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keiner besondern Schwierigkeit unterliegen, eine Bi­bliothek-Kommission, wie wir sie im Sinne haben, in'S Leben zu rufen. Kosten würden hierdurch in keinem Falle entstehen, da die Mitglieder derselben eS sich zur Ehre rechnen müßten, mit einem solchen Auftrage betraut zu werden, von einer Remunera­tion für ihre deßfallsigen Dienstleistungen mithin gar nicht die Rede sein könnte. Wird bei Bildung einer solchen Kommission mit Umsicht verfahren, werden die tauglichsten Männer zu diesen Posten auSgewählt; so kann eS nicht fehlen, daß bei eini­ger Maßen zureichenden pekuniären Mitteln in nicht sehr entfernter Zeit eine Büchersammlung vereinigt wird, welche jeden Vergleich mit auswärtigen In­stituten der Art nicht zu ihrem Nachtheile bestehen wird. Von selbst wird dann die früher öfter ver­nommene Klage verstummen, daß die neuen Er­werbungen der Bibliothek einseitig auSgeführt wür­den und lediglich Zeugniß von den besondern wis, senschaftlichen Liebhabereien ihrer zeitweiligen Diri­genten ablegten.

+ + Höchst, 9. Okt. Wer mit den Zuständen der hiesigen Einwohnerschaft zur Zeit der Frank­furter September-Ereignisse nur einigermaßen be­kannt gewesen, der muß mit tiefem Bedauern be­merkt haben, wie schroff die Parteien unter den hiesigen Bürgern sich damals einander gegen­über standen und eS kann dagegen dem partei­losen Beobachter nur erquicklich sein, zu sehen, wie in neuerer Zeit der Geist der Versöhnung und ver­nünftiger Einigung die frühere Kluft auszufüllen angefangen hat.

Wenn daher der 88-Korrespondent in Nro. 238 Ihres geschätzten BlatteS in triumphirender Weise über daS gegen sieben hiesige Einwohner ergangene Straferkenntniß sich ausspricht, so darf dieß keines­wegs als die Meinung der hiesigen Einwohner­schaft noch weniger als die eines Standes derselben angesehen werden; vielmehr scheint jener Korr.-Art. blos ans Pnsönlichkeit gegen einen oder mehrere der Verurteilten geflossen zu sein.

Die bei Weitem überwiegende Mehrzahl der hiesigen Einwohner aller Stände sind von der Strenge des fraglichen Urtheils um so unangeneh­mer berührt worden, als die Ursache desselben, gleich der frühern politischen Aufregung in hiesiger Stadt fast in Vergessenheit gerathen war und eben dieses Vergessen die Parteistellungen schwinden machte, und die bürgerliche Eintracht unter den früheren Gegnern herzustellen angefangen hatte, während dieses, wie ein aus heiterm Himmel niederschlagen, der Blitz, unerwartet erschienene Straferkenntniß neue Gehässigkeiten hervorzurufen droht.

In Rücksicht der sinneberauschenden Aufregung, welche am 18. September 1848 einen großen Theil der auch sonst ruhigen hiesigen Bevölke­rung erfaßt hatte; in Rücksicht, daß einige der sieben Beschuldigten durch wirkliche Trunkenheit zu jenem Attentate verleitet worden, sowie in der moralischen Ueberzeugung , daß die ganze Wucht der Strafbarkeit nur darum auf diese Sieben ge­fallen ist, weil die eigentlichen Urheber der That sich in ein schützendes Dunkel zu hüllen wußt en; in weiterer Rücksicht, daß jenes Vergehen schlimme Folgen nicht nach sich ge­zogen hat; dagegen die Gravirten sämmtlich un­entbehrliche Ernährer ihrer Familien sind, und end­lich in Rücksicht der in so erfreulichem Fortgang begriffenen Einigung der hiesigen Parteien hatte man sich der Hoffnung hingegeben, raß diese Sache mit weniger Strenge beurtheilt werden würde und gewiß sind eS nur wenige hiesige Einwohner, welche sich nicht freuen werden, wenn durch den von den Verurtheillen in höherer Instanz einzu­legenden Rekurs, oder auf dem demnächst einzu­schlagenden Gnadenwege eine Milderung der Stra­fen erzielt wird.

