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durchdrungen, nöthigenfqllS gegen die Feinde Kur« Hessens zum Kampfe geführt zu werden.

Darf man darin den Ausdruck der so vielfach in Zweifel gezogenen höheren Politik suchen, dann findet diese in allen Hioffgeu Kreisen und bei deir verschiebenartigsten politischen Glaubensgenossen den freudigsten Wiederklang, denn Alle zollen dem mehr als ruhmvollen und wohl einzig in der Geschichte dastehenden Auftreten des kurhessischen Volkes die gebührende Hochachtung, Alle sehen in dem Erfolge dieses Verhaltens das, was Deutschland wenigstens für die nächste Zukunft zu erwarten haben wird.

Fulda, 21. Oktbr. (M. I.) Heute wird daS erste Bataillon des hiesigen Infanterieregimentes von Kassel in unsere Stadt zurückkehren. Da gegen« wärtig das hier garnisonlrcnbe Infanterieregiment eine Stärke von 1800 Mann besitzt, so wird ein Theil der Mannschaft auf fünf in der Nähe der Stadt liegende Dörfer verlegt werden. Die Ange« legenheit der Offiziere ist immer noch in Schwebe und keine Resolution auf ihr Abschiedsgesuch erfolgt, doch glauben viele derselben, der Abschied werde schwerlich vorcnthalten werden und eine Auf« lösung des Armeekorps dann erfolgen. Diese An« sicht scheint dadurch an Warscheinlichkeit zu gewin« nen, daß seit gestern das Einrücken fremder Trup« pen in unsere Gegend nicht mehr beweifelt wird und zwar sollen, wie es^hicr allgemein heißt, die Bayern zunächst vom Süden her einrücken-, wäh­rend die Preußen bis nach Buttlar, dem ersten Dorfe weimarsscheu Gebietes, bereits die zur Auf­nahme eines bei Erfurt sich sammelnden Armeekorps erforderlichen Quartiere eingesehen und bestimmt haben.

Wir gehen ruhig und gelassen unserem Schick­sale entgegen, die fremden Gäste werden keine Spur von Widerstand in unserem Lande finden, sie wer« den sich vielleicht darüber wundern, eine ruhige und friedsame Bevölkerung zu finden und keine kampfgeküsteten Parteien , keine Gelüste nach einer Schilderbebung â la Baden auzutreffen. Wenn man übrigens glaubt, daß durch fremde Bajonnette der allgemeine und tief in den Herzen eingegrabene Widerwille gegen das jetzige Ministerium verscheucht und die Herzen dem Kurfürsten wieder zugewendet würden, so dürfte man sich irren und wer diesen Irrthum ^verlieren will, der komme hierher und höre die Stimmung der ganzen Bevölkerung in der Stadt wie auf dem ganzen flachen Lande.

Vorgestern ist der schleswig-holsteinische Haupt­mann Junk, früher hier als Lieutenant in Garni« son, in unserer Stadt angekommen und zeigte sich gestern in der schönen schleSwig-holsteinischen Uni» form. Er hat sich in der Schlacht bei Idstedt rühm­lichst ausgezeichnet und der Zweck seiner Reise soll das Engagement kurhessischer Offiziere sein, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht schwie­rig sein dürste. Der frühere kurhessische Jägeroffizier Har tert hat bei dem Sturme auf Friedrichstadt eine seltene Äravour gezeigt und ist durch einen den Oberschenkel durchdringenden Schuß schwer ver­wundet worden.

