Icktägigen Urlaub genommen, nach dessen Verlauf er wieder nach Berlin zurückkehren wird, um seine Thätigkeit als Bevollmächtigter bei der Union?# Regierung und im provisorischen Fürstenkollegium wieder aufzunehmen.
0 Von der mittleren Lahn, 18. Okt. Heute sind in Limburg, Niederhadamar, Hadamar und Obertiefenbach ungefähr 800 Mann preußische Jn- fanterie vom 17. Regiment und in Limburg noch eine halbe Batterie Artillerie einquartiert. Sie kommen von Koblenz und stoßen zu dem Korps bei Wetzlar, werden jedoch, wegen Mangel an Raum, auf nassauischem Gebiet, in den Dörfern Eubach, SelterS rc. bleiben. Ein Stabsoffizier ging gestern nach Wiesbaden, um die Erlaubniß von Seiten des Ministeriums einzuholen. Morgen sollen die übrigen 1600 Mann des 17. Regimentes folgen, sowie in einigen Tagen einige Mann Uhlanen.
Die Hadamarer neue Elbbrücke naht ihrer Vollendung. Sie ist von Marmor.aufgeführt und hat drei Bogen und eine Einfassung oben auf beiden Seiten von drei Fuß Höhe. Der.Marmor ist auS dem Limburger und Villmarer Bruch. Herr Bauakzessist Frorath, der Erbauer des Weilburger Tunnels, hat sie erbaut und seine Aufgabe gut gelöst. Nunmehr wäre noch ein Stück Chaussee zu machen von der Brücke herauf auf die Westerwäl- derstraße, was nicht wenig Zeit, Mühe und Geld erfordern wird, da sie durch einen kleinen Hügel gegraben werden muß — sowie ein weiteres Stück von der Brücke durch den Schloßhof in die Stadt. Einige Häuser, die im Wege stehen, sollen vom Staat akquirirt werden.
+*f Frankfurt, 20. Oktober. Die letzthin im Fürstenkollegium gehaltene Rede des Ministers v. Radowitz hat, wie auS Bregenz gemeldet wird, einen solchen Eindruck auf den König von Würtem- berg gemacht, daß derselbe sich zu dem Toast hinreißen ließ, der als ächtes Seitenstück der berüchtigten Thronrede gelten darf. Diese aufgeregte Stimmung hat der österreichische Ministerpräsident, welcher durchaus den von ihm verwalteten Staat zum Bruche mit der größten deutschen Macht bringen will, rasch zu seinen Zwecken zu benutzen gewußt. Graf Rech berg wurde hierher gesandt, um gemeinsam mit dem Grafen Thun die Mitglieder der sogenannten Bundesversammlung zu extremen Schritten zu veranlassen. Diese Versammlung ist nämlich nicht sehr homogen. Ein Theil geht mit Oesterreich durch Dick und Dünn, wozu wir Sachsen und Würtemberg zählen dürfen; ein anderer Theil will nicht ohne Hannover vorgeschritten haben, wohin Bayern und Bückeburg zu rechnen sind, endlich die dritte Partei hat Rücksichten auf Preußen und will sich nicht zum Aeußerstcn verstehen, wozu Hessen-Darmstadt, Mecklenburg,Strelitz und Lurem- burg gehören. Es galt nun, diese Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Eine Nachgiebigkeit der kurfürstlichen Regierung wurde von vornherein als nachtheilig dargestellt, da möglicher Weise davon ein Abfall vom Bundestage und die Rückkehr zur Union, wie eS in Kurhessen gewünscht wird, eintreten könnte, weßhalb man die Beharrlichkeit des Kurfürsten, die Auflösung der Armee durch Re- duzirung der Truppen und Entlassung der Offiziere und die Beibehaltung deS Ministeriums für rath- fam erachtete. Bayerische Truppen sollten dann einrücken, die Ruhe wieder herzustellen, und daß dadurch kein Konflikt mit Preußen entstehen werde, so meinte man, erhelle