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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 2SL

Donnerstag den 24L Oktober

1850,

ci Allg. Zeitung ir.it dem Wanderer erscheint einmal täglich in G r oysol l o - Forma t, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PränumecationSvreiS in Wiesbaden für den Umfang des Herzogthums Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthum« Hessen, der Landgrafschalt Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen VerwaltuugSgebieteS » fl. IO fr. Inserate werden die dreisvaltige Petitzcile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Schellenberg'schen Hof- Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Für Schleswig-Holstein.

Deutschland. Wiesbaden (Landtagsverhaiidlung). Vom Taunus (Der Taunuswächtex). - V o n der mitt­leren Lahn (Kartoffelkrankheil). - Hadamar (Die preußischen Truppen). - Fulda (Das Entlassungsgesuch der Offiziere. Die fremden Truppen). Kassel (Oetker. Depeschen. Baron Keller). München (Die Truppen­bewegung. Gerüchte). Berlin (Das Schreiben des Kurfürsten. Sefeloge. Die französische Politik. Inter­vention der Großmächte). Schleswig-Holstein (Das letzte Seegefecht. Neuer Armeebefehl). Kiel (Der dänische Generalstab beinahe gefangen). Wien (Organische Gesetze. Pairskammer. Major Babarczi. Die galizische Verfassung. Rückkehr des Kaisers, Fürst Schwar­zenberg. König Otto. Trennung Fiumes von Kroatien. Die italienische Anleihe).

Ungarn. (Die Flüchtlinge. Geschäftâsprache. Baron Vay). Frankreich. Paris (Marschall Soult. Lamoriciere und Bedeau. Die türkische Flotte).

Spanien. Madrid (Soulougue und die Erpcdition gegen Hayti und Kuba).

Italien. Florenz (Der Malteserorden). Turin (Hr.

Pinelli. Die Kammern. Vermischtes).

Neueste Nachrichten. s

** Für Schleswig-Holstein.

Unter denjenigen, die noch Sinn für Natio­nalität, die noch Liebe zum Vaterland haben, besteht kein Zweifel, daß in Schleswig-Holstein ein Kampf für Deutschland, für Deutschlands Selbstständigkeit, Recht und Ehre gekämpft wird. Es ist heilige Pflicht jedes Deutschen, der noch Anspruch auf diesen Namen zu machen berechtigt sein will, der Bevöl­kerung von Schleswig-Holstein die Lasten dieses Kampfes nach Kräften tragen zu helfen. ES ist Je­dermann Gelegenheit dazu gegeben.

Wer im Stande ist, mit den Waffen diese hei­lige Sache zu unterstützen, der sollte nicht säumen, in das Schleswig - Holsteinische Heer einzutreten. Die verschiedenen Komite's werden die dazu Bereiten mit den nöthigen Reisemitteln unterstützen.

Dort ist der Platz, KriegSehre zu ernten, und den Solvatenberuf zu erfüllen, das Beste, was ein Volk jbesitzt, seine nationale Selbstständigkeit mit dem Schwerte zu schützen. ES handelt sich um die­selben Güter wenn auch in engerem Raume um welche in d ir Freiheitskriegen ein Scharnhorst, ein Römer und so Viele, deren Namen glänzen werden, so lange es eine deutsche Geschichte gibt, in die Schlacht gezogen sind.

Wer nicht in der Lage ist, diese Sache die einzige, welche tn dieser trostlosen Zeit das Gefühl der Nationalität, die Grundlage aller Wohlfahrt, des ganzen NechtâzustandeS eines Volkes belebt und wach erhält mit den Waffen zu unterstützen, der helfe mit Geldbeiträgen, der Wohlhabendere und Unbemittelte Jeder nach seinem Vermögen!

Durch die Wochenbeiiräge, die über das ganze Land auSgebreitet werden sollten, ist Jeder im Stande, sich zu betheiligen. Sechs, drei Kreuzer kann Jeder erübrigen.

Die freiwillige Anleihe bietet Gelegenheit dar, auch größere Summen beizusteuern. Es ist dabei nicht mehr, eS ist weniger zu risquircn, als bei vielen andern Anlehen. Die Herzogthümer sind wohlhabende Länder. Wenn sie augenblicklich nicht im Stande sind, die ungeheuern Lasten, die ihnen der Krieg auferlegt, allein zu tragen, so werden sie doch die Zinsen aufbringen und demnächst das Ka­pital zurück zu erstatten im Stande seyn. Dafür bürgt der ehrenwerlhe Charakter ihrer Bevölkerung. Siegen sie am Ende doch nach allen Wechselfällen, die im Kriege nicht ausbleiben und ein mannhaftes Volk nicht beugen, so wird Niemand an der Sicher­heit des Anlehens zweifeln; siegen sie nicht, so muß doch ein Friede geschlossen werden, der die Verbind­lichkeiten garantirt, welche die von den deutschen Regierungen selbst eingesetzte Statthalterschaft ein, gegangen ist. Wir haben viel unglaublich Schei­nendes erlebt. Aber daran zweifeln, daß sich die deutschen Regierungen, ohne im Kriege dazu gezwun­

gen zu seyn, einen Frieden diktiren ließen, welche ihre eigenen Handlungen für nichtig erklärte, das hieße verzweifeln nicht allein an ihrer Ehre, nein an ihrer ganzen moralischen Eristenz.

