Einzelbild herunterladen
 

ihrer ungelösten Opposition die Sache in die Länge ziehen, oder wohl gar den Vorschlag machen werde, die Preußen mit HeereSmacht aus dem Lande zu jagen. Die Sache ist übrigens einfach und man braucht kein Sozialist zu seyn, um auf den Gedanken zu kommen, daß eS billig wäre, wenn die StaatSgesell- schaft Tbeil nähme an den finanziellen Nachtheilen, die den Quartierträger treffen; während dir übrigen Belästigungen, die eine so langwierige Einquartie­rung gleich einer krebsartigen Krankheit dem größe- ren Theile deS Publikums verursacht, kaum sich auSgleichen mit den Nutzungen, die den Verkäufern von Lebensmitteln ic. zu Thil werden.

Auf dem platten Lande ist der materielle Scha­den weniger fühlbar; aber die Klagen über persön­liche Belästigung lassen auch hier sich vernehmen; und bald ist eS Eifersucht, bald etwas Anderes, waS die Pickelhauben zum wünscht. Wir unse­rerseits wünschen den Preußen alles Gute; doch möchten wir unsere Sympathien weit lieber schriflich ihnen nachsenden.

X* Herborn, 5. Okt. Vor nicht langer Zeit wurde in demWanderer" auf daS Verderbliche der K inderbettelei hingewiesen. Ein bald dar­auf in dem Hauptblatt erschienener Artikel billigte die Hinweisung auf daS Uebel und brachte zur Ab­hilfe die Errichtung von sogenannten Rettungs­häusern in Vorschlag.

So erfreulich dieser Vorschlag auch ist, so fragt sich doch, ob sich durch Realistrung desselben schnell und allseitig genug dem Uebel abhelfen ließe. Je­denfalls erfordert die Herrichtung eines RettungS- hauseS längere Zeit und wird immer nur eine be­schränkte Zahl von Kindern aufnehmen können. ES möchte darum zweckmäßig sein, schon jetzt und in allgemeiner Weise dem Uebel entgegen zu treten. Durch entsprechende Maßregeln von Sei­ten der Polizei, sowie durch zweckdienliche Beleh­rungen an die Kinder, deren Eltern und Vormün­der könnte meines Erachtens schon Viel ge­schehen. Es würde sich dadurch ein schönes und, wenn man will, auch neues Feld der Wirksamkeit für Lehrer und Geistliche bilden, daS ihnen zugleich Gelegenheit gäbe, mit ihren Gemeindegliedern in innigern Verkehr zu treten. Sollten sich indessen Einzelne finden, welche sich ungern das Recht der Unterstützung bedürftiger Kinder entziehen ließen, so könnten diese wohl leicht bestimmt werden, ihre Gaben in die Hände eines Mannes, dem sie Ver­trauen schenken, niederzulegen, oder sich diejenigen Kinder, welche der Unterstützung würdig und be­dürftig sind, bezeichnen zu lassen. Auf diese Weise könnten sie dem Zuge ihres HerzenS folgen und zugleich der zweckmäßigen Verwendung ihrer Gaben gewiß sein. Mag man jedoch Vorschläge machen, welche man will, jedenfalls scheint eS geboten, in dieser Rücksicht irgend Etwas zu thun; denn cs ist besser, Verbrechen verhüten, alS Verbrechen bestra­fen und es heißt auch hier:WaS ihr thun wollet, thuet bald"!

** Vom Westerwald , 2. Okt. WaS ich Ihnen neulich über das Nifterthaler-Eisenwerk schrieb, hat sich vollständig bewahrheitet, indem sich vor einigen Tagen eine Gesellschaft gebildet hat, welche dieses Werk, wenn auch vor der Hand erst nicht in seinem ganzen Umfange, betreiben wird. Die Thätigkeit auf demselben hat schon wieder begonnen und sind schon viele Hände in Bewegung gesetzt, welche die Vorbereitungen zum Betriebe treffen. Jedenfalls werden wieder einige Hundert Menschen dabei ihr Brod finden, waS für unsere arme Gegend von dem größten Einflüsse sein wird und überall eine freudige Aufregung hervorgebracht hat. Mögen so­wohl die öffentlichen Behörden , wie die Bewohner der Umgegend des Werkes durch Schutz und redliches Mitwirken zu den guten Absichten der neuen Ge, sellschaft, die mit vielen schwierigen Verhältnissen im Anfänge zu kämpfen haben wird, dazu beitragen, daß diese neu und unerwartet eröffnete Quelle deS Erwerbes nicht wieder bald versiege. Besonders wäre zu wünschen, daß die häufigen Diebstähle, mit denen daS Werk bisher heimgelucht wurde und wo­durch namentlich ohne erheblichen Vortheil für die Thäter, an den Maschinerien großen Schaden an- gerichtet wurde, mit aller Strenge untersucht und bestraft würden.

