Haushalte läßt, so verschwindet diese Kalamität doch gegen die traurigen Aussichten, welche sich an die diesjährige Kartoffel-Ernte knüpfen. Fast überall ist diese, das Hauptnahrungsmittel hiesiger Gegend bildende Frucht als mißraten zu betrachten; denn die wenigen kleinen, schlecht ausgewachsenen und daher wenig NahrungSstoff darbietenden Knollen sind zum großen Theile noch von Fäulniß ergriffen und werden voraussichtlich nur höchst sparsam dem Bedarfe entsprechen, wenn die Krankheit die gebor, gene Frucht auch nicht weiter verderben sollte. Es wäre im öffentlichen Interesse sehr zu wünschen, wenn die Ergebnisse der Kartoffel-Ernte in den verschiedenen Theilen deS Landes bekannt gemacht und bei Zeiten Vorkehrungen getroffen würden, die unausbleiblichen üblen Folgen abzuweudcn, welche diejenigen Gegenden offenbar bedrohen, wo diese Frucht in so hohem Grade wie bei uns mißrathcn ist.
t * Frankfurt, 4. Oft. Von Berlin ist abermals eine Note in der kurhessischen Angelegenheit an Herrn v. Thiele eingegangen und von Vielem bereits in WilhelmSbad abgegeben worden. Eine zweite Note ging gleichzeitig nach Wien ab. _ Die Aufforderung an Bayern in Kurhesscn einzurucken, ist vom Bundestage sicherem Vernehmen nach nicht gestellt worden.
Frankfurt, 4. Oktbr. (F. I) Gestern hat die Bundesversammlung auch ihrer SeitS den deutschdänischen FriedenSvertrag ratifizirt und zwar ohne Vorbehalte. Die Hannover'sche Regierung hatte am längsten gezögert; indessen hat die persönliche Anwesenheit deS hannovcr'schen Bundestagsgesandten, Hrn. V. Detmold , die dortigen Bedenken zu besei- gen vermocht. DaS von dem k. dänischen Bundes« tagSgcsandten, Hrn. v. Bülow, beantragte Jnhibi« lorium ist von der hohen Bundesversammlung nicht zur Erwägung gezogen. Man hat beschlossen, die Ratifikationen in Wien auswechseln zu lassen. ES erhellt auS diesen Thatsachen, daß die auswärtigen Mächte in keiner Weise gesonnen find, die Bundesversammlung als das rechtsgültige Organ deS deutschen Bundes anzuerkennen , indem selbst Dänemark die Ratifikation des Vertrags theils in Berlin, theils in Wien auszutauschen für angemessen erachtet hat.
Darmstadt, 3. Okt. (O.-P.A.-Z.) Nach verschiedenen Mittheilungen der „Darmst. Z." sowohl, als auch deS „Mainz. Journals" soll sich ein außerordentlicher Eifer in der Entrichtung der Stenern in den drei Provinzen deS GroßherzogthumS kunv geben.
Fulda, 3. Okt. (O.-P.-A.-Z.) DaS hiesige Obergericht hat in einer abgehalienen Plenarsitzung abermals seinen festen Entschluß ausgesprochen, eine Einwirkung der neuesten Verordnung vom 28. v. Mts. auf seine Kompetenz nicht anzuerkennen, letztere vielmehr nach wie vor in ihrem vollen Umfange auözuüben.
Kassel, 3. Okt. ES hieß heute Abend allgemein, Haynau habe gegen den Herrn Seidler ein kriegsrechtliches Verfahren einleiten und ihn verhaften lassen wollen, doch hätten sämmtliche Auditeure sich geweigert, daran Theil zu nehmen. In wie weit die letztere Nachricht begründet ist, weiß ich nicht. Thatsache aber ist eS, daß Haynau allerdings beabsichtigte, Hrn. Seidler zu verhaften und vor ein Kriegsgericht zu stellen. Dem Bataillonskommandeur Eggena ist heute Abend mit der Ernennungsordre zugleich der Befehl ertheilt, sich morgen Vormittag 9 Uhr in Gemeinschaft sämmtlicher Bür« gerwehroffizicre bei'm General Haynau einzufinden. Doch wird Niemand dem Befehle Folge geben. Die Auflösung der Bürgergarde steht demnach zu erwarten. Sie wird erfolgen ohne Widerstreben. Denn Gegenwehr würde^ Blut fordern, und^daS will Niemand.
