trachte den von der preußischen Regierung in der kurbessischen Frage eingenommenen Standpunkt als einen gegen die Bundesversammlung gerichteten, unv werde in diesem Sinne, nach gepflogener Be« rathuug mit der Bundesversammlung, diese Note beantworten, wenn eS in diesem Augenblick nicht schon geschehen sei. Hr. Hassenpflug kommt fast täglich von WilhelmSbad hierher und die Repräsen- lauten der Regierungen deS Bundestages sind in häufiger Berathung begriffen.
Darmstadt, 2. Okt. (O.-P.-A.-Z.) AuS den drei Provinzen des GroßberzogthumS gehen täglich Berichte ein, welche den Eindruck bekunden, den die S t e u e r ve rw ei gerung im Lande hervorgcbracht hat. Uebereinstimmend spricht man sich dahin auS, daß die Demokratie durch die mit den Haaren herbeigezogene Steuerverweigerung ihrer eigenen Partei die entscheidende Niederlage beigebracht hat, von der sie sich in unserm Lande wohl schwerlich erholen dürfte. Daß die Regierung nunmehr gemeint ist, mit aller Entschlossenheit vorzugehen, ergibt sich deutlich genug auS dem Manifeste des Großher- zogS; indessen wird schon in wenigen Tagen eine Reihe von Verordnungen erfolgen , welche geeignet erscheinen, die Erhaltung der Ordnung dauernd zu sichern. Nächst der Verordnung bezüglich der Aufhebung aller politischen Vereine, erwartet man noch im Laufe dieser Woche eine weitere Verfügung, welche die Preßvergehm der Kognition der Geschwornengerichte entzieht. Den beiden in Rede stehenden Verordnungen dürfte ein neues Wahlgesetz erfolgen.
Kassel, 29. Sept. (D. Allg.Z.) Die Zoll- konferenz wird sich auf eine Woche vertagen und mehrere der Commissäre werden sich nach Hause begeben, um die Endinstruktioncn ihrer Regierungen einzuholen. Man vernimmt, daß die preußischen Vorschläge vorläufig durchgehen; doch bleibt die Einwilligung Braunschweigs noch offen und die prinzipiellen Bedingungen SachsenS' sind noch zu beseitigen. Ob die Minister dieser Staaten ihre eigene Meinung aufgeben werden, um Hrn. v. d. Heydt zu befriedigen, ist noch zu erwarten.
Kassel, 2. Okt. (D. Allg. Z.) Leider habe ich zu melden, daß die Cholera bei uns immer stärker (luftritt und baß sie vorzüglich beim Militär bereits viele Opfer gefordert hat.
Von der weimarisch-hessischen Grenze, L Okt. Die zur Besetzung der kurhess. Grenze bestimmten preußischen Truppen scheinen in Eilmärschen zu kommen, denn schon trifft ein Bataillon derselben morgen in Eisenach ein, wie die heute dort ange, kommenen Quartiermacher melden. Aber auch die befreundeten Bundesregierungen scheinen nicht zögern zu wollen; denn gleichzeitig ist auS dem an Bayern grenzenden Eisenacher Oberlande die Nachricht angelangt, daß die dasigen fränkischen Landgerichte die Anweisung erhalten haben, so schnell alS möglich Auskunft darüber zu geben, wie viel Kavallerie in jenem Landesstriche untergebracht werden kann. — Offenbar hat diese die Bestimmung, in das nahe Fuldaische einzurücken. — Einige großdeutsche Blätter scheint die Nachricht von einer Einberufung der Beurlaubten in Thüringen Behufs der vom UnionS- vorstand angeordneten Jnspizirung der dasigen Kontingente sehr beunruhigt zu haben, und sie haben sich daher sehr beeilt, auS Thüringen zu melden, daß jene Nachricht unbegründet sey. In Thüringen selbst zweifelt man jedoch nicht an der Wahrheit derselben, da die offiziellen Organe, z. B. die „Weimarische Zeitung", sie gebracht, und der betreffende preußische General, Herr Messenhauser, bereits für die nächste Woche seine Ankunft angezeigt hat.
