scheint, so fragt sich doch, ob jeder für Wald geeignete Boden auch für die Landwirthschaft tauglich erscheint, und eS möchte deßhalb gerathen erscheinen, sich an daS durch die Erfahrung Erprobte zu halten, zumal wenn eS sich auch in kleineren Kreisen aus- führen läßt. Zweierlei aber möchte ich in dieser Beziehung der Beachtung empfehlen. Einmal die Anpflanzung von Obstbäumen und dann die zweckmäßigere Verwendung deS zur Viehweide benutzten Landes. Welchen Nutzen ein Obstbaum bei geringer Pflege und unbedeutenden Kosten gewährt, bedarf in unserm Lande um so weniger einer Erörterung, alS einzelne Gemeinden ihren ganzen Wohlstand allein dem Obstbaum verdanken. Nichts desto weniger findet er nicht überall die gehörige Pflege. ES ist dieß um so mehr zu bedauern, alS die Wichtigkeit des Obstes selbst für den gewöhnlichen Gebrauch, bei der drohenden Unsicherheit deS Kartoffelbaues, immer einleuchtender wird. Es möchte darum die Pflege der Obstbaumzucht besonders da, wo sie, so zu sagen noch gar nicht herrscht (wie auf dem Westerwalde) die besondere Fürsorge der Behörden und namentlich deS landwirthschafilichen Vereins verdienen. Eben so wichtig aber scheint bei der immer zunehmenden Bevölkerung die bessere Verwendung deS zur Weide bestmmten Landes. Wie oft liegen weite Strecken um Dörfer unbe- baut, einzig und allein um dem Vieh zur Weide zu dienen; d a S aber findet darauf nicht allein wenig oder nichts, sondern entzieht auch seinen Besitzern Dünger und Milch. Wie leicht könnten diese Strecken urbar gemacht, der Bevölkerung erhalten und Milch und Dünger gewonnen werden, wenn die Gemeinden ernstliche Besserung ihrer bäuerlichen Zustände wünschten, aber — so viel auch schon für die Bildung deS Volkes geschehen ist — nur zu oft geht der Einzelne in seinem Schlendrian fort, um eS ja nicht anders zu machen, als es der Vater und Großvater machte.
Doch ich wollte noch weniger sagen, wenn die Weiden in ihrem ursprünglichen Zustande blieben, aber wie oft werden sie — ich möchte behaupten muthwilliger Weise — zerstört. Ohne Aufsicht dem ZerstörungSlriebe der Jugend, der Noth deSArmc» überlassen, vom Vieh zu Grunde gerichtet, bieten sie an manchen Orten eine sterile Fläche dar, die selbst einen kümmerlichen Graswuchs nicht zu erzeugen vermag. Wahrlich es thut Noth, daß in i dieser Rücksicht etwas geschieht! Mag man vielleicht die plötzliche Einführung der Stallfütterung (wie sie jedoch in der Wettcrau , an der Aar und an andern gesegneten Orten statt hat) allzu gewagt finden, so pflege man wenigstens die Weiden, indem man sie einer gewissenhaften Aufsicht und Bewirthschaftung unterzieht. Nur auf die Weise läßt sich erwarten, ein Land zu erhalten, daS sonst dem Verderben anheimfällt. — Gewiß es sind in unserm Lande noch manche Schätze zu heben, wenn man sie heben will, ohne daß es nöthig ist zu außerordentlichen Mitteln seine Zuflucht zu nehmen. Eine nicht geringe Aufforderung für die nun selbstständig gewordenen Gemeinden, in der angegebenen Weise thätig zu sein. ES heißt auch hier: „Noch viel Verdienst ist übrig, auf, habe eS nur"!
Wilhelmsbad, 7. Oktbr. (F. I.) Die hierher geschickte Deputation befindet sich noch hier und hat i von Kassel die Nachricht erhalten, daß die AuS- nahmSmaßregeln dort große Unzufriedenheit erregen. 1 Ein Lieutenant, welcher den ObergerichtSanwalt Oetker auf Befehl des Generals Haynau verhaftet hat, ist von seinem eigenen Regimentskommandeur deßhalb in Arrest geschickt worden. Man ist hier ziemlich muthloS; kenn man weiß, daß die hannoversche Regierung sehr großes Bedenken trägt, in Kurhessen zu interveniren.
