgc- schnitten werden. Die Reserven sind seitdem bis auf das Schützenbataillon und die Handwerker, Kompagnie, welche letztere zur Bewachung deS Pulvermagazins in Wolfsanger liegt, nach Hanau marschirt. Die Wachen sind hier bis auf die aller, nochdürftigsten eingezogen und doch erliegt die geringe Besatzung fast dem anstrengenden Wachtdienste. DaS wenige noch hier befindliche Militär ist jeden Augenblick marschbereit und wartet mit Sehnsucht auf die fremden Truppen, welche es „gleichsam ablösen sollen". Von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde wiederholte sich bald als ein leises, bald als ein bestimmteres Gerücht, „die Preußen rücken ein". Preußische Offiziere ließen sich blicken, Quar« tierbilletS wurden gedruckt, aber weiter geschah auch nichts. Sie kampiren auf kleinen Dörfern. Wie ein Knäuel wälzten sie sich Tage lang der bayerischen Grenze zu. Ganze Tage waren die Etappenstraßen zwischen Wetzlar und Vacha mit HeereS- massen bedeckt, die Bayern hatten Marschbefehl, die Preußen Befehl, die Bayern zurückzuwerfen, falls sie die Grenze überschreiten sollten. Auf den 27. d. MtS. war in den Dörfern hart an der bayer. Grenze Einquartierung angesagt. Aber die Bayern kamen nicht. Die Bayern überschritten die Grenze nicht und die Preußen warfen sie nicht zurück. Die
Entlassung der Offiziere ist nach meiner Ansicht daS Geringste, was wir zu erwarten haben. Man hält eS sogar für möglich, daß man die Niederträchtigkeit begehen wird, die Offiziere vor ein srem- deS Kriegsgericht, vielleicht ein bayerisches zu stellen. Mag nun überhaupt eine Verständigung zwischen Preußen und Oesterreich — unter den jetzigen Um, ständen daS Schlimmste für uns — eintreten oder nicht, so viel ist gewiß, daß unsere Truppen in bayerische Garnisonen verlegt werden, wo daS OsfizierkorpS komplelirt und daS Heer allmälig auf die frühere Stärke zurückgeführt werden soll.
© Aus Baden, 3l.Okt. Allgemeinen sind die Klagen über Verarmung deS Mittelstandes in den Städten und in den Dörfern. Viele wollen ein Mittel dagegen in Beförderung der Auswanderungen gefunden haben und lassen ganze Gemeinden ihre Habe verkaufen und nach Amerika ziehen. Die meisten dieser Landleute sind schwer mit Schulden belastet, und die noch Vermögen zu einem sichern Auskommen haben, werden genöthigt, es zu ver- lassen und der Mehrzahl zu folgen. Dadurch werden dem Vaterlande viele thätige und achtbare Familien entrissen, und mit ihnen Geld und Geldes- werth. Blicken wir nun auf die Gründe dieser Verarmung, so ist unter vielen andern auch einer: daS Lotto. Nach einer vieljährigen Erfahrung, die ich in Städten und Dörfern gemacht habe, sinken jedes Jahr viele Familien in Armuth und Elend in Folge des leidigen Lottos und Lotte, riespiels. Dazu wird nun täglich Gelegenheit geboten, indem die UnterkollekteurS, wie eine Heerde alles verschlingender Heuschrecken daS Land überziehen und ihre ganze Kunst aufbieten, nicht allein die Besitzer der Häuser, sondern auch armeS Gesinde und Taglöhner zu diesem fluchwürdigen Spiel zu verführen. Sehr viele von diesen Verführten kennen daS Spiel nicht, und trifft auch ein Loos einen größeren Gewinn, so fällt er gewöhnlich in die Hände der Kollekteure und der Gewinnner selbst erhält meistens nur einen kleinen Theil von seinem Guthaben. Wie einträglich ein solches Geschäft ist, zeigt sich auch besonders darin, daß sich in der Gegend um Frankfurt eine unzählbare Menge von UnterkollekteurS herumtreibt, die mit ihren Familien größtentheils sehr gut leben, und dazu noch Ver, mögen sammeln. In einem kleinen Städtchen von zirka 4500 Seelen leben 80 Familien von der Lotterie, wovon eine ungefähr 300 Loose absetzt, und i ich erinnere mich, daß ein Landmann in einem Jahre I 17 Viertel durchgespielt hat. Der Kollekteur wurde { Besitzer von Hauö und Hof des armen Betrogenen. I Auch in den Ländern, wo die Lotterieen aufgehoben und beschränkt oder verboten sind, wissen die Kollekteure ihren Absatz so fein einzurichten, um die Einlage auSzubeuten, daß keine gerichtlichen Ver Handlungen darüber möglich sind. — Es zweifelt wohl Niemand mehr daran, daß die Spiele volksverderblich sind, und den Pauperismus im höchsten Grade befördern. Wäre eS nun nicht an der Zeit, i diese Pest zu heilen und aus allen deutschen Staaten zu »eibannen ? Ja, wahrlich/ eS würde weniger | untreues Gesinde, weniger Diebe und weniger Ban- kerulte geben; das Geld, waS die Kollekteure ver- } schlingen, würde in Die Sparkassen fließen, und der । ganze Mittelstand würde bleiben, was er war, — die Stütze der Staaten.