auö seihet Nachgiebigkeit in Angelegenheiten der Union und sei bei dem Einflüsse der sogenannten KreuzzeitungS-Partei zu erwarten. Die Preußens Stellung berücksichtigende Partei in der sogenannten Bundesversammlung wollte letzterer Ansicht nicht viel vertrauen und es wurde ihr nun bemerkt, selbst wenn preußische Truppen in Kurhessen einrückten, so würden sie nur da- ‘ stehen, gleichsam eine stymbolische Handlung begehen , aber keineswegs Feindseligkeiten gegen die Bayern Hervorrufen. So ist es endlich gelungen, die verschiedenen Ansichten zu überwinden und eS ist sehr zu bedauern, daß österreichischerseitS, ohne Berücksichtigung eigner Verhältnisse, in maßloser Festigkeit lediglich gegen Preußen agitirt wird, wobei auch vergessen wird, daß die Finanzen Oesterreichs in der größten Zerrüttung sich befinden und der StaatSbankerott nicht mehr so 'fern steht. Die Staatmânner Oesterreichs, welche den Krieg predigen, sind übrigens auch schon umgarnt, und die Friedens-Partei in Oesterreich ist einflußreicher, nid äußerlich scheinen dürfte. Auch die Ministerkrisis in Hannover macht noch Aufsehen und LegationSrath Detmold soll wieder nach Hannover berufen sein. Die preußische Regierung thut in allen Beziehungen das ihrige: sie sucht zunächst durch friedliche Mittel die Konflikte zu beseitigen, haben diese keinen Erfolg, so hat sie doch offenbar das Wohl Deutschlands redlich vor Augen gehabt und muß dann andere Schritte treffen. Wie sehr man dieses Verfahren ehrt, hat die hiesige Feier des 15. Okt. gezeigt, an welchem die städtischen Behörden Frankfurts den Repräsentanten Preußens die größte Aufmerksamkeit erwiesen haben, freilich nicht ohne die Sympathien und Interessen der Besseren zu berücksichtigen.
$ Mannheim, 18. Oktober. Das immer, währende Regenweiter hat nun auch bei uns eine starke Fâulniß der Kartoffeln verursacht, weßhalb dieselben sehr im Preise steigen. Die Kartoffeln, die im Sandboden gewachsen sind, sind derselben weniger unterworfen als jene im schweren Felde.
§* Hilsbach im Großherzogthum Baden, 18. Oktober. Unsere Gemeinde bietet alles auf, sich von solchen Individuen zu säubern, an denen, wie das Sprichwort sagt: „Hopfen und Malz verloren ist". Auf Kosten derselben wurde kürzlich ein lediger Bursche von hier, der durch immerwährende Erzesse und Ruhestörungen, der Gemeinde viel zu schaffen machte, nach Amerika befördert. Selbst daS Zuchthaus zu Bruchsal, in welchem er wegen sonstiger Vergehen schon zum zweitenmale war, besserte ihn nicht. Man sammelte demselben bei den hiesigen Bürgern noch ein Taschengeld von 25 Gulden, und ist froh ihn auS unserer Gesellschaft verloren zu haben.
Fulda, 16. Okt. Außer den hier garnisoniren- den Offizieren des zweiten Regiments haben auch der Stadtkommandant Oberst v. Wurmb, sowie Platzmajor v. Sodenstern, auch der Gendarmerie- kommandeur v. Reinhard, ihre Entlassungsgesuche eingereicht.
Kassel, 19. Okt. (Telegr. D. d. K. Z.) DaS Obergericht verlangt Oetker's Freilassung, und wendet sich unter Berufung auf die Verfassung an die Kommandantur, welche von Bardeleben auf Helm- schwerdt wieder übergegangen ist. Letzterer hat die Zuschrift des Obergerichtes noch nicht akzeptirt. Duysing ist von Wilhelmöbad wieder zurück; er soll abermals dahin verlangt sein.