Kassel, 6. Okt. (F. I.) Seit gestern ist in dem Stand der Dinge keine Veränderung eingetreten, es herrscht Waffenstillstand bis zum Eintreffen neuer Nachrichten aus Wilhelmöbad. Inzwischen war bis gestern Abend weder Herr Oetker in Freiheit ge, setzt, noch die Wachen auS den Druckereien zurückgezogen. In Betreff deS Erstern war indeß bereits gestern ein obergerichilicheS Mandat ergangen, welches ihm hoffentlich heute feine Freiheit wieder geben wird. Die Wachen in den Druckereien befinden sich ohne Instruktion, weßhalb ungestört fortgedruckt wird. In welcher Weise man den Kriegszustand zu handhaben beabsichtigte, ersehen Sie auS der folgenden, bereits gedruckten, aber in Folge der gestrigen Ereignisse wieder zurückgezogenen Haunau'fchen Bekanntmachung: „Alles Zusammenstchen und Zusammengehen von mehr als 5 Personen auf den Straßen und öffentlichen Plätzen wird hierdurch auf's strengste untersagt und sollen die Zuwiderhandelnden von dem Militär zum Auseinandergehen gezwungen und beziehungsweise verhaftet werden". — Ueber unser Offizierkorps, mit Ausnahme einiger räudigen Schafe, herrscht nur eine Stimme der Anerkennung und Achtung; in der ersten Reihe aber stehen: die GeneralmajorSV. Nr ff, Ge r l and und die Obrist- lieutenantS Hildebrand und Petri. Sie haben sich, wie im Jahre 1847, einen unvergänglichen Ruhm in der Geschichte unseres Landes erworben. — Ueber Haynau und seine Adjutanten schwebt
daS Damoklesschwert der Verhaftung, die alsbald vollzogen wird, wenn morgen von Wilhelmöbad keine günstigen Nachrichten eintreffen. — Mil der Deputation deS OberappellalionögcrichtS ist zugleich der Staatsprokurator Kersting nach Wilhelmöbad abgercist. Man will daraus den Schluß zikhen, daß der höchste Gerichtshof die Anklage und die Verhaftung der Minister beschlossen hat, zu deren Vollziehung Herr Kersting mitgereift sei. — Herr Oetker ist bis im Augenblick (Mittag 1 Uhr) noch nicht in Freiheit.
Karlsruhe, 3. Okt. (O.-P.A.-Z.) Nachstehend erhalten Sie eine zuverlässige Angabe über den der- maligen Bestand der königl. preußischen Besatzungstruppen in Baven : Infanterie: 17 Bataillone; 2 Jägerbataillone. Kavallerie: 15 Schwadronen. Artillerie : 3 Fußbatterien, 1 reitende Batterie, 2 Munitionskolonnen , hierzu noch die Festungsartillerie nebst Pionieren, endlich ein fliegendes Lazareth. Die Stärke der Mannschaft beträgt 17,930 Mann.
Unsern Ständen wird dem Vernehmen nach in einer ihrer nächsten Sitzungen ein Gesetz über die Geschwornengerichte vorgelegt werden.
Karlsruhe, 6. Okt. (M. I) AuS zuverlässiger Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß die großh. Staats-Regierung beschlossen hat, daö Guthaben der Herzogthümer Schleswig- Holstein sofort } u b.e ri 4 tige n. Möchten doch die übrigen Regierungen, welche noch im Rückstände sind, diesem Beispiele folgen!
Stuttgart, 4. Okt. Se. Majestät der König ist heute nach Friedrichshafen und Bregenz abgereist. — Nach der diesen Abend ausgegebenen deutschen Chronik hätte Slaatsralh Duvcrnoy den Abgeordneten Tafel, welcher jenen mit verächtlichen Namen belegte, auf Pistolen gefordert. Wir bezweifeln diese Angabe.
München, 5. Oktbr. (A. A. Z.) II. MM. König Mar und König Otto sind diesen Nachmittag zum Oktvderfeste hier eingetroffen, werden aber schon übermorgen nach Hohenschwangau zurückkehren, woselbst AUerhöchstdieselben dem Besuche Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich entgegensetzen.