? Frankfurt, 6. Okt. Nach einer gestern ein- getroffenen telegraphischen Privatmittheilung an den Vorstand des Hilfskomite für Schleswig-Holstein, Herrn Dr. Var ren trapp, soll Friedrichstadt ge­nommen und die Besatzung von 3000 Mann ge­fangen sein. Daß diese Nachricht hier eingetroffen, ist sicher; auffallend ist eS jedoch, daß, wie Sie wissen, keines unserer Sonntagsblälter dieselbe, wenn gleich gerüchtweise, wieverbringt.

t* Frankfurt, 6. Okt. Es wird so viel poli­tische Kannengießerei getrieben; Vermuthung auf Vermuthung gehäuft; so mancher Halbunterrichte.'e tete gibt sich den Anschein, als wäre er vollkom­men eingeweiht; daß es mir Bedürfniß ist, aus dem Bereiche meines Wissens, meiner Wahrneh­mungen und Erfahrungen doch etwas positives

Ihnen mitzutheilen. Oesterreich hat, wie bekannt, in neuester Zeit eine Note an Preußen gerichtet. Deren Inhalt geht hauptsächlich dahin, daß Preu­ßen kein Recht habe sich in die kurhessische Angele­genheit und die Bundeöbeschlüsse zu mengen; eben so gut alS eS in Baden, Sachsen und in der Rhein­pfalz eingeschritten sei, eben so gut habe Kurhessen daS Recht, sich an eine ihm verbündete Regierung zu wenden; und man müsse eS für einen casus belli ansehen, wenn Preußen zu Gunsten einer Re­bellion entschreiten würde. Diese Note ist als der Ausdruck der Erbitterung anzusehen, den die Er­nennung deS Generals v. Radowitz in Wien her­vorgebracht , indem man dieselbe, Dank den unge­schickten Darstellungen der Gothaner, als ein "er# oberndes Auftreten und Eingreifen der Union an- zusehen veranlaßt wurde. Preußen erwiderter Von einem Bundestage wisse man nichts; die in Frank­furt tagende Versammlung habe nicht das Recht, im Namen von ganz Deutschland zu handeln, zu dem ganzen Deutschland gehöre auch Preußen, die­ses sei nicht vertreten; nach Art. 24 der Wiener Schlußakte könne nur von der Gesammtheit des deutschen Bundes ein giftiger Beschluß gefaßt wer­den, Preußen habe ein wichtiges Interesse, bei den Vorgängen in Kurhessen nicht ruhig zuzusehen. Diese hätten den Umsturz der Verfassung zum Zweck, Unruhen wären die nothwendige Folge davon, Preußen wolle keine Unruhen in Deutschland; Kur- Hessen sei, auch abgesehen von der Union, zu der eS de jure noch gehört, mitten in preußischen Staa­ten, die westlichen Provinzen können leicht von den Unruhen ergriffen werden; rücken Truppen in Kur- Hessen ein, so würde dadurch die Preußen zuständige Servitut der Etappenstraßen gefährdet. Die Ar­gumente der österreichischen Note in Bezug auf Sachsen, Baden und die Rheinpfalz paßten nicht. In Baden habe man daS monarchische Prinzip ge­wahrt der Erzherzog Reichsverweser habe die badische Regierung an Preußen gewiesen; daß sich Oesterreich angeboten habe, mit zu interveniren, käme nicht in Betracht, weil sich die bad. Regierung aus­schließlich an Preußen gewendet und nur von einer Macht unterstützt sein wollte; die diesfalls zwischen dem Prinzen von Preußen und dem Reichsminister