ES gibt zwar Menschen, die dieß Alles nicht einsehen, die die Sophistereien deâ dänischen Bevoll­mächtigten in der Eschenhcimergaffe sehr plausibel finden, denen auch alles dieß gleichgültig ist, die nur dem Gedanken nachhängen, wie sie ihres LeibeS Gelüste befriedigen, oder ihre Glücksgüter vermeh­ren; das sind die rechten Philister, die heute ihre Grundsätze (!) vorschützen, wenn sie um einen Beitrag für Schleswig-Holstein angesprochen werden, und morgen, wenn sich daS Blatt dreht, sich die Bärte wachsen und allenfalls auch die rothe Mütze aufsetzen lassen! Wer aber zu ihnen nicht gehört und nicht gerechnet werden will, der darf jetzt, wo es noth thut, er mag sich zu einer politischen Ansicht bekennen, zu welcher er will wenigstens mit einem geringen Scherflin nicht zurückbleiben in einer Sache, wo er beweisen kann, daß er ein Herz hat für's Vaterland, daß er auch ein Opfer zu bringen im Stande ist, wo es sich um die Ehre, um bi1 Eristenz von Deutschland handelt.

Die Bevölkerung von Nassau steht mit ihren Beiträgen hinter fast allen deutschen Ländern zurück. Das kleine Lippe-Detmold z. B. mit etwa 80,000 Einwohner hat bis zum 1. Oktbr. d. J. 2450 Thlr. pr. Eour.; Nassau mit 417,000 Einwohner bis zu demselben Tage 2280 Thaler beigesteuert. Um den mindestens erforderlichen Beitrag von 200,000 Thlr. monatlich aufzubringen, müssen von tausend Köpfen 7 fl. monatlich beigesteuert wer en, eine unbedeutende Summe, wenn sich Viele betheiligen.

Noch einmal also ergeht die Mahnung an Euch Alle, die ihr ein Herz habt für daS Vaterland! Gedenket der Worte der .Landesversammlung von Schleswig-Holstein:

Deutschlands heilige Pflicht ist es, uns aus­reichende Hilfe zu leisten, so lange eS noch Zeit ist! Denn Deutschlands Sache tift eS, die hier geführt, seine Ehre, welche hier ge- wahrt, seine Freiheit, welche hier vertheidigt, sein Recht, welches hier mit Blut besiegelt wird"!

Deutschland.

* Wiesbaden, 22. Oft. (Achte resp. Acht­zehnte Sitzung). Abg. Keim überreicht ein Gesuch der Gemeinde Brcckcnheim in Betreff einiger dort zu erhebenden Gülten.

(Die Anzeige von der Verlobung Sr. Hoheit des Herzogs und den darauf von der Versammlung gefaßten Beschluß wegen Absendung einer Depu­tation haben wir schon in einer Nachschrift deS gestrigen Blattes mitgetheilt).

Präs. Ler beantwortet eine Interpellation, die eingeklagtenHofpensionen betreffend. Abg. R aht stellt die Anfrage, ob der Entwurf der Zivil- Dicnstpragmatik bald zu erwarten sei. Nach Aeußerung deS Min.-Prästventen ist die Vorlage des Entwurfes in einigen Tagen zu gewärtigen.

Abg. Rau berichtet über die Regierungsvor­lage , die Auszahlung der Gehalte der Real- und Elementarlehrer durch die Rezepturen betr. Der Ausschuß beantragt, dem vorgelegten Gesetzentwurf die Zustimmung zu ertheilen, worauf die Versamm­lung ohne Debatte und einstimmig èingcht.

Abg. Wenkenbach berichtet über daS Bud­get für den Hochbau. Im Kapitel I. wird die An­forderung für Besoldung der Baumeister nach Strich einer von der Regierung zurückgezogenen Anforde­rung von 800 fl. für den Baumeister Wolf, dem mittlerweile die Domainenbauten jenseits der Lahn übertragen wurden bewilligt; ebenso die Anfor­derungen deS zweiten und dritten Kapitels für Diä­ten 2C. Im vierten Kapitel wird ein Mehrbetrag von 50 fl. 56 fr. beanstandet, der für Dachunter­haltung gegen daS vorige Jahr angefordert wird, und beschlossen die Berathung hierüber, sowie über die Unterhaltung der LandeSgebäude bis zur Vor­lage der Etats auSzusetzen.

Der im 4. Kapitel noch angeforderte übrige Betrag von 3696 fl. 15 fr. wird verwilligt. Die Berathung über die für Neubauten im Kapitel V. angeforderten 12,812 fl. 30 fr. werden nach Antrag

deS Ausschusses bis zur Vorlage der EtatS ausge­setzt, die angeforderten 23,956 fl. für Erbauung von Landesgebäuden im Jahre 1850 dagegen verwilligt.

