Einzelbild herunterladen
 

Möchten doch in allen Theilen deâ Landes solche Bibelstunden iu'S Leben gerufen werden und möch­ten sich's doch die Geistlichen recht angelegen sein lassen, daS religiöse Bedürfniß der Kirchengliever zu beleben und zu erhöhen.

§*§ Hadamar, 23. Okt. Der in der Kammer vorgekommene Antrag, wegen Aufhebung der Fi­deikommisse ist wohl in wenigen Orten unseres Lan­des mit solchem Beifall ausgenommen worden , wie bei unS. Einem großen Theil unserer Einwohner ist nemlich durch eine mehrjährige Prozeßangst, die Bedeutung der Fideikommisse sehr klar geworden. Der Fall war der:

Der Freiherr von H a u ß e n besaß hier ein Gut, daS durch Erbschaft von Vater und Großvater auf ihn gekommen war. Er ließ dasselbe im Jahr 1834 parzellenweise versteigern. Alles geschah unter Autorität der Behörden. Die Feldgerichte altestirten das Eigenthum, der Landobcrschultheiß versteigerte, daS Amt konfirmirle die Kaufbriefe und der Staat zog dafür 2 Prozent Taren.Die Steigerer kamen in Besitz und zahlten.

Sieben Jahre nachher trat ein russischer Offi­zier gegen die Steigerer, 62 an der Zahl, mit ei­ner Klage auf, worin er auf den Grund eines im Jahre 1749 errichteten Fideikommisses, von dem Nie­mand wußte und auch mit allem Fleiße nichts erfahren konnte, die Herausgabe der Güter verlangte. Das­selbe Gericht, welches die Kaufbriefe konfirmict hatte, nahm die Klage als begründet an. Ebenso daS Hofgericht. Erst vom Ober-Appellationögericht wurde dieselbe abgewiesen und zwar auS dem al­leinigen Grunde, weil Hadamar vom Jahre 1810 bis 1813 zum Großherzogthum Berg gehört hatte, in dem, durch Dekret deS Kaisers Napoleon vom 12. November 1809 die französische Gesetzge­bung eingeführt und mit ihr die Fideikommisse auf­gehoben worden waren.'

So ist ein großer Theil unserer Einwohner durch einen fremden Eroberer vor einem Verluste bewahrt worden, dem sie die vaterländische Gesetzge­bung ausgesetzt hatte.

Nicht so glücklich waren unsere Nachbaren in dem gleichen Rechtsstreite gegen die Konkursmasse des Freiherrn von Esch zu Langwiesen. Da an diesem Orte die Fideikommisse noch bestehen, so müs­sen sich die Leute glücklich schätzen, im VergleichS- ' Wege, durch Hingabe eines Theiles, den Rest zu retten.

Wetzlar, 23. Oktbr. (F. I.) Nachdem in ver­flossener Nacht fünf Estaffetten hier angekommen. und abgegangen waren, ist heute früh daS hier j und in den Döfern liegende Militär, das 13, und 14. Infanterieregiment, Artillerie und Uhlanei, nach Kurhessen aufgebrochen, um, wie es heißt, von Lollar auf der Eisenbahn direkt nach Kassel .befördert zu werben. Diese Durchmärsche haben den ganzen Tag fortgevauert; nur die in Braunfels stationirte Garde soll, wie cs heißt, vor der Hand da bleiben. Morgen früh wird das übrige hiesige Jnianteriemilitär denselben Weg nehmen. Die Mannschaft war lustig und guter Dinge.

In einer Mittheilung desselben BlatteS aus Gießen vom 23. Oktbr. heißt eS: So eben rücken hier 3000 Preußen , Uhlanen und Infanterie, ein, die in Eilmärschen von Wetzlar über Gießen und die preußische Elappcustraße (Grünberg, Alsfeld ic.) sich durch's Fuldaische bis nach Vacha auf dem Rhöngebirge nudoebnen werden. Der Aussage der Leute nach, wäre erst diese Nacht 12 Uhr der Befehl zum AuSrücken gekommen und Alles schleunigst aus- gebrochen. Wenn nun die Vermuthung richtig ist, daß diese Truppen den Bayern zuvorkommen sollen, so öffnet sich hier ein lichter Blick in den Ernst der Situation. Wäre Preußen mit Bayern und Oester­reich in der Behandlung Kurhessens (und was da­mit zusammenhängt) einig, wozu diese Eile? Mag Preußen gezögert haben, bas Schwert zu ziehen, mag cs sich wörtlich dazu nöthigen lassen, cs wird wohl selbst begreifen, daß seine eignen Interessen mit denwahren" Interessen der deutschen Nation unzertrennlich verbunden sind.

