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sabuna von Friedrichstadt, Anfangs 3 Bataillone, n den letzten Tagen viel beträchtlicher. Bekanntlich war die Verbindung mit Husum unterbrochen, und man weiß hier von Leuten auS jener Gegend, daß die Dänen Tag und Nacht zwischen dort und Frie­drichstadt Truppen marschiren ließen, zur Ablösung und zur Verstärkung. Wer weiß, welch' heißeS Ge­fecht sich in dem Orte selbst mit überlegener feindlicher Stärke noch entsponnen hätte, wenn Friedrichstadt wirklich genommen worden ? D e SchleSwig-Holsteiner hatten nicht mehr als 6 bis 7000 Mann daselbst. Die Tète des 6. Bataillons soll nach dem Einsturz der Brücke gefangen sein. Mit dem heutigen Morgenzug kamen nur Kranke, keine Verwundete in Altona an.

Mit eben so großer Bestimmtheit wie die neu­liche (seitdem mehrseitig bestätigte Nachricht von den häufigen Wechseln der Friedrichstädter Besatzung) können wir heute melden, daß die von Husum dorthin gezogenen dänischen Truppen eine namhafte Stärke halten und der Feind auch nach etwa ge- lungenem Sturm den Kampf keineswegs aufgege­ben haben würde. Friedrichstadt brannte so stark, daß die anstürmenden Schleswig - Holsteiner auch von der Hitze im VorwârtSdringen behindert wurden.

* Kiel, 6. Oktbr. In der gestrigen Sitzung der Landesversammlung wurden die Beschlüsse in Betreff der Fin an zvor lage und des KriegS-BudgetS verkündigt. Sie sind in 4 Hauptpunkte gefaßt. Unter I. hat hiernach die Versammlung u. A. beschlossen: die Zustimmung zur Verwendung der von Deutschland und anderen Ländern eingegangenen und noch eingehenden frei­willigen Beiträge nach dem Zwecke der Geber zur Kriegführung, und die einstweilige Zurückstellung der eingegangenen oder ferner eingehenden Abträge auf die ausstehenden Forderungen deS Landes für Ver­pflegung srcmdherrlicher Truppen. Unter II. ward beschlossen: 1) Die Statthalterschaft aufzufordern: DaS KriegSheer um zirka 10,000 Mann über die gegenwärtige EtatSstärke zu vermehren und diese Vermehrung, so weit dieselbe nicht durch die be­schlossenen Aushebungen im Lande herbeigefühlt wird, durch Anwerbung auS dem Auslande schnell- möglichst zu beschaffen. 2) AlS Gesammtbuvget- ertrag die Summe von 11,261,890 Mk. bis zum 1. Januar 1851 zu bewilligen. 3) Für die Ver­mehrung deS Heeres um etwa 10,000 Mann eine Summe von 3,292,687 Mk. Unter III. ward be­schlossen: 1) Daß die Summe von 1,250,000 Mk. in Kassenscheinen zu 2% Mk. emittirt und der Kassenscheinausschuß zur Vornahme deS deßhalb Erforderlichen autoristrt werde, so wie, daß die be­treffenden §§. der Verodnung vom 31. Juli 1848 die Emittirung der Kassenscheine betreffend, auch auf diese neu zu emittirenden Kassenscheine Anwen­dung leiden. 2) Daß die Regierung autoristrt wer, den möge, unter Beirath eines von der Versamm­lung zu erwählenden Ausschusses, eine Staatsan­leihe bis zum Belaufe von 6 Mill. Thlr. preußisch oder 15 Mill. Mark unter möglichst günstigen Be- j dingungen zu kontrahiren, und daß der zu wählende Ausschuß ermächtigt werden möge, wenn die Um­stände es erheischen, Namens der Landesversamm- lung die erforderliche Genehmigung zum Abschlusse der Anleihe zu ertheilen. Unter IV.; 1) Daß die j zur Deckung der genehmigten Mehrausgabe erfor­derliche Summe durch eine ZwangSanleihe nach I Maßgabe des Vermögens und deS Einkommens aufgebracht werde und zwar in Gemäßheit der bei­den allgeschlossenen Gesetzentwürfe, welchen die Statthalterschaft ihre Zustimmung ertheilen wolle. 2) Daß die Statthalterschaft zu autorisiren sey, ein weiteres halbes Prozent als Anleihe vom Vermö­gen und als dritten Termin auszuschreiben, falls sich zeigen sollte, daß der Betrag der anderen be­schlossenen außerordentlichen Ausschreibungen nicht zum Zwecke des festgestellten KriegSbedürfnisseS hin­reichen würde.