Stuttgart, 2. Okt. Morgens. (F. I.) So eben werden die seiner Zeit der hiesigen Bürgerwehrartillerie aus dem kgl. Arsenal überlassenen 6 Kanonen, welche man damals nur für den Fall der Noth zurückzuverlangen zusagte , auf Befehl deS Kriegs« Ministeriums von einer Artillerieabtheilung abgeholt und wieder inS Zeughaus nach Ludwigsburg gebracht, da dieser Fall der „Noth" nach der Behauptung deS Kriegsministeriums eingetreten sei. Unter der hiesigen Bürgerartillerie herrscht darüber eine höchst gereizte Stimmung und es dürfte wohl die Selbstauslösung derselben eine Folge dieses Aktes sein, wenn, was unwahrscheinlich, nicht die Stadtgemeinde durch Anschaffung eigener Kanonen ln'ö Mittel tritt. Dieß und die Reise des Königs an den Bodensee zu einer Zusammenkunft mit dem Kaiser von Oesterreich und dem König von Bayern gibt zu allerlei Gerüchten Anlaß, die ich vorerst übergehe. Doch scheint eine Krisis bei uns immer näher zu rücken.
Berlin, 1. Okt. Die preußische Regierung soll beschlossen haben, das Provisorium der Union fort« dauern zu lassen, weil nur dadurch die Idee der ursprünglich gewollten Union festgehalten werden könne. * Die Ansicht des Hrn. v. Radowitz ist jetzt wie früher, daß die Union die der Zeit und der
Nation gemäßeste Einrichtung ist, und daß dieS früher oder später cingesehcn und anerkannt werden müsse. Für -iese Zeit der allgemeineren Erkenntniß will man, wie eS scheint, mit dem Definiti« vum warten.
St. Annen, 29. Septbr. (N. Fr. Pr.) Ich schreibe hier unter dem Donner der Kanonen. Heute Morgen um 8 Uhr eröffneten unsere Truppen den Angriff auf Friedrichstadt von Stapelholn her längs der Chaussee und von dieser Seite mit schwerem Geschütz; der Angriff wurde mit einem Dampfschiff und 3 Kanonenböten von der Eider auS unterstützt. Um 9 Uhr standen unsere Truppen bereits vor dem Chausseehause nach Friedrichstadt hin, auch war gegen 10 Uhr eine feindliche Schanze am Eiderdeich genommen. Eine Abtheilung unserer Jäger und Infanterie (vom 1. Jägerkorps und 5. Bataillon) ungefähr 500 Mann stark war unter dem Schutz von 4 Geschützstücken bei Woldersum über die Eider gegangen; einer größern Abtheilung ,vom 6. Bataillon soll dasselbe bei Tönning gelungen sein, und drängten diese die Dänen auS Tönning, sie werden demnächst Friedrichstadt vom Westen her bedrohen. Die Kanonade von diesem Ufer und von den Kanonenböten dauert fort, die Unsrigen dringen auf der Sether Chaussee gegen Friedrichstadt vor und sind bereits im Besitz einer Schanze. Die Dänen scheinen die vor der Stadt aufgeworfenen Schanzen bis auf eine geräumt zu haben, jedoch sind sie noch im Besitz eines Blockhauses vor der Stadt. Die Stadt brennt an einer Stelle. Der Widerstand scheint hartnäckig; beim Schluß des Briefes nimmt die Kanonade zu von unserer Seite, das Feuer der Dänen nimmt ab. Im Ganzen scheint unsere Sache gut zu stehen.
St, Annen, 29. Septbr., Nachmittags. Ein Sturm gegen eine Schanze bei der Borkmühle ist mißlungen, und sind die Unsrigen mit einigem Verlust zurückgetrieben. Eine feindliche Kanone ist de- montirt; eins unserer Kanonenböte hat den Mast verloren unv sich zurückziehen müssen. Im Uebrigen steht das Gefecht und daS Kanonenfeuer dauert fort. In Friedrichstadt brennt eS an mehreren Stellen und scheint eS, daß die Dänen nur durch ein Bombardement auS der Stadt vertrieben werden. Da, gegen sind die Unsrigen im Besitz von Tönning und haben gegen 100 Gefangene gemacht. Wir haben dort keinen starken Verlust gehabt. Es rücken gegen Tönning augenblicklich Verstärkungen heran, indeß werden auch die Unsrigen verstärkt. — Friedrichstadt I ist noch nicht genommen, jedoch auch nichts verloren und das Gefecht dauert fort.