Berlin, 5. Okt. Die gestrige 34. Sitzung deS provisorischen Fürstenkollegiums begann mit der Verlesung einer Note deS kaiserlich österreichischen KabinetS über die kurhessische Angelegenheit, sowie der diesseits darauf ergangenen Antwort. — Der Bericht des auS den Bevollmächtigten von Braunschweig und Nassau, den Herren Liebe und Präsident Vollpracht, sowie dem Vorsitzenden des Fürstenkollegiums bestehenden Verfassungsausschusses über die Weiterführung der Unionssache vom 15. Oktbr. an ist zwar noch nicht erstattet, jedoch, wie wir hören, bereits zur Erstattung reif. Berichterstatter ist Herr Legationsrath Liebe. Uebrigens ist, wie wir nachträglich bemerken, derselbe Ausschuß auch mit zwei bereits zur Erstattung fertigen Berichten über die kurhessische Angelegenheit beauftragt. Der erste, das Verhältniß KurhessenS zum BundeS- schievsgcricht betreffend, hat Hrn. Präsident Vollpracht, der andere, über daS Rechtsverhältniß Kur- Hessens zur Union überhaupt, Hrn. LegationSrath Liebe zum Verfasser.
Berlin, 5. Okt. In der „Lith. Korr." heißt es heute: Die preußische Regierung beharrt bei ihren im Angesicht der Nation gegebenen Erklärungen, sie wird sich der von der Bundesversammlung getroffenen Entscheidung nicht fügen. Wenn auch, wie heute wohlunterrichtete Personen meinen, die in Frankfurt vertretenen Regierungen in Rücksicht auf die ernsten Erklärungen Preußens sich bereit finden lassen werden, Herrn Hassenpflug fallen zu lassen, wenn damit der Bruch mit Preußen vermieden würde, so kann doch die preußische Regierung, so sehr sie ihre Friedensliebe zu vokumentiren bereit ist, sich nicht damit zufrieden geben, daß man eine Person aufgibt, wenn man nicht gleichzeitig die seitens der koalisirten Regierungen Preußen gegenüber eingenommene feindliche Stellung mit ihren Entscheidungen von „Bundes wegen" fallen läßt. Ohne diesen Wechsel der von den koalisirten Regierungen inne gehaltenen Politik ist eine völlige Ausgleichung nicht möglich, wenn auch das Verschwinden Hassenpflugs vom Schauplatz sicher ein gewichtiger entgegenkommender Schritt wäre.
Berlin, 5. Okt. Das Paderborner Korps hat eine neue Verstärkung durch daS 4. Jägerbataillon , zu erwarten. Dasselbe steht in Halberstadt und hat Befehl erhalten, marschfertig zu sein. Die Garnison von Aachen ist bereits am 28. Sept, zu jenem Korps abgerückt. Die Konst. Korr, bestätigt jetzt gleichfalls die mehrfach gemeldete Nachricht von der Verlegung der badischen Truppen nach Westphalen. Auch die noch auö Baden zu erwartenden Truppen werden dort stationirt werden. Die hannoversche Regierung hat den Durchmarsch der Truppen auf den preußischen Etappenstraßen gestattet, und sie haben theilweise den Marsch bereits angetreten.
Ueber den Inhalt der mehrfach besprochenen russischen Note an das österreichische Kabinet versichert die N. Pr. Z. „aus zuverlässiger Quelle", daß Rußland darin auöipreche, es werde für den Fall einer zwischen Preußen und Oesterreich aus- gebrochenen Streitigkeit sich auf die Seite dessen stellen, welcher den Verträgen von 1815 am nächsten stehe. Die Nachricht, daß Bayern, Würtem- berg, Hannover und Sachsen einen gemeinsamen Protest gegen jede Spezialverhandlung zwischen Oesterreich und Preußen in Betreff einer Neugestaltung deS Bundes vorbereiteten, wird von der Nat.-Ztg. mit gutem Grunde bezweifelt, da im Augenblick gar kein Grund zu einer solchen Demonstration vorliegt.
Hamburg, 3. Oktbr. (W.-Z.) Wir t-eilen durchaus nicht die Verwunderung und das Achselzucken vieler Leute, daß eS mit der Einnahme von Friedrichstadt nicht so rasch gehen will, wie man eS sich vorgestellt haben mag und wie es jedenfalls sehr wünschenSwerth gewesen wäre. Von den größten Terrainschwierigkeiten wollen wir hier, als wohl allbekannt, nicht besonders reden, aber eines Faktums erwähnen, das bisher nirgends angedeutet wurde und doch sehr begreiflich ist.' Man weiß hier seit vorgestern, daß die sogenannte „vollständige Einschließung" von Friedrichstadt eine voreilige, unbegründete Meldung war, und daß die Besatzung jenes zur Festung gewordenen OrtS, wenn sie ihn räumen will, in nordwestlicher Richtung ihren Abzug nehmen.kann.
