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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Dienstag den 28. Oktober

1850.

Z7 ^HH^Zsjtnnq rr.it dem Wanderer erscheint einmal täglich in G r o ß fo l i o - jtzo rma t, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrünumecationSVrei- sjTipaßacen ,ür den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KunürssenlduniS Hessen, der Landgrafschait Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt .» in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSfchen Verwaltungsgebietes 2 fL IO fr. Inserate werden die dreispaltige Petitjeile oder deren Raum mit 3 fr. ~ Tl7nej Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch e ll e n b e r g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtl icher Theil.

Gesetze und Dienstnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Deulsâtland. Wiesbaden (Leislers Antrag die Aufhe- bnna der Erbleihen betreffend. Beiträge aus Hadamar für Schleswig-Holstein). -Höchst (DaS Garderegnnent). - Dillenburg (Afstenverhandlungen gegen Krembel und genossen). Fulda (Die Entlassung der Offiziere). Kassel (Die Finanzverordnung. Kaltenborn. Gschwind). Freiburg (Rückgckehrte Flüchtlinge). München (Die Festungen). AuS Thüringen (KurheffenS Zer- nirung). Hannover (Neue Ministerkrisis). Berlin (Stand der Unterhandlungen. Die Zusammenkunft in War­schau. Die Note der Großmächte). Bremen (Die 100,000 Thaler zusammengebracht). Bon der Nieder­elbe (Stimmung im dänischen Heere. Heinr. v. Gagern). Aus Schleswig-Holstein (Die Borkehrungen für den Winter). Kiel (Sitzung der Ritterschaft). Rendsburg (Gefecht). Friedrichstadt (Schilde­rung eines Sturms). Oderberg (Durchreise des Kaisers von Oesterreich). Wien (Abreise des Kaisers. Ministerrath. Haynau. SchvnhalS). Triest (Das Auslaufen einiger Kriegsschiffe).

Dänemark. Kopenhagen (Die russische Flotte).

Frankreich. Paris (Der neue Kriegminister. Der Erz­bischof Fransoni. Die Rede Dupin'S. Die neuen Kardi­näle. Guizot. Vermischtes).

Großbritannien. (London (Die schleswig-Holsteinische Frage).

Italien. Turin (Eröffnung des Parlaments. Die Groß­mächte und die Kirchenfrage).

Türkei. Konstantinopel (Sir Stratford Canning. Die Flotte).

Neueste Nachrichten.

Amtlicher Theil.

Gesetz

Die Errichtung eines dritten Markscheiderbezirks betreffend.

In Folge des nachgewiesenen Bedürfnisses ha­ben Wir mit Zustimmung Unserer Landstände be­schlossen und verordnen wie folgt: Statt der bis- herigcn zwei Markscheiverbezirke soll der Umfang »cs HerzogthumS in drei Bezirke nach dem in $. 1 der Verordnung vom 21. November 1842 für die Bergmeistereien festgesetzten Begrânzungen abgethetlt werden, so daß jeder Bergmeistcreidistrikt einen be­sonderen Markschcidcrbczirk bidet.

So gegeben Rumpenheim, 19. Okt. 1850.

(L. S.) Adolph.

Wintzingerode. Ler. Hadeln.

Die Auszahlung der Besoldungen der Real- und Elenientar- lehrer durch die Herzoglichen Recepturen betreffend.

Um den billigen Ansprüchen der Reallehrer, der Elementarlehrer und Lehrgehülfen auf pünktliche Auszahlung ihrer Gehalte zu entsprechen, verordnen Wir mit Zustimmung Unserer Landstände wie folgt: 8. 1. Die Besoldungen der Reallehrer, der Elc- mentarlehrer und Lehrgehülfen, insoweit dieselben in Baarzahlungen aus den Gemcindekassen bestehen, sind vom 1. Januar 1851 an durch die Rezepturen auS den Gemcindekassen zu erheben und an die Lehrer auszuzahlen. 8. 2. Diese Auszahlung er­folgt regelmäßig nach Maßgabe der in den An- stellungSdekreten der Lehrer festgesetzten Baargehalte am Schlüsse jeden Quartals und zwar vorlagS« weise, falls irgend ein Besoldungsbeitrag noch nicht eingezahlt sein sollte. 8. 3. Die Einnahmeerhe­bung auS den Gemeindekassen erfolgt frei von Er- hebungSprozenten und es wird den Rezepturbeamten zur Pflicht gemacht, die Erhebung so zeitig und wirksam eintreten zu lassen, daß sie vor Ablauf jeden Quartals vollständig stattgefunden hat. 8. 4.