? Mannheim, 31. Okt. Die Bestrafungen fangen nun allmählig an, etwas nachzulassen. Nach der kürzlich wiederum veröffentlichten Liste kamen in den letzten 4 Wochen in dem Polizeidistrikt Mannheim deren nur 46 vor, von denen die meisten wegen Trunkenheit und Erzessen und nur wenige wegen politischen Vergehen verhängt wurden. — An unserem Hafen herrscht fortwährend große Thätigkeit; obgleich täglich viele Güter mit der Eisenbahn weiter befördert werden, so sind doch alle Lagerräumlichkeiten vollgepfropft. Die Schifffahrt ist nicht, wie der Karlsruher Zeitung von hier berichtet wird, eingestellt, vielmehr geht dieselbe ihren erfreulichen Gang fort und wird nicht eher aufhö- rcn, bis eS die Witterung gebietet. — Die MonatS- beiträge für Schlcâwig-Holstein betrugen in diesem Monat 578 fl. 45 fr. Im Ganzen sind bis heute 10,590 fl. 26 fr. für die Herzogthümer eingegangen.
Hannover, 30. Okt. Nach einer Notiz der „Z. f. N." hat das abgetretene Ministerium Stüve- Bennigsen nicht weniger als zw eiun dv i e rzig - mal feine Entlassung eingereicht. Auch das Generalsekretarial im Kriegsministerium ist anderweitig besetzt worden; an Stelle deS Geh. KriegSrath Wedemeyer ist Major Müller getreten. Das Finanzministerium hat nocht nicht besetzt werden können. Der Eintritt der Herren Lindemann und Meyer in daS Ministerium soll auf besondern Wunsch StüveS erfolgt sein.
Die „Volkszeitung" bestätigt, daß der Magistrat beschlossen hat, Hrn. S t ü v e das Ehrenbürgerrecht der Hauptstadt zu verleihen. Es bedarf dazu noch der Zustimmung der Bürgcrvorstehcr, die indeß auch wohl nicht auSbleiben wird.
Luxemburg, 27. Okt. (K.Z.) Ich habe Ihnen gestern die Hauptstellen der Rede deö Prinzen Hein
rich der Niederlande beim Antritte seiner ^tatibal terschasc mitgetheilt , und will Ihnen daher h/» ' den entsprechenden Passus auS der in Folge beffen von der Kammer an den Prinzen erlassenen Abrcffe versetzen. Obwohl dieselbe der Hauptsache nach nur eine Umschreibung der Rede ist, so enthält die. selbe doch gerade in Bezug auf das Verhältniß Deutschland einige nicht wesentliche Aeußerungen Die bezügliche Stelle lautet: „Sie werden dem nationalen Willen genügen, Prinz! und die Jnie, ressen Luremburgs allein berücksichtigen, indem €je mit besonderer Sorgfalt über die Aufrechthaltuna unserer Institutionen in unseren Beziehungen in Deutschland wachen. Wir haben in unsern Grundgesetzen die Macht des Föveralbandes, welches uns mit dem deutschen Bunde vereinigt, angenommen und proklamirt und,dieses Band gewissenhaft be, achtet. Wie sehr aber auch — wir sagen es laut — die jüngsten Ereignisse Befürchtungen in uns erwecken müßten, so werden wir doch keiner Macht das Recht einräumen, weder in, noch für Lurem, bürg etwas vorzunehmen, was seiner Nationalität und seinen Gesetzen zuwider sein könnte. Und ist eS wichtig, Prinz! daß Luxemburg Deutschland g(, genüber so bald als möglich feinen Vertreter habe damit nicht seine Interessen mit Interessen, die uns fremd sind, verwechselt werden". Ich mache Sj, besonders auf diese Schlußworte aufmerksam, die in Verbindung mit den zuvor ausgesprochenen Bu fürchtungen kein gutes Gewissen verrathen. DH Kammer hat zwar, weil sie eben so ministeriell ist, den Maßnahmen der Regierung in Frankfurt ihre Billigung gegeben, aber sie fühlt offenbar, in welch, böse Lage sie dadurch das Land gebracht hat, in, dem sie einerseits Preußen geradezu feindlich ent, gegen getreten ist und ihr redliches Scherflein zur Unterminirung der Union beigetragen, andererseits aber — und das ist die gerechte Strafe — gegen ihr eigenes Fleisch und Blut gewüthet hat. Denn sie hat zugleich die Grundlagen der freien Jnstitu, tionen deS Landes untergraben und wird ohne Zweifel noch die Früchte ârnten.