Herborn, 8. Oktober. Unter dem Heuti­gen ist die zweite Sammlung für Schleswig-Hol­stein von hier direkt nach Kiel abgegangen. ' Wenn eS auch diesmal nur 24 preußische Thaler waren, die zusammen kamen, so sind doch im Ganzen 112 ff. 24 fr. franko auS hiesiger Stadt den bedräng­ten Brüdern in den Herzogthümern schon übersendet worden ; und wem auch diese Summe nicht groß genug erscheinen möchte, der bedenke, daß ein großer Theil der Einwohner sich prinzipiell bei den Bei­trägen nicht betheiligte, daß aber auch andererseits die Mildthätigkeit hiesiger Stadt schon oft dieses Jahr in Anspruch genommen wurde, so durch die Rheinüberschwemmungen und die Brände in Kirberg «nb Elz, der mehr lokalen Unterstützungen gar nicht zu gedenken.

Wilhelmsbad, 9. Okt. (Fr. I.) Der Kom­mandant Gerland ist, wie man auS Kassel er­fährt, zurückgelreten. Auf eine Aufforderung deS èeneralS v. Haynau, die Kommandantur zu übernehmen, und sich seinen Befehlen zu fügen, haben fast alle Stabsoffiziere ablehnend geantwortet. Einstweilen hat sich jedoch der Major v. Barve, leben von Kurfürst-Husaren dazu bereit gefunden. Der General U r f f hat seinen Abschied eingereicht. AVer Wahrscheinlichkeit nach wird die Mehrzahl

der höhern Offiziere dasselbe thun. Es ist tief zu bedauern, daß das Ministerium auf ein so wackeres OffizierkorpS, das sich überall so treu und tüchtig bewährt, keine Rücksicht nimmt, und sonach seiner­seits zur Auflösung einer wohldiSziplinirten Armee beiträgt. Unlâugbar entsteht dadurch ein Zustand, für den die richtige Bezeichnung schwer zu finden ist, und der jeden Augenblick mehr die Ansicht der preußischen Regierung rechtfertigt, baß eS Eventua­litäten gibt, unter Venen sie im wahren Interesse Deutschlands einzuschreiten durchaus befugt sein muß.

Kassel, 7. Oktober. Unser ganzes Regiment bildet eigentlich eine Familie; auch bei der Wahl der Personen, welche die Gräuelihaten auSführen, ist man auS guten Gründen nicht aus dem Kreise der Familie herausgegangen. Obenan steht der Kurfürst; Hassenpflug hat eine Schwester der Schwiegertochter deS Kurfürsten zur Frau; deßglei- chcn der Husaren -Lieutenant v. Baumbach; die Herren v. Haynau stammen in direkter Linie von einem verstorbenen Kurfürsten ab und stehen mit dem gegenwärtigen in VetterschaftS - Verhältn ffen; Hr. v. Baumbach (Minister) ist ebenwohl verwandt, doch weiß ich nicht, wie; Herr Lieutenant v. Corn­berg ist Schwiegersohn veSOberbefehlshabers" :c. Die Namen der Husaren-Offiziere, welche sich zur Ausführung der Befehle deS ic. v. Haynau fanden, sind: Premier-Lieutenant v. Cornberg und v. Baum­bach und Sekvnde- Lieutenant v. Verfchuer; außer­dem Artillerie-Lieutenant Bauer. Sie stehen auf der Parade stets allein, kein Offizier spricht mit ihnen, Alle wenden sich ab; sie werden sehr bald ihren Abschied nehmen müssen. ES ist gut, daß diese Namen der ganzen Welt zum abschreckenden Exempel genannt werden. Die Eskadron Kurfürst- Husaren hat sich jetzt den allgemeinen Namen Henkersknechte" erworben, sie sind ausgeschlossen von aller Gesellschaft, selbst ihreMädchen" wollen nichts mehr mit ihnen zu schaffen haben. Daß das gesammte Offizierkorps mit Ausnahme der unbe­achtet bleibenden Husaren-Offiziere dem Kurfürsten durch den Oberst-Lieutenant Hillebrand die ener­gischsten Vorstellungen hat machen lassen, wissen Sie wohl schon; heute Morgen wird Hillebrand zurück- erwartet. Was kommen wird, steht dahin; aber, was wir auch noch leiden müssen, Unsere Sache soll und muß siegen. In den dreißiger Jahren hat Kurhessen die Probe geliefert, daß daS konstitutio­nelle Prinzip burchzuführen sey: jetzt wird es be­weisen, daß das echte konstitutionelle Prinzip eine innere Nothwendigkeit sey und eine unwiderstehliche Kraft in sich trage. Der Kampf muß gelingen, denn Jeder thut seine Pflicht und Niemand denkt an ein Nachgeben; ich wollte, Sie sähen nur we­nige Proben dieser die menschliche Kraft fast über­steigenden strengen Selbstbeherrschung und Gesetz­lichkeit. (Köln. Z.)