Fulda, 23. Okt. (Fr. I.) Eingegangenen Nach­richten zufolge steht ein preußisches Armee­korps dicht an der fnldaischen Gränze bei Buttlar. Da mehrfach auS Bayern mitgetheilt worden ist, daß bayerische Truppen Fulda und Ha­nau besetzen würden, so gewinnt der Vertrag von Ried wieder einige Bedeutung, in welchem bekannt­lich Oesterreich der Krone Bayern den Besitz deS vormaligen GroßherzogthumS Frankfurt garantirt hat, wogegen Bayern Tyrol an Oesterreich überließ. Zwar hat nun Oesterreich Tyrol, Bayern aber nur einen Theil deS ehemaligen GroßherzogthumS Frank­furt erhalten, weßhalb noch bis heute Oesterreich an Bayern jährlich 100,000 fl. Entschädigung leistet. Je nachdem die obschwebenden Verwickelungen in der deutschen, beziehungsweise kurhesstschen Frage gelöst werden, könnte möglicher Weise ein Arrange­ment zu Stande gebracht werden, mittelst dessen Oesterreich und Bayern den Vertrag von Ried zu beider Zufriedenheit wieder zu Ehre brächten.

Kassel, 22. Oktober. (D. Z.) Auch die letzte Hoffnung, dem unglücklichsten aller hessischen Für­sten die Augen zu öffnen, ist verschwunden. Der Ober-AppellalionsgcrichtSrath Elvers, ein Mann von den allerkonservativsten Gesinnungen ist diesen Abend von Wilhelms bav zurückgekehrt, mit der nie­derschlagenden Nachricht, daß alle seine Bemühun­gen, den Kurfürsten szur Annahme eines andern Ministeriums zu bewegen, vergeblich waren. Die Ministerkrisis hat sich vollständig zerschlagen. Da­gegen hat das Wilhelmsbader Komplott sich durch den viel genannten Staatsrath Scheffer verstärkt. Letzterer ist zum Mitgliede des StaatSministerinms ernannt. Diese'Ernennung läßt unS daS Schlimmste erwarten. Dennoch werden wir ausharren, Ober- sinanzrath Duysing soll heute von Volmar nach Wil- helmSbav berufen sein. RechnungSrath Kramer ist zum Vorstand der Kommission für die Verwaltung der direkten Steuern ernannt, Oberfinanzrath Wie­derhold zum Vorstand der Kommission für die Ver­waltung der indirekten Abgaben und Oberforstmeister von Lorenzen zum Vorstand für die Verwaltung deS Forstwesens.

Der Generalstab deS preußischen Observations­korps soll sich gegenwärtig in Vacha befinden, einem Oertchcn in der Nähe von Eisenach.

Stuttgart, 23. Oktbr. Der Fürst Waldburg- Zeil gibt imBeobachter" folgende Erklärung: DerStaatSanzeiger" vom 18. d. M. enthält die Nachricht, daß ich dem Könige eine Bitle um Strafaufschub eingereicht habe. Vorerst erkläre ich dies als eine Lüge; die Aktenstücke werden veröffent­licht werden, wiewohl Jeder, der mich kennt, auch ohnehin weiß, daß ich den König für mich um keine Gnade bitte."

München, 21. Okt. (N. C.) DaS am Main aufzustellende Truppenkorps dürfte vor 8 oder 10 Tagen kaum vollständig formirt und ausgerüstet sein. Inzwischen aber schreitet man bereits zur Aufstellung einer angemessenen Reserve für dasselbe, d. h. es werden die Einleitungen hiezu hier und in Wien getroffen, da die Reserve zum großen Theil auS österreichischen Truppen bestehen würde. Dieß soll auch der Anlaß zu der schon erwähnten Sen­dung des Generalmajors v. d. Mark und Obristen Heß von hier nach Wien sein.