Jene Beschlüsse hat die Landesversammlung gefaßt, wenige Stunden nachdem der Sturm auf Friedrichstadt aufgegeben werden mußte. Damit hat sie die Fortdauer deS Krieges, deS Kampfes auf Leben und Tod ausgesprochen und hat sich am 5. vertagt, nachdem sie noch den obigen Mahnruf an Deutschland erlassen hat, zu thun, waS seine Pflicht ist in dieser heiligen Sache. Wird auch er auf Lauheit und Gleichgültigkeit stoßen? Der Schmach haben wir genug auf unS geladen, es gilt unsere Ehre zu retten!

In der Sitzung vom 4. wurde der Antrag mosenhagens auf Amnestie mit 38 gegen 36 Sim­men angenommen. Lafaurie und Rauch, die velde selbst wegen politischer Vergehen in Unter« luojunq sind, jedoch erklärt haben, daß sie auf Ainncstie keinen Anspruch machen, stimmten mit der Mehrheit.

. .dei dem lebhaften Interesse, welches die Er- eigullle bei Friedrichstadt erregen, werden einige -vctails über dieses Städtchen unsern Lesern sehr ^^svmmen sein. Friedrichstadt, ein Städtchen von ^400 Einwohner, ganz in holländischem zierlichen ^-tyt gebaut, war vor dem Jahr 1620 ein Dorf, «eebull geheißen, ursprünglich ein friesisches Dorf. Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein über­

ließ diesen ßrt in erwähntem Jahre einigen Flücht­lingen von Holland, verfolgten Arminianern oder Remonstranten, zur Niederlassung und Ansiedelung und ihm 'zu Ehren nannten sie ihn Friedrichstadt. Er vergönnte den Kolonisten aller Konfessionen hier freie Religionsübung. Der Bau der luthe­rischen Kirche ward 1644 begonnen und 1649 vol­lendet. Außerdem gibt eS eine Mennonitenkirche und eine Arminische, in welcher der Gottesdienst in holländischer Sprache gehalten wird, sowie ein römisch-katholisches BeihauS und eine Judensyna­goge. Unter den Einwohnern finden sich zur Zeit reichlich 600 Juden, Arminianer, Katholiken und Mennoniten.

AuS zuverlässiger Quelle wird der Nordd. fr. Presse die Mittheilung gemacht, daß die russische Kriegsflotte, bestehend auS 2 Dampffregatten, 1 Schooner-Dampfschiff und 11 größeren Segelschiffen wegen Windstille am 3. d. M. unter Falster gean­kert lag, woraus man schließen zu dürfen glaubt, daß ihr Abzug aus den schleswig-Holsteinischen Ge­wässern nahe bevorsteht.

Altona, 7. Oktbr. (Tel. Dep. d. Wes. Ztg.) Die Belagerung von Friedrichstadt wird fortgesetzt. Nach einem in Kopenhagen ausgegebenen amtlichen Berichte war schon am 2. Oktober beinahe ganz Friedrichstadt abgebrannt und alle Einwohner halten die Stadt verlassen.

Danzig, 3. Oktbr. Nach einer gestern nach Danzig gelangten, aus authentischer Quelle fließen­den Nachricht ist der Pseudo-Fürst Allieri am 28. v. M. in Warschau unmittelbar nach seiner An­kunft daselbst festgenommen worden.