Kiel, 30. Septbr. (N. Fr. Pr.) Gestern hat auf unserm linken Flügel der Kampf wieder begonnen : Friedrichstadt ist angegriffen, doch hat der Angriff gestern noch kein vollständig entscheiden- deS Resul at geliefert. Die Stadt hat bekanntlich eine durch die Eider, Gräben und Deiche gestützte, von Natur schon sehr feste Lage; fünf von den Dänen sehr zweckmäßig angelegte Schanzen mußten den Angriff noch schwieriger machen. Wie es scheint, sollte derselbe bereits noch früher beginnen, doch blieben drei der von Rendsburg nach Friedrichstadt tranSportirten Geschütze unterwegs stecken, und der Angriff ward dadurch verzögert. Während der Nacht ward indeß Friedrichstadt gegenüber auf dem holsteinischen Ufer eine schwere Batterie aufgefahren und die Kanonade begann gestern Morgen. DaS Feuer der gegenüber am Fâhrhause belegenen dänischen Schanze ward sehr bald zum Schweigen gebracht. Unsere Batterie hatte, da ihr Feuer von den Dänen nur mit wenigen Schüssen erwiedert ward, keinen Verlust. Dagegen wurden drei unserer Kanonenböte, welche von der Eider auS den Angriff unserer Batterie unterstützten, auf daS Heftigste von dem feindlichen - Feuer begrüßt, welches sich vorzugsweise gegen sie richtete. Eins von ihnen gerieth kurze Zeit auf den Strand und hatte 1 Todten und 2 Verwundete. Gegen Mittag mußten sich indeß die Kanonenböte, da ihnen die Munition auSgegangen war, aus dem Gefechte zurückziehen. Inzwischen war auch von der Ostseile her der Angriff eröffnet. Am weitesten nach dieser Seite vorgeschoben befand sich eine dänische Jnfanterieredoule mit einem liefen Deicheinschnitt in der Fronte. Dieser Deicheinschnitt mußte unter dem heftigsten feindlichen Feuer ausgefüllt werden, ehe die Schanze mit Erfolg angegriffen werden konnte. AlS jene Arbeit nach einem nicht unbedeutenden Zeitaufwand bewerkstelligt war, wurden die Pallisaden der dänischen Schanze eingeschossen und ein Theil des 1. Jägerkorps, sowie deâ 5. Jnfan- teriebataillons nahmen die Schanze mit Bajonnet. Durch die Hitze der Verfolgung fortgerissen, stürmten sie alsbald gegen eine hinter der dänischen Jnfame- rieredoute gelegene, mit Artillerie besetzte größere Schanze vor. Von einem mörderischen Kartätschen« feuer' empfangen, mußten sie indeß zurückweichen. Gegen 50—60 Todte und Verwundete werden dabei auf dem Platze geblieben sein. Auf der Scther Chaussee dicht am Chausseehause waren von unserer Seite mehrere Geschütze aufgefahren, welche bis Nachmittag, ohne ihre Posilion zu ändern, feuerten. Schließlich tiraillirten unsere Truppen so nahe an
Friedrichstadt, daß sie mit den in Häusern der Stadt postirten dänischen Jägern bereits Kugeln wechselten.
Die Nachrichten vom Kampfplatze reichen (über Rendsburg) nur bis 2% Uhr Nachmittags, wo der Geschützdonner noch fortdauerte, v. d. Ta nn kommandirte die Expedition; eS ist nur eine Stimme darüber, daß unsere Truppen sich mit der ausgezeichnetsten Bravour geschlagen haben. Der Angriff wird, falls er gestern Abend noch zu keinem Resultate geführt haben sollte, heute Morgen fortgesetzt sein.
