Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Donnerstag den LV Oktober
1830.
Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober neu beginnende Quartal der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung^ werden baldigst erbeten, um die Stärke der Auflage bestimmen und vollständige Exemplare liefern zu können.
Die Verhandlungen des AssisenHofes und des Landtages werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt, und bei den bisherigen und neu eingegangeneu Verbindungen Korrespondenznachrichten aus allen Theilen des Landes gebracht werden.
Durch den „amtlichen Theil" der Zeitung kommen Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publikums.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" erfreut sich einer bedeutenden, stets zunehmenden Verbreitung, sie ist daher zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art besonders geeignet.
Die Raff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in Großfolio-Format, mit Ausnahme »es Sonntags. — Der vierteljährige Prânum-cationsvreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürftenlüumS Hessen, der Landgrasschail Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S , in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen BerwaltungSgebieteâ 8 fl. 1O fr. — Inserate werden die dreispaltige Petifteile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Schellenberg'schen Hof- Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern ;u machen.
Uebersicht.
Die schleswig - holsteinische Landesversammlung an das deutsche Volk.
Deutschland. Wiesbaden (Landtagsverhandlungen. —
— Vom Westerwald (Die vielen Brände). — Hanau (Die Deputation). — Wilhelmsbad (Das OffizierkorvS).
— Kassel (Parallele zwischen Kurhessen und Nassau).
— Mannheim (Der Prinz von Preußen. Silberne Medaille). — Karlsruh e (Ausspruch des Prinzen von Preußen. Prinz Friedrich nach Konstanz). — Stuttgart (Landesversammlung). — Hannover (Hr. v. Detmold).
— Berlin (Hr. V. Manteuffel. Die russische Gesandtschaft. Einberufung der Kammern). — Hamburg (Nachrichten vom Kriegsschauplätze). — Kiel (Die Landes- Versammlung. Friedrichstadt. Die russische Flotte). — Altona (Belagerung von Friedrichstadt). — Danzig (Fürst Altieri). — Wien (Die Reise deS Kaisers. Die Bundeskommission. Die kurhessische Sache). Frankreich. Paris (Gerücht über den Tod der Königin von Belgien. Thiers. Persigny. Die Journale).
Spanien. Madrid (Orden für den Präsidenten und die Minister der französischen Republik. Lola Montez).
Portugal. Lissabon (Die Militärrevolte). Neueste Nachrichten.
Die schleèw holst. Landesversammlung an das deutsche Volk.
(Beschlossen in der Sitzung der schlesw.-holst. LandeSversamm- lung vom 5. Oktober).
Deutsche Brüder! Der Augenblick, in welchem wir unser Wort an Euch richten , ist ernst und verhângnißvoll wie nie zuvor. Unsere nächste Zu- fünft steht auf der Spitze deS Schwertes. Wir sind bedroht in unserm Recht, in unserer Freiheit, in unserer Nationalität, bedroht in Allem, was einem Volk als das Höchste unv Heiligste gilt. Fast die Hälfte unseres LanveS ist in den Händen eines erbitterten FeinbeS. Frevelnder Hohn wird dort gegen Gesetz, Recht und Sitte geübt; die Söhne des Landes werden gewaltsam dem feindlichen Heere eingereiht; die unerträglichste Erpressung ist über eine Bevölkerung verhängt, deren einziges Verbrechen es ist, daß sie festhaltend an dem alten Rechte, sich unter Dänemarks Gewalt nicht beugen will — Mächtige Kabinette Europa'S sind mit dem dänischen zusammengetreten, unS unser gutes Recht zu entreißen, SchleSwig-Holstein einer fremden und feindseligen Nation für alle Zeil zu überliefern. Wer unsere Verhältnisse kennt, der weiß eS, daß unser Kampf keinen andern Zweck hat, als die Vertheidigung gegen den ungerechten Angriff. Kein mit Recht und Ehre irgend verträgliches Mittel ist unversucht gelassen, den Frieden zu erlangen und den Krieg mit allem seinem Elend zu vermeiden. ES blieb unS nichts Anderes übrig, als unbedingte Unterwerfung unter ein fremdes Joch, oder Kampf bis auf das Aeußerste. Die Wahl