Herzogs Friedrich VII., welche bereits seit längerer Reit vorbereitet ist, nicht dadurch alterirt werden; aber dessen Oheim, Erbprinz Friedrich Ferdinand, als nächster Agnat, wird sich dieser Abdikation nicht anschließen, vielmehr den ihm im gegebenen Falle rechtmäßig zukommenden Thron einnehmen. Da dieser Prinz 58 Jahre alt und von guter Konsti, tution ist, so wird seine RegierungSzeit hoffentlich von io langer Dauer sein, um in derselben die Verhältnisse der Herzogthümer zu dem Königreiche definitiv zu ordnen und Fürsorge zu treffen, daß nicht die Sukzessionsfrage selbst den Anlaß zu einem neuen Kriege zwischen stammverwandten Völkern gebe. Ob und wie weit diese Wendung der Dinge auf den augenblicklichen Kriegszustand im Norden der Elbe einwirken werde, wagen wir mit Bestimmtheit nicht zu entscheiden; jedoch dürfte ein solcher mit den Rechten der Herzogthümer völlig im Einklang stehender Thronwechsel gewiß die erwünschteste Gelegenheit bieten, unter Vermittelung der Großmächte, namentlich auch Preußens, als der einzigen reindeutschen Macht, ein Abkommen zu treffen, durch welches den Ansprüchen der Volköstämme im Her- zogthum Schleswig Genüge gclelstet wurde.
Berlin, 7. Okt. (F. 3.) ES ist hier wiede, rum die Rede von einer abermaligen Modifikation oder vielmehr Umgestaltung deS „Londoner Protokolls". Dießmal ist jedoch nicht die Aufrecht- 1 Haltung der Integrität der dänischen Gesammtmo- narchie, um die eS sich vornehmlich dabei handelt, sondern um Unterschiebung einer neuen Grundlage — der Aufrechthaltung des BundeSbeschlusscS vom 17. Sept. 1846. ES wird dieß als Ziel österreichischer Bemühungen in London bezeichnet und als ein neuer Schachzug der Politik des Wiener Kabi- netS gegen die deutsche Politik Preußens.
Berlin, 7. Okt. Die Großfürstin Helene und deren Tochter, die Großfürstin Katharina, trafen vergangene Nacht hier ein und stiegen im PalaiS der russischen Gesandtschaft ab.
Berlin, 8. Oktober. Die preußischen Kammern werden in der Zeit vom 8. bis 10. November zusammentreten. Der Tag ist noch nicht festgesetzt. Seitens deS Gouvernements wird man den Kammern das Budget sogleich alS Vorlage zugehen lassen. Wie wir hören, würde auch Hr. v. Rado- witz alSbald vor die Kammern treten, um seine deutsche Politik darzulegen und eine Billigung der, selben durch ein Votum der Kammern zu beanspruchen.
Berlin, 8. Oktober. Heute Vormittag 10 Uhr trat der Ministerrath im StaatSministerium jufgni- men. Wie wir hören, wird hier definitiv festgesteüt werden, was am 15. d. M. auö dem bisherigen Provisorium deS Fürstenkollegiums werden soll. — Der in der Stelle des Hrn. v. Ketteler als Probst an der hiesigen katholischen Kirche fungirende Herr Pelldram ist eben so wenig definitiv angestcllt, wie die Stelle des nach Westphalen berufenen Oberkaplans Ruland besetzt. Der Grund liegt in einem Kompetenzkonflikt zwischen der Regierung zu Potsdam und dem Fürstbischof von Breslau, welche beide das Recht der Besetzung in Anspruch nehmen und sich über daffelbe noch nicht haben einigen können.
Berlin, 9. Okt. (Tel. Dep. d. Wes.«Z.) Ein preußisches Kriegsschiff soll baldmöglichst die „Gefion" nach Bremerhaftn bringen.
Hamburg, 7. Okt. AuS zuverlässiger Quelle, schreibt Die „Börsen-Halle", erfahren wir, daß dem hiesigen Senat seitens der dänischen Regierung offiziell mitgetheilt worden ist, daß sie die von der seitherigen Statthalterschaft emanirten Kassenscheine und die von derselben auszuprägende Scheidemünze, welche jeder Garantie entbehren, nie anerkennen werde; sie warnt demnach vor der Annahme derselben.