Schluffe jeden Jahres hat die Rezeptur über die entsprechenden Einnahmen und Ausgaben eine Rechnung gleichwie über die Beiträge zu den Be­soldungen der Medizinalbeamten Unserer RechnungS- kammer vorzulegen. Im Uebrigen ist die Ministe- rialabtheilung des Innern mit der Vollziehung bieieS Gesetzes beauftragt.

So gegeben Biebrich, den 26. Oktbr. 1850.

(L. s.) Adolph.

Wintzingerode. Ler. Hadeln.

Bekanntmachung.

Die Wahl eines Abgeordneten zur Ständeverfammlung im sechsten Wahlbezirke betreffend.

An die Stelle des auS der Ständeversammlung auSgeschiedenen früheren Abgeordneten Pfarrers Creutz zu Heftrich, ist in dem sechsten Wahlbezirke Limburg und Diez ein anderer Abgeordneter zur Ständeversammlung für die dermalige Wahlperiode zu wählen.

Der Herzogliche Kreisbeamte zu Limburg hat nach den Vorschriften deS Wahlgesetzes vom 5. April 1848 die Anordnung zu treffen, daß zu diesem Zwecke die Urwahlen in den Gemeinden der Justiz­ämter Limburg und Diez Sonntag den 3. Novem­ber stattfinden, worauf sodann die Deputirtenwahl am 18. Nov. zu Diez vorzunehmen ist.

Wiesbaden, den 22. Oktober 1850.

Herzoglich Nassauisches StaatSministerium.

Wintzingerode.

vdt. Grimm.

Dienstnachrichten.

Seine Hoheit der Herzog habenden Obersten von Hadeln zum Generalmajor zu er­nennen geruht.

Höchstdieselben haben den JustizamtSak- zessisten Stahl von Limburg an bas Justizamt zu Weilburg und den Bergmeistereiakzessisten R ah t von Dillenburg an die Bergmeisterei zu Diez versetzt.

Den provisorischen Schulvikaren: Weber zu Bach und Sch Wickert zu Sainscheid sind die dasigen Schulstellen definitiv übertragen worden.

Die neu errichtete Lehrergehülfenstelle zu WörS- dorf ist dem Schulkanvidaten SchauS von Ohren und die neu errichtete Schulvikarstelle zu Zinnhain bezu Schulkanvidaten Bechtel von Weilmünster, beiden provisorisch übertragen worden.

Der nach Oberhattert dirigirte Lehrergehülfe Schönbach von Sindlingen ist auf sein Ansuchen auf seiner bisherigen Stelle belassen, dem an die Lehrergehülfenschule zu Sossenheim Direkten Schul- kadidaten Becker von Flörsheim die Schulvikarstelle zu Oberhattert provisorisch übertragen und der nach Sindlingen dirigirte Schulvikar Meis von Lim­bach zum Lehrergchülfen in Sossenheim ernannt worden.

Todesfall. Am 15. September ist der Pfar­rer Eichelmann zu Oberhöchstadt mit Tod ab­gegangen.

Nichtamtlicher Theil.

Deutschland.

0 Wiesbaden, den 26. Okt. Der Antrag des Abg. Leisler auf Ablösung der Erbleihen findet hier und da Widerspruch. Es lassen stv zwar manche Gründe für die Beibehaltung anführen, allein alle werden überwogen von dem politischen Umstande, daß dieses Institut sich nicht mehr halten läßt. Dasselbe ist in Kurhessen, Darmstadt und Preußen aufgehoben. Und diese Staaten haben doch auch Juristen und Finanzmänner.

Statt weiterer Ausführung erinnern wir an die Erfahrung, welche wir bei dem Zehnten ge, macht haben. Deren Ablösung wurde schon vor 20 Jahren in allen Nachbarländern nach einem bil- ligen Maßstabe begonnen. Erst 10 Jahre später entschloß man sich bei und dazu, verlangte aber einen höheren Preis als alle jene Staaten. Die Folge war, daß wir am Ende weniger bekamen als diese. Es liegt nämlich klar am Tage, daß nur unser langes Festhalten der Zehnten und, als man sich endlich zum Nachgeben entschloß, die übermäßigen Preise, welche man verlangte, die Ursachen sind, daß die Bewegung deS JahreS 1848 sich bei uns so entschieden gegen die Zehnten wandte.

Die Ablösung war damals in Kurhessen, Darm­stadt, Baden und Preußen in derselben Lage wie bei unS. Ein Theil der Zehnten war abgelöst und bezahlt, ein Theil, der größte, war abgelöst und die Annuitäten standen noch zurück und ein kleiner Theil Zehnten bestand noch. In keinem jener Lân- der ist nur der geringste Angriff auf die Zehnten

oder deren Annuitäten vorgekommen; nicht einmal in Baden, wo doch die liberalsten Vorschläge Bei­fall fanden. Die Ursache war, weil daS RechtS- qcfühl die Leute abhielt, an einem, ohnedicß schon sehr billigen, Preise auch noch etwas kürzen zu wollen. Anders bei unS, wo das lange Versagen der Ablösung und deren hoher Preis die Volks­stimme aufrief.