konnte nicht zweifelhaft fein. Volk und Regierung haben einmüthig das Letztere gewählt. Und wie unsere Statthalterschaft, unbeirrt durch die Protokolle fremder Mächte, entschlossen ist, den Krieg mit allem Nachdruck forizusühren, um »u einem ehrenvollen Frieden zu gelangen, so recr- den auch wir, die Vertreter deS schleswig-holsteinischen Volkes, sie in der Ausführung dieses Entschlusses mit allen unS zu Gebote stehenden Mitteln unterstützen. Wir haben zu dem Ende beschlossen, dem Lande neue und schwere Lasten auszuerlegen, seine bereits stark in Anspruch genommene Wehrkraft in noch erhöhtem Maße anzuspannen. Wir haben eS beschlossen in der festen Zuversicht, daß ein tüchtiges Volk hinter seinen Vertretern steht, welches für eine große Sache Opfer zu bringen bereit ist. So dürfen wir auch erwarten, daß unsere Hartgeprüf, ten Brüder in Schleswig mit derselben Slandhaftig- «it, welche bisher ihr Ruhm war, auch fernerhin
die schweren vom Feinde über sie verhängten Leiben ertragen, daß sie auSdauern werden, bis eS gelingt, ihnen den Tag der Befreiung zu bringen. Unser tapferes Heer harrt mit Ungeduld dieses Tages Wir wissen eS ihm Dank, daß auch das Unglück seinen Muth nicht zu beugen vermocht, daß eS mit Freudigkeit die schweren Mühen deS Krieges getragen hat. Es wird den Erwartungen des Vaterlandes entsprechen. Deutsche Brüder! DaS ist die Lage der Dinge in dem gegenwärtigen Augenblick. Ihr habt zu einer Zeit, wo alle andere Hilfe wich, unS nicht verlassen. Wir sprechen Euch den Dank deS Landes auS für Alles, was Ihr in dieser Zeit für unS gethan habt, für alle Unterstützungen an Mannschaft, an Geld, an anderen Gaben. Aber an unseren Dank schließt sich — wir wollen eS nicht ver. hehlen —zugleich die ernste Mahnung, daß Deutschland nicht aufhören möge, die Lasten deS Kriegs mit uns zu tragen, die wir zwei Jahre hindurch weit über unfern Theil getragen haben. Denn Deutschlands Sache ist eS, die hier geführt, seine Ehre, welche hier gewahrt, seine Freiheit, welche hier vertheidigt, sein Recht, welches hier mit Blut besiegelt wird. Außerordentliches ist erforderlich, damit der Krieg mit der nöthigen Kraft zum Ziele geführt werde. Deutschlands heilige Pflicht wird eS sein, uns ausreichende Hülfe zu leisten, so lange es noch Zeit ist. Ein Volk von vierzig Millionen vermag Großes, wenn eS nur einmüthig will. In unserm Schicksal wird sich Deutschlands Zukunft spiegeln. Möge sie unser Vaterland hoch emporhe- ben über die Erniedrigung der Vergangenheit und der Gegenwart! Das gebe der Allmächtige, der die Geschicke der Völker und Staaten in seiner Hand hält! -
Deutschland.
* Wiesbaden, 8. Oktbr. (Vierte resp, vierzehnte Landtagsverhanblung. (Schluß.) Der dritte Gegenstand der Tagesordnung ist die Prüfung des ErigenzetalS für den öffentlichen Unterricht. Für Besoldungen der an den Unterrichlsanstalten angestellten und verwendeten Personen werden angefordert 69,162 fl. 26 fr. Dieser Betrag wird nach versuchter Beanstandung deS für Ertheilung des konfessionellen Unterrichtes an den Gymnasien angesetzten Betrages von 1350 fl. im Ganzen bewilligt. Während der in Bezug dieses Theilbetrages eröffneten Diskussion stellt der Abg. Snell die Anfrage, ob die Regierung, so wenig Hoffnung für Einführung der Grundrechte auch vorhanden sei, doch noch die Absicht habe, die Trennung desSlaateS und der Kirche burchzuführen. Präs. v. Wintzingerode bemerkt, daß Kirchensachen in die jetzige Verhandlung nicht gehören, daß aber die Regierung einer Revision der evangelischen Kirche fein Hinderniß in den Weg legen werde.—Der zweite Ansatz betrifft die Pensionen und QuieSzentengehalte im Betrage von 8430 fl. 56 fr. und wird mit einigen Bemerkungen deS Abg. Snell über die QuieSzirung deS Prorektors Rossel, welche nach seiner Ansicht nur auS politischen Gründen erfolgte, ebenfalls genehmigt. Die weiteren Ansätze desselben Kapitels (5892 fl. für die Idsteiner Seminarstipendien, 4278 fl. 36 fr. für Schulbedürfniffe, 1550 fl. für die Bibliotheken und 3255 fl. 32 fr. für Schulapparate) werden ebenfalls genehmigt. .