geführte Korrespondenz ergebe daS deutlich. In Sachsen sei der König der Regierungsgewalt faktisch beraubt gewesen, die Revolution sei dicht an der preußischen Grenze gewesen. Hier habe man eben­falls nicht die Bundeöpflicht verkennen können. WaS die Rheinpfalz betrifft, so habe Bayern ausdrücklich die Hilfe Preußens angerufen, übrigens habe Preu­ßen, um in Baden zu interveniren, durch die Rhein- ] Pfalz durchmarschiren müssen, und dieser Durchmarsch habe genügt, die Ruhe herzustellen. In Kurhessen sei dagegen die Ruhe gar nicht gestört, und es müsse daher jede Einmischung zurückgewiesen werden Preußen hat wie bekannt, ein Observationskorps an die hessische Grenze aufgestellt, und hat somit seinen Entschluß die Intervention deS Bundestages nicht zu dulden, durch Wort und That bewährt. In den vom Bundestag zur Intervention beauf­tragten Ländern sind die Sympathieen der Bevölkerung gegen eine solche, und der Bundestag steht in Folge der von diesen Staaten abgegebenen Erklärungen so ziemlich isolirt da. Hannover hat nämlich er­klärt, es würde nur sehr ungern interveniren und wo möglich nur dann, wenn die Truppen anderer Länder mit dazu verwendet würden und ein öster­reichischer General als Kommandant der BundeS- truppen den Oberbefehl führte; auch würbe sich Hannover nur Derbeikiffen , die Zeughäuser und Kasernen mit seinen Truppen decken, und so daS BundeSeigenihum (!) zu wahren. Bayern hat die Pflicht zur Intervention anerkannt, weil es vom BunveStag dazu angewiesen wurde, es werde also einschreiten, jedoch nicht für Hassenpflug , sondern nur um die Revolution von seinen Grenzen abzu­halten. So viel über die kurhessiche Sache. In Bezug aus Schleswig-Holstein ist die Ratifikation der Friedens erfolgt. (Hr. v. Detmolb war in Hannover, um die Einwilligung zur Ratifikation z» betreiben und zu erlangen.) Dänemark will die Ratifikation in Berlin und Wien auswechseln las­sen, erkennt daher, obgleich ein dänischer Bevoll­mächtigter in Frankfurt auch mit tag t, den Bun­destag nicht als die gesetzliche Behörde für ganz Deutschland an. Die übrigen Maßregeln für Schleswig Holstein hat man vertagt, bas bequemste und beste Auökunftsmittel um Verlegenheiten zu entgehen! Gestern Abenv ist der Prinz von Preußen hier eingetroffen, aber nicht wie gewöhn­lich im Hotel de Russie, sondern im preußischen Gesandtschaftshotel abgestiegen. In Folge der Ab­berufung der österreichischen Bunbeskommiffarien ist den preußischen Kommissarien die Weisung zuge­kommen, bis auf Weiteres auf ihrem Posten aus­zuharren; wahrscheinlich dürften dieselben durch zwei den österreichischen im Range gleiche Kom­missarien ersetzt werden. Oesterreich war der Mei­nung, bei Abberufung seiner Kommissarien würbe alles von Frankfurt verschwinden, und der Bundes­tag könne sodann die Verwaltung des Bunves- EigenthumS übernehmen. Oesterreich scheint auch die Bundesmilitärkommission wieder Herstellen zu wollen. Die Geschäfte würden auf daS Kassen-,