Leichter war eine gleichzeitig auSgeführte Unter, nehmung gegen Tönning. Bei Woldersum ging nämlich der Hauptmann Schöning vom 1. Jäger, korpS mit 2 Kompagnien unter dem Schutz zweier Kanonen über die Eider, rückte gegen Tönning vor und nahm dasselbe nach heftiger Gegenwehr der dänischen Besatzung. 70—80 Gefangene fielen hier in unsere Hände. Auch die Unsrigen waren nicht ohne Verlust; unter den verwundeten Offizieren werden die Namen von Gissa und Reimer genannt. Unter den Todten beklagen wir auch einen für uns besonders schmerzlichen Verlust. Der Abgeordnete zur LanbeSversammlung Gutsbesitzer V o l« lertsen von Freienwillen, ein bereits bejahrter Mann, aber von jugendlichem Feuer für die Sache der ^Freiheit beseelt, fand hier, von einer Kugel durch den Kopf getroffen, den Heldentod. Vollertsen hatte bereits den vorjährigen Krieg mitgemacht und war bei Kolding verwundet. Bei den Neuwahlen zur ersten ordentlichen Landesversammlung erwählte ihn Norderdithmarschen zum Abgeordneten. Er ver, ließ die Versammlung gegen daS Ende der vorigen Woche, um sich zur Armee zu begeben, und sollte also nicht wiederkehren. DaS Land wird sein Andenken bewahren.
Salzburg, 30. Sept. (Allg. Z.) So eben traf eine telegraphische Depesche des Statthalters auS Oberösterreich an den Statthalter in Salzburg ein, deS Inhalts, daß Se. Maj. der Kaiser Franz Joseph heute um 8% Uhr Morgens durch Kleinmünchen (1 Stunde seitwärts Linz) mit dem General- Adjutanten Grafen Grünne gereist ist.
Wien, 29. Sept. (Allg. Z.) Se. Maj. der Kaiser, dessen angeblich erfolgte Abreise nach Bregenz und Innsbruck sämmtliche Journale gestern berichteten, hat dieselbe um zwei Tage verschoben. Während ich Ihnen diese Zeilen schreibe, ist daS Ministerium bei Sr. Majestät versammelt, um Entschlüsse vielleicht von höchster Bedeutung zu fassen. Die jüngsten Nachrichten auS Deutschland haben hier tiefen Eindruck gemacht. Für unsere inneren StaatSverhältnisse kaum minder wichtig ist, daß die bedeutungsvolle Koalition der sogenannten altkonser- vativen mit der liberalen Partei Ungarns sich nach wenigen Tagen ihres Bestehens wieder gelöst hat, und der Riß nun viel stärker als früher geworden zu sein scheint.
Wien, 29. Sept. Erzherzog Albrecht hat die im Oktober beabsichtigte Reise nach Mainz wieder verschoben. Der Gouvcrncmentspalast befindet sich schon seit längerer Zeit zu seinem Empfang bereit.'
Frankreick
Paris, 1. Okt. In der legitimistischen Partei wird darauf hingcarbeitet, Hrn. V. Larochejaquelin zur Niederlegung seines Volksvertretermandats zu bewegen, daS ihm das Morbihan-Dcpartcment in der Bretagne wegen seines alten royalistischen Namens verliehen hat, obgleich er kein Bretagner ist.
Lola Montez ist wieder da! Sie hat die Eroberung deS Gesandten von Nepaul machen wollen, um denselben zu bestimmen, sie mit nach Indien zu nehmen.
G r o ß b r i t a n u i e n.
London, 30. Sept. Die Aufregung in Irland wächst zusehends. Man fürchtet blutige Auftritte. — Am Vorgebirge der guten Hoffnung werden großartige Vorbereitungen zu einer würdigen Vertretung auf der Industrieausstellung getroffen. — Der tür, kische Gesandte Amin Bey ist in Ne w-V ork an, gekommen. Er wurde vom Sekretär des Majors als „Gast der Stadt" empfangen und in die für ihn bereit gehaltene Wohnung im Hotel Astor House geleitet. Sein erster Besuch galt der Druckerei deS „New Nork Hcrald". — Für die nächste Präsidentenwahl nennt man als Kan-didatcn der WhigS: Hrn. Clay, Daniel Webster und General Scott, als solche der Demokraten: JameS Buchanan, General Caß, Commodore Stockton.
Italien.
Cagliari, 24. September. Vor drei Tagen stellte der hiesige Magistrat dem Erzbischof die Alternative, entweder seine Exkommunikation inner-