Die Berathungen der Bischöfe in Freising sind am 18. d. zum Beschlusse gekommen. Ueber den Charakter der gefaßten Beschlüsse berichtet die Augs­burger Postztg., daß sie,eine vollkommene Durch­führung des Konkordats" verlangen.Die Kirche j soll einmal, sagt daS Augsburger Organ, in den vollen Genuß ihrer alten, durch das Konkordat garantirten Rechte, der selbstthätigen Verwaltung ihres Vermögens, der Verleihung der Kirchenämter, der Bildung deS Klerus nach ihrem alleinigen Er­messen, der Anwendung ihrer religiösen Vereine zur Erziehung kommen". Die Bischöse wollen daS Re­sultat ihrer Berathungen Sr. Majestät in München selbst überreichen.

München, 22. Oktober. (N. M. Z.) Gestern Abend nach 10 Uhr ist Se, Maj. der König Mar, von Berchtesgaden kommend, hier wieder einge­troffen.

* Leipzig, 21. Okt. Dem akademischen Senat steht eine neue Reorganisation und wahrscheinlich Reduzirung der bisherigen Mitgliederzahl bevor; der Eintritt dieser Neuerung aber wird von der Beendigung der DiSziplinaruntersuchung gegen die dermalen suSpendirten Mitglieder abhängen, in de­ren Gefolge die Aufhebung der Suspendirungen erwartet werden müsse. BiS zu dieser Frist soll Alles in statu quo bleiben und daher die Wahl eines Rektors für das anstehende akademische Ge­schäftsjahr ebenfalls erst mit Eintritt der reformir- ten Verfassung erfolgen.

Hannover, 22. Okt. Rach der Börsenhalle soll der Genera! Jacobi sich bestimmt geweigert haben, bad Kriegsministerium zu übernehmen. Hiernach wären die gestrigen Nachrichten über die Minister­krisis zu ergänzen. Die Gesammtsumme der Ein­nahmen deS hiesigen Zentralvereinö für Schleswig- Holstein beträgt jetzt nach dem 39. Bericht desselben 18,316 Thlr. Cour. Die Wochenbeitrâge in der Stadt Hannover haben bis zum 18. Oktober 482 Thlr. eingetragen. In Osnabrück haben die Lehrer deS dortigen cnvangelischen Gymnasiums den Schülern die Sammlung sür Schleswig-Holstein untersagt.

Luxemburg, 18. Oktober. In der gestrigen Sitzung der Ständekammer wurde daS Budget der auswärtigen Angelegenheiten verhandelt. Für den Bau der Festungen Ulm und Rastatt wurden aber­mals 17,161 Francs bewilligt; dabei stellte die Zentralabtheilung in ihrem Berichte die Frage, ob auch die andern deutschen Staaten seit 1848 ihren Bundesverpflichtungen so gewissenhaft nachkommen, wie wir, und ob die verlangte Summe im Ver­hältniß zu unserer schwachen Bevölkerung nicht zu hoch wäre?

Berlin, 22. Okt. Man ist hier im Höchsten Grade gespannt auf die Resultate der Warschauer Konferenz, die in der That einen politischen Cha. raster annimmt. Die Gerüchte über jene Konferenz kreuzen sich. Oesterreich scheint die Besprechungen in Warschau als entscheidend zu betrachten und nichts zu versäumen, deutsche Fragen auf ein fremdes Gebiet hinüberzuspielen. Gegenüber diesen Nach­richten muß wiederholt darauf hingewiesen werden, wie die französische Regierung zu einer Allianz die Hand reicht und wie die französische Regierung sich in dieser Politik, darf man anders den französischen Blättern trauen, auf eine sehr breite Majorität des französischen Volks stützt. Wenn nun auch Lord Palmerston sich enschieden der preuß. Politik zuncigt, so wird Preußen in diesen Allianzen sicher eine ge­nügende Entschädigung für die sich ihm entgegen­stellende österreichische Politik finden.