Zur Berathung über daS Gesuch des Biebricher Gemeinderathes die Befahrung der Biebricher Ei­senbahn mittelst Lokomotiven und die Dampfschiff­fahrt betr., beantragt der Berichterstatter Haupt die Abhaltung einer geheimen Sitzung. Die Ver­sammlung tritt diesem Antrag bei.

cf Vom östlichen Taunus, 19. Okt. Die bei­den Korrespondenten in Nro. 242 und 245 JhreS Blattes , welche den T a u n u S ch te r" todt sagen, befinden sich sehr im Irrthum. Derselbe erscheint nach wie vor, und cs war wohl einmal seltsamer Weise von einem Verbote desselben, aber nie von einem Eingehen die Rede. Er hat viel­mehr mit jedem Quartal an Ausbreitung gewon­nen und ist feit Oktbr. auch in Postdebit gekom­men. Bei seiner Gründung hatte man nur Lokal­interessen im Auge, waS der ProspektuS und der TitelzusatzBürgerblatt für Oberursel und die Um­gegend" deutlich sagten Die Probenummer ver­sprach daS Erscheinen deâ BlalteS, wenn sich so viele Theilnehmer fänden, alS zur Deckung der Druckkostcn erforderlich wären, und derTaunuâ- wächter" erschien sofort mit 100 Abonnenten wö­chentlich zweimal zu 3 0 fr. vierteljährig, indem der Herausgeber dazu die politische Rundschau und die Miszellen seinesFrankfurter TagblatteS" be­nutzte und nur eine kleine Lokalzeitung, sowie Er­zählungen und Anzeigen eigens gesetzt zu werden brauchten. Hiernach kann jeder nur einigermaßen Sachkundige die Behauptung deS O* Korrespon­denten würdigen, der von sanguinischen Plänen und beabsichtigtem materiellen Gewinn bei Grün­dung desTaunuSwächlcrs" spricht. Daß der Redakteur desseiben sich hinter den Coulissen ver­steckt halte, ist ebenfalls eine Unrichtigkeit, indem der Name des verantwortlichen Redakteurs auf je­der Nummer zu lesen ist. Auch hat daS Blatt ach tb ar e Persönlichkeiten'nie geschmäht, wohl aber verächtliche Gesinnungen und Handlungen gebüh­rend zurecht gewiesen. Skandale, die entsittlichend auf eine Gemeinde wirken, muß die Lokalpresse rü­gen, und in diesem Sinne wird eS demTaunuS- wächter" eher zur Ehre als zur Schande gereichen, die ländliche chronique scandaleuse seines Krei­ses zu sein. Es gibt bekanntlich Ding«, die für eine größere Zeitung kein Interesse und auf daS Wohl und Wehe eines ganzen Landes keinen Ein­fluß haben, die aber für eine Stadt oder ein Dorf allerdings von Wichtigkeit sind. Zur Besprechung dieser dienen die Lokalblätter, die in ihrer beschei­denen Sphäre ebenso segenSvoll wirken können, als die größeren Blätter in den ihrigen. Dies thut der Taunuswächter" und wird in der Erfüllung seiner Aufgabe gewissenhafter sein, als manche Korrespon- beuten, die der Wahrheit so leichtfertig in'â Ange­sicht schlagen.

O Von der mittleren Lahn, 20. Okt. Auch in unserer Gegend sind unter den Kartoffeln viele kranke; zudem ist die Ernte nicht eine reichliche zu nennen. AuS diesen Gründen ist der Preis sehr gestiegen. Während man im vorigen Jahre den Zentner für 36 fr. erhielt, muß man ihn jetzt mit 1 fl. bis 1 fl. 10 fr. bezahlen.

5 Hadamar, 20. Okt. Vorgestern und gestern lagen dahier 4 Kompagnien preußischer Füsiliere vom 17. und 29. Regimente, welche in dem badi- schen Feldzuge ihren Zündnadelgewehren so große Anerkennung erworben hatten. Ihre Haltung war musterhaft und zeugte von der oft gerühmten hohen Bildung deS preußischen Soldaten. Eine solche ergibt sich auS der unbedingten Verpflichtung zum Militärdienste wie sie in Preußen besteht. Die Ab­änderung unseres KonskriptionSgesetzeS in dieser Beziehung wäre schon auS dem angegebenen Grunde und ganz abgesehen von dem Grundsätze der Gleich­berechtigung der Staatsbürger sehr wünschenSwerth.

Die genannten Preußen waren auf dem Durch­märsche an die kurhessische Grenze und werden sich mit dem Armeekorps vereinige», von welchem dem Vernehmen nach 4000 Mann in dem Amte Weil­burg liegen bleiben.

Nach den Aussagen Einzelner sind sie gleich der ganzen preußischen Armee von der Hoffnung