Kiel, 7. Okt. (F. I.) DaS berühmt gewordene 6. Bataillon, dem der härteste Antheil an der Blutarbeit vor Friedrichstadt geworden war, ist schon am Sonnabend nach Rendsburg zurückgegangen, um, wie eS heißt, durch das 9. abgelöst zu werden. Von 25 Offizieren hat dasselbe nur 7 dieusttüchtige aus dem Treffen zurückgebracht; 15 sind getövlet und 3 kampfunfähig. Von Gemeinen und Unteroffizie- zählt es gegen 300 Todte und Verwundete. Sobald es aus unsern Verschanzungen herausgetreten war und gegen ^e 200 Schritt weit entfernten dänischen Werke vorrückte, ward es von der andern Seite mit einem furchtbaren Geschütz- und Kleingewehrfeuer und gleichzeitig mit einem Hagel von Kartätschen und Granaten empfangen. Nichisdesto- wemgfr drang cs bis zu den feindlichen Werken vor, so daß sich die Bajonnette beider Parteien kreuzten und ein Offizier durch ein an seiner Schläfe abgedrucktes Gewehr gelobtet wurde. Fünf Stun- den lang, von 6 Uhr Abends bis 11 Uhr Nachts, ItanD es im Feuer und focht mit so hartnäckiger Erbitterung, daß eS, als seine Munition verschossen war, statt derselben Steine, Dreck und Holzsplitter gebrauchte. Donnerstag wird hier die feierliche Be
erdigung seines Hauptmanns, Erhard, der gleich zu Anfang deö Gefechtes fiel, stattfinden. DaS 1. JägerkorpS, welches als Theilhaber am Sturm aufgeführt wird, hatte die viel leichtere und gefahrlosere Funktion, in den bei der Stadt gelegenen Wiesengründen zu tirailliren und sein Verlust blieb deßhalb im Verhältniß unbeträchtlich. DaS Gerücht, daß unsere Truppen schon bis auf den Marktplatz vorgedrungen gewesen und hier nur an einem festen Blockhaus ein unübersteiglicheS Hinderniß vorgefunden hätten, ist völlig grundlos. Nur eine Schanze war mit Sturm genommen worden, mußte aber, trotzdem daß das 15. Bataillon zur Verstärkung nachrückte, wieder geräumt werden. — Die eine Hälfte der Stadt ist in Asche gelegt, 40 Bürger derselben haben ihr Leben verloren. —Der Zweifel und Streit über Fortsetzung oder Aufhebung der Belagerung von Friedrichstadt dauert noch immer fort. Doch sprechen die in den letzten Tagen stattgefundenen Truppen-DiSlokationen, unter andern die deS 15. Bataillons von Hohn nach Fockbeck, eine halbe Meile weiter nach Rendsburg zu, immer mehr für die Meinung, daß man die Aufhebung beabsichtigt und nur auS militärischem point d’hon- neur, auS Rücksichten auf die Stimmung im Heere und im Lande Diesen mißlichen Schritt, welcher ein schmerzliches Geständniß enthält, hinauSzögert.
Ein jüngst auS Dem dänischen Lager zurückge- kehrter englischer Offizier schildert daS Unternehmen, Schleswig wieder zu gewinnen, als ein rein unmögliches für Den jetzigen Bestand Der holsteinischen Armee. Die Dänen seien von Schleswig bis Friedrichstadt so verschanzt, daß eS Den holsteinischen Truppen unmöglich sei, sie heraus zu vertreiben, wenn ihnen nicht eine dreimal stärkere Macht zu Gebote stände. Die Dänen würden es vermeiden, sich zu einer offenen Feldschlacht herauSlocken zu lassen, und von diesem Plane auS hätte bei dem jüngsten Angriff auf Friedrichstadt der dänische Oberbefehlshaber es unterlassen, den Stürmenden mit einem KorpS von 5000 Mann zu begegnen, wie anfangs beabsichtigt worden, und sich beschränkt, hinter den Schanzen und Gräben die Stadt ver, theidigen zu lassen, nachdem er Der Besatzung Ordre ertheilt, die Stürmenden so nahe wie möglich herankommen zu lassen, bis sie am wirksamsten dem Feuer der Dänen ausgesetzt wären.
