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anlassungen, so erfährt man, daß hier ein böser Bube seinem Brodherrn daS HauS angesteckt hat, weil ihn derselbe bedroht oder gestraft hat, dort der dem Konkurse verfallene Eigenthümer auS Rach­sucht gegen den Gläubiger seine Gebäude selbst dem Feuer opfert, an einem dritten Orte die in Scheuer und Stallung mitgenommene Pfeife, Licht, Spie­lerei der Kinder mit feuergefährlichen Gegenständen den Brand verursachte ic.) , wie es denn über­haupt eine betrübende Erscheinung ist, daß alle Leidenschaften und Fehler seit dem Jahre 1848 weit grasser und ungebundener sich äußern. Desto größer ist aber auch die Pflicht der Staatsbehörde, durch entsprechende Aufsicht und Wachsamkeit, sowie unbeugsame Härte in Bestrafung der Uebelthäter, den möglichen Gefahren und Nachtheilen vorzubeugen. Eine weitere bedauerliche Erfahrung bei allen in unserem Lande bis jetzt ausgebrochenen Bränden ist der von Sachverständigen einstimmig konstatirte Mangel einer zweckmäßigen Leitung und eines ein­heitlichen Zusammenwirkens der Löschenden, wie endlich die schlechte Beschaffenheit der Löschanstalten selbst: Mängel, welche öfter die kaum zu besiegende Ausbreitung des FeuerS verschuldeten. Wir möch­ten daher im öffentlichen Interesse auf einige Be, dingungen aufmerksam machen, deren Erfüllung unS zur Verminderung deS besprochenen Uebels unerläßlich scheint; dahin gehören:

1) Strenge Handhabung der Polizei und wach­same Beaufsichtigung der Erwachsenen und ganz vorzüglich der Jugend, welche letztere außer der Schule häufig ohne alle Aufsicht ist und derselben bei den oft sehr nachtheiligen elterlichen Einflüssen doch in unserer Zeit so sehr bedarf; besonders strenge Feuerpolizei;

2) förmlich militärische Ausbildung der Löschmann­schaften mit exemplarischer Bestrafung der Wi­derspenstigen ; periodische Untersuchung der Löschanstalten durch unbetheiligte Sachverstän­dige und Ersetzung der unbrauchbaren durch neue und gute;

3) allgemeinere Einführung der Versicherungen, oder eine der Häuserversicherung nachgebildete Mobiliarversicherung für das ganze Land.

Nur auf diese Weise will eS uns möglich scheinen, sowohl die Zahl der Brände zu vermin­dern, als auch eintretenden Falles den Schaden für den Einzelnen weniger fühlbar zu machen; während unter den jetzigen Verhältnissen manche Familie an den Bettelstab kommt, bei öfter wiederkehrenden Feuersbrünsten die öffentliche Theilnahme für jene Unglücklichen erlahmen muß, und endlich das öffent­liche Vertrauen sinkt, was wiederum seinen nach- theiligen Einfluß auf die Bevölkerung nicht ver­fehlen kann : denn je mehr Besitz und Eigenthum gesichert sind, desto mehr entwickeln sich alle bür­gerlichen Tugenden und umgekehrt.

Hanau, 7. Okt. (Fr. I.) Die Deputation des OberappellationSgerichtS hat eine dreiviertel­stündige Audienz bei Sr. königl. Hoheit dem Kur, fürsten gehabt. Anwesend bei derselben war der Ministerialvorstand v. Baumbach, jedoch in voll­ständiger Passivität. Die überreichte Adresse wurde von dem OberappellationsgerichtSrath Schotten mit kräftigen und warmen Worten begleitet. Die Entgegnung des Kurfürsten beschränkte sich auf den Satz: daß Er eine Theilung der Gewalt nicht zu, lassen könne, und daß Er jede Thätigkeit, die Ihn in seinen landesherrlichen Rechten beschränken wolle, als Anmaßung entschieden zurückweisen müsse. Die Erwiederung, daß jede vermuthete derartige An­maßung ganz fern liege, die Wahrung von Gesetz und Recht dagegen als hochheilige unbedingte Pflicht erscheine, wurde mit den Worten abgeschnitten: Dann würden also die Staasdiener befehlen und ihnen müsse der Fürst gehorchen. Jede weitere Be­merkung blieb fruchtlos. Die Deputation wird morgen früh nach Kassel zun'rckreisen. Der General, StaakSprokurator Kersting hat sich bereits heute Nachmittag nach Kassel begeben. OberappellationS- gerichtSrath ElwerS hat um eine besondere Audienz gebeten und solche erhalten. Man sagt, er hege die Hoffnung, 'die Ministerialvorstände v. Haynau und v. Baumbach von HassenpflugS Seite abzu­bringen. Seit Nachmittag ist er wiederholt in WilhelmSbad anwesend, jedoch verlautet noch nichts über den Erfolg seiner Bemühung. Die nach Wil­helmSbad berufenen außerordentlichen Ministerial- Referenten Bechtel, Koch und Stern sind theilweis mit Finanzministerialgeschäften, namentlich Organi­sationen, beauftragt. Verfassungswidrige Anmu- thungen wurden ihnen durchaus nicht gemacht. Ohne alle Büreaueinrichtungen kann ihre Thätig­keit nur eine geringe sein. ES fehlt daS nöthige Personal, eS fehlen die Akten, ja sogar die Gesetz­blätter.