Bei Winnert sllht aber, so wird versichert, auch ein dänisches Korps, etwa 5000 Mann stark. Es dient den Dänen in Friedrichstadt als-Soutien und von da aus wird die Besatzung alle 24 Stunden durch frische Truppen ersetzt!! Einleuchtend ist die außerordentliche Bedeutung eines solchen Vortheils angreifenden Truppen gegenüber, die nun schon fünf Tage und Nächte an ihrem schwierigen Posten ausharren mußten, und nicht nur mit dem Feinde und dessen vortrefflicher Position, sondern auch mit der Ungunst aller Verhältnisse zu kämpfen haben. Indessen, die Energie und Ausdauer der Schleswig- Holsteiner, zu oft bewährt in den schwierigsten Lagen, darf uns auch diesmal zu frohen Hoffnungen berechtigen.
Süderstapel, bei Friedrichstadt, 3. Oktober. Ueber die Vorgänge des heutigen Tages kann ich Nachstehendes mittheilen: Nebel hinderte bis spät zu sehen, ermöglichte aber zugleich die Fortsetzung der Schanzarbeiten bis in größere Nähe der Stadt, welche während der Nacht angefangen waren^ Die Dänen zeigten wiederholt in ihren HauptwerkmG-- schütz, als die warme Sonne einen der schönsten Herbsttage heraufführte. Sie führten auch jenseits der Treene auf freiem Felde eine Granalbatterie auf, unsere Batterie auf dem Molder Deich nöthigte dieselbe aber, sofort abzufahren. Lebhaftes Gewehr- feuer wurde auf unsere in den Schanzgräben liegenden vorgeschobenen Posten gerichtet, ohne indessen zu schaden, ebensowenig störten die Geschütze die Wagen, welche Bretter heranfuhren zum Brückenschlägen über die Gräben hart vor der Stadt und in der Flanke deS Blockhauses und der dänischen Schanzen bei und hinter GreveShof.
Unsere Batterien schossen nur sehr wenig, die 12Pfündcr - Batterie auf dem diesseitigen Eiderdeich wurde gar nicht aufgefahren und auch nicht das schwere Geschütz, mit Ausnahme der 24- und 64- pfündigcn Mörserbatterie von Christiansen am jenseitigen Eiderufer, die einige Schüsse that. Morgen wird vermuthlich der Sturm beginnen, wobei es nicht ohne starken Blutverlust abgehen wird. Heute ist nur ein Mann gelobtet worden, und zwar in der Süderschanze, als der Stab darin war, welches der Feind bemerkt haben mußte, denn sofort richtete er Spitzkugeln dorthin, wobei v. d. Tann's Portepee auch gestreift und bedeutend lädirt wurde. Der Gefallene stand hinter ihm in dem bis auf daö untere Mauerwerk abgerissenen Fährhause.
Wir fügen aus den Blättern noch die folgenden Notizen hinzu: Ein Gerücht besagt, daß die Dänen über Husum Verstärkungen an sich gezogen und ein Feldlager bei Koldenbüttel , eine viertel Meile westlich von Friedrichstadt, aufgeschlagen haben sollen, von wo sie ihre Besatzung im letztgenannten Orte von Zeit zu Zeit ablösen. Unter den dänischen Truppen, welche am Montag Morgen wieder in größerer Stärke in Tönning eingerückt sind, ist eS seitdem stets sehr lebendig, indem Ab- und Zuzüge vielfach wechseln. Ihre dortige Stellung haben die Dänen am 2. Oktober durch 6 Kanonenboote nebst einem KriegSdampfer verstärkt, die sich im Laufe des TageS jedoch wieder mehr die Eider hinunter gezogen haben. Dies geschah jedoch nicht, ohne daß die Kanonenboote vorher ihre Geschütze hören ließen, um eine auf diesseitigem Ufer aufgepflanzte deutsche Fahne zu vertreiben Einige irrige Mittheilungen ■ über die bisherigen Vorgänge werden von den Hamburger Nachrichten berichtigt. Hiernach wären statt 14 Kanonen bis jetzt nur 3 Espignolen genommen. In Friedrichstadt kommandirt nicht Latour du Pin, sondern der Obristlieutenant Helgescn, ein geborner Norweger; er hat mehrere Jahre in Bergenhausen