Man beherzige doch diese Erfahrung und löse die Erbleihen ab, bevor sie das Schicksal der Zehn, ten haben. Oder glaubt man vielleicht, in unserem kleinen Lande ein Institut halten zu können, wel, cheS alle größeren Nachbarstaaten bereits aufgegeben haben?!

4- Wiesbaden, 26. Okt. Wie sehr die Sache SchleSwig-HolsteinS die Gemüther bewegt, daran haben wir in diesen Tagen wieder einen erfreulichen Beweis gehabt. Der Herr LandtagS-Abgeordneter Keim hat als dritte Gabe der Bewohner Hachen­burgs an den Kassier bed Vereines für Schleswig- Holstein dahier die Summe von 73 fl. 24 kr. ab< geliefert, eine ehrenwerlhe Beisteuer für unsere Brüder im Norden. Wenn in jedem Städtchen Deutschlands ein gleicher Eifer für SchleSwig-Hol- fteinS Sache lebte, wie unter den Bürgern Hachen­burgs, die binnen drei Monaten über 215 fl. zu« sammengebracht und an die hiesige Vereinskasse zur Ablieferung übermacht haben, dann würde eine reichlichere Hilfe den deutschen Kämpfern an der Eider zufließen. Wir hoffen, daß die vermögen, deren Bürger von Hachenburg sich an der Schles­wig-Holsteinischen Anleihe, deren Vermittlung für die dortige Gegend der genannte Abgeordnete in diesen Tagen übernommen hat, nach Kräften bethei- ligen werden.

Höchst, 25. Okt. DaS seit einigen Wochen hier und in der Umgegend auf nassauischem Gebiet diSlocirte f. preußische 2. Garderescrve-Jnfanterie, regiment hat die Weisung erhalten, sich marschfertig zu halten.

cf" Dillenburg, 24. Okt. Es wurde Ihnen schon früher gemeldet, daß unsere Assisenverhand- lungcn eine große Theilnahme finden. Ich kann Ihnen dieses bestätigen. Einen auffallenden Beweis lieferte die heute zu Ende geführte Verhandlung. Trotz ihrer dreitägigen Dauer nahm sic die fort- dauernde Theilnahme des Publikums in Anspruch. ES handelte sich um daS Verbrechen der Schrift, fälschung, deS Meineids und der Verführung zum Meineide, Fälle, die im Ganzen leider nicht selten vorkommen, diesmal aber durch ein merk, würdiges Jneinanderspielcu, sowie durch ein gegen­seitiges Ueberlisten und Jnlriguiren der Betheilig­ten eigenthümliches Interesse erhielten. Dieses In- tercsse steigerte sich während der Verhandlung selbst. HofgerichtSrath von Preuschen, als Vorsitzen- dcr, wußte in umsichtiger Weise den Plan zu er­öffnen, auf dem der Kampf zwischen Staatsan­waltschaft und Vertheidigung Statt finden sollte. Staatsanwalt Giesse entwickelte und begründete mit lauter, deutlicher Stimme und in ächt popu­lärer Weise, mit der Kraft der eigenen Ueberzeu­gung seine umfassende Anklage. Prokurator Braun trat thm als Vertheidiger gewandt und geistreich entgegen und hatte als Bundesgenossen den Pro­kurator Keller, der in seiner einfachen, schlichten Weise, ganz seinem biedern Charakter gemäß, sei­nen Klienten schützte. Das KriegSglück schwankte hin und her, und neigte sich bald auf die eine bald auf die andere Seite. Schon sah man erwartungs­voll dem Resumä des Präsidenten und dem Wahr- spruch der Geschworenen entgegen, als wie in einem spannenden Romane am interessantesten Punkte die Verhandlung abgebrochenund die Entscheidung bis zum Nachmittage aufgeschoben wurde. Nachdem der Präsident bei wiedereröffneter Sitzung in un­parteiischer Zusammenstellung eine Uebersicht der ganzen Verhandlung gegeben uud die nöthigen Wei­sungen an die Geschworenen ertheilt, wurden diese mft sieben Fragen in ihr BerathungSzimmer entlassen. Nach fast zweistündiger Entfernung kamen sie wie­der und sprachen auf alle vorgelegte Fragen daS Schuldig" auS. Da sich aber über das Maß der Strafe von Neuem zwischen Staatsanwaltschaft und Vertheidigung Konflikte erhoben, so konnte sich erst