Hannover, 2. Okt. (Z. f. N.) Wie es schon gestern gerüchtweise in bet Statt hieß und wir heute auS guter Quelle ziemlich positiv vernehmen , so stände eine erfreuliche Aenderung der Haltung unserer Regierung in der hessischen Frage zu erwarten. Wir hören nämlich, daß Hr. Detmold bei seiner Theilnahme an dem sogenannten BundeSbeschluff vom 21. Sept, ohne Instruktionen gehandelt habe; die Instruktion für diesen besonderen Fall sei unter» wegS gewesen, aber zu spät gekommen"; in Folge dessen s i nun Hr. Detmold, wie Einige sagen, ab- berufen, nach Anderen: hieher berufen worden.
Berlin, 1. Oktober. (Nat.-Z.) Wenn man tmmer von Neuem die militärischen Zurüstungen steht, ohne daß Folgen eintreten , dann wird es zu einer Pflicht, der ungeheuren Kosten zu gedenken, durch die in Fo^x davon daS Volk belastet wird. Man sagt unS, daß die einst für unvorhergesehene kriegerische Ereignisse von den Kammern bewilligten 18 Millionen Thaler vollständig verausgabt seien und daß bei einer Fortführung der gegenwärtigen Politik bald wieder extraordinäre Geldbeschaffungen werden nothwendig werden. Wir sind doch begierig zu erfahren, wie man alle diese Ausgaben zu mv« ttviren versuchen wird.
Berlin, 2. Oki. (C. Z.) Der RegierungSrath D ellbrück ist aus Kassel zurückgekehrt und hat gestern in einer im Handelsministerium anberaumtcn Konferenz einen Bericht über die Angelegenheit deS ZollkongreffeS erstattet. — Der nächste Philosophen- kongreß wird in Erlangen stattfinden.
Kiel, 1. Okt. Die LandeSversammIung hat am 1. Okt. die Berathung der Amnestiesrage begonnen, nachdem der Präsident dem Andenken deS Abg. Vollcrtsen, der so eben vor Friedrichstadt den Heldentod gefunden hat, einige bewegte Worte gewidmet hatte, bei deren Schluffe die ganze Versammlung sich erhob. Der Ausschuß für die Amnestiefrage hat in seiner Mehrheit die motivirte Tagesordnung, in der Minderheit die Erlassung einer Amnestie für politische Vergehen mit Ausnahme der LandeSverräther beantragt. Die Debatte ward nicht zum Schluß gebracht.
Kiel, 1. Oktbr. Die Dänen sollen bedeutende Verstärkungen herangezogen haben; namentlich bei Husum soll sich eine bedeutende dänische Macht zu- sammenziehen. — In der Gegend von Mielberg hat gestern ein kleines Kavalleriegefecht stattgefunden, wie deren in der letzten Zeit öfter statlgefun- den haben. (N. fr. Pr.)
Von den 80 Deputirten unserer Versammlung gehören 35 zur Linken. Es sind unter diesen 8 Advokaten, 8 Landleute, 4 Schullehrer, 3 Prediger, 3 Literaten, 2 Gutsbesitzer, 2 Privatdozenten, 1 außerordentlicher Professor, 1 Arzt, 1 Kandidat der Theologie, 1 pensionirter Beamter, 1 Handwerker. Die Stärke deS Zentrums und der Rechten, welche zusammen über 45 Stimmen zu verfügen haben, läßt sich einzeln nicht genau angeben, da beite gewöhnlich zusammen stimmen. Sie bestehen größten- iheilS auS Gutsbesitzern, Beamten und Landleulcu. Charakteristisch für die Versammlung ist daS Faktum, daß der ganze gewerbtreibende Bürgerstand nur einen einzigen Vertreter, den Zimmermeister Riepen, in derselben zählt.
Altona, 3 Okt. (Telegr. D. d. Wes. Ztg.) Friedrichstadt wird noch immer beschossen. — Tönning ist entweder in den Händen der Dänen oder doch von unsern Truppen nicht besetzt.