Kassel, 20. Oktober. (N. H. Z.) Der Stadt­kommandant, Herr Generalmajor v. H e l m s ch w e r d, hat auf die Aufforderung des kurfürstlichen Ober- gcrichtS, auf Grund des §. 123 der Verfassungs­urkunde zu bes^irfen, daß Herr Oetker sofort seiner Haft entledigt werde, gestern ablehnend geantwortet; als Grund ist angeführt, weil daS Kastell nicht un< icr der Stadlkommandantnr stehe. Als ob darauf hier, wo es sich um Vollziehung eines rechtskräf­tigen Erkenntnisses deS Gerichts handelt, Etwas ünkämc! Als bo es nicht ganz gleichgültig wäre, ob das Kastell unter dem Generallieutenant v. Hay« nau, oder unter dem Kriegsministerium oder unter einer beliebigen andern Person oder Behörde steht! Es gibt keinen Ort in Kurhessen, über den sich der Arm der Gerechtigkeit nicht erstreckte; eS gibt kein Asyl deS Unrechts, wenn man nicht daS ganze Land als ein solches jetzt ansehen will. Nach §. 123 der Verfassungsurkunde muß jede Zivil- und Militär­behörde den Requisitionen der Gerichte zum Zwecke der Urtheilyvollziehung^ Folge leisten; thut sie es nicht, so macht sie sich der Verfassungsverletzung schuldig. Wohin sollte der Grund der kurfürstlichen Sladtkommandanlur denn auch führen, wenn z. B. daS Kastell noch wie früher unter dem unmittelbaren Befehle Sr. königl. Hoheit des Kurfürsten stände! Sollten sich die Thore deS Kastells für den niemals öffnen, der wider Recht und Gesetz hineingeführt ist und darin gefangen gehalten wird!? Und wenn Hr. Oetker in den Klauen deS leibhaftigen SatanS wäre, so ist die Stadlkommandantur verpflichtet, ihn auf Requisition der Gerichte herauSzuholen.

Kassel, 21. Okt. (D. 3 ) Der Lieutenant Biedenfelv aus Hanau, dienstthuender Offizier bei einem der Flügeladjutanten des Kurfürsten, war gestern mit Depdschen an den Generallieutenant Haynau hier und ist heute wieder mit Depeschen nach WilhelmSbad äbgereist. Daraus mag daS Gerücht entstanden sein, Genttat Haynau selbst sei nach Wilhelmsbad abgegangen. Vor einiger Zeit befand sich hier eine ziemlich zweideutige Person,

welche sich Baron Köller nannte, früher in Preuß. Diensten gewesen und mit Hrn. v. Manteuffel, Hrn. v. Rabowitz und anderen hervorragenden Persönlich­keiten sehr bekannt sein wollte. Dieser Mann, der nach seiner Angabe im Süden begütert mar, erregte hier vielseitig Aufmerksamkeit und erweckte im Laufe der Zeit manches Mißtrauen. Nachdem er gewaltig über seine Bekanntschaft mit den genannten Preuß. Ministern renommirt und auch hin und wieder sich über unsere politischen Zustände mißbilligend ge­äußert hätte, bemerkte er auch einmal eines TageS, daß Hr. v. Manteuffel die Haltung des Volkes keineswegs gutheiße, daß daS Volk überhaupt mit seinem passiven Widerstände nicht weit kommen werde Preußen und Oesterreich würden das nicht länger dulden. Nachdem er sich in ähnlicher Weise öffentlich ausgesprochen, traf er eines TageS im Gasthofe zum Könige von Preußen mit mehreren Offizieren zusammen. Diese warfen ihm zuletzt vor, er sei ein österreichischer Spion. Der fremde Herr Baron nahm diesen Vorwurf sehr betroffen aber dennoch äußerlich ruhig hin und war den andern Tag verschwunden. Der geheime Oberfinanzrath Duysing ist nicht, wie ich gestern irrthümlich meldete, wieder nach Wilhelmsbad berufen, sondern befindet sich nach wie vor hier.

Kassel, 17. Okt. Der Hof- und Garnisons- Prediger Martin ist nicht auf Befehl wie von einem Ihrer Korrespondenten unlängst gemeldet wurde sondern aus eigenem Antrieb in Wil­helmSbad gewesen, und zwar in der Absicht, um als Garnisonöpiediger den Schritt der Offiziere dem Fürsten im rechten Lichte darzustellen.

München, 19. Okt. DaS 2. Armeekorps wird vollständig, auf den Kriegsfuß gesetzt. Jedenfalls scheint man auf einen langem Aufenthalt der Trup­pen im fremden Lande zu rechnen, denn für diesel­ben wird u. A. auch eine Feldpost eingerichtet. Al­lein trotz der kriegerischen Artikel derNeuen Münch. Ztg. glaubt hier Niemand im Ernst an einen Krieg, abgesehen davon, daß hierzu die Hauptsache, näm­lich daS Geld, fehlt.

München, 18. Oktbr. Der A. Abdz. zufolge märschiren nach der heute getroffenen Verfügung vorläufig keine Truppen in Kurhessen ein.

Berlin, 20. Oktober. Zur größeren Präzision der hessischen Vorschläge kommt von verschiedenen Seiten die Nachricht, baß der Kurfürst die verei­nigte Entscheidung aller deutschen Regierungen (also nicht mehr deS Bundestages allein) angeregt habe. Dies traf also mit den früheren preußischen Pro- positionen fast zusammen. Man glaubt aber nicht, daß Oesterreich darauf eingehen wird.