Es ist bereits mitgetheilt worden, daß der Prinz von Preußen bis nach der Rückkunft des Grafen von Brandenburg auö Warschau, die noch in dieser Woche erwartet wird, hier verbleibt. Der Grund hicfür soll darin liegen, daß bei der noch immer hier gewünschten und beabsichtigten Zusam­menkunft der russischen Kaisers- und der preußischen Königsfamilie, für die eben Graf Brandenburg die weitere Verabredung zu treffen den Auftrag hat, der Prinz gegenwärtig zu fein wünscht. Sollte die erwähnte Zusammenkunft daher zu Stande kommen, so wird der Prinz noch längere Zeit hier verweilen, andernfalls aber schon Ende dieser Woche nach Koblenz abgehen. Für den Fall, daß die Nachricht von der abermals beabsichtigten Zusammenkunft deS österreichischen Kaisers mit dem Czar ihre Bewahr­heitung erhielte, soll Prinz Carl von Prenßen dazu ausersehen sein, gleichfalls sich nach Warschau zu begeben, um den gegenteiligen Einwirkungen mög lichst entgegen zu treten.

Bekanntlich weilt auch der Prinz Friedrich von Hessen im Augenblicke am Hoflagcr des Kaisers von Rußland in Warschau. Hier hatte derselbe bei seinem dreitägigen Verweilen auf der Durchreise an entscheidender Stelle Veranlassung genommen, in der bestimmtesten Form zu erklären, daß er im Falle einer Abdankung des Kurfürsten etwa im In­teresse eines anderen Erbfolgers (man sprach be­kanntlich bisher immer von einer projektirten Ab­dankung zu Gunsten deö Großherzogs von Hessen) nimmermehr auf feine Erbansprüche verzichten werde. Er bemühte sich andererseits aber auch, hier in der entschiedensten Weise für eine gütliche Ausgleichung der beiden deutschen Großmächte in der kurhessischen Angelegenheit zu wirken, und eS soll diesen Bemü­hungen vornehmlich zuzuschreiben seyn, daß das ge­rade in jener Zeit bereits -beschlossene Einrücken preußischer Truppen in daS Kursurstenihum noch unterblieb. Da Prinz Friedrich dem russischen Kai­ser bekanntlich durch verwandtschaftliche Beziehungen sehr nahe steht, und der präsumtive Thronfolger in Kurhcssen ist, so erwartet man gleiche erfolgreiche Einwirkungen von ihm in Warschau.

ES verdient als ein charakteristisches Zeichen angemerkt zu werden, daß trotz des schroffen Ver- Hältnisses, in welchem die Regierungen von Preu­ßen und Oesterreich zu einander zu stehen scheinen, trotz der kriegsgerüsteten Heere, welche in beiden Ländern den Grenzen zurücken, der Minister von der Heydt einen österreichischen Orden erhalten und eine ganze Reihe preußischer Orden solchen öster­reichischen Beamten , welche zu dem Ressort deS Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten gehören, zu verschaffen gewußt hat.

Die Verhandlungen, die unter preußischer Ver­mittelung wegen einer Abdankung des Herzogs von Bernburg geführt wurden, um so die Gesammtheit der anhaltischen Länder schon jetzt unter die Ober­hoheit des Herzogs von Anhalt-Dessau zu bringen, sind völlig gescheitert.

Schleswig-Holstein. Der Alt. Merk, enthält einen warmen Aufruf für die abgebrannten in Friedrichstadt, wo sich jetzt ein Komite zur Empfang­nahme und Vertheilung der Beiträge gebildet hat. Der Gesammtschaden wird einschließlich ver Kirchen und Mühlen auf 600,000 Mk. geschätzt. Auch die Hamburger Blätter enthalten Aufrufe an die dor­tigen Einwohner. ES wird daran erinnert, daß Friedrichstadt, die kleine, immer dürftige Stadt mit ihren 2400 Bewohnern, bei dem großen Brandun­glück dem reichen Hamburg Tausende geschenkt hat. Die Einwohner fangen an, sich in der zerstörten Stadt wieder häuslich einzurichten. Vom 9. bis 14. Okt. sind an 3272 Personen eben so viele Portionen Lebensmittel ausgetheilt worden. Auch die Dänen sind für die unglückliche Stadt fortwährend thätig.

Kiel, 20. Okt. Bei Flensburg liegen fort- währenv 72, in zwei Brigaden eingetheilte Trans­portschiffe. Mehrere Stück Belagerungsgeschütz, welche am 4. Okt. zu Schiff in Flensburg ange- kommen sind und nach Friedrichstadt bestimmt waren, sind nicht weiter als bis Husum gekommen. Alle Lazarethe in FlenSburg sind voll, und im Oktober hat man dort noch neue Lokalitäten zur Unter­bringung von Verwundeten und Kranken hinzu-