Rendsburg, 1. Oktober. Der General von Willisen befindet sich mit der Hauptarmee zwischen Breckendorff und dem Wittensee und erwartet eine Bewegung deS feindlichen Zentrums , während Oberst v. Gerhard mit der Avantgarde in der Nähe von Helligstedt zwischen dem Zentrum und linken Flügel steht und den Feind beobachtet, um, falls derselbe eine Abtheilung nach Westen dirigiren sollte, diese sogleich anzugreifen; auch der Generalstab hat heute früh die Festung verlassen und sich in die Nähe des Kampfplatzes begeben.
Posen, 30. Sept. Endlich scheint unsere politische Differenz mit Oesterreich doch einen ernsthafteren Charakter annehmen zu wollen, sey dieß nun in Felge der letzten Wiener Note oder in Folge der Ernennung deS Herrn von Radowitz zum Minister des Auswärtigen; genug, seit wenigen Tagen surftet daS Gerücht, das hier in Garuson stehende fünfte Armeekorps werde mobil gemacht werden.
Wien, 28. Sept. Für Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien und Slavonien ic. ist die ministerielle Entscheidung erfolgt, wonach als Geschäftssprache zwischen dem Ministerium und den Kronlänbern durchgehends die deutsche Sprache angenommen werden muß; daher alle Bemlc, welche derselben noch nicht mächtig sind, in der kürzesten Zeit dieselbe erlernen müssen, und bei Besetzung neuer Stellen, welche die Aufgabe haben, mit dem Ministerium in direkte Berührung zu treten, auf die Kenntniß der deutschen Sprache Rücksicht genommen werden muß. Es kann nicht fehlen, daß diese Maßregel, welche bereits in die betreffenden Kronländer abgegangen, große Mißstimmung hervorrufen wird.
Wien, 29. Sept. (Schw. M.) In den best- unterrichteten Kreisen will man mit Bestimmtheit wissen, daß binnen Kurzem eine Kollcklivnote mehrerer europäischer Großmächte an Preußen ergehen werde, worin dasselbe vor jedem „bundeSgesetzwib- rigen" Schritte in der kurhessischen Angelegenheit gewarnt wird und nicht undeutlich die Erklärung enthalten seyn soll, daß im Falle, daß Preußen sich zum Vertreter der Revolution aufwerfen sollte, dieselbe dennoch überall und gegen jedermann bekämpft werden würde.
Wien, 29. Sept. (A. Allg. Z.) Die neuesten Ordonnanzen in Toskana haben hier einen sehr un» angnehmen Eindruck hervorgebracht. Nach Aeußerungen, welche in unsern Salons gefallen sind; hatte man den fortgesetzten Abmahnungen kein Gehör geschenkt; römische Vorstellungen scheinen indessen den Entschluß dort zur Reife gebrocht zu haben, indem der nachbarliche KonstitutionaliSmuS als gefährdend für den Kirchenstaat betrachtet wurde.
Großbritannien.
London', 1.' Oktbr. Dem „Morning-Herald" wird auS Konstantinopel mitgetheilt, daß Soliman Pascha, der seitherige Großadmiral, alS Botschafter nach Paris gesandt und in dem Oberbefehl über die Flotte durch Mahmud Pascha ersetzt werden soll; Fürst Kallimaki, der seitherige Botschafter in Paris, würde nach Konstantinopel zurückberufen und mit der Leitung der Angelegenheiten von SamoS betraut werden. Den ungarischen Flüchtlingen in Kiutaja ist die Erlaubniß ertheilt worden, daS türkische Gebiet zu verlassen, sobald die für ihre Jnternirung angesetzte Frist abgelaufen sein wird. Kossuth soll darum nachgesucht haben, seinen Aufenthalt in Konstantinopel nehmen zu dürfen, der Divan aber, wegen möglicher Erplikationen, die daraus entstehen könnten, noch schwanken, ob er diesem Gesuch entsprechen solle. Murat Pascha, General Bem, hat die Erlaubniß erhalten, seinen Aufenthalt in Bussa zu nehmen; er findet sich gegenwärtig zu Aleppo; er leidet sehr an den Folgen seiner Wunden.