Wilhelmsbad, 8. Okt. (Fr. I.) Die von Kassel auS hierher gekommenen Vorschläge konnten allerdings vom Kurfürsten nicht gut genehmigt wer- den. Sie bestanden vornehmlich darin, daß man daS Militär auS Kassel zurückziehen und in ent- fernterè Theile des Kurfürstenthums verlegen möge, um sie nur im äußersten Nothfalle entschiedenen Aufruhrs zu gebrauchen. Es ist bei Ablehnung

dieser Vorschläge zugleich die Bemerkung gemacht worden, daß der Oberbefehlshaber, General von Haynau, die Vollmacht habe, einen jeden Offizier zu entlassen, welcher seinen Befehlen nicht gehor­samen wolle. Eine dem Obristlieutenant Hille­brand abgefordcrte Garantie, daß das Offizier­korps überall gehorsamen werde, konnte derselbe natürlich nicht übernehmen. ES steht zu erwarten, daß, mit geringer Ausnahme, sämmtliche Offiziere, ihrem auf die Verfassung geleisteten Eide getreu, ihre Entlassung erhalten werden, so daß die kur- hessische Armee dann von selbst aufhörte. Wir wollen hoffen, daß in Kassel und anderswo kein Ausbruch von wirklichen Unruhen entstehen werde.

^â Kassel, 5. Okt. Nie war eS hier ruhiger als jetzt. Wenn wir Don # Steuerverweigerun­gen in den Nachbarstaaten hören, so müssen wir uns wundern, wie man unseren Ständen eine solche Schuld geben kann. Bei unS hat durchaus k e i n e S t e u e r v e r w g e r u n g stattgefunden. Die Stände wollten nur nicht ohne Büdget bewilli­gen Sieben Monate hatte die Regierung Zeit, um dasselbe aufzustellen; aber sie hat eS nicht gethan. Unsere Verfassung kennt nur Steuerbewilligung aufdenGrund deSBüdget S. Ebendeßhalb wunderten wir uns, wie Ihre Stände in Nas­sau über Steuerverweigerung verhandeln konnten, da wir hier wohl wissen, daß bei Ihnen alljähr- lichzuAnfangederStändeveriammlung sofort alle Büdgetö in genaue sten und speziell stenNachweisenseitdem Bestehen Ihrer Verfassung vorgelegt zu werden Pflegen. Bei solchem Zustande kann wohl zwi­schen Regierung und Ständen eine verschiedene An­sicht über einzelne Posten entstehen, die denn, je nach Umständen, ausgesetzt und aufgeschoben werden, bis eine Vereinbarung erfolgt; aber die Steuerbe- willigung im Ganzen ist davon unabhängig. Selbst wenn Grund zu einer Ministeranklage vor­liegen sollte, ist dieselbe vor allen Dingen zuerst einzuleiten, nicht mit einer allgemeinen Steuerver­weigerung der Prozeß zu beginnen, well eine solche Maßregel den Staat und sein Bestehen stürzt, folg­lich die Grundlagen alles staatlichen Lebens sofort aufhebt. Von dieser Ansicht ist denn nun auch die Majorität Ihrer Stände ausgegangen und hat we- i nigstenS ein Simpel weiter auf Abschlag bewilligt.