Kassel, 18. Okt. (D. Z.) Zu meiner innigsten Freude erfahre ich heute, daß die Besorgnisse, welche sich an ein Ministerium Elvers knüpften, jeder Begründung entbehren, daß Elvers nicht im Entferntesten die Absicht hatte, die Finanzbehörden zu sus- Penbiren und den Satz aufzustellen, jeder Subal- ternbeamtc habe seinem Vorgesetzten unbedingt Folge zu leisten, Einer sicheren Quelle verdanke ich vielmehr die Mittheilung, daß ElverS sämmtliche Septemberverordnungen als verfassungswidrig erklärt hat, und fest entschlossen ist, falls er in ein Mini- nisterium treten sollte, auf den Boden deS positiven Rechts zurückzukehren. Herr Oberappellationsge- richtsrath Elvers ist gestern Abend von WilhelmS- bad zurückgekehrt, wahrscheinlich, um sich mit eini- gen würdigen und erfahrenen-Mäunern zu berathen, und wird sich heute Nachmittag mit dem ersten Bahnzuge wieder nach Wilhelmsbad zurückbegeben. So viel man sonst erfährt, sind überhaupt noch wenig Aussichten auf einen baldigen Ministerwechsel vorhanden. Der Kurfürst soll Hrn. Elvers das Anerbieten gemacht haben, mit dem jetzigen Finanzminister Volmar, dem Kriegsminister v. Haynau und dem Minister des Aeußern, Hrn. v. Baumbach, das neue Ministerium zu bilden. ElverS will jedoch so wenig mit dem Einen, als mit dem Andern etwas zu thun haben. Er ist jedoch nicht abgeneigt, die Ministerprästdentur zu übernehmen, dagegen will er auch das Recht haben, selbst die Wahl der übrigen Minister zu treffen. Elvers will, so wird mir auf daS Bestimmteste versichert, ein ver- fassungStreueS Ministerium. Seine plötzliche Rückkehr nach Wilhelmöbad zeigt, daß er noch nicht alle Hoffnung verloren hat, der Kurfürst werde nachgeben. Mag auch Hr. ElverS der Ansicht fein, der jetzt in der nächsten Umgebung deS Kurfürsten sich aufhaltende Flügeladjutant v. Loßberg werde den Einfluß der reaktionären Partei schwächen oder gar gänzlich niederdrücken, so muß ich doch gestehen, daß ich in dieser Beziehung nicht so hoffnungsvoll bin, zumal eins der eifrigsten Werkzeuge Haffen- pflugS, der Staatörath Scheffer, gestern wieder nach Wilhelmsbad berufen ist, und ein eben so starker Reaktionär, der jetzige Generalstaatsprokurator Scheffer, ein Vetter des StaatörathS, sich seit längerer Zeit dort befindet.
Im Uebrigen ist hier noch Alles beim Alten, Gerüchte über Allarmschlagen erhalten sich, weil Haynau eine drei Bogen lange Ordre hat ergehen lassen, worin den einzelnen Truppentheilen die Plätze beim Allarm angewiesen werden. Uebrigens hat der Regimentskommandeur der Bürgerwehr, Hr. Seidler, die Bürgergarvisten bereits benachrichtigt, daß sie sich bei diesem Allarm nur ruhig zu Haus verhalten möchten. Die Thore der Stabt sind seit mehreren Tagen wieder sehr stark, namentlich von Husaren besetzt, um verdächtiges Gesindel nicht einzulassen.
Weimar, 16. Oktober. (D. A. Ztg.) Dem Vernehmen nach wird unser Landtag in der Kürze wieder zusammenberufen werden, um sich mit dem Budget zu beschäftigen, indem außerdem nur wenige Vorlagen zu erwarten sind.
Braunschweig, 13. Okt. (H. C.) In dem gauzen Herzogchume ist heute in allen Kirchen ein Dankfest für das Aufhören der Cholera
gefeiert. Gestern wurde es durch ein feierliches Glockengeläute verkündet und 'heute theils durch Musik und Gesang, theils durch Predigten begangen. Unsere Stadt ist verhältnißmâßig gegen andere Ort- schasten noch am gelindesten getroffen.
Berlin, 17. Okt. Die gestern und vorgestern sich wiederholt geltend machenden kriegerischen Gerüchte, sagt die Lith. Korr., zum Theil militärischen Kreisen entsprungen, erscheinen unbegründet. Es ist vielmehr ein gewisser Stillstand eingetreten, aus welchem wir schwerlich vor Eingang der Antworten der Unionsregierungen und vor Beendigung der Konferenz in Warschau, zu welcher Graf Brandenburg bereits abgereist ist, herauskommen werden.
Oldenburg, 17. Okt. Statt des erwarteten Zusammentritts des vertagten Landtags wird dessen Auflösung in gut unterrichteten Kreisen so bestimmt als nahe bevorstehend angesehen, daß uns kein Zweifel darüber noch übrig bleibt.