Altona, 6. Okt. Unser Verlust beim Sturme ist nicht von solcher Bedeutung, wie nach dem rasenden Kampfe zu erwarten war. Die Kugeln haben förmlich geregnet, wie dieses noch der Augenschein am Deiche lehrt. Der Muth der Unseren ist ungebrochen. Ob Einzelne in Der Stadt gewesen sind, ist ungewiß, man sagt eS. Unsere Truppen Haden.sich alle Pray gehalten. Bis an die Laufgräben sind sie gekommen; dort hat der Kampf lange Zeit gestanden; dennoch waren diese nicht zu nehmen.
Die Dänen suchen den Verlust, welchen sie während Der Beschießung von Friedrichstadt hatten, natürlich soviel nur irgend möglich zu verringern. Man weiß aber, daß während Der ganzen vorigen Woche Verwundete von dem belagerten Orte nach Husum hin tranSportirt wurden. Nicht minder ist es leider wahr — wir beziehen unS hierbei auf den über Kopenhagen hier eingetroffenen Brief eines Arztes—daß eine Anzahl Einwohner der so schwer und hart geprüften Stadt getödtct oder verwundet wurde. Einige, darunter eine Dame, hat man amputirt.
Prag, 6. Okt. (D. A. Z.) Hier geht daS Gerücht: Die provisorische SuSpenvirung Der Konstitution vom 4. März stehe üahe bevor!
Wien, 5. Oktober. (N. C.) Die Börse ist fortwährend alarmirt, und Die Kurse sind beständig im Weichen. Grund dieser Erscheinung ist das bereits seit 48 Stunden umlaufende Gerücht, daß daS vor- arlbergische KorpS in Würtemberg eingerückt sei.— Der „Wanderer" bringt Die Nachricht von außer, ordentlichen Kriegsrüstungen Rußlands.
Wien, 5. Okt. (O.-P.-A.-Z.) Das gesammte Offizierskorps der Armee hat sich zu einem freiwilligen Beiträge zu Dem Baue deS Radetzky-EchiffeS erboten. Jeder Stabsoffizier wird durch 18 Monate einen Beitrag von 40 fr. und jeder subalterne Offizier von 20 kr. leisten.
* Wien, 6. Okt. Der A. A. Z. wird geschrieben : DaS gestern verbreitete Gerücht yon dem Marschbefehl, den das vorarlbergische Korps nach Mitteldeutschland erhalten habe, war Börsen-Hum- bug, und wird schon heute dahin modifizirl, daß ein Ueberschreiten Der Mainlinie in keinem Fall stattfinden werde. — Die Säge, daß der Kaiser auch die Lombardei besuchen dürfte, scheint ganz falsch zu sein.
Dänemark.
Kopenhagen, 5. Okt. (Wes. Z.) Der Reichstag ist heute Mittags 12 Uhr eröffnet worden. In Der in Vollmacht des Königs vom KonseilS- Präsidenten verlesenen Botschaft werden die seit dem
Juli d. J. vorgefallenen Ereignisse, die unsere. Verhältnisse nach Außen und den Krieg betreffen, also der Abschluß deS Friedens, Die Der Auswechselung der Ratifikationen desselben entgegengetretenen Schwierigkeiten, Die Unterzeichnung deS Londoner Protokolls und die bisherigen KriegSerfolge noch einmal vorgeführt. Dagegen rohD von Reformen im Innern und von dem künftigen Verhältnisse unserer Verfassung und Verwaltung zu der deâ Herzog- thumS Schleswig nur andeutungsweise gesprochen.
Frankreich.
Paris, 8. Okt.. Das unwahrscheinliche Gerücht ist verbreitet, daß Mole die Präsidentschaft eines Ministeriums der „Lösung" übernehmen würde, welches noch vor dem Wiederzusammentritt Der Nationalversammlung gebildet werden soll.
Die Gesellschaft deS 10. Dezember hat ihren Namen, ihre Staturen und ihr Erkennungszeichen geändert. Sie nennt sich nun „August-Gesellschaft von Notre-Dame" (15. Aug.) Sie hat eine Medaille schlagen lassen mit der seltsamen Umschrift „Vereinigen wir unS zu unserer Pflicht; Gott wird das Uebrige thun".