Die allgemeine Steuerverweigerung ist besonders , in kleineren Staaten ein gefährlicher Grundsatz, wel, I chcr zur Allmacht der Stände führt und den Schwer- * punkt nicht blos der Regierung, sondern alles Be­standes der bürgerlichen Ordnung in wechselnde Stimmungen der Repräsentanten verlegt. Wie alle Verhältnisse bei erweitertem Umfange eine andere Gestalt annehmen, so hat die allgemeine Steuerver­weigerung bei größeren Staaten eine andere Be­deutung. Das Einzelne Ihrer ständischen Unzufrie­denheiten in der Gegenwart werden wir dahier erst nach und nach besser beurtheilen können. Aber un­seren Ständen thut man Unrecht, schweres Unrecht, wenn man ihnen eine Steuerverweigerung beimißt; sie verlangte blos eine verfassungsmäßige Vorlage des BüdgetS, die nicht geschah.

5 Mannheim, 8. Okt. Heute Morgen um 11 Uhr ist Se. königl. Hoheit der Prinz von Preu­ßen, von Karlsruhe über Heidelberg kommend, auf der Eisenbahn dahier eingetroffen, um eine Muste­rung der hier in Garnison liegenden königl. Preuß, und großh. bad. Truppen vorzunehmen. Der Prinz begab sich sofort zu diesem Zwecke, in Begleitung des bereits heute früh angekommenen königl. preuß. Generals v. S ch r e cke n st ei n und des großh. bad. Obersten Holz, auf den Exerzierplatz, wo er von einem kräftigen dreimaligen Lebehoch sämmtlicher Truppen begrüßt wurde. Nach beendigter. Muste- rung sprach der Prinz seine vollkommene Zufrieden­heit' über die Ordnung sämmtlicher Mannschaft auS. Den nach der Musterung statigehabten Manövern schenkte er seine volle Aufmerksamkeit und lobte be­sonders das Defiliren der einzelnen Waffen. Die Stadt war mit vielen Fahnen geziert, und eine große Menschenmenge wohnte dem militärischen Schauspiele bei. Der Prinz ist bereits heute wie­der in Begleitung des königl. Preuß. Generals v. Schreckenstein nach Karlsruhe zurückgekehrt. Nach dem neuesten großh. Reg.-Blatte wurden eine Anzahl Unteroffiziere und Soldaten wegen ihrer während dem letzten Aufstande bewiesenen Treue mit der silbernen Militärverdienstmebaille belohnt.

Karlsruhe, 7. Oktober. Bei der vorgestrigen Abendtafil bei Hofe nahm ein Ausspruch aus hohem Munde die ungeteilteste Aufmerksamkeit in Anspruch. Im Hinblick nämlich auf die Abberu­fung der östr. Bevollmächtigten bei der Bundes- Zentralkommission in Frankfurt a. M. wurde ge­äußert , daß dieselbe als eine Kriegserklärung zu betrachten und nun, da Preußens Geduld erschöpft sei, das Schwert zwischen ihm und Oester­reich entscheiden müsse.

Karlsruhe, 6. Oktober. Die Karlsr. Zeitung meldet, daß Prinz Friedrich eine Reise nach Cvn-

stanz angetreten hat, um sich nach Bregenz zu, geben und hier den Kaiser von Oesterreich im Auf. trage des Großherzogs zu bewillkommnen.

Stuttgart, 5. Okt. Der Landesversammlung legte heute der Finanzminister daS Ansinnen einer provisorischen Steuergenehmigung bis zum Schluß des Jahres vor, bis um welche Zeit die Berathung deS Budgets geschlossen sein könne. An UhlandS Stelle wurde in den StaatSgerichtshof der gewesene Abgeordnete Eisenlohr, Rektor eines Schullehrer- Seminars zu Nürtingen, im Parlament Rümelins Ersatzmann, gewählt mit 38 Stimmen; Duvernoy hatte deren 15. Die hiesige Bürgerartillerie löst sich in Folge der Wegnahme ihrer Kanonen doch nicht auf; sie will 6 Geschütze auf ihre eigene Faust erwerben; die vielen Handwerker, welche in ihr sind, wollen jeder an seinem Theil die Arbeit zu deren Herstellung übernehmen und die weiteren Kosten sollen durch Zeichnungen aufgebracht werden.

Stuttgart, 7. Okt. (W. Z.) (Dritte Sitzung der Landesversammlung.) Auf eine Interpellation des Abg. Fürsten v. Zeil antwortet Staatörath v. Linden, daß die königl. würtemb. Regierung der Ratifikation deS Friedensvertrags mit Dänemark beigetreten sei. Die Landesversammlung beschließt mit allen Stimmen gegen 2 (v. Linden, Sattler) dem Antragedes Abg. Seeger, betreffend die Be­zahlung der Truppenverpflegungsgelder an die Statt­halterschaft von Schleswig-Holstein, beizutreten.