Der Erbberzog wird so bald nicht zurücker, wartet. Es heißt, daß derselbe, einer wiederholten Einladung deS Kaisers von Rußland folgend, diesem in Warschau oder in Petersburg einen längeren Besuch abstatten wird.
Bremen, 16. Oktober. Für die große Sache der Schleswig-Holsteiner hat ein Bürger unseres Freistaates, Herr Engelbert Klugkist, die Summe von 3000 Rthlr. in die Hände des Präsidenten der Bürgerschaft für den Fall niedergelegt, daß, wenn bis zum 2, November nicht eine bestimmte Summe (100,000 fl.) für bemerkten Zweck gezeichnet sey, er die' oben bemerkten 3000 fl. als einen Beitrag von seiner Seite nach Kiel zu übersenden bitte. Die Versammlung der Bürgerschaft sprach durch lautes Bravo ihre Anerkennung aus.
Hamburg, 17. Oktbr. Auf der Linie soll ein Gefecht engagirt seyn.
Altona, 17. Okt. (Alt. M.) Die Telegra, phenlinie von Altona bis Elmshorn ist bereits seit einiger Zeit in Thätigkeit ; nun soll sie bald bis Neumünster fertig sein. Von da ab bis Rendsburg will man den Draht vorläufig über der Erde auf Stangen weiter leiten, um die ganze Strecke von Rendsburg bis Neumünster so bald wie möglich benutzen zu können. — Es ist wiederholt in den Blättern geschrieben worden, das Hauptquartier der dänischen Brigade, welche im Westen Schleswigs steht, sei, tpiedie Einen sagen, in Ostenfeld, wie die Anderen, in Schwabstedt. Wir glauben beides dahin berichtigen zu köM neu, daß sich das Hauptquartier inLchmM, der Wohnung des auch nun abgeseßten HolzvögteS de Linde, bald nach der Besetzung Friedrichstadts wenigstens befunden habe. Und daß diese wieder sollte als Hauptquartier aufgegeben sein, können wir nicht annehmen, da sich eineSlheilö kein so bequem eingerichtetes HauS wie dieses weit und breit findet, anderntheilS die Lage desselben für jegliche Beobachtung nach allen Weltgegenden hin äußerst günstig ist, weil nach früher schon vorgenommenem Nivellement das HauS eben so hoch liegt, alS Die Spitze deS bekanntlich weithin sichtbaren hochgelegenen Kir- chenthurmes in Ostenfeld.
Kiel, 17. Okt. DaS heute im akademischen Konfistorialsaale publizirte Urtheil in der bekannten Rechtssache Lafaurie'S lautet freisprechend. Der Freigesprochene wird nun dem Vernehmen nach eine EntschädigungSklage anstellen. — In Rendsburg sind gestern wieder einige gefangene Dänen eingebracht.
Rendsburg, 16. Okt. (H. C.) Außer einem österreichischen Offizier, NamenS Matieka, ist noch ein Offizier angekommen, der, Kurhesse von Geburt, viele Jahre in österreichischen Diensten gestanden, seinen Abschied genommen und nunmehr unabhän, gig, aus Sympathie für unsere Sache in unsere Armee eingetrctcn ist. So hat auch außer dem früher erwähnten schwedischen Lieutenant Linnström noch ein Schwede kürzlich Eintritt in unsere Armee gesucht und gefunden.
Aus JnnsbruE wird der „Ostdeutschen Post" vom 12. d. geschrieben: Der Verfasser der konfiS- zirten Schrift: „Bekenntnisse eines Soldaten", ist in Folge eines kaiserlichen Befehls von seinem Dienstposten im Gefolge S. Maj. entfernt worden. Die Stellung des Ministers des Innern, welche ohne jene Satisfaction nicht länger haltbar gewesen wäre, sowie Die Indignation, mit welcher die Presse daS Pamphlet deS Herrn von Babarczy ausgenommen, haben durch den Fürsten Schwarzenberg ein Organ bei Sr. Majestät gefunden, und eS hat wie man versichert, keine große Schwierigkeit gekostet, daHr. v. Babarczy nur durch einen „Zufall" die Reise milgemacht hat.
Salzburg , 17. Okt. Nach einer so eben aus Innsbruck eingegangenen telegraphischen Depesche ist Se. Majestät der Kaiser heute Morgens 5 Uhr von