Die Voruntersuchung gegen den invaliden Un­teroffizier Sefeloge, wegen des an dem Könige verübten Attentats, ist mit Einholung des schon frü­her in diesen Blättern besprochenen Gutachtens deS Medizinalkollegiums schon seit mehreren Wochen ge­schlossen. Obwohl beide Sachverständige erster In­stanz darin übereingestimmt haben, daß Sefeloge völlig unzurechnungsfähig sei und gerichtlich gar nicht bestraft werden könne, so sollen doch beide I in der Motivirung dieses Ausspruchs wesentlich von einander abgewichen sein, und hieraus soll man ! Veranlassung genommen haben, die Entscheidung der höheren Medizinal-Instanz einzuholen, welche dann dahin ausgefallen ist, daß bei Sefeloge wohl eine Verminderung der Zurechnungsfähigkeit vorliege, daß er aber keineswegs im juristischen Sinne völlig straflos sei. Dieses Gutachten soll in logischer und medizinischer Beziehung auch bei Weitem den Vor­zug vor dem Gutachten erster Instanz verdienen, da die firen Ideen deS Sefeloge offenbar zwar hingereichl haben, ihn in den Glauben zu versetzen, als hätte er Gründe zur blutigen Rache gegen deS Königs Majestät, diese firen Ideen aber nimmer­mehr soweit gegangen sein können, ihn zu der An­sicht zu verleiten, eine solche blutige Rache sei erlaubt, wie DieS schon aus der ganzen Heimlichkeit und wohl­berechneten Einleitung seines Planes hervorgeht. Se­feloge würde also hiernach in seiner Strafbarkeit juri« stisch einem Menschen gleichzustellen sein, der angeb­lich Ursachen zu einer Rache gehabt hätte und sich hat verleiten lassen, solche zu befriedigen. Durch den Ausspruch deS Medizinalkollegiums wird sich der Staatsanwalt jedenfalls in die Lage gesetzt sehen, daß er die Anklage gegen Sefeloge erheben muß, und läßt sich vermuthen, daß die Akten bereits der Rathskammer zur Beschlußnahme vorliegen. Mag diese nun auf die Anklage erkennen oder nicht, so geht die Sache dann an den Anklagesenat deS Kam- mergerichtS, der definitiv über die Erhebung der Anklage zu entscheiden hat.

* Berlin, 20. Okt. Während wir in unseren inneren Angelegenheiten, so schreibt man der D. Z., nicht vom Fleck kommen (was in gewisser Rücksicht nicht sehr zu bedauern sein möchte), hält Frankreich den Moment für günstig, in Berlin Position zu nehmen. ES gibt keine unklarere Diplomatie , als die bonapartistische. Der französische Agent ^in Frankfurt neigt sich durchaus zum Bundestage. Sie

dürfen dies als sicher ansehen, was auch dagegen aufgebracht werden mag. Hier will man Preußen in seinem Widerstande gegen Oesterreich scheinbar bestärken. Es ist dies schon oft geschehen und hat, bei der mißtrauischen Nâtur der Persönlichkeiten, fast immer eine Annäherung der über daS Herein­treten des Auslandes stutzig gewordenen Kabinete zur Folge gehabt. Nicht alS ob der Präsident dies berechnete und wollte, eS ist ihm nur darum zu thun , wieder etwas zu gelten, gehört zu werden, Einfluß zu gewinnen und Position zu fassen. Wer geneigt wäre, diese Absicht für übertriebene Befürch- hing zu halten, der erinnere sich, daß Frankreich noch so eben auf dem Punkte war, den Bundestag anzuerkennen und nur durch die erneute Instruktion Palmerstons an seinen Geschäftsträger in Wien, dahin gehend, daß er für jetzt in dem Bundes­tage daS Zentralorgan Deutschlands nicht zu er­kennen vermöge, in dem bösen Treiben aufgehalten worden ist.

Die schleswig-holsteinische Sache wird nach der Lith. Corr. in der That durch eine Interven­tion Rußlands, Englands und Frankreichs bedroht. Oesterreich, das hierzu nicht die Hand bieten möchte, hat die Absicht, mit Preußen in Verhandlungen zu treten, um vielleicht eine Vermittelung durch ge­meinsame Schritte der beiden deutschen Großmächte möglich zu machen. Namentlich würbe man in Be­zug auf Holstein sich selbst zu einer energischen Parteinahme verpflichten.