Festungs- Und Marinedepartement beschränkt werden; die anderen fünf Abtheilungen würden aufhören. Als letztes Mittel zur Ausgleichung soll eine Thei­lung des VundeSeigenthums vorgeschlagen werden.

* Darmstadt, 5. Okt. Die erwartete Verord­nung über die Presse ist heute erschienen. Dieser soll die neue landständische Wahlordnung und später eine Verordnung über daS politische Verhalten der Staatsbiener folgen.

Alsfeld, 3. Okt. Ein Zwischenakt deS S lauff- G örlitz'scheu Prozesses hat hier gestern begonnen und heute auSgespielt. Wir hatten gestern Markt und zwar von bedeutender Frequenz. Unter den Verkäufern war auch ein Quincailleriehândlcr Na­mens Braun auS Winterberg im Sauerland da, der im Gasthaus zur Krone feil hielt. Zu ihm kam deS Morgens gegen 10 Uhr ein älterer Mann und bot ihm mehrere Juwelen, verschiedenen Schmuck, Bracelets, Brochen re. zum Kaus an. DeS Schmuckes war viel und derselbe kostbar, was bei Braun, der alS ehrlicher Mann bekannt ist, sogleich Verdacht erregte. Er entgegnete dem Verkäufer, er kaufe allerdings solche Dinge, könne sie aber nur dann tariren, wenn Ueberbringer ihm einige Stunden Zeit ließe, wenn derselbe etwa gegen 12 Uhr wie­derkomme, sie dann bald Handels einig werden würden. Der Alte, treuherzig gemacht, ging in die Falle, überließ an Braun sämmtlichen Schmuck sammt dessen Behälter, eine alte lederne Brieftasche. Braun, durch die Umstände neugierig gemacht, un­tersuchte den ganzen Inhalt derselben und fand dar­in zu seiner Ueberraschung einen Heimathschein von Heinrich Stau ff, Oelhändler. Sein erstes war nun, die Anzeige bei Gericht zu machen, sein näch­stes, ruhig zu Hause zu verweilen, während vom Gerichte in die angrenzenden Zimmer GenSdarmen postirt wurden, um Stauff Vater, die^treue redliche Seele, welche bei den Darmstädter Assisensitzungen gewöhnlich so gemüthlich schlummerte, zu greifen. Allein Stauff kam nicht um 12 Uhr, noch später; die Geschichte war vielleicht auögeschwatzt, oder er roch Lunte, kurz er kam gar nicht. Jetzt steckte die Gensdarmerie alle Segel aus, um den Verdächtigen der vielleicht AlSfelb schon verlassen, einzubringen. Der Gesammt-Schmuck aus sieben größeren Stücken befand sich nebst Brieftasche in Aufbewahrung des KronwirtheS. Da erschien im Hause ein Postillon und erzählte, Stauff, dem diese Dinge gehören, habe ihn so eben ersucht, er solle Herrn Braun sagen, dieser möge doch zu ihm kommen und ihm Geld oder sein Eigenthum zurückgeben. Auf Befragen, wo Stauff logire, wieS der Postillon auf daS ge­genüber liegende Haus und Stauff Vater sah.gKz verstohlen durch die Fensterscheiben nach Braunes Wohnung herüber. Was hierauf erfolgte, ergibt sich von selbst; Heinrich Stauff steht soeben, neun Uhr Morgens vor, Gericht und wird aus Nummer Si- cher gebracht.

Kassel, 4. Oktbe. Das Obersteuerkollegium hat aus dem Finanzministerium die Weisung erhal­ten, binnen 48 Stunden die Steuern auszuschreiben, und zwar unter Androhung einer Geldstrafe von 45 Rchsthlr. für den Direktor und von 30 RchSthlr. für jedes andere Mitglied.

Kassel, 5. Oktober. (O.-P.-A.-Z.) Gestern Vormittag fand die Aufstellung sämmtlicher dahier und in der Umgegend stationirten Truppen, ohnge- fähr 5000 Mann, auf dem Friedrichsplatz statt, ob­gleich am Abend zuvor allgemein gesagt wurde, die Parade sey wieder abbestellt worden. Der Oberbe­fehlshaber erschien zu Pferd, ließ nach dem Defiliren die Offiziere einen KreiS bilden und hielt eine leb­hafte Ansprache. Am Nachmittag ward, wie schon gemeldet, die Besetzung mehrerer ZeitungSpreffen zur Ausführung gebracht. Kurz nach 4 Uhr wurde der Redakteur derNeuen Hess. Zeitung", Oetker, von einem aus acht Mann und einem Offizier be­stehenden Detachement Husaren in seiner Wohnung verhaftet und in die Hauptwache am Author abge# führt. Obergerichtsanwalt Henkel sollte in seiner Wohnung verhaftet werden, war aber gerade in dem Stündeyause, woselbst der Ausschuß Sitzung hielt. Die mit der Verhaftung beauftragten Husa, ren verfügten sich vor das StändehauS, um Henkel beim Austritt zu arretircn. Auf erfolgte Einsprache von Seiten eines Ausschußmitgliedes wurde dem Vollzüge vorläufig Anstand gegeben. Gegen 6 Uhr wurde die Auslösung der Bürgergarde in den Straßen der Stadt unter Trommelschlag bekannt gemacht. Von da an waren starke Kavallerie- und Jnfanteriepatrouillen in Bewegung. Die Bürger­wehr ist dem Befehle zur Ablieferung der Waffen nicht nachgekommen. Die Ruhe wurde nicht im Mindesten gestört.

Kassel, 4. Okt. Das kurfürstl. Oberappella- tionögericht hat in seiner gestrigen Plenarversamm­lung beschlossen, daß die Verordnung vom 28. Sept, d. I. an dem bereits gefaßten Beschlusse, keine Stempel zu verwenden, nichts zu ändern vermöge, auch die von kurfürstl. Justizministerium bei Strafe von 30 Thlrn. für jedes Mitglied und von 50 Thlrn.