Berlin, 30. Oktober. Der Ministerpräsident Graf v. Brandenburg wird übermorgen hier zurück, erwartet. DaS Nähere über die in Warschau ge, pflogenen Verhandlungen wird dann zur sichern Kunde gelangen Die in Umlauf gesetzten Gerüchte sind mit großer Vorsicht aufzunehmen. Nur so viel scheint auS den hierher gelangten Berichten schon hervorzugchen, daß die Gefahr, in welche Deutsch, land durch den Einfluß, welchen man Rußland hat erlangen lassen, gerathen ist, ernst inS Auge zu fassen ist. Nach den Anschauungen deS Kaisers von Rußland stehen Männer wie Gagern und Revent, low in einer und derselben Reihe mit Hecker und Struve. Wenn eine hiesige Zeitung andeutet, man Preußen eine bestimmte Richtung in Warschau verlangt habe, welche mehr Garantien zu bieten geeignet, so ist eS nicht schwer zu errathen, daß unter dieser bestimmten Richtung von jener Zeitung eine antikonstitutionelle verstanden wird. Der Kaiser hat sich auf Rechtsdeduktionen vom nationalen deut, schen Standpunkte auS einzugehen wenig geneigt gezeigt. Konstitutionelle Einrichtungen und Anschauungen namentlich liegen dem Kaiser zu fern. Er erklärt offen, daß er sie nicht verstehe, wohin Deutschland gelangen würde, wollte es etwa einen SchiedS-richterspruch des Kaisers in seinen inne, ren Angelegenheiten gelten lassen, liegt hiermit aus der Hand.
Berlin, 28. Okt. Die Sendung deS Generals Hahn nach Kiel scheint überhaupt ein zu erwarte» des Andringen der Mächte durch Waffenstillstand! Vorschläge coupirrn zu sollen. Nach dem, wat hier über die Stimmung in den Herzogthümern unk ihre Aussichten für den Winter bekannt ist, lâß! sich nicht erwarten, baß diese Vorschläge in Kiff angenommen werden. Preußen aber wird ohne Zweifel stets an der Idee deS einfachen Frieden» festhallen, und daß durch denselben die Sache zu« AuStrag zwischen Dänemark und den Herzogthümern allein verwiesen ist. Von Interesse ist eS, zu sehen, wie Dänemark in diesem Sommer so begierig nach Krieg, jetzt, Angesichts deS Winters, durchaus dem Kriege ein Ende gemacht wissen will; natürlich, ohne irgend welche Schritte zur Versöhnung zu thun. Wenn Dänemark auch im Felde bisher nicht sehr unglücklich gewesen ist, so hat eS doch einen Angriff der Eider-Linie bisher als unmöglich betrachtet, und scheint überzeugt zu sein, daß der Winter eS zwingen wird, das ganze Herzogthum Schleswig zu verlassen. Die Herzogthümer dürften, wie Rußland beim Herannahen deS Winters dem Kaiser Napo« leon antwortete, jetzt zu Dänemark sagen: daß nach ihrer Ansicht jetzt erst der Krieg als beginnend zu betrachten sei.
Von der Eider, 26. Okt. Am gestrigen Tage machten die Dänen einen Ausfall auS Friedrs stabt, und zwar auf drei Wegen, nämlich südliw und nördlich am Treene- und Eiderdeich und in der Mitte auf der Seether Chaussee; sie, wurden vor den viel schwächer» Unfrigen nachdrücklich zurua- gcworsen und verloren Verwundete und Todte ; W haben kein Opfer zu beklagen.