Wien, 4. Okt. Im Hotel der hiesigen russi­schen Gesandschaft herrscht seit ein paar Tagen viel Rührigkeit und es scheinen Dinge von großer poli­tischer Wichtigkeit vorzugehen. Daß auch der Reise unseres Kaisers ein bedeutungsvollerer Zweck zum Grunde liege als die bloße Jnspizirung deS Armee­korps in Vorarlberg, unterliegt keinem Zweifel mehr. Schon der Umstand deutet darauf, daß Fürst Schwarzenberg den Kaiser nach Tyrol und Vorarl­berg begleitet. Die Haltung Preußens veranlaßt die Kabinete,.die in Frankfurt eine Vereinigung auf dem alten Rechtâboden anstreben, sich enger aneinander zu schließen, ja die ministerielle Oesterr. Korrespondenz spricht schon von einer Offensiv- und Defensivallianz zwischen Oesterreich, Bayern, Wür- lemberg und Sachsen. Die gemeinsame Bundcs- Zentralkommission in Frankfurt war um so weni­ger mehr aufrecht zu halten, als die Stellung der HH. v. Schöiihals und Kübeck mit der Aufgabe, die dem Grafen Thun zerfiel, kaum mehr zu ver­einigen war. Dieser erschien in zweiter Linie, jene in erster. Das mußte aufhören, und auch die Aus­hebung der beigegebenen Departements konnte um so eher erfolgen, als in diesen Departements die preußischen and die österreichischen Kommissarien und Referenten sich so die Wage hielten, daß ihr ganzes Handeln allein darin bestand, sich wechselsei­tig an jedem Handeln zu hindern. Es war Eine große Schachpartie, ohne Ende, und doch im Grund mit einem fortwährenden Schachmatt. Bis ins Komische steigerten sich die Bemühungen der einzel­nen Referenten und Kommissarien, Vortheile gegen einander zu gewinnen, sich in den Besitz bedeutsa­mer Akten zu setzen w. Diese Komödie mußte auf­hören. Die Ansprüche Preußens gegenüber von Kurhessen scheinen eine Krise herbeiführen zu sollen. Unsere ministeriellen Organe heben hervor, daß Preußen über Kassel verfügen wolle wie früher über Hamburg und Baben: eS berufe sich auf strategische Gründe, da der Kurstaat wie ein Keil ihm zwischen die Glieder getrieben sei; aber Deutschland sei nicht nach strategischen Gründen zu theilen, sondern alS Bund gleichberechtigter Staaten zu erhalten. Diese gegenseitige Polemik scheint täglich bitterer zu werden; dennoch glauben wir an keinen Bruch, da die Ansicht der HH. v. Radowitz unv Manteuffel und deS Königs ihres Herrn zuletzt nicht so sehr alS man glaubt abweichen dürfte, von dem Stand, punkt, von dem auS hier mehr oder minder offen die kurhessischen Verwicklungen beurtheilt werden. Man gibt beiden Theilen Unrecht: den Ständen, die einen Bayrhoffer zum Präsidenten wählten, dem Kurfürsten, der einen Haffeupflug wählte. Die täuschen sich jedenfalls, welche wähnen, der König von Preußen werde dem Kurfürsten eine Zumuthung machen, die ihn seinen Ständen gegenüber in seinen vollen SouveränetärSrechten zu beengen schiene. Man sollte daS in Deutschland nicht auS der Acht lassen!

Wien, 3. Okt. Der ehemalige ReichstagSab- geordnete Dr. Franz Rieger wird, wie wir" von vollkommen glaubwürdiger Seite vernehmen, in kurzer Zeit nach Böhmen zurückkehren. Die Ad- justirung und Ausrüstung der Armee nimmt die Aufmerksamkeit deS Kaisers fortwährend in Anspruch. Kurz vor erfolgter Abreise wurden dem Monarchen Muster neuartiger Infanterie-Trommeln vorgelegt, welche sich bei den vorgenommenen Proben als sehr zweckmäßig erwiesen haben. Dieselben sind nach

der bisherigen Größe in der Gestalt von Pauken verfertigt, haben keine Schnüre und erhalten die Spannung durch eine sinnreiche mechanische Vor­richtung.

Frankreich.

Paris, 6. Okt. Die Königin von Belgien ist nach einem Briefe aus Ostende, veröffentlicht ini Nationale", an der Brustkrankheit, an welcher sie seit längerer Zeit gelitten, gestern gestorben. Die übrigen fran-ösischen und die belgischen Blätter sagen über diesen Trauerfall noch nichts.