Kassel, 8. Okt. (D.Z.) Statt die Verhaftung Haynaus zu dekreliren, wie der landständische Aus­schuß beantragt hatte, hat jetzt umgekehrt das Ge- neralauditoriat zu erwarten, von Haynau ins Ka­stell geschleppt zu werden, nachdem eS abgSehnt, Haynau verhaften zu lassen. Die Suspension die­ses Gerichts ist heute erfolgt. Das ist die Nach­richt, welche der Oberstlieutenant Hillebrand und der Hauptmann Zinke gestern Abend von WilhelmS- bav mitgebracht haben sollen. Heute Morgen wur­den sämmtliche Druckereien der Stadt ohne Aus­nahme militärisch besetzt. Es kann jetzt keine Zei­tung mehr herauögegeben werden. Oetker sitzt noch immer im Kastell. Die Gerichte werden nicht mehr respeklirt. Man fahndet auf den Obergerichtsan- walt und Mitglied des bleibenden landständischen Ausschusses Henkel, sowie auf andere Personen. Die Zivilpersonen des GeneralauditoriatS haben sich ebenfalls auf eine Verhaftung gefaßt gemacht, und einem Obergerichtsanwalt die nöthige Voll­macht für gew isse Fälle ertheilt. Niemand ist seiner Freiheit mehr sicher. Gott wird uns schützen! Der GenSd'armerieoberst Stachle, der schon unter der Oberbefehlshaberschaft Bauers als eins der ersten Werkzeuge desselben sich geriete, ist heute ein Opfer seiner Thaten geworden. In seiner allzugroßen Dienstbeflissenheit rennt er die Stufen deS Belle­vueschlosses hinauf, stürzt, zerbricht sich Arme und Beine und zerstößt an den steinernen Ecken seinen Kopf. Man zweifelt an seinem Aufkommen. DaS Volk will in diesem Ercigniß die Nemesis erkennen. Hr. v. Florencourt soll in diesen Tagen hier ge­sehen worden sein.

In der Allg. Ztg. ist der Inhalt deS Schrei­bens deS Königs von Preußen an den Kurfürsten folgendermaßen angegeben: Der König ersucht in demselben den Kurfürsten , eine ausgleichende Bei­legung der Wirren zu versuchen. Kurhessen möge sich sowohl mit Preußen als Oesterreich über ein etwa nothwendig werdendes gemeinsames Einschrei­ten in Hessen verständigen. Für die Wahrung der landesherrlichen Autorität deö Kurfürsten sei Preu­ßen bereit, mit allen Mitteln einzutreten. ES werde nie eine Verletzung derselben zugeben.

0 Aus Baden, 8. Okt. Wohl sind die Tage unserer unseligen Revolution vorüber, wohl sind

viele ihrer Verfechter zu ihrer Pflicht zurückgekehrt, aber wer nur einigermaßen Gelegenheit hat, sich mit der Stimmung der niedern Volksklassen bekannt zu machen, der wird gestehen müssen, daß die Auf­hebung des Kriegszustandes in unserm Lande noch immer nicht an der Zeit sei.

Noch gâhrt und tobt der revolutionäre Vulkan in jener Menschcnschichte und wird von den Feinden der Ordnung und der Gesetze, die auS den verschie­denartigsten Elementen zusammengesetzt sind, in be- ständigem Kochen erhalten. Die falschen Begriffe, welche die niedere Volksklasse im Allgemeinen von Einheit und Freiheit hat, und die durch immer, währendes Wühlen der Umsturzpartei genährt wer- den, lassen jene Menschen nicht einsehen, daß durch diese die vielbeglückende Zeit nicht herauf beschworen werden kann. Jene Volksklasse kennt nicht die Wege, welche man anzubahnen sucht, um zum Ziele zu t gelangen, sie weiß nicht, welch gegründete Hoffnung dieselben gewähren, daS vorgesteckte Ziel zu errei­chen. Ihre falschen Begriffe machen sie zu den ent­schiedensten Gegnern jener Reformen.