Paris, 9. Okt. Nach einem übrigens unverbürgten Gerüchte soll Hr. v. Salvandy mit Dem Grafen von Chambord ein Arrangement abgeschlossen haben, uach welchem dieser sich verpflichten würde, den Grafen von Paris als seinen politischen Erben anzuerkennen, wenn binnen zehn Jahren er selbst nicht einen Leibeserben hätte; die Familie Orleans ihrer SeitS verpflichte sich, bis dahin Den Grafen von Chambord als König von Frankreich anzuer- kennen; Hr. v. Salvandy habe diese Unterhandlung im Namen der Majorität der Mitglieder Der Familie Orleans und trotz einer förmlichen DeSavouirung von Seiten der Herzogin von Orleaus und des Prinzen von Joinville geführt.
Paris, 7. Okt. Bei der letzten Revüe in St. Maur stellte man Die Schlacht von Wagram dar. Am 10. Okt. sollen in Versailles Die großen Kavallerieangriffe der Schlacht von Eylau ausgeführt werden. Man spricht so viel von dem militärischen und politischen Interesse, daS diese Revüe Darbieten solle, daß wahrscheinlich am Tage derselben „ganz Paris in Versailles" sein wird. DaS Elysee hat für 800 Eingelädène Tribünen errichten lassen. Der Verein für Wettrennen will ebenfalls Tribünen fürs Publikum errichten.
In Dem Departement des OberrheinS wird bin* neu Kurzem ein neues legilimistischeS Journal erscheinen. Das in Mühlhausen veröffentlichte Programm desselben lautet: „Erkenntlichkeit gegen LouiS Bonaparte, strèkige Achtuiig vor der Verfassung, energischer Widerstand gegen jede Usurpation, bis die Verfassung gesetzlich zu bestehen aufgehört hat unp Dann Rückkehr zur Legitimität".
Italien.
Rom, 30. Sept. Der Heil. Vater hielt heute im Vatican ein geheimes Konsistorium, worin er folgende Bischöfe zu Kardinälen kreirte: 1) gor» nari, Nuntius in Paris. 2) d'AstroS, Erzbischof von Toulouse. 3) Sonnet y Orbe, Erzbischof von Toledo. 4) Cosenza, Erzbischof von Capua. 5) Mathieu, Erzbischof von Besancon. 6) Romo, Erzbischof von Sevilla. 7) Goüssct, Erzbischof von RheimS.
8) Frhr. v. Somerau-Bcckh, Erzbischof von Olmütz.
9) v. Geißel, Erzbischof von Köln. 10) de Figueredo de Cunha e Mello, Erzbischof von Braga. 11) Wiscmann, Erzbischof von Westminster. 12) Pecci, Bischof von Gnbbio. 13) v. Diepenbrock, Fürstbischof von BreSlau. Endlich zum Kardinaldiakonen : Mons. Roberto Rvberti, Generalauditor der apostolischen Kammer.
Aus den Mittagsposten.
Frankfurt, 10. Oktober. Wie man mit Bestimmtheit vernimmt, so hat nicht allein daS Kasseler Offizierkorps, sondern daS ganze kurhessische seinen Entschluß dahin ausgesprochen, in der Verfassungstreue zu beharren. (Vergleiche unten den Artikel Kassel.) Die Eristenz deS kurheff. Armeekorps ist damit in Frage gestellt. Glaubt man den einlaufenden Gerüchten, so scheint die kurhess. Frage jetzt der kriegerischen Entscheidung anheimzusallen. Man bezeichnet in seinen einzelnen Abtheilungen ein österreichisches KorpS von 30,000 Mann, welches in zwei Heeressäulen auf Dem Heermarsche begriffen sei und als dessen Oberbefehlshaber G.'F.-M.-L. von Schönhals genannt wird. Von anderer Seite verbreitete sich die Kunte, daß Die preußischen Truppen die kurhessische Stadt Wannsried besetzt haben. Zugleich wird behauptet, der großbritannische Bevollmächtigte, Lord Cowley, habe dem Grafen von Thun die bereits erwähnte Note überreicht, in welcher Großbritannien gegen jede militärische Intervention in Kurhessen prorestire.