Aus den Mittagsposten
Frankfurt, 4. Oftbr. Die Kasseler Ztg. versichert, daß hier eine Note auS Wien eingetroffen fY, worin sich die österreichische Regierung „auf'ü Entschiedenste" gegen die vom preußischen Ministerium in den bekannten Noten gegenüber der kurhessischen Angelegenheit eingenommene Stellung auSspreche.
* Wilhelmsbad, 4. Okt. Auf eine mündliche Erklärung deS f. Preuß. Geschäftsträgers am knr, fürstlichen Hofe in Betreff einer in Aussicht gestellten Intervention Preußens in Kurhesscn hat der Vorstand deS kurfürstlichen Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten in einer Note vom 23. September der f. preußischen Regierung die zuver- sichtlliche Erwartung ausgesprochen, daß die königl. Preuß. Regierung in Anerkennung der Grundgesetze deS Bundesrechts sich nicht zu einer selbstständigen Intervention in die kurhessische Angelegenheit bewogen finden, und daß namentlich ein militärisches Einschreiten nicht flaftfinben werde, gegen welches, ohne vorhergehende diesseitige Requisition, als dem Bundesrechte zuwider, die kurfürstliche Regierung die entschiedenste Verwahrung cinlegen müßte.
Kassel, 3. Okt. (N. H. Z.) Der so eben hierher versetzte VerwaltungSbeamte Müller aus HerS- felb ist, wie wir vernehmen, heute Morgen mit dem Befehle des „Oberbefehlshaber" angewiesen worden, bte Pressen der N. Hess, Zeitung mit Beschlag zu belegen und daS Forterscheinen dieser Blätter zu verhindern. Herr Müller ist indeß sofort krank geworden, ein i hn staub, der ihn verhindert hat, chen Befehl slu^u süßten. — Sicherstem Vernehmen nach ist auch den Pensionären der höchstftligen Kurfürstin die Auszählung ihrer Pensionen aus der Staatskasse verweigert worden.
Kassel, 4. Okt. Nachmittags 3 Uhr. (Tel. Dep. v. Fr. I.) Unsere B ü rgergarde wurde heute aufgelöst; ihre Waffen sollen bis heule Abend 6 Uhr abgeliefert sein.
Die Presse der „Neuen Hess. Zeitung" ist von einer Abtheilung kurfürstlicher Husaren und die der „Hornisse" von einer Artillericabiheilung besetzt worden. Nachschrift. Dem Vcnehmcn nach ist der Redakteur der „Neuen Hess. Ztg.", ObergerichtSan- walt Oetker, soeben verhaftet worden. (N. H.Z)
Dessau, 1. Oft. (Allg. Z.) Von den zur Zeit anwesenden Mitgliedern deS Zentrums, also von der Majoritätspartei deS kesfiru - köthen'^chcn vereinigten Landtags ist dem Gesammiministcrium eine Zuschrift persönlich überreicht worden, worin dasselbe ersucht wird, „bei den übrigen UnionS- .Regierungen nach Kräften dahin zu wirken, daß der verfassungsmäßige Zustand in Kurhesscn baldmöglichst wieder hergcstcllt und jeder Intervention von Seiten eines der Nation nicht beigetretenen StaateS vorgebeugt werde."
Berlin, 4. Oft., Mittags. (Tel. Dep. d. Köln. Ztg.) Der „GonstitutionrÜen Zeitung" ist der postoebit entzogen worden.
Berlin, 4. Oktober. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Auf den Wunsch der badischen Regierung werden die badischen Truppen, die jetzt in der Mark untergebracht sind, und die noch auS Baden zu erwar« 1 teilten nach Westphalen verlegt.
Berlin, 4. Okt. (N. Pr. Ztg.) In Bezug auf die Gefion sind sofort nach dem Tage von Eckernförde preußischer SeitS Unterhandlungen mit Däne, mark eingeleitet worden. Wir erfahren, daß Rußland seine Vermittlung angeboten hat, die auch von beiden Seiten angenommen worden ist. Von einem Entscheid in dieser Angelegenheit ist zur Zeit noch keine Rebe und waS in andern Blättern über den Verlauf der Unterhanblungcn gesagt worden, ist müssige Erfindung.