Im zweiten Kapitel wird für Unterhaltung der Gebäude gefordert 3419 fl. 35 fr., im Kapitel 3 bis incl. 13 ein Betrag von 17,746 fl. 30 kr.; im Ganzen daher mit Zurechnung eines 1790 fl. 56 fr. betragenden Rezesses vom vorigen Jahre 115,526 fl. 31 fr., zu dessen Deckung ein Zuschuß von 41,400 fl. auS öffentlichen Mitteln nöthig fein wird, da die Einnahme des ZentralstudienfondeS nur 67,468 fl. 35 kr., die Zuschüsse aus den Domänen und der Stadtkasse zu Wiesbaden nur
6657 fl. 56 fr. betragen. — Für die Taubstummenschule in Kamberg werden bewilligt 4641 fl. Zur Kompletirung der Schullehrerbesoldungen in unbemittelten Gemeinden 4200 fl. Die Berathung deS AntrageS: zur Unterstützung bedürftiger Lehrer, so, wie zur Erhöhung der Besoldungen würdiger Lehrer und Gehülfen 10,000 fl. anzuweisen, wird bis zur Berathung der Gesetzvorlage über Bildung eines Pen- stonSfondeS für Real- und Elementarlehrer, als damit zusammenhängend, vertagt. Die für den Schulinspek, tor Ebenau in Wiesbaden angesetzteRemuneration von 400 fl. wird auf Antrag deS Ausschusses nicht bewilligt. Die weiteren Beträge (11,060 fl. für die Real-, Gewerbe-, Sonntags- und Abendschulen; 1665 fl. als Kanzleiaufwand der Schulinspektoren und 3500 fl. für Reisekosten derselben) werden bewilligt. Der Gesammlerigenzetat beträgt nach Abrechnung der gestrichenen oder später zu berathenden Ansätze 132,592 fl. 31 fr.
Abg. Braun stellt den Antrag: die Kammer möge der Herzog!. StaatSregierung den Wunsch auSsprechen, 1) baß dieselbe sowohl in Verwaltung der höhern Lehranstalten, welche einen die Kräfte des Landes weit übersteigenden Kostenaufwand verursachen, die äußerste Sparsamkeit eintreten lasse; 2) als auch bei Ausarbeitung deS balbthunlichst vorzulegenven Gesetzentwurfes über Schulorganisation ernstlich in Betracht ziehen, a. ob nicht die Aufhebung eines der Gclehrtengym- nasien, b. die Ersparung und Verbesserung be. zweckende Umgestaltung des Realgymnasiums, sowie c. die Umänderung des in seinem bermaligen Zu- stände in keiner Art zweckentsprechenden Pädago» giums in Dillenburg in eine technische Anstalt, namentlich etwa eine Forst- und Bergfchule dringend geboten sei. Dieser Antrag wird angenommen und dadurch ein ähnlicher, jedoch weniger speziell gehaltener Antrag deS Ausschusses abgelehnt.
Abg. Leisler rechtfertigt feine beiden, die Aufhebung der Erbleihen und Bannrechte betreffen- den Anträge. Die Jnbetrachtnahme derselben wird beschlossen.
Adg. v. Eck beantragt, die Versammlung möge beschließen, 1) die Verhandlungen in Betreff deS von der Regierung im Jahre 1849 vorgelegten Gesetzentwurfs über die Zivilliste wieder aufzunehmen unv 2) eine aus fünf Mitgliedern bestehende Kom- mifsion zur nochmaligen Berichterstattung über jenen Gesetzenlwu.f zu ernennen. Dieser alS dringlich bezeichnete Antrag wird sofort gerechtfertigt und von der Kammer angenommen.
Der vom Chef deS Kriegsdepartements vorgelegte Gesetzentwurf über die Pen sionirung der Relikten verstorbener Offiziere und Mi- litärbeamten mit OffizierSrang wird der Militärbudget-Kommission zur Begutachtung zu- gewiesen.
Abg. Heydenreich richtet die Anfrage an den Vorsitzenden, wie eS mit dem Druck der Land« tagSverhanblungen gehalten werbe. Schließlich wird über den vom Abg. Snell gestellten Antrag über die Abänderung der Sitzungsstunden abgestimmt. Dieser Antrag wird verworfen. (Schluß der Sitzung 1'/, Uhr.)
-A Vom Westerwald. (Zu welchen Maßregeln fordern die in neuerer Zeit so häufig wiederkehrenden und ausgedehnten Brände auf?) In unserem engeren und weiteren Vaterlanbe, wie in einem großen Theile deS übrigen Europas hören und lesen wir feit Jahresfrist ungewöhnlich häufig die traurige Schilde, rung von gräßlichen Feuersbrünsten, zu denen der vor Kurzem in Elz Statt gehabte einen neuen Beitrag liefert. Forschen wir nach den Ursachen dieser Vermehrung, so werden sich als solche fast immer schändliche Bosheit und Rachsucht oder strafwürdige Nachlässigkeit und Leichtsinn von fremder und eigener Seite ergeben (man beachte die einzelnen Ver-