Unter diesen Verhältnissen ist eS die Pflicht eines jeden Biedermannes, zur Ausrottung deS re­volutionären Geistes in den niedern Volksklassen mitzuhelfen, so weit eS in seinen Kräften steht. Die meisten dieser Verblendeten werden zur Einsicht gelangen, und eS denen danken, die sie eines Besse­ren belehrt haben. Durch die That muß jeder den Gemeinsinn beweisen, der ihn beseelt. Wenn diese Bestrebungen gelingen, wenn alles was zur Errei­chung befriedigender Zustände im Wege steht, hin­weggeräumt ist, erst dann wird Ordnung und Ruhe in unserem Lande wieder Festigkeit erlangen, und Wohlstand und Gewerbe werden wieder blühen.

Aber nur mit Hilfe der jetzt bestehenden stren. gen Gesetze ist eS möglich, jenen Volksbeihörern die Zügel zu nehmen, mit denen sie schon so lange daS Volk irre geführt haben. Denn es ist ihnen nicht um Regelung unserer Verhältnisse zu thun, vielmehr suchen sie dieselben in beständiger Gährung zu erhalten, um desto besser im Trüben fischen zu können. Doch die Wahrheit wird siegen, und die Lüge wie immer in Nichts zerfallen.

* Stuttgart, 7. Oktober. Unsere Landesvcr. sammlung hat den Antrag des Abg. Seeger: Die Versammlung möge die dringende Bitte an die Regierung richten, der Statthalterschaft die Kosten für Verpflegung würtembqrgischer Truppen im Jahre 1848 ungesäumt zur Bezahlung anzu­weisen und damit eine Schuld abzutragen, die, selbst wenn sie strengrechtlich angefochten werden könnte, doch unter den gegenwärtigen Umständen als eine Ehrenschuld erscheine." sowie den^ntrag deS Abg. Süskind, zu Protokoll zu erklären: 1) daß das kurhessische Volk durch seinen ge­rechten, würdigen und einmütigen Widerstand dem verfassungswidrigen, Recht und Gesetz verletzenden Verfahren des kurhessischen Ministeriums gegenüber sich die Anerkennung und hohe Achtung deS würtem« bergischen Volks erworben habe; 2) die Kammer erwarte, eS werde die würtembergische Regierung den unberechtigten Eingriffen, womit daS sein gutes Verfassungsrecht wahrende kurhessische Volk von Seite einiger deutschen Regierungen bedroht werden will, nicht beitreten, und falls ein solcher Beitritt erfolgt sein sollte, denselben wieder rückgängig machen", angenommen. Die an die Herzogthümer zu be­zahlende Summe beträgt 37,000 fl.

München, 7. Okt. II. MM. der König und die Königin von Sachsen sind gestern Abend nach Sachsen zurückgereist. König Otto von Griechen­land wird noch längere Zeit hier verweilen. Morgen wird die feierliche Enthüllung derBava­ria" vorgenommen werden.

Paderborn, 5. Okt. Auf der königl. westphä, lischen Eifenhahn ist der Personenverkehr zwischen Hamm und Paderborn gestern eröffnet worden und regelmäßig von Stalten gegangen.

Berlin, 7. Oktober. (D. Z.) Der Inhalt des Berichtes, den nach der Angabe öffentlicher Blätter Herr Liebe über den Vollpracht'schen 2ln< trag, betreffend die am 15. Okt. hinsichts der Union zu thuenden Schritte verfaßt hat, ist mir zwar nicht bekannt; nach dem jedoch, waS ich über die Ansich­ten der Bevollmächtigten zum Fürstenkollegium höre, ist die Hoffnung derNeuen Preuß. Zeitung" auf die Möglichkeit der Bildung einesSchutz - und Trutzbündnisses" eine vergebliche. Jene Männer sind patriotisch genug, festzuhalten an dem Zwecke, den daS Bündniß vom 26. Mai vorigen JahreS hatte, an dem großen Zwecke: Deutschland zu einigen.

Schleswig-Holstein. Ueber Friedrichstadt wird denHamb. Nachr." noch ferner gemeldet:Die Verschanzungen der Dänen sind offenbar gut ange­legt , werden auch mit eben so viel Geschicklichkeit als Ausdauer vertheidigt. Widrige Umstände haben den Unsrigen ihre Aufgabe erschwert und zuletzt unmöglich gemacht. Neben dem 6. Bataillon, daS auch an diesem Tage im heißesten Kampfe gestanden