Sodann ertheilt die Landesversammlung den Anträgen des Abg. Süskind in der kurhessischen Angelegenheit ihre Zustimmung, welche dahin gehen: 1) dem kurhessischen Volke die hohe Achtung der würtembergischen Landesversammlung zu bezeugen (dagegen 8 Stimmen); 2) die königliche Regierung aufzusordern, sich nicht an den unberechtigten Ein­griffen zu betheiligen, welche von Seiten einiger Regierungen (Bundestag) in der kurhessischen Der- fassungSangelegenheit drohen (dagegen 12 Stimmen.)

Hannover, 5. Okt. Ritter Detmold war ge­stern gefeierter Gast an der Tafel des Königs. Daß er nicht desavouirt ist oder wird, beweist die äußerst freundliche Aufnahme. Der König überreichte ihm persönlich die Dekoration desGuelphenordenS" 4. Klasse. Herr Detmold soll darüber sehr glücklich sein, auch sagt man, daß Herr S t ü v e sehr er­freut sei. Die amtlichen Nachrichten melden bereits die Erhebung des Herrn Detmold zum Ritter deS Guelphenordens, nennen den Dekorirten aber nicht Bundestagsgesandten, sondern einfach Legationörath.

Berlin, 6. Oktbr. Hr. v. Manteuffel soll am

3. oder 4. d. M. seine Entlassung eingereicht- ben, cs soll aber noch dahin stehen, ob derselbe auf seinem Beschlusse beharren werde, da er von allen Seiten bestürmt wird, in seiner Stellung zu ver­bleiben. Die Abberufung des Baron v. Meyen, dorff von seinem hiesigen Posten soll höher» OrtS Mißstimmung erregt haben, um so mehr, als eS allgemein heißt, daß wir vorläufig hier keinen rus­sischen Gesandten, sondern nur einen Geschäftsträ­ger sehen werden. Für Herrn v. Budberg, der in letzter Zeit die Geschäfte der russischen Gesandtschaft versehen, ist ein offizielles Beglaubigungsschreiben noch nicht eingelroffen. Die Einberufung der Kammern soll, wie glaubwürdig versichert wird, noch im Laufe dieses Monats erfolgen und soll der Zu­sammentritt derselben am 8. und 10. November be­vorstehen. Man spricht von der Aufstellung eines Armeekorps an der schlesisch-böhmischen Grenze.

* Hamburg, 6. Okt., Abends. DaS schleswig- holsteinische Korps hat sich nach mißlungenem Sturm gegen Friedrichstadt mit einem Verluste von etwa 600 Mann in die Stellung bei Süderstapel und Sethe zurückgezogen. Dies ist die traurige Neuig­keit deS Tages. Christiansen deckte mit seiner Bat­terie den Rückzug, während dessen die Truppen durchaus nicht beunruhigt wurden. Die brennende Stadt verschaffte ihnen eine taghelle, aber grausige Beleuchtung. Wir sprachen heute einen Soldaten, der die Affaire mitgemacht hatte; er schildert die Verschanzungen und Blockhäuser der Dänen bei Friedrichstadt als solcheBollwerke", daß die Ka­nonenkugeln gar nichts dagegen auszurichten ver­möchten. Nachvem eine Schanze gestürmt war, glaubte man freien Zugang zu gewinnen aber jetzt erst habe sich eine ganze Reihe neuer Verschan­zungen gezeigt. Fortwährend die Trommel zum Sturm Angriff nach Angriff folgte. Doch ver­geblich. Hageldicht flogen ringsum die Kartätschen; dabei herrschte durch die in großer Nähe brennenden Gebäude eine unerträgliche Hitze. Als eine Brücke brach, auf welcher sich Mann an Mann drängte, gab es viele Todte. Der Mann deutete an, daß auch hier wieder Unvorsichtigkeit im Spiele gewesen sei. Nach anderen Mittheilungen hätten die Dänen jene Brücke listiger Weise durchsägt, waS allerdings mehr melodramatisch, aber schon deßhalb wenig wahrscheinlich klingt, weil man einer Brücke, welche den Manipulationen deS hart bedrohten Feindes ausgesetzt gewesen, doch wohl nicht unbedingt ge­traut haben würde. Ohne Zweifel war die Be-