Hr. Thiers hatte gestern im Elysöe-National mit dem Präsidenten Louis Napoleon , in Folge einer Einladung, welche er von demselben erhielt, eine lange Konferenz. Es heißt, er sei für eine Verlängerung der Präsidentschaft LouiS Napoleon'S um fünf Jahre günstig gestimmt.

Hr. von Persigny wird gegen Ende dieser Woche Paris verlassen, um sich wieder auf seinen Posten in Berlin zu begeben.

Sämmtliche Journale, denKonstitutionnel" und dasJournal deS Debalö" nicht ausgenom­men, beschweren sich bitter über die großen Nach­theile, welche der Presse durch die Verpflichtung, den leitenden Artikeln die Namen der Verfasser bei« zusetzen, bereitet werden.

Spanien.

Madrid, 1. Okt. Ein Eilbote mit dem Or­den deS goldenen VließeS für Ludwig Bonaparte, den Orden Karls III. für die Generale von Haut- poul und Lahilte, und einer Anzahl Orden für hö­here Ministerialbeamte ist heute nach Paris gegan­gen. Man erwartet hier Lola Montez, die sich insPrivatleben" zurückziehen will. Nach dem Pueblo" hätte sie in neuester Zeit Anfälle von Religiosität und brächte oft Tag und Nacht mit Beten zu.

Portugal

Neuere über England eingegangene Nachrichten auS Lissabon reichen bis zum 29. September. Der Graf von Thomar war in die Hauptstadt zurück, gekehrt und die Vorsichtsmaßregeln, welche früher gegen die Garnison getroffen worden waren, hatten nachgelassen, was denn die Besorgnisse der Bevöl­kerung vor einer Militärrevolte zum Sturz des Ka- bincts einigermaßen beschwichtigte. Einige von den I Häuptern der miguclistischen Partei sind nach Por- j tugal zurückgekehrt. Das britische UebungSgeschwa- der blieb noch im Tajo.

Aus den Mittagsposten

Mainz, 8. Oktbr. (M. Z.) Schon am letzten Jahrestag der Gutenbergsfeier war sein Standbild im Dunkel der Nacht durch Stricke an Händen und Füßen gefesselt worden. Heute Morgen waren Vor­übergehende Zeuge einer ähnlichen Demonstration, denn eine mächtige Kette, gewaltsam von den Pfei­lern losgerissen, welche vor dem gegenüber liegenden Theatergebäube stehen, war um Hand und Fuß der Statue befestigt. Auf Befehl der Polizei wurde dieselbe nach 7 Uhr entfernt.

* Kassel, 8. Okt. DieNeue Hess. Ztg." von dlelem Datum erscheint in Form eines nur auf einer Seite bedruckten Quartblattes. Zum Schluffe heißt cs:

Kassel, 8. Oktober. Morgens halb 9 Uhr. Soeben werden alle Druckereien mit Militär bcfeßt, und ist dadurch das Erscheinen dieser Zeitung aber­mals bebeutenü erschwert.

DaS Garnisonsgericht hat dem Generallieute, nant v. Haynau und dem Kastellkommandant die augenblickliche Freilassung OetkerS aufgcgeben und soll gewillt sein, diesem Aussprüche nüihigenfallS mit Waffengewalt Kraft zu verleihen. Die Offizier- deputation war aus WilhelmSbad unverrichteter Sache zurückgekehrt. Nachschrift. Soeben, 11 Uhr Vormittags, erfährt man, daß das Gene- ralauditoriat suöpendirt ist.

München, 6. Okt. (AugSb. Z.) Fürst Schwar­zenberg wird morgen Mittag 11 Uhr nach Bregenz abreisen, dort dem Kaiser von Oesterreich seine Auf­wartung machen und dann denselben nach Hohen- schwangau begleiten.

Schwerin, 5. Oktober. (O.-P.A.-Z.) Der in Rostock erscheinendeNorbbeutsche Korrespondent" vom neuesten Datum enthält ein Schreiben auS Dresden, welches miltheilt, daß die Heirath zwischen der Prnzessin Sidonie von Sachsen, Tochter deS Prinzen Johann, mit dem Kaiser von Oesterreich feststehe. AuS Warnemünde wird von gestern (in derRostocker Zeitung") berichtet: Die russische Flotte, 13 Segel- und 2 Dampfschiffe stark, passirte ostwärts ankreuzenb weiter.