Schleswig'sche Westküste, 14. Okt. (N. f. Pr.) In Betreff des Seegefechts vom 17. Sept, zwischen unsern drei Kanonenböten (Befehlshaber Hansen) und dem Dampfer Kiel (Marine-Lieutenant C. Be« nebiren) einerseits und dem dänischen Dampfer Geyser (Kapitän-Lieutenant Wulff) andererseits, in der Nähe von englisch Sand vor der Altenhewer, möchte es von allgemeinem Interesse sein, nachträg­lich noch Folgendes, was bisher unveröffentlicht geblieben, unsern Lesern mitzuiheilen:In diesem Seegefecht fiel dänischerseits der Nächstkommandirende auf dem Dampfer Geyser. Die Leiche desselben ward, nachdem laut Aussage der Lootsen alle andern Gefalleiren auf dem Geyser sogleich über Bord geworfen worben waren und zwar ohne Sarg, nach beendigtem Kampf nach Wyck auf der Insel Föhr gebracht und i dort auf dem Kirchhofe der St. Nlkolaikirche beerdigt. I Die Bestattung war sehr feierlich und geschah unter i den größtmöglichen militärischen Ehren. Die sämmt­liche dänische Besatzung auf Föhr war gegenwärtig und begleitete den gefallenen Seemann zu seinem Grabe, eine kleine Viertelstunde westwärts von dem Flecken Wick entfernt. ?Iuf TFn norb^eftfien 9rty > seln ist noch immer die alte Weise herrschend, baß der Küster mit wenigen Schulknaben bie Leichen nach dem Kirchhof singt, und auch ein Gesang am Grabe, während der Sarg in die Erde gesenkt und

Idas Grab zugeschüttet wird. Die Dänen wollten diese Sitte hier bei dem Begräbniß ihres LanbS» Mannes auch mitmachen, allein die Knaben im Kirch­spiele wollten durchaus nicht singen. Mit vieler

I Mühe gelang eS endlich, acht von diesen Knaben > dazu zu bewegen, und so schritt denn, zum Erstaunen der Bewohner (denn so etwas war ihnen bisher etwas Unerhörtes gewesen) der lange Leichenzug abwechselnd unter Gesang und Trauermusik von Wyck nach dcn?Qrt seiner Bestimmung auf den oben auf freiem Felde allein liegenden Kirchhof, in dessen Mittelpunkt die Kirche steht". Die Dänen hatten in Folge dieses Gesechts am 17. September blos 11 Verwundete angegeben, wovon einer bald darauf gestorben, ihre Tobten aber ganz verschwiegen. Die Zahl ihrer Tobten aber ist beträchtlich gewesen, wie man aus sicherer Quelle weiß, und sie haben sie nicht umsonst sofort über Bord geworfen.

Schleswig-Holstein. Vom Kriegsschauplatz nichts Neues. Ein gefangener dänischer Husar ist am 17. von Kropp in Rendsburg eingebracht wor­den. In dem nach den Friedrichstädter Kämpfen am 6. Oktober ausgegebenen Armeebefehl war der Mitwirkung der Marine nicht erwähnt; ein neuer Armeebefehl, der am 8. Okt. erschien, ist deßhalb als eine Ergänzung des ersteren anzusehen. Der­selbe lautet:Bei den Vorfällen von Friedrichstadt haben sich bie Kanonenböte unter Führung des Lieutenant Kier vorzüglich unerschrocken und mit größter Ausdauer geschlagen, wofür ich ihnen, sowie denen, welche früher gegen denHecla" bei Kiel und gegen denGeyser" gefochten, hiermit die A»« erkennung und den Dank auöspreche, welcher ihnen mit großem Rechte gebührt".

Schleswig-Holstein. Die Kölnische Zeitung vom 22. Oktober schickt ihren Nachrichten vom Kriegsschauplätze folgende Betrachtungen voraus: Die Lage der Herzogthümer ist zwar noch immer eine bedenkliche; aber jedenfalls ist sie gegenwärtig doch besser als vor zwei Monaten. Es ist kein geringer Vortheil , daß die Mitte deS Oktobers er­reicht worden. Wenn die preußische Politik bisher dafür, sorgte, daß eS weder 1848 noch 1849 einen Winterfelbzug gegeben hat die Vortheile deS Winters werben dieses